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Veröffentlicht am 02.06.2025

Ein ersehntes, aber holpriges Happy End

Dunbridge Academy - Anymore
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Die „Dunbridge Academy“-Reihe galt als beendet, aber viel Insistieren, viel Leidenschaft hat Sarah Sprinz überredet, noch einen vierten Band rund um Gideon und Grace nachzulegen. Ich muss gestehen, dass ...

Die „Dunbridge Academy“-Reihe galt als beendet, aber viel Insistieren, viel Leidenschaft hat Sarah Sprinz überredet, noch einen vierten Band rund um Gideon und Grace nachzulegen. Ich muss gestehen, dass die Reihe, die für viele der Durchbruch mit der Autorin war, durchaus meine Schwierigkeiten hatte, aber auch ich wollte jetzt natürlich wissen, wie es für diese beiden Charaktere weitergeht, vor allem, nachdem Grace im ersten Band eine so entscheidende Rolle hatte, die man ihr so keinesfalls gegönnt hat. Gibt es Gerechtigkeit für diese Figur?

Ich muss gestehen, dass „Anymore“ für mich ein fleißiges Abwechseln von richtig starken Stellen und verzweifeltem Haareraufen war. Fangen wir mit einem positiven Aspekt an. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich gerade am Anfang der Reihe oft dachte, dass man bei Sprinz nicht wirklich den Unterschied zwischen YA und NA bemerkt, weil ob nun High School oder College, die Rollen wirkten sehr ähnlich in ihrer emotionalen Reife und das wirkte manchmal etwas unnatürlich. Das kann ich für diesen vierten Band überhaupt nicht mehr kritisieren. Ich fand den Schreibstil an vielen Stellen sehr passend. Die Sprache war etwas einfacher gehalten, die Sätze wirkten oft wie Gedankenfetzen, ich fand es gut, auch wenn ich es eher seltener noch lese, aber es passte für mich ideal, gerade wenn man an die Jugendlichen von heute denkt. Aber man merkt es nicht nur am Schreibstil, sondern extrem an der emotionalen Reife und da muss ich dann wieder sagen, bin ich einfach zu alt? Ich war echt oft sehr verzweifelt, weil da einfach ein paar Schritte bei Grace und Gideon fehlten, vor allem bei ihm. Auf eine Art mochte ich ihn, auf eine andere hat er mich sehr genervt. Wie unbeholfen er sich teilweise ausgedrückt hat und wie viel er damit angerichtet hat, aber auch seine Gefühle, so extrem von Emotionen gesteuert, da hätte ich mir manchmal etwas mehr Hirn gewünscht.

Gideon ist Grace treu ergeben, das ist irgendwie süß, aber manchmal fand ich die Gedanken auch sehr besitzergreifend. Ich kann zwar nicht behaupten, dass er ihr dadurch die Selbstständigkeit abgesprochen hätte, aber dieser bewusste Unterschied zu Henry, dass er erkannt hat, was das Besondere an Grace ist, das war durchaus auch anstrengend. Zudem war es furchtbar, wie selten er einfach mal die Wahrheit gesprochen hat. Er ist mehr ein Mann der Gesten und da gab es viele süße Ideen und er hat schon deutlich auch immer gesehen und bemerkt, was mit Grace los ist. Aber durch seinen Mangel an Wortgewandtheit, durch seine Feigheit mit Ehrlichkeit, hat er auch immer wieder dazu beigetragen, dass es Grace nicht besser gehen konnte. Das hat das Buch natürlich aufgebauscht, es hat den Inhalt aber überdurchschnittlich depressiv gemacht. Dass wir am Anfang in einem tiefen Tal starten, das ist verständlich. Wir haben durch die anderen Bände schon mitbekommen können, wie es Grace gehen muss und das mit ihr vor allem ein Thema angesprochen werden wird. Aber es ist schon oft fast unerträglich, all diese Gedanken zu lesen, die sie hat. Sie passen zu ihr, aber sie tat mir auch extrem leid, ich wollte so viel besseres für sie.

