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Veröffentlicht am 18.06.2025

Deep Fakes

Reset
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Peter Grandl ist auch mit seinem neuen Buch „Reset“ wieder am Puls der Zeit.

Die KI wird immer perfekter, das merken wir tagtäglich. Gut vorstellbar also, dass es in naher Zukunft kaum mehr möglich sein ...

Peter Grandl ist auch mit seinem neuen Buch „Reset“ wieder am Puls der Zeit.

Die KI wird immer perfekter, das merken wir tagtäglich. Gut vorstellbar also, dass es in naher Zukunft kaum mehr möglich sein wird eine echte Nachricht von einem Fake zu unterscheiden.

Somit ist Peter Grandl‘s Horrorszenario, welches nebenbei bemerkt im Jahr 2024 spielt, eine Welt in der sämtliche Kommunikationskanäle mit Fakes überschwemmt werden leider durchaus realistisch. Schon die Eingangsszene in der ein Passagierflugzeug abgeschossen wird, ist mehr als gruselig. Die Welt ist so abhängig von Computern und hat die modernen Medien so vollständig in den Alltag integriert, dass man meinen könnte, es geht nicht mehr ohne sie. Da die Welt im Roman durch die massenhaften Deepfakes aber im Chaos zu versinken droht, denkt eine internationale Expertengruppe über einen Reset nach. Es scheint die einzige Lösung zu sein weltweit den Stecker zu ziehen. Eine riskanter Weg mit ungewissem Ausgang! Vielleicht ist auch ein Vernichtungsschlag gegen den Urheber des Computervirus ratsam. Auf jeden Fall drängt die Zeit.

Der Autor hat einen rasanten, packenden Schreibstil . Das Buch war beängstigend und spannend bis zum Schluss. Die Vielzahl der eingeführten Charaktere macht es dem Leser allerdings nicht leicht den Überblick zu behalten. Mir hat es geholfen, dass die wichtigsten Figuren auf den ersten Seiten des Buches nochmal extra aufgelistet werden.

Nicht so gut gefallen haben mir private Verstrickungen und einen etwas schnell abgehandelten Schluss. Außerdem wurde es für mich zum Ende hin zunehmend unglaubwürdig. Trotzdem habe ich mich gut unterhalten gefühlt, ich fand es mega spannend, ein Buch, dass zum Nachdenken angeregt.

Ich würde auch beim nächsten Roman von Peter Grandl wieder bedenkenlos zugreifen, auch wenn „Reset“ nach meinem Empfinden etwas schwächer war als der Vorgänger „Höllenfeuer“.

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Veröffentlicht am 01.06.2025

Zwei Frauen, ein Roadtrip

Tage wie Salzwasser
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In dem Romandebüt „ Tage wie Salzwasser“ von Sita Maria Frey treffen zwei sehr unterschiedliche Frauen aufeinander. Die im fünften Monat schwangere

Mathematikerin Atlanta ist verzweifelt, als sie vom ...

In dem Romandebüt „ Tage wie Salzwasser“ von Sita Maria Frey treffen zwei sehr unterschiedliche Frauen aufeinander. Die im fünften Monat schwangere

Mathematikerin Atlanta ist verzweifelt, als sie vom Selbstmord ihres Freundes Malte erfährt. Um das Unfassbare zu begreifen, will sie unbedingt den Grund herausfinden. Ein Anhaltspunkt könnte ein Notizheft mit Adressen sein, dass sie findet. Schnell fasst sie den Entschluss zu diesen Menschen Kontakt aufzunehmen.


Enza macht sich große Sorgen um ihre Mutter, die unheilbar krank ist. Und ausgerechnet jetzt wünscht sich diese, dass Enza die italienische Verwandtschaft ihres verstorbenen Vaters in Sizilien kennenlernen soll.

Schweren Herzens schnappt sie sich die alte Honda Rebel, um die lange Reise anzutreten.



Es ist eine Zufallsbegegnung, die beide Frauen zusammenführt. Atlanta drängt sich Enza mehr oder weniger auf, bis diese sich bereit erklärt die Hochschwangere auf ihrem Motorrad mitzunehmen. Es ist ein Auf und Ab mit Atlanta und Enza, und wir erfahren nach und nach ihre Geschichten. Der Roman erzählt vom Trauern und vom Abnabeln, von Freundschaft, Liebe und Neuanfang.



