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Veröffentlicht am 28.06.2025

Schamloser Angriff auf die Tränendrüsen

Perlen
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Anfangs hat mir dieses Buch gut gefallen. Es erzählt wirklich anrührend von der kleinen Marianne, die ihr Mutter verloren hat als sie erst 9 Jahre alt war. Sie ist verstört, ihr Vater in Trauer, ihr kleiner ...

Anfangs hat mir dieses Buch gut gefallen. Es erzählt wirklich anrührend von der kleinen Marianne, die ihr Mutter verloren hat als sie erst 9 Jahre alt war. Sie ist verstört, ihr Vater in Trauer, ihr kleiner Bruder ein Baby. Das Trauma begleitet ihre ganze Kindheit. Das wird alles nachvollziehbar und poetisch geschildert, die Stimmung ist melancholisch und nachdenklich.

Als Marianne dann selbst erwachsen ist hat sie noch immer damit zu kämpfen und allmählich fragt man sich, warum ihr treusorgender Vater ihr nicht beizeiten psychologische Hilfe organisiert hat.

Das Geschehen kippt. Was als rührende Geschichte begann wandelt sich zu einem pathetischen tiefenpsychologischem Wust, ein wilder Potpourri aus vererbten Traumata und Schwangerschaftsdepressionen, Kindheitserinnerungen, alte Geschichten, Märchen, Gedichte, Halluzinationen. Ein Haufen fantasiebegabte Menschen halten Traditionen hoch, lieben Kunst und bauen eigenes Gemüse an.

Dieses Buch beginnt als zarte, anrührende coming of age Geschichte und endet als schamloser Angriff auf die Tränendrüsen. Ein Jammer.

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Veröffentlicht am 13.06.2025

Tolle Geschichte, in überbordendem Erzählstil

Atmosphere
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Es ist ein Jammer, das dieses Buch kein Blümchencover bekommen hat. Nie wurden Gefühle in einem Buch größer geschrieben. Es braucht große Blumen in Regenbogenfarben. Glitzer nicht, immerhin geht es um ...

Es ist ein Jammer, das dieses Buch kein Blümchencover bekommen hat. Nie wurden Gefühle in einem Buch größer geschrieben. Es braucht große Blumen in Regenbogenfarben. Glitzer nicht, immerhin geht es um coole Astronautinnen, aber diese Astronautinnen sind voller überströmender Gefühle und teilen sie uns gerne mit. Jede Menge Atmosphere in rosa Schattierungen.

Dabei ist die Geschichte grundsätzlich toll und startet sogar höchst dramatisch. Es gab einen Unfall auf der Raumfähre Discovery. Houston, wir haben ein Problem, und in Houston hat gerade Joan Goodwin Dienst in der Mission Control.

Wie tragisch das ist, dass ausgerechnet Joan gerade Dienst hat, erfährt man nach und nach in Rückblenden.

Mehrere junge Leute hatten sich für die Ausbildung zum Astronauten beworben, da runter auch Joan, eine Astronomin. Es ist in den 80er Jahren noch neu, dass auch Frauen ins Ausbildungsprogramm aufgenommen werden, da möchte sie unbedingt dabei sein.

Man begleitet sie und ihre Kollegen ein bisschen während der Ausbildung und das ist sehr spannend. Als Joan sich dann verliebt, gerät das Ganze leider aus dem Ruder. Riesengroße Gefühle in unendlichen Varianten werden ausgewälzt, bis man es nicht mehr hören mag. (Immerhin muss man den Einfallsreichtum der Autorin bewundern.) Dabei ist diese Liebe auch noch bittersüß, weil queere Liebe in den 80ern nicht sein kann, schon gar nicht innerhalb der Nasa. Das ist tragisch, aber endlose Wiederholungen illustrieren das Drama bis zum Überdruss.

Was sollen wir tun. Du musst uns verlassen. Du musst, du musst, ich bin mir sicher, du musst gehen. Willst du das? Willst du, dass ich gehe? Es muss so sein, das ist mir jetzt klar. Ich werde nicht zulassen, dass du alles aufgibt…uffz.