„Anymore“ hat insgesamt einfach etwas Leichtigkeit zwischendurch gefehlt. Eine Liebesgeschichte lebt für mich auch von diesen Momenten, in denen sich das Pärchen unbesiegbar fühlt. Einfach loslässt. Und das fehlte hier. Es war so traurig und immer wenn ich dachte, yes, jetzt haben wir einen Moment für Grace, da hat Gideon wieder was echt Dummes getan bzw. gesagt. Dementsprechend folgte auf jede Minispitze schon wieder eine extreme Delle. Es war schon komisch, dass ich am Ende froh war, das Buch beendet zu haben, einfach um diese Stimmung abstreifen zu können, weil es belastet hat. Gleichzeitig will ich aber echt nicht verheimlichen, dass es einzelne Szene gab, die ich sehr gefeiert habe, die für mich die Reihe rund gemacht hat. Zudem mit dem Abschluss am Ende, einen konkreten Blick in die Zukunft aller zu haben, das war sehr nostalgisch. Es war tatsächlich nochmal ein Band, wonach ich dachte, das ist echt der bessere Abschluss. Was ich auch sehr feiere, das waren die Gespräche von Grace und Henry. Ich fand es so wichtig und es ist uns gegeben worden. Wir haben auch Gideon und Henry, was ich sehr gut fand. Da sind dann so einzelne Szenen, in denen man das Schreibtalent von Sprinz sehr gut erkennen kann.

Fazit: „Anymore“ aus der Dunbridge-Reihe war auf eine Art noch so wichtig, aber auf eine andere Art war es auch eine sehr anstrengende Lektüre. Im Gesamten war die ganze Atmosphäre sehr traurig und depressiv, es gab viel Augenrollen, weil dann Dinge passierten, die es noch länger hinauszögerten. Aber es gab auch Highlight-Stellen. Ich bin inhaltlich um vieles froh, aber stilistisch hätte ich es mir etwas anders gewünscht.

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Veröffentlicht am 05.05.2025

Qualitativ zweigeteilter Eindruck

Ashen Throne
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„Burning Crown“ von Marie Niehoff war letztes Jahr ein echter Überraschungshit für mich. Dabei ging es für mich noch nicht mal wirklich um die Drachen, sondern um das Konzept, was Drachen-Sein dort bedeutet. ...

„Burning Crown“ von Marie Niehoff war letztes Jahr ein echter Überraschungshit für mich. Dabei ging es für mich noch nicht mal wirklich um die Drachen, sondern um das Konzept, was Drachen-Sein dort bedeutet. Dazu war die Geschichte dicht und intensiv erzählt, sodass „Ashen Throne“ von mir sehr ersehnt wurde.

Da ich Band 1 schon als Hörbuch hatte, war es sehr passend, dass es auch bei Band 2 möglich war, denn so konnte ich wieder mit Leonie Landa und Sven Macht in die Welt von Yessa und Cassim eintauchen. Es hat mir auch erneut gut gefallen. Ich bin dieser Reihe wohl auch maßgeblich durch die Stimmen verfallen, sodass es wenig verwunderlich auch hier wieder sehr rund war. Dennoch muss ich sagen, dass „Ashen Throne“ für mich leider erst in der zweiten Hälfte inhaltlich das angeboten hat, was ich vom ersten Teil lieben gelernt habe. Zunächst bin ich aber gut in die Geschichte gestartet. Wir setzen unmittelbar am Cliffhanger aus Band 1 ein. Da auch nicht zu viel Zeit beim Hören vergangen ist, war ich sofort wieder im Geschehen drin. Zumal auch das Figurenrepertoire nicht übermäßig groß war und das World Building noch bewusst eng gehalten. Das hat es in jedem Fall erleichtert, auch ohne wiederholende Elemente sofort wieder gefesselt zu sein. Nach dem starken ersten Kapitel zum Einstieg, da hat mich die Geschichte dann aber etwas verloren. Ich hatte den Eindruck, dass alles etwas zu sehr auf der Stelle verharrte und dass es vor allem um die Vertiefung der Beziehung von Cassim und Yessa ging.