Der rasante Erzählstil hat mir gut gefallen, auch die atmosphärischen Bilder, die die Autorin in ihrem Roman entworfen hat, waren wunderschön. Bei den Stationen ihrer Reise Freiburg, Marseille, Barcelona und Sizilien wurden alle Sinne angesprochen.

Ich mochte sowohl Atlanta als auch Enza und habe gut mit ihnen mitfühlen können. Allerdings waren manche Szenen auch unglaubwürdig oder befremdlich oder für mich nicht ganz logisch. Das war schade und hat meinen Lesefluss stocken lassen.

Insgesamt habe ich das Buch aber wirklich gerne gelesen. Am Ende werden alle Fäden in einem richtig schönen Epilog zusammengeführt.

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Veröffentlicht am 13.02.2025

Leute von früher

Leute von früher
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Eine kleine Insel im nordfriesischen Wattenmeer unweit von Husum ist der Schauplatz dieser Geschichte. Die Insel lockt Touristen mit ihrem historischen Flair, einem Erlebnisdorf das neben dem alten Krämerladen ...

Eine kleine Insel im nordfriesischen Wattenmeer unweit von Husum ist der Schauplatz dieser Geschichte. Die Insel lockt Touristen mit ihrem historischen Flair, einem Erlebnisdorf das neben dem alten Krämerladen so manch ein vergessenes Handwerk präsentiert und deren „Bewohner“ in historisch wirkenden Kostümen wie um 1900 herumlaufen. Alles ist eine große Kulisse, selbst die Kekse, die man in hübschen Gläsern im Lädchen erwerben kann, sind umgefüllte Industrieware anstelle von selbstgebackener Köstlichkeit. Marlene, die nach ihrem Studium merkt, wie aussichtslos es ist einen Job zu finden, hat auf der Insel einen Saisonarbeitsplatz als Verkäuferin bekommen.


Ich fand es ganz nett über diesen ganz Touristennepp zu lesen, Marlene‘s Alltag erzählt zu bekommen, ein Gefühl dafür zu bekommen wie es ist, nach einem vollendeten Arbeitstag die „Kostümgrenze“ zu überschreiten und sich in eine Mitarbeiterbaracke zurückzuziehen und einige wenige Kontakte zu anderen Saisonkräften aufzubauen.


Allerdings plätscherte die Geschichte doch sehr vor sich hin, und ich bin weder der Protagonistin noch den Nebenfiguren sehr nah gekommen. Selbst Janne, die auf der Insel aufgewachsen ist und in die sich Marlene verliebt, blieb mir irgendwie fremd, auch wenn ich sie insgesamt noch am interessantesten fand. Janne hat dann auch ein mystisches Geheimnis. Bei magischem Realismus bin ich tatsächlich selten begeistert. Zugegeben es passte zur Atmosphäre und hat ein paar Gruselvibes gebracht, aber ich hätte es nicht gebraucht. Den überraschenden Schluß fand ich dann wieder sehr gelungen.


Fazit: Es war wohl nicht ganz mein Buch. Trotzdem würde ich jetzt nicht davon abraten. Ich kann mir vorstellen, dass es auch begeisterte Leser gibt.

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Veröffentlicht am 06.02.2025

Eine Coming of age Geschichte mit dem Fokus auf eine besondere Freundschaft

Es war einmal in Brooklyn
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Dieser Roman lässt mich etwas zwiegespalten zurück. Auch wenn sie literarisch kunstvoll geschrieben wurde, konnte mich die Geschichte nicht vollends überzeugen.

Brooklyn im Hitzesommer 1977, das gefällt ...

Dieser Roman lässt mich etwas zwiegespalten zurück. Auch wenn sie literarisch kunstvoll geschrieben wurde, konnte mich die Geschichte nicht vollends überzeugen.

Brooklyn im Hitzesommer 1977, das gefällt mir als Setting schon mal sehr.

Juliette Darling und David Haddad sind Nachbarn und von klein auf befreundet. Dass sie in der Schule eher die Außenseiter sind, schweißt sie nur noch enger zusammen. Bis zur Pubertät sind sie überzeugt, dass es immer so sein wird.