Ich habe dieses Hörbuch bis zum Ende gehört, weil ich wissen wollte, wie es ausgeht. Allerdings musste ich zwischendurch öfter mal Passagen überspringen, weil es unerträglich schwülstig wurde. Die Geschichte ist toll, nur der Erzählstil viel zu überbordend für mich.

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Veröffentlicht am 01.06.2025

Ein schöner Schmöker

Die Frauen von Cornwall
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Daphne du Maurier ist eine Autorin, deren Bücher heute alle als Klassiker gelten. Viele davon habe ich gelesen und geliebt. Dieses hier ist ihr Debüt, das zum ersten Mal vollständig ins Deutsche übersetzt ...

Daphne du Maurier ist eine Autorin, deren Bücher heute alle als Klassiker gelten. Viele davon habe ich gelesen und geliebt. Dieses hier ist ihr Debüt, das zum ersten Mal vollständig ins Deutsche übersetzt wurde. Es ist natürlich hoch interessant, das zu lesen, allerdings habe ich den Eindruck, dass die Autorin noch sehr jung gewesen sein muss, als sie dieses Buch schrieb.

Es geht um die Familie Coombe aus dem Küstenstädtchen Plyn in Cormwall, wo die Menschen eng mit dem Meer verbunden sind. Die Coombes betreiben eine Werft, einige Söhne fahren zur See und andere haben andere Pläne. Man begleitet diese Familie über vier Generationen und kann verfolgen, wie Janet Coombe ihre Liebe zum Meer und zur Natur an ihre Kinder weitergegeben hat. Es geht um Traditionen und Familienzusammenhalt, aber auch um Ehrgeiz, Besessenheit und Erwartungen, die nicht erfüllt werden. In dieser Familie ereignen sich so manche Dramen, während sich die Werft und der Schiffsbau auch weiterentwickeln.

Mit diesem Buch musste ich sehr kämpfen. Gar nicht mal mit der altmodischen Sprache, aber generell mit dem Pathos und der Betulichkeit der Figuren. Im Gegensatz zu späteren Werken der Autorin, wirkt dieses Buch reichlich romantisch verklärt. Natürlich muss man ein Buch in seiner Zeit sehen, aber dieses fromme Gutmenschentum und die Selbstverständlichkeit, mit der da Frauen in ihre Rolle gedrängt werden, ist schwer zu ertragen.

Das Ambiente wird großartig geschildert, aber die Figuren sind recht schematisch angelegt. Etwa bis zur Hälfte des Buches war da keine Figur, die ich glaubwürdig, sympathisch oder wenigstens interessant fand. Danach bessert es sich ein bisschen.

Der Biss, der feine Humor und die leise Gesellschaftskritik, die man aus du Mauriers späteren Werken kennt, fehlen hier komplett. Man merkt deutlich, dass die Autorin sich später weiterentwickelt hat, aber das ist ja auch interessant.

Insgesamt ist dieses Buch ein schöner Schmöker, eine dramatische Familiengeschichte mit viel Wind und Meer und einigem Geisterzauber.

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Veröffentlicht am 05.05.2025

Eher oberflächliche Gesellschaftsanalyse in schönem Erzählstil

Coast Road
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Für dieses Buch wurde Alan Murrin ausgezeichnet als »Newcomer of the Year« bei den Irish Book Awards 2024, das lässt aufmerken, genau wie all die begeisterten Rezensionen zu diesem Buch. Meins war es leider ...

Für dieses Buch wurde Alan Murrin ausgezeichnet als »Newcomer of the Year« bei den Irish Book Awards 2024, das lässt aufmerken, genau wie all die begeisterten Rezensionen zu diesem Buch. Meins war es leider nicht so.