Die Liebegeschichte ist sehr wichtig für alles, auf jeden Fall, aber ich merke gerade bei Fantasy in letzter Zeit, dass es ein echter Spagat für viele Autoren ist. Wie viel soll es sein und wann ist es vielleicht zu viel? Eigentlich mochte ich das Tempo und wie viel Raum es einnimmt, bislang sehr gerne, aber die erste Hälfte von Band 2, da war es viel zu viel. Wenn ich die gesamte Handlung kenne, dann sehe ich natürlich, dass es auch auf etwas hingearbeitet hat und das in mehrfacher Hinsicht. Aber auch wenn ich immer ein Gesamtbild schätze und hinterher immer noch anders denken kann, so ist das konkrete Hörerlebnis in dem einen Moment damit nicht gleich vergessen und ich habe echt oft gedacht, wie bekloppt die beiden gerade sind. Es ging nur die ganze Zeit um Intimität und die Gefahr, was passieren könnte, aber es hat dennoch nicht interessiert.

Umgekehrt finde ich aber auch, dass die Spannungselemente, die wir in der ersten Hälfte haben, auf jeden Fall moralisch grenzwertig waren. Fantasy soll brutal, echt und schonungslos sein dürfen, auf jeden Fall! Aber gerade Romantasy, da fangen für mich schon die Einschränkungen an, zumal die Zielgruppe auch durchaus jüngere sein werden. Dementsprechend gab es zwei zusammenhängende Handlungselemente, die mich doch etwas skeptisch gemacht haben. In einem Krieg und wenn es ums Überleben geht, dann ist Moral nicht unbedingt das, auf was man gucken kann, aber ich weiß nicht, mir war es etwas zu heftig und vor allem im Nachhinein mit zu wenig Gedankengängen und Aufarbeitung.

Als wir dann aber in die zweite Hälfte gekommen sind, da passte für mich wieder viel, viel mehr und ich bin echt froh, dass sich nach den Enttäuschungen das Gefühl wieder einstellen konnte. Nachdem Cassims Geheimnis einmal heraus ist und wir vor allem die Welt von „Dragenbound“ noch einmal enorm erweitern, da gab es wieder so viel zu entdecken, da habe ich mich wieder besser mit Yessa identifizieren können und da wurde durch Cassims Perspektive auch viel besser deutlich, was er empfindet. Seine Geschichte wird überhaupt entschieden um Informationen ergänzt und somit gab es viele neue Puzzleteile, die neue Facetten ermöglichen. Damit ist dann das Potenzial für Band 3 auch wieder sehr hoch, weil man jetzt auch wirklich sieht, was der Plan sein wird und das wir an genau den Punkt kommen, den Cassim und Yessa beide beeinflusst haben und auf den sie, ohne persönliche Anwesenheit des Antagonisten, immer hingearbeitet haben.

Fazit: „Ashen Throne“ hat mich Nerven gekostet. Auch wenn es insgesamt wieder ein echtes Erlebnis war, aber ich fand die erste Hälfte echt zäh, teilweise fragwürdig und damit auch als Enttäuschung nach meiner Begeisterung für Band 1. Aber am Ball bleiben, lohnt sich auch schon mal und so war die zweite Hälfte dann wieder all das, was ich mir versprochen habe. Ich bin sehr hoffnungsvoll für einen explosiven Abschluss, aber trotzdem schade um das schwache 2.1.

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Veröffentlicht am 30.04.2025

Man merkt die Drehbuchautorin

How To End A Love Story
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Yulin Kuang ist in Hollywood als Regisseurin und Drehbuchautorin bereits etabliert, aber als Romanautorin ist sie bis „How to End a Love Story“ nicht tätig gewesen. Ich fand es interessant, als ich las, ...

Yulin Kuang ist in Hollywood als Regisseurin und Drehbuchautorin bereits etabliert, aber als Romanautorin ist sie bis „How to End a Love Story“ nicht tätig gewesen. Ich fand es interessant, als ich las, dass Kuang für eine kommende Emily Henry-Adaption das Drehbuch anfertigen wird. Eben diese Autorin war eine große Überraschung der letzten zwei Jahre für mich, dementsprechend klang alles wie ein Kreis, der sich schließen musste und gleichzeitig ist das Thema Hollywood, Serienproduktionen etc. immer etwas, was mich anzieht.

