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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.05.2026

Dreihundert Seiten sinnlose und maßlose Gewalt

Heaven's Gate
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Der Diogenes-Verlag steht für mich für qualitativ hochwertige Literatur mit Anspruch; leider hat er sich mit Daniel Faßbenders "Heaven's Gate" hier selbst untertroffen oder mittlerweile einfach eine andere ...

Der Diogenes-Verlag steht für mich für qualitativ hochwertige Literatur mit Anspruch; leider hat er sich mit Daniel Faßbenders "Heaven's Gate" hier selbst untertroffen oder mittlerweile einfach eine andere Linie eingeschlagen. Das Buch ist kurzweilig, keine Frage; ich habe es in kürzester Zeit gelesen. Auch das Format des Bandes liegt sehr gut in der Hand und gefällt mir ebenso wie das ansprechende Cover. Der Roman selbst hat mich aber immer wieder innerlich den Kopf schütteln lassen, zum Ende hin mehr als am Anfang.

Caruso, ein Surfer und unbedeutender Privatdetektiv auf der wohl fiktiven philippinischen Insel Surogao, bekommt einen heiklen Fall in die Hände, als er den verschwundenen Sohn einer reichen Spanierin finden soll. Die Insel ist ein Drogenhotspot mit bestechlichen Polizeibeamten, mit vielen (Surf-)Touristen und mit einer eher armen Bevölkerung. Wer ehrlich Geld verdient, kommt meist nicht weit.

Caruso selbst ist der typische Antiheld und ein Unsympath genau wie alle anderen Charaktere im Roman. Er konsumiert Unmengen an Alkohol und ein paar Frauen, ist meist betrunken und verletzt und steht meist etwas neben sich. Er leert gern ganze Flaschen Rum (kann dann aber immer noch laufen und etwas denken), hat meist kein Geld und mag auch schnelle Abenteuer mit den Frauen, die gerade zur Verfügung stehen.

Frauen sind im Roman lediglich Objekte, eine Haltung, die längst überholt sein sollte. Faßbender bedient hier alle Klischees, die auch nur möglich sind. Die Sprache wechselt von guten Seiten zu Seiten mit zerrissenem Satzbau und Fäkalsprache. Wer wissen möchte, ob die Sprache ihm/ihr passt, kann ja mal auf Seite 287/288 anfangen.

Was mich aber am meisten gestört hat, ist, dass der Roman kaum Handlung hat, die nicht mit maßloser Gewalt zu tun hat. Ich könnte kurz nach dem Beenden des Romans nicht mehr sagen, wie viele Menschen hier den Tod finden mussten oder brutal verletzt wurden. Die einzige Lösung für jedes Problem scheint hier Gewalt zu sein. Daher ist hier inhaltlich kein durchdachter, cleverer Roman entstanden, sondern ein brutaler Actionkrimi ohne Anspruch. Auch dieser wird sicher seine Zielgruppe finden, aber ich würde Caruso nicht weiter durch sein sinnfreies Leben begleiten wollen.

Trotz aller Kritik lässt sich der Roman flüssig lesen. Ich habe weitergelesen in der Erwartung von überraschenden Wendungen oder einem unerwarteten Ende. Meine Erwartungen wurden aber eher enttäuscht. Dennoch würde ich hier noch 3,5 Sterne geben.

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Veröffentlicht am 28.02.2026

Zu persönlich

Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen
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"Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen" von Christien Brinkgreve ist kein Roman, sondern ein analysierender Rückblick einer Professorin und Ehefrau auf das Leben mit ihrem (nun schon verstorbenen) Mann, hier ...

"Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen" von Christien Brinkgreve ist kein Roman, sondern ein analysierender Rückblick einer Professorin und Ehefrau auf das Leben mit ihrem (nun schon verstorbenen) Mann, hier nur A genannt. Dieser stand selbst in der Öffentlichkeit und dürfte vielleicht vielen Niederländern bekannt sein, auch, wenn hier sein Name nicht genannt ist. Der Orginaltitel "Beladen huis" scheint mir doch passender, denn das immer voller werdende, zugestellte, vernachlässigte Haus ist eine Metapher für die Ehe und Beziehung der Brinkgreves. Das schöne Cover mit dem Blumenstrauß stellt für mich keine Verbindung zum Thema das Buches dar.

Das Buch, eine Reminiszenz der Autorin an die vielen gemeinsamen Ehejahre mit ihrem Mann, startet interessant und liest sich wirklich gut. Nach ca. zwei Dritteln dreht sich alles allerdings nur noch im Kreis, wird redundant, die Autorin wird mir auch zunehmend unsympathischer. Der Versuch, ihre Liebe zu ordnen, scheint mir immer mehr wie eine Abrechnung mit A, der schwermütig war und immer mehr zu einem "Stinkstiefel" mutierte. Doch zu einer komplizierten Ehe gehören immer zwei, und so hätte auch Frau Brinkgreve entweder die Reißleine ziehen können oder etwas ändern können. Stattdessen hat sie sich ihrem Mann und damit auch ihren Kindern immer mehr entzogen, sei es durch die Flucht ins Ferienhaus oder in ihr Schreibzimmer. Kurioserweise hat sie mit ihrem Ehemann im eigenen Haus dann Emails geschrieben, doch die Leidtragenden waren am Ende wohl am meisten die Kinder.

Das Buch wurde, so scheint es mir, immer mehr zu einer Abrechnung mit ihrem Mann und zugleich zu einer Entschuldigung für ihre Kinder. Hätte A gewollt, dass dieses Buch geschrieben wird? Sicher nicht. Sollen seine Freunde und Bekannten und alle Lesenden, die ihn außerdem kannten, dies wirklich über ihn erfahren, noch dazu nach seinem Tod, wo er sich weder rechtfertigen noch dieses Buch verhindern kann? Es scheint mir nicht fair von Brinkgreve, dieses Buch, das sehr privat ist, zu veröffentlichen. Es hätte in der Familie bleiben sollen.

Dabei scheint es gang und gäbe in der Familie, Bücher über ebendiese zu schreiben, denn Brinkgreve hat sowohl ein Buch über ihren Vater, als auch über ihre Mutter verfasst. A wiederum hat über seine früh verstorbene Schwester Dokie geschrieben. Beide schreiben/schrieben auch wissenschaftliche Texte, sodass auch dieses Buch den Anschein einer wissenschaftlichen Arbeit hat, denn es werden immer wieder Sekundärtexte zitiert, was hier überhaupt nicht passt und den Lesefluss stört.

Die Autorin selbst ist eine ambivalente Person. Einerseits rühmt sie sich damit, eine der ersten Professorinnen zu sein, sie hat sich u.a. dem Feminismus verschrieben, doch im eigenen Heim hat sie sich völlig untergeordnet und lebt nicht das, was sie in der Öffentlichkeit oder an der Universität progagiert. Es stört mich auch, dass der Verstorbene, der nicht mehr besonders liebenswert war, nach seinem Ableben Raum in Brinkgreves Leben findet, zuvor aber kaum noch. So ordnet sie Dinge, die ihm wichtig waren, stellt Möbel um, hängt sein Bild auf. Vorher ist sie aber nur noch vor ihm geflohen.

Ich hatte während des Lesens eigentlich darauf gewartet, dass die Autorin auch in die Zukunft schaut, diese Reminiszenzen hinter sich lässt, einen echten Neuanfang wagt, aus dem Erlebten einen Schluss oder gar einen Schlussstrich zieht, doch nichts von alledem passiert. Ist dieses Buch also eher eine Entschuldigung an ihre Kinder, die vielleicht nach einer Trennung besser hätten leben können? Ein Ratgeber für Frauen, denen es ähnlich geht, ist "Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen" jedenfalls nicht.

