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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.10.2025

Atmosphärischer Kriminalroman

Lavender House
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„Lavender House“ von Lev AC Rosen entführt mich ins San Francisco der 1950er Jahre und verbindet geschickt einen klassischen Whodunit mit gesellschaftskritischen Themen. Denn in dieser Zeit waren queere ...

„Lavender House“ von Lev AC Rosen entführt mich ins San Francisco der 1950er Jahre und verbindet geschickt einen klassischen Whodunit mit gesellschaftskritischen Themen. Denn in dieser Zeit waren queere Menschen gezwungen, ihre Identität im Verborgenen zu halten. Im Zentrum steht das titelgebende Anwesen, das nicht nur der Schauplatz des mysteriösen Todesfalls ist, sondern auch der Zufluchtsort für die queere Wahlfamilie.

Die Geschichte beginnt mit dem Tod von Irene Lamontaine. Ihre Partnerin Pearl glaubt nicht wie der Rest der Familie an einen Unfall und engagiert den ehemaligen Polizisten Evander Andy Mills, um die Todesursache aufzuklären. Andy leistet hervorragende Ermittlungsarbeit und ich habe mal wieder festgestellt, wie gerne ich selbst miträtsele. Der Autor zeichnet Andy als vielschichtigen Ich-Erzähler, dessen persönliche Entwicklung und innere Konflikte dem Roman besondere Authentizität verleihen. Der Spannungsbogen ist straff gespannt und das bleibt er bis zum Ende, denn es werden nach und nach immer mehr Geheimnisse aufgedeckt.

Auch stilistisch hat mir Lavender House gut gefallen, denn ich mag die präzise Sprache und das feine Gespür des Autors für Zwischentöne. Die gesellschaftskritischen Aspekte hat er sensibel, aber unmissverständlich integriert. Auch der Titel wurde klug ausgewählt, der Hinweis auf die Lavendelehen zur Tarnung homosexueller Beziehungen springt direkt ins Auge.

Insgesamt hat mich „Lavender House“ durch die gelungene Mischung aus Krimi, Gesellschaftsroman und queerer Geschichte überzeugt. Das Buch ist nicht nur spannend und atmosphärisch dicht, sondern regt auch zum Nachdenken über gesellschaftliche Ausgrenzung und die Suche nach einem sicheren Zuhause an. Und das Ende mag ich sehr!

Fazit: Ein empfehlenswerter Roman für alle, die klassische Krimis mit Tiefgang und Diversität lieben.

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Veröffentlicht am 29.09.2025

Schwarzer Humor gepaart mit nachdenklichen Momenten

Horror-Date
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Tiefschwarzer Humor und ein angenehmer Schreibstil zeichnen dieses Kein-Thriller-Buch von Sebastian Fitzek aus. Ich muss gestehen, dass ich bisher noch keinen Thriller von ihm gelesen habe. Horror Date ...

Tiefschwarzer Humor und ein angenehmer Schreibstil zeichnen dieses Kein-Thriller-Buch von Sebastian Fitzek aus. Ich muss gestehen, dass ich bisher noch keinen Thriller von ihm gelesen habe. Horror Date hat mich mit einer ungewöhnlichen Mischung aus schwarzem Humor und nachdenklichen Momenten überzeugt. Der Roman präsentiert sich als ebenso humorvolle wie tiefgründige Auseinandersetzung mit den großen Themen Leben, Liebe und Tod. Im Mittelpunkt steht die ungewöhnliche Dating-Plattform „The Walking Date“, auf der todkranke Menschen die Chance erhalten, sich ein letztes Mal zu verlieben. Diese originelle Idee bildet den Rahmen für eine Geschichte, die gleichermaßen berührt und zum Lachen bringt. Sebastian Fitzek gelingt es, das ernste Thema Tod mit Leichtigkeit und Witz zu behandeln, ohne dabei den Respekt vor den Figuren zu verlieren.