Aufgrund der Verbindung zu Henry habe ich bei Kuang vor allem einen sehr ähnlichen Stil vermutet, das bedeutet, eine ordentliche Portion Humor und Lockerheit, ohne aber den Dramen des Lebens den Raum zu nehmen oder sie lächerlich zu machen. Dadurch war der Anfang von „How to End a Love Story“ schon ein gewisser Schock. Alles geht mit einem schweren Schicksalsschlag für unsere Protagonistin Helen los. Auch wenn da eine gehörige Portion Sarkasmus rauszulesen war, aber gleichzeitig ist es schon sehr echt und ein sehr komplizierter Start, der aber auch neugierig macht. Im Verlauf wurde dann aber auch deutlich, dass vielleicht ein gewisser übertriebener Ton anfangs Helens Schutzmechanismus auf die Welt ist, aber das verliert sich auch schnell. Danach würde ich Kuangs Stil als sehr ernst und sehr persönlich beschreiben. Aufgrund der großen Parallelen zwischen der Autorin und Helen, sowohl beruflich als auch kulturell, habe ich immer wieder gemerkt, dass es viel, viel Verarbeitung offensichtlich war. Aber keinesfalls als Abrechnung, sondern einfach als Bedürfnis, eine sehr echte Geschichte zu erzählen.

Helen ist keine Figur, die man sofort und bedingungslos ins Herz schließen kann. Ihre Ablehnung Grant gegenüber ist lange hart und sie ist sich mit ihren Unsicherheiten selbst ihr größter Feind. Umgekehrt ist er eigentlich gleich die Figur, die einem näher ist, weil er insgesamt stabiler und mehr mit sich im Einklang wirkt. Umso überraschter war ich eigentlich, dass sich dieser Eindruck durch beide angebotenen Perspektiven verändert hat. Helen ist Kuang so nah, dass man ihr auch immer näher kommt. Helen ist auch am Ende keinesfalls die Figur, bei der man weiß, es gelingt alles leicht, nein, sie wird immer alles zerdenken, aber sie ist mir einfach sehr nahe, weil ich sie verstehe. Bei Grant waren die Ansätze sehr interessant, aber ich finde, dass seine Ausgestaltung irgendwann etwas abfällt. Da merkt man schon bald, dass es mehr um Helen und sie und Grant als Paar geht, aber sein Weg wird nicht mehr so konsequent dargestellt. Das Ungleichgewicht ist für mich definitiv ein Kritikpunkt. Hätte Kuang sich nur für Helens Perspektive entschieden, es wäre gar nicht so aufgefallen.

Auch wenn die Handlung schon mal von übertreibenden Momenten geprägt ist, aber wie gesagt, Humor war nicht mehr das Erste, an was ich bei dieser Geschichte denken musste. Der Kampf in Hollywood, Helens persönliche Situation mit ihrer Schwester, das angespannte Verhältnis zu den Eltern, all das hat der Geschichte viel mehr Tiefe gegeben, als ich anfangs gedacht hätte. Aber ich muss auch gestehen, dass „How to End a Love Story” nicht immer überall die Konsequenz zeigt, die ich mir intuitiv gewünscht hätte. Das gilt vor allem bei der Gestaltung der Adaption von Helens Bestsellerreihe. Die Sequenzen im Writer’s Room waren vielversprechend, aber die genauen Abläufe fielen dann irgendwann ab. Die Handlung entfernte sich davon und ich habe es echt vermisst. Beispielhaft kann ich das an einem Moment aufzeigen, den ich auch nicht als wesentlichen Spoiler empfinde. Grant schreibt eine der Episoden und Helen scheut sich, das dazu gehörende Drehbuch zu lesen, weil sie etwas gespiegelt bekommen könnte. Das ist okay, aber letztlich wirkt es so, als hätte sie es nie gelesen, wobei das nicht sein kann. Da hat mir einfach eine logische Erklärung gefehlt. Da war also öfters etwas aufgebaut, was dann aber nicht erfüllt wurde. Denn die ganzen Ideen, die waren alle super.

Zuletzt will ich auch noch ein paar Worte zur Liebesgeschichte verlieren. Für mich war es ein ziemliches Auf und Ab. Erst wirkte es etwas wie Frenemies to Lovers, dann passte auch das Spielchen. Aber es löste sich dann auf, aber nicht auf eine Art, bei der ich gut mitgekommen bin. Dann gab es echt tiefe, innige Momente, dann wieder viel Tempo, ausgelassene Momente, um die beiden besser zu verstehen. Unterm Strich hat mich dennoch alles mitgerissen, aber es war keine komplett weghauende Liebesgeschichte, dafür fehlte leider etwas Chemie.