Obwohl meine Rezension hier doch sehr kritisch ausfällt, ließ sich das Buch größtenteils gut lesen. Ob man es veröffentlichen hätte sollen, möchte ich dennoch sehr in Frage stellen.

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Veröffentlicht am 01.06.2025

Geteilter Meinung

Du hast ein Recht darauf, glücklich zu sein
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Nicole Jägers Buch über sie selbst mit dem Titel "Du hast ein Recht darauf, glücklich zu sein" lässt mich in einem Wechselbad der Gefühle zurück. Punkte, die hier zu erwähnen wären, gibt es eigentlich ...

Nicole Jägers Buch über sie selbst mit dem Titel "Du hast ein Recht darauf, glücklich zu sein" lässt mich in einem Wechselbad der Gefühle zurück. Punkte, die hier zu erwähnen wären, gibt es eigentlich zu viele; ich werde versuchen, mich kurz zu fassen.

Mein erster Kritikpunkt steckt schon in meiner Einleitung, denn wenn der Titel des Buches eher wie ein Ratgeber klingt, so schreibt Jäger doch eher nur über ihre eigene Misere; der Leser und die Leserin können natürlich auch wichtige Informationen für ihr eigenes Leben daraus ziehen.

Das Buch beginnt mit einem Gespräch mit ihrer besten Freundin, und beim Lesen hätte ich im Boden versinken können. Schlimm genug ist es, dass Menschen so niveaulos miteinander kommunizieren, schlimmer noch ist es aber, dass man das so auch noch niederschreibt. Es ist für mich nicht leicht, das Buch hier nicht wegzulegen.

Dann jedoch kommt ein sehr trauriger Part über die Autorin und Entertainerin selbst. Es wird klar, dass sie sehr einsam ist und eigentlich Hilfe braucht. Sie aber fährt stattdessen ans Meer. (oder: Sie sucht das Meer, ist aber ziemlich dümmlich und zeigt dies im Buch auch, denn sie hat keine Ahnung, wo es langgehen soll. - Geographie = durchgefallen). Hier möchte man die Autorin rütteln und ihr dabei helfen, etwas an ihrem sehr traurigen Leben zu verändern.

Der Teil hat mich aber dann emotional sehr berührt. Da ist einmal diese unendliche Traurigkeit ob des unerfüllten Lebens von Nicole Jäger, andererseits schildert sie auch ihr Leben mit Übergewicht und wie andere damit umgehen. Das ist so heftig, dass es mich sehr berührt hat.

Insgesamt erwartet man vielleicht ein etwas anderes Buch, wenn man den Titel anschaut. Ich hatte mir einige Auftritte der Autorin als Stand-up-Comedian angeschaut und wollte das Buch daher lesen. Würde ich es empfehlen? Vielleicht, wenn man Fan der Entertainerin ist. Ansonsten schwimmt man zwischen peinlich, unglaublich und unglaublich traurig. Und der Begriff "Fremdschämen", den ich sonst nicht nutze, kam mir hier in den Sinn. Von mir bekommt "Du hast ein Recht darauf, glücklich zu sein" 3,5 Sterne.

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Veröffentlicht am 02.03.2025

Anfangs gut (Hörbuchrezension)

Maggie Blue 1: Das Portal zur Düsterwelt
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Ich habe "Maggie Blue - Das Portal zur Düsterwelt" von Anna Goodall" als Hörbuch mit einer Länge von ca. 8,5 Stunden gehört. Es wird gelesen von Julia Nachtmann, es handelt sich weiterhin um eine ungekürzte ...

Ich habe "Maggie Blue - Das Portal zur Düsterwelt" von Anna Goodall" als Hörbuch mit einer Länge von ca. 8,5 Stunden gehört. Es wird gelesen von Julia Nachtmann, es handelt sich weiterhin um eine ungekürzte Ausgabe. Dabei liest die Sprecherin sehr angenehm und sehr passend, wechselt die Stimmen (z.B. gut: Hoagy, der Kater) und ist gut anzuhören. Auch die Länge des Hörbuches finde ich für Kinder passend und nicht zu lang.