Die Ausgangssituation ist besonders skurril. Julius, kerngesunder Erfinder der Plattform, übernimmt das Date seines kranken Freundes und muss sich als Schwerkranker ausgeben. Das sorgt für viele komische, aber auch tiefgründige Szenen. Ich war mir nicht sicher, ob diese Gratwanderung bewältigt wird, denn das kann auch schnell in Klamauk ausarten. Aber die komischen Szenen halten sich die Waage mit den tiefgründigen Szenen. Ich war nie peinlich berührt und ich mag Fitzeks Humor.

Somit hat mich Horror Date schmunzeln und lachen lassen, mich aber auch nachdenklich gemacht.
Das Buch ist leicht zu lesen. Die kurzen Kapitel und die überraschenden Wendungen sorgen für ein hohes Erzähltempo und kontinuierliche Spannung. Ich finde es gut, wenn man über ernste Themen humorvoll schreiben kann.

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Veröffentlicht am 12.09.2025

Freundinnen

Der Weg – Jeder Schritt könnte dein letzter sein
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Julia wird bald heiraten und ihre Freundin Nicky hat sich etwas Besonderes für Julia überlegt. Sie möchte mit ihr den Kungsleden in Schweden erwandern. Die Stimmung bei den ehemals besten Freundinnen ist ...

Julia wird bald heiraten und ihre Freundin Nicky hat sich etwas Besonderes für Julia überlegt. Sie möchte mit ihr den Kungsleden in Schweden erwandern. Die Stimmung bei den ehemals besten Freundinnen ist verhalten. Beide haben sich etwas aus den Augen verloren. Die Wanderung entwickelt sich schnell von einer harmlosen Unternehmung zu einem packenden Überlebensdrama. Die Natur wird dabei fast zu einem eigenen Charakter, der die Einsamkeit und Bedrohlichkeit der Situation intensiv spürbar macht.

Für mich war die Stimmung von Anfang an bedrückend und ich ahne ziemlich schnell, dass diese Wanderung nicht gut ausgehen wird. In Rückblenden erfahre ich viel aus Nickys Leben, aber auch über die Beziehung von Nicky und Julia. Diese Beziehung wird sehr vielschichtig dargestellt.

Der Spannungsbogen ist konstant straff gespannt, der Schreibstil von der deutschen Autorin ist packend und bildhaft vereinnahmend. Dadurch wird die düstere Atmosphäre und die innere Zerrissenheit der Figuren authentisch transportiert. Ich habe immer wieder gezweifelt, wem ich trauen kann und wie die Geschichte wohl enden wird.

Die Zusammenhänge erkenne ich erst ganz am Ende. Dann wird es auch heftig dramatisch und intensiv mit Wendungen, die ich nicht vermutet habe.

Fazit: Spannende Unterhalt mit unvorhersehbaren Wendungen und einem intensiven und dramatischen Ende

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Trauer und Hoffnung

Strandgut
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Benjamin Myers erzählt in „Strandgut“ die Geschichte von Bucky und Dinah, zwei Menschen, die auf unterschiedliche Weise vom Leben aus der Bahn geworfen wurden. Im Mittelpunkt des Romans steht zunächst ...

Benjamin Myers erzählt in „Strandgut“ die Geschichte von Bucky und Dinah, zwei Menschen, die auf unterschiedliche Weise vom Leben aus der Bahn geworfen wurden. Im Mittelpunkt des Romans steht zunächst die Reise von Bucky nach Scarborough, wo er auf einem Soulfestival auftreten soll. Bucky kann gar nicht glauben, dass er tatsächlich begeisterte Fans hat. Daneben nimmt die Trauer als allumfassende Kraft, die das Dasein verdunkelt – „wie ein Planet, der sich vor die Sonne schiebt“ einen bedeutenden Platz ein. Benjamin Myers beschreibt eindrücklich, wie Bucky nach dem Tod seiner Frau mit schmerzhafter Leere und Selbstzweifeln ringt. Die Trauer ist nicht einfach zu überwinden, sondern prägt jede Facette von Buckys Leben und Denken.