Fazit: „How to End a Love Story” ist das Debüt von Yulin Kuang als Romanautorin. Drehbücher und Romane sind einfach nicht dasselbe, das wird auch sie wissen, aber es wird sicherlich auch nicht einfach sein, diese eine Seite in sich abzustellen. Denn mein Eindruck war schon, dass es Brüche in der Handlung gibt. Man kann sich den Roman wunderbar als Film vorstellen, aber Bücher und Adaptionen sind oft sehr unterschiedlich, weil es nicht eins zu eins zu kopieren ist. Dementsprechend war es inhaltlich sehr interessant, es war überraschend ernst, mit wenigen lustigen Momenten, aber es war auch an manchen Stellen zu sehr an der Oberfläche verharrt. Jetzt bin ich gespannt auf Kuangs Adaption von „Kein Sommer ohne dich“.

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Veröffentlicht am 11.04.2025

Spannende Idee mit zu braver Umsetzung

Fighting Through Deep Waters
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Auch wenn ich die erste Buchreihe von Julia Hausburg, die „Dark Elite“-Reihe, optisch durchaus wahrgenommen habe, so ist der Name mir doch völlig durchgegangen ist, weswegen ich bei „Fighting Through Deep ...

Auch wenn ich die erste Buchreihe von Julia Hausburg, die „Dark Elite“-Reihe, optisch durchaus wahrgenommen habe, so ist der Name mir doch völlig durchgegangen ist, weswegen ich bei „Fighting Through Deep Waters“ zunächst dachte, es wäre möglicherweise ein Debüt oder zumindest ein Durchbruch beim größeren Verlag. Unabhängig davon stürzen wir uns mal in die Lesebewertung.

Zunächst möchte ich einen Aspekt herausheben, der mir sehr gefallen hat und das ist das ganze Setting, die intensive Auseinandersetzung mit meeresbiologischen Themen und überhaupt diese Idee, die für mich auch ein gewisses Wagnis bedeutet, denn das Geschehen ist so sehr an das Schiff gebunden, was eher so einen Lagerkoller-Effekt haben kann. Aber es ist frisch, das habe ich so noch nirgendwo sonst gelesen, von daher klasse Idee. Ich finde auch grundsätzlich, dass das Konzept aufgegangen ist. Ich werde zwar gleich auf einige stilistische Aspekte eingehen, die mich nicht überzeugt haben, aber nichts davon lag am Setting oder an der Grundidee. Hausburg hat in der Dankesrede auch angedeutet, dass sie selbst eine gewisse Zeit Meeresbiologin werden wollte. Das merkt man, denn es steckt viel Leidenschaft drin, es sind Details da und ich habe viel gelernt. Ich fand auch, dass die Mischung aus Liebesgeschichte und eher so wissenschaftlichen Einschüben absolut richtig war. Es war keinesfalls zu viel und es war dann in den Szenen auch nicht zu intensiv, als dass sie mich verloren hätte. Zudem hat sich das ganze Setting für einige höchst spannende Entwicklungen nutzen lassen. Da kam richtig Spannung und Mitfiebern auf. Auch wenn unterm Strich Henriette schon arg viel passiert ist, aber als Kritikpunkt sehe ich das keinesfalls. Machen wir hier also einen positiven Rahmen drum.