Anfangs gefällt mir das Hörbuch sehr gut: Maggie ist das Kind einer depressiven Mutter, die es nicht aufziehen kann. Die Tante kümmert sich um Maggie, doch diese bleibt Außenseiterin und kann kaum Freunde in der Schule finden. Dennoch stellt sie dem Star der Klasse, Ida, nach. Obwohl sie von Idas Clique nur verspottet wird, möchte sie gern deren Freundin sein und gäbe wohl alles dafür.

Als Ida verschwindet, weiß nur Maggie Blue (eigentlich Blue-Brown), wo Ida ist und tritt selbst über in die Düsterwelt. Bis zu diesem Punkt fand ich das Buch sehr authentisch und konnte sehr gut folgen, doch dann wird alles wirr. Die Autorin findet sich wohl sehr gut zurecht in der realen Welt, aber wenn es um die Düsterwelt geht, ist alles eher angedeutet und hat kaum Tiefe. Hier habe ich mir nur gewünscht, dass Maggie zurückkehrt in die Echtwelt. Dann wurde es wieder besser.

Was mir nicht gefällt, ist, dass Maggie dieser Ida quasi nachläuft und gefallen will. Sie ist selbst ein Mädchen ohne Selbstvertrauen, das sich selbst noch sucht. Daher ist ein solches Verhalten möglicherweise auch authentisch, aber nicht schön mitanzusehen. Auch Maggies Verhalten ihrer Mutter gegenüber ist nicht nett.

Das Buch endet zum Glück nicht so, wie ich gefürchtet hatte, aber es gibt ja noch weitere Teile. "Maggie Blue" hätte mir sehr gut ohne die Düsterwelt gefallen, auch das Hörbuch möchte ich empfehlen, weil gerade Hoagy so einen besonderen Charakter bekommt, den er beim reinen Lesen sicher nicht hat. Die Düsterwelt liegt der Autorin leider aber nicht so gut.

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Veröffentlicht am 27.05.2024

Gute Übungen, fragliche Darbietung

Lebenslang beweglich und kraftvoll mit Tigerfeeling
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Benita Cantienis "Lebenslang beweglich und kraftvoll mit Tigerfeeling" ist ein wichtiges Buch, wenn man älter wird und langsam merkt, dass man täglich etwas für die Beweglichkeit tun muss. Und so würde ...

Benita Cantienis "Lebenslang beweglich und kraftvoll mit Tigerfeeling" ist ein wichtiges Buch, wenn man älter wird und langsam merkt, dass man täglich etwas für die Beweglichkeit tun muss. Und so würde ich dieses Buch auch eher Älteren empfehlen, die Übungen sind aber natürlich auch für Jüngere gut, und Benita Cantieni ist ja auch in ihrem Alter noch ein tolles Vorbild und unglaublich beweglich.

Den Aufbau des Buches finde ich etwas schwierig und auch fraglich. Man hat hier unglaublich viel Text und diesen noch in Interviewform. Muss dies wirklich sein? Es liest sich nicht so gut, man möchte gleich zu den Übungen.

Bei den Übungen sind jeweils die Muskelpartien hervorgehoben, die beansprucht werden. Dies ist sehr plakativ und gut nachvollziehbar. Die Übungen selbst sind in mehreren Fotos dargestellt; sie werden von Cantieni selbst gezeigt. Ich kann die Übungen damit gut nachvollziehen; dennoch fände ich auch eine eingelegte CD nicht so schlecht, vielleicht statt dem ausführlichen Text?

Den Abspann in Kapitel 10 mag ich sehr, da wird darauf hingewiesen, was man sicher noch alles möchte, ein Ansporn zum Durchführen des Programms und eine gute Motivation für die Zukunft. Ich will das auch noch fast alles!

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