Hier weiß man lange kaum worum es eigentlich geht. In einer irischen Kleinstadt in den 90ern leben verschiedene unglückliche Frauen, die man gründlich vorgestellt bekommt. Dolores Mullen ist schon wieder schwanger, dabei sieht sich ihr Mann lieber in der Nachbarschaft um. Izzy Keaveney möchte den Blumenladen zurückbekommen, dessen Pachtvertrag ihr Mann über ihren Kopf hinweg gekündigt hat. Und Colette Crowley ist der Skandal der Saison. Sie hatte ihre Familie für eine Affaire verlassen und ist zurückgekommen. Colette ist Schriftstellerin, Künstlerpack mit Allüren, das kennt man ja, die Gerüchteküche brodelt. Warum trifft sich eigentlich Izzy dauernd mit dem Pfarrer?

Man bekommt ein ausführliches Wer-mit-wem-und-warum erzählt, das grundsätzlich schön erzählt ist und den Mief der 90er mit irisch-katholischer Borniertheit plastisch demonstriert. Leider bleiben die Figuren dabei blass und schaffen es kaum, ihr Klischee zu verlassen. Von Izzy wird zum Beispiel öfter mal gesagt, sie wäre witzig. Sie macht allerdings im ganzen Buch keine einzige witzige Bemerkung. Man muss es als gegeben hinnehmen und erlebt es nicht mit.

Die Kinder pubertieren und machen Kinderprobleme, die Männer sind ignorant, wie Männer eben sind, Colette weiß, dass Alkohol keine Lösung ist und trinkt trotzdem. Mich hat das alles eher gelangweilt.

Im letzten Teil eskalieren die Dinge dann, plötzlich und unerwartet. Es gibt eine schockierende Überraschung, die alle aufwachen lässt, sogar die Leser. Und Izzy verkündet salbungsvoll die Moral von der Geschicht: Achte, was du hast und halt den Mund, wenn dich etwas aufregt, dann lebst du glücklicher. Echt? Ist das das Geheimnis glücklicher Ehen?

Dieses Buch wirft einige Themen auf, geht aber längst nicht so tief wie es könnte. Der schöne Erzählstil macht es ein klein wenig besonders. Einen Preis würde es von mir nicht bekommen.

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Veröffentlicht am 18.04.2025

Slapstickhaft bis absurd

Der Duft des Wals
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Für dieses Buch braucht man eine ganz spezielle Art von Humor. Ich fürchte, meiner ist es eher nicht.

Wir sind in einem Ferienparadies, das stinkt, weil ein Wal gestrandet ist. Dort wollten Judith und ...

Für dieses Buch braucht man eine ganz spezielle Art von Humor. Ich fürchte, meiner ist es eher nicht.

Wir sind in einem Ferienparadies, das stinkt, weil ein Wal gestrandet ist. Dort wollten Judith und Hugo eigentlich ihre Ehe retten, aber die stinkt ihnen auch. Töchterlein Ada stinken ihre Eltern. Alle zusammen stellen fest, dass ein Urlaub mit Nasenklammer kein richtiger Urlaub ist, während Waldemar der Hotelboy, Parfüm versprüht und das Zimmermädchen anschmachtet.

Wenn man möchte kann man darin schon einen gewissen Tiefgang und Symbolik finden, wenn man aber nicht danach sucht, liest man eine seltsame Geschichte mit jeder Menge Slapstickelementen, die im Verlauf zunehmend absurd wird. Da ist eine Flugbegleiterin im religiösen Wahn, ein Zimmermädchen mit Narkolepsie, Sex im Bällebad, Drogenrausch in der Tanzbar, oder eine Eule, die von einer Drohne gemetzelt wurde. Den Urlaub wünscht sich niemand, das Buch auch nicht unbedingt.

Dabei ist der Stil grundsätzlich ganz schön. Das Geschehen wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, was einen schönen Rundumblick ergibt. Das könnte hübsch sein, wäre die Handlung die Spur interessanter.

Das Hörbuch lesen verschiedene Sprecherinnen, denen jeweils eine Figur zugeordnet ist. Auch das hat Charme, konnte mich aber trotzdem nicht sehr für dieses Buch einnehmen. Es dauert 5 Stunden und 4 Minuten.

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