Dennoch gab es leider auch einige Aspekte, die mich „Fighting Through Deep Waters“ sehr zwiespältig sehen lassen. Ich würde auch alles auf der stilistischen Ebene verorten wollen, weil die Figuren an sich überzeugend angelegt sind. Henriette und Lukas sowieso, aber neben ihnen auch Kai, Abi, Emily und so viele andere. Die Paare der nächsten beiden Bände sind fast kaum von Bedeutung, was ich hier auch noch positiv nennen will, weil so die Konzentration auf einen kleineren Kreis bleibt und da einiges aufgearbeitet werden kann. Aber dennoch war immer ein Fuß auf dem Bremspedal. Ich habe zwischendurch auf regelrechte Explosionen gewartet, aber es kam kaum etwas. Das fängt schon bei den Kapiteln an, die als Rückblende dienen. Die haben mir echt gar nichts gegeben. Mit Henriettes Gedanken angesichts der ersten Begegnung nach all der Zeit wussten wir unheimlich viel und durch Lukas‘ Ergänzung gibt es auch keine Geheimnisse. Dementsprechend lagen alle Karten auf dem Tisch und die Szenen aus der Vergangenheit haben grundsätzlich alles ausgebremst, weil wir nichts Neues herausgefunden haben. Es werden auch verschiedene Jahre dargestellt und alleine von der Erzählweise ist nicht zu bemerken, dass sich das Alter verändert hat. All das hat für mich auch die Chemie zwischen Henriette und Lukas eingebremst, weil es zu brav wirkt und weil er sich gerade am Anfang auch nicht gerade galant verhält.

Auch wenn es sicherlich Gefühle zwischen den beiden gibt, aber sie kamen aus den Seiten mir nur zäh entgegen. Ich finde zwar, dass sie auch sehr gute Momente haben, aber da merkt man vor allem, dass sie auf der langjährigen Freundschaft fußen. Das Romantische, der sexy Teil, der wird mal eben drauf gepustet und es kam nicht so gut rüber. Beide Figuren bringen auch ihr Päckchen mit. Das Päckchen jeweils hat mir gefallen und auch was beide daraus für sich resultiert haben, auch das passte. Aber es fühlte sich am Ende unvollständig an. Es geht weiter und in den anderen Bänden wird es offenbar auch parallele Entwicklungen geben, aber wie viel werden wir Henriette und Lukas tatsächlich noch erleben? Warum ihre Geschichte dann so unvollständig lassen? Lukas hat am Ende den Durchbruch geschafft, doch ein persönliches Gespräch steht aus. Und bei Henriette gab es zwar mit Annelie einen wichtigen Schritt, aber die gesamte Familie gehört für mich eigentlich dazu und das wirkte unfertig. Es mag auch dem Umstand geschuldet sein, dass die Autorin einen Cliffhanger wollte, der wirklich alles mittendrin abbrechen lässt. Auch alles okay, man will ja Lust auf mehr machen, aber vorher hätten die Meilensteine bei Lukas und Henriette dennoch abgehakt werden können. Am Ende ging vielleicht die Lust/Zeit aus, ich weiß es nicht, aber sowohl individuell als auch die Paargeschichte und dann Aspekte des Studiums mit Wettbewerb etc., alles schweb nun im Raum.

Fazit: Ich lobe Julia Hausburg zunächst gerne für das Wagnis mit dem Auslandssemester auf dem Schiff, weil es neu ist und weil es für mich auch funktioniert hat. Es war voller Abenteuer und auch lehrreich. Jedoch gab es klare erzählerische Schwächen, weswegen mir die Liebesgeschichte zu brav war. Am Ende wirkte auch alles überstürzt abgebrochen, sodass ich mit gemischten Gefühlen aus dem Leseerlebnis gehe.

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Veröffentlicht am 19.03.2025

War der Wurm drin

Lessons in Forgiving
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Nach „Lessons in Faking“ habe ich Selina Mae sofort auf die Liste meiner Autorinnen gepackt, die ich fortan genauer beobachten und verfolgen werde. Auf „Lessons in Forgiving“ musste ich nun auch gar nicht ...

Nach „Lessons in Faking“ habe ich Selina Mae sofort auf die Liste meiner Autorinnen gepackt, die ich fortan genauer beobachten und verfolgen werde. Auf „Lessons in Forgiving“ musste ich nun auch gar nicht lange warten. Ich hatte davon gesprochen, dass da noch mehr bei der Autorin geht, ob der zweite Band das schon bewiesen hat?