Gleichzeitig gelingt es dem Autor, die Schwere des Themas immer wieder mit trockenem, britischem Humor aufzulockern. In scharf beobachteten Dialogen und pointierten Bemerkungen blitzen Hoffnung und Menschlichkeit auf. Dinah, die zweite zentrale Figur, steht für die Möglichkeit des Neuanfangs. Mit viel Wärme und Authentizität begegnet sie Bucky, eröffnet ihm neue Perspektiven und wird zum entscheidenden Impuls, sich wieder auf das Leben einzulassen. Die Beziehung der beiden entwickelt sich behutsam und glaubhaft, ohne Pathos, aber mit gegenseitigem Respekt und Feingefühl.

Stilistisch besticht der Roman durch seine poetische Klarheit. Myers findet für komplexe Gefühle treffende, oft bildstarke Worte und zeichnet seine Figuren lebendig und nachvollziehbar. Besonders gelungen sind die inneren Monologe Buckys, die dessen Trauer, aber auch seinen schrittweisen Weg zurück ins Leben authentisch widerspiegeln.
Auch wenn die Erzählung mi
r streckenweise schwer auf dem Gemüt lastet, ist „Strandgut“ letztlich ein zutiefst menschlicher Roman über Verlust, Hoffnung und die Kraft der Begegnung. Das Meer dient dabei als Sinnbild für Sehnsucht und Freiheit und verleiht dem Roman eine besondere, melancholische Atmosphäre.
Fazit: „Strandgut“ ist ein einfühlsamer, vielschichtiger Roman, der die existenziellen Fragen des Lebens bewegend stellt und am Ende habe ich einen Hauch von Hoffnung gespürt.

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Veröffentlicht am 01.06.2025

Ein bewegender Generationenroman

Vor hundert Sommern
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Die Wohnung eines alten Menschen auszuräumen ist immer mit vielen Emotionen und Erinnerungen verbunden. Anja teilt sich die Aufgabe mit ihrer Tochter Lena und gemeinsam stoßen sie auf einige Familiengeheimnisse. ...

Die Wohnung eines alten Menschen auszuräumen ist immer mit vielen Emotionen und Erinnerungen verbunden. Anja teilt sich die Aufgabe mit ihrer Tochter Lena und gemeinsam stoßen sie auf einige Familiengeheimnisse. Und so begebe ich mich auf eine Zeitreise, die vor genau hundert Jahren begann.
Die Hauptfiguren des Romans, Lena, ihre Mutter Anja und die rätselhafte Großtante Clara, sind überzeugend und facettenreich dargestellt. Lena, die durch ihre rebellische und unangepasste Persönlichkeit auffällt, wird mit der Geschichte ihrer Vorfahren konfrontiert und entdeckt dabei die Konflikte und Geheimnisse, die das Leben ihrer Familie geprägt haben. Clara, eine junge Frau im Berlin der 1920er-Jahre, steht im Zentrum der Ereignisse in der Vergangenheit, als sie sich unbewusst in politische und persönliche Gefahren begibt, die weitreichende Folgen für sie und ihre Familie haben.

Die Handlung entfaltet sich spannend und emotional. Besonders bewegend ist die Darstellung der innerfamiliären Konflikte und der schwierigen Entscheidungen, die von den Figuren getroffen werden müssen. Gleichzeitig nehmen aktuelle Ereignisse der Gegenwart einen sehr großen Platz ein und Parallelen zur Vergangenheit werden leider sehr deutlich.

Der Schreibstil ist flüssig und lebendig und fängt die Atmosphäre der verschiedenen Epochen sehr gut ein. Das pulsierende Berlin der 20er Jahre, die düsteren Vorzeichen des Zweiten Weltkriegs und auch die Herausforderungen der heutigen Zeit – Katharina Fuchs lässt die Schauplätze und deren Stimmung lebendig werden. Sie beschreibt sehr detailliert und die Dialoge sind authentisch und glaubwürdig.

Die zentralen Themen des Romans – Familiendrama, Liebe, politische Verantwortung und das Überwinden von Generationenkonflikten – sind sehr gut miteinander verwoben. Der Roman regt dazu an, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie die Vergangenheit unsere Identität und unsere Lebensentscheidungen prägt.

Die Reise durch die Geschichte, auf die Katharina Fuchs mich geschickt hat, ist spannend und emotional. Auch wenn mir manche Themen aus der Gegenwart etwas zu viel waren, habe ich das Buch gemocht.

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