Doch dann verspürt Juliette die Aufbruchstimmung der Jugend. Sie möchte raus und die Welt entdecken, während David zeitgleich so schwer erkrankt, das seine Zukunft immer mehr zusammenschrumpft.

Historische Daten werden in die Geschichte integriert, nämlich der große Blackout 1977 und der Serienmörder Son of Sam, der die Stadt in Angst und Schrecken versetzt.

Den 1. Teil der Geschichte mochte ich inhaltlich sehr. Den Schreibstil fand ich auch toll, fesselnd und humorvoll.

Im 2.Teil will Juliette endlich zu der Erwachsenenwelt dazugehören und trifft Entscheidungen, die sie von David entfremden. Mit diesem Teil der Geschichte hatte ich meine Schwierigkeiten, weil ich fand, dass Ereignisse nicht auserzählt wurden. Auch der im Klappentext groß angekündigte Blackout wird nur so nebenher erzählt.

Gut fand ich, dass man als Leser*in auch nähere Einblicke in die Familien der Darlings und auch der Haddads bekommt. Das rundet die Geschichte ab. Aber auch hier bleibt es mir zu sehr an der Oberfläche. Ich hätte gerne mehr erfahren.

In Teil 3 gibt es wieder einige Zeitsprünge, ein Ende wie es hätte sein können und ein Ende wie es dann wirklich war.


Fazit: Man bekommt hier eine tragische Coming of age Geschichte mit authentischen Charakteren, eingebettet in das NewYork der 70erJahre zur Zeit des großen Blackouts, der allerdings nur untergeordnet eine Rolle spielt. Ereignisse wurden leider nicht immer auserzählt und es fehlte (mir zumindest) an Nähe zu den Protagonisten.

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Veröffentlicht am 02.02.2025

Unterhaltsam

Das Wochenende
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Annie , Max und ihr zwölfjähriger Adoptivsohn Kip, ( der von seiner Vergangenheit durchaus traumatisiert ist), haben das Stadtleben hinter sich gelassen, um sich auf dem Land, an der Koste Cornwall‘s einen ...

Annie , Max und ihr zwölfjähriger Adoptivsohn Kip, ( der von seiner Vergangenheit durchaus traumatisiert ist), haben das Stadtleben hinter sich gelassen, um sich auf dem Land, an der Koste Cornwall‘s einen Traum zu erfüllen und Kip ein Aufwachsen in einer ruhigen Umgebung zu ermöglichen. In naher Zukunft werden sie auf dem erworbenen Stück Land einen luxuriösen Glamping - Platz betreiben. Sie warten noch auf die Genehmigung und wollen quasi zur Generalprobe ihren alten Freundeskreis aus Studienzeiten, drei Familien mit ihren Kindern, am Wochenende den Platz testen lassen. Doch es läuft nicht wie es sollte. Das Wochenende gerät nach einem Streit am ersten Abend völlig aus dem Ruder. Nach und nach kommen Geheimnisse, alte Kränkungen und Eifelsüchteleien zum Vorschein. Man merkt, dass die Leben der ehemals befreundeten Paare inzwischen doch zu weit auseinandergedriftet sind.

Die Nerven liegen blank, als bei einem aufziehenden Sturm ein Kind verschwindet. Und dann gibt es auch noch eine Leiche am Fuße der Klippen.

Das Setting war schon mal ganz meins. Auch mit dem Schreibstil der Autorin kam ich gut zurecht. Die aus verschiedenen Perspektiven erzählte Geschichte entwickelt schnell einen Sog und besonders die Gruppendynamik fand ich spannend. Meines Empfindens nach handelt es sich bei dem Text allerdings eher um einen Spannungsroman und nicht um einen Thriller. Beim Hörbuch haben mich zunächst die vielen Namen verwirrt . Beim Buch gab es soweit ich weiß dazu ein Glossar, was natürlich sehr hilfreich ist. Beim Hörbuch muss man sich schon sehr konzentrieren, um nicht durcheinanderzukommen. Ich fühlte mich aber dennoch gut unterhalten und habe den Hörbuchsprechern Anne Due und Günther Harder gerne gelauscht.

Auch die Auflösung war nicht vorhersehbar für mich und stimmig. Kein Highlight für mich, aber ein gutes, unterhaltsames Buch!

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