Ich würde insgesamt wohl sagen, dass ich ein sehr zwiespältiges Bild von „Lessons in Forgiving“ erhalten habe. Es gab wieder genug Stellen, die mich sehr verzaubert haben. Maes Stärke bleibt, wenn das Paar ganz von sich ist, dass immer eine intime und intensive Atmosphäre entsteht und man den beiden gerne bei allem weiteren folgt. Umgekehrt ergab sich für mich durch die fehlende männliche Perspektive (ich hatte nicht erwartet, dass sich das mitten in der Reihe noch ändert) ein großer Nachteil. Dieser Band hat echt deutlich bewiesen, warum so eine GEMEINSAME Liebesgeschichte auch beide Perspektiven braucht. Als ich in New Adult angefangen habe, war die weibliche Perspektive üblich und es hat mir damals gereicht, aber inzwischen habe ich so viele Reihen mit beiden Perspektiven gelesen und es ist immer besser, sodass ich nur eine Sichtweise immer bedauere und vergleiche. Warum war es jetzt hier so gravierend? Wahrscheinlich hat den Startschuss schon die Widmung von Mae gegeben. Diese schließt mit den Dankesworten nachher einen Kreis und die Autorin hat dabei etwas sehr Persönliches geteilt. Und ich stimme ihrer Aussage sogar oft genug zu, gleichzeitig ist es doch etwas seltsam, dass bei einem Buch zu lesen, dass den Trope ‚Second Chance‘ bedient. New Adult steht oft auch in der Kritik, Mädchen und jungen Frau falsche Vorstellungen zu geben, vielleicht kommt daher auch diese Betonung, dass manche Ex aus dem richtigen Grund der Ex sind. Aber gerade wegen dieser vorangestellten ‚Warnung‘ habe ich für mich bemerkt, Henry mit einer gewissen Vorsicht zu begegnen.

Da wir nicht genau wissen, was einst zwischen Henry und Paula vorgefallen ist, haben wir ein Mysterium und ich habe mich immer gefragt, was hat er wohl getan? Und dann habe ich mich wieder geärgert, dass ich es so einseitig bei ihm gesucht habe. Denn man muss echt sagen, dass Henry weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart Skepsis verdient hätte. Im ersten Band hat er schon eine Rolle gespielt. Er war mir dort nicht übermäßig sympathisch, weil seine Fehde mit Dylan schon etwas anstrengend war, aber da wir dort auch nur die Perspektive von Athelia hatten, waren wir gefangen in ihrer belasteten Wahrnehmung. Aber es war schon ersichtlich, dass wir dort zwei Geschwister haben, die sich alles bedeuten, aber durch einen schlimmen Schicksalsschlag viel aufgebürdet bekommen haben, was gegen sie gespielt hat. Nun erlaubt uns dieser zweite Band nicht, Henry richtig hinter die Birne zu gucken. Und auch wenn er sehr strukturiert, wenig flexibel ist (aber das bin ich selbst auch und ich mag es an mir oft genug auch), so ist das schnell viel mehr. Schon alleine die erste Begegnung hat sofort ein Bild von ihm gezeichnet, was sich immer weiter verdichtet. Deswegen hat mich stellenweise dann ein wenig geärgert, dass immer wieder Bemerkungen zu Henry kamen, die nicht passten. An einer Stelle heißt es konkret, er wäre nicht empathisch. Reden wir vom selben Henry? Sooft wie er Paula priorisiert hat, wie er für sie etwas getan hat, weil er für sie mitgedacht hat, da passt es einfach nicht. Und jeder muss und sollte mal egoistische Momente haben und gerade in stressigen Phasen ist es auch nachvollziehbar, aber die Charakterisierung passt als Gesamtfazit überhaupt nicht.

Letztlich mündet das dann auch in der Enthüllung, was in der Vergangenheit genau passiert ist und auch hier hat mich dann gestört, dass es immer darum ging, wie Paula ihm verziehen kann? Dabei hatte ich angesichts des Konflikts das Gefühl, dass es weniger um individuelle Fehler ging, sondern um fehlende Kommunikation. Ich bin sicher, dass Henry und Paula es geklärt bekommen hätten, wenn sie nur einmal mit etwas zeitlichem Abstand miteinander geredet hätten. Und gerade angesichts dieser Gesamtperspektive waren manche Tendenzen schon fast ärgerlich. Das bedeutet keinesfalls, dass ich das Gefühl hatte, dass Mae etwas gegen Henry hatte, keinesfalls. Er wird ihr auch ein lieber Bookboyfriend gewesen sein, aber es wurden zu viele Chancen vertan, Henry wesentlich mehr Raum zu geben und dadurch die gemeinsame Geschichte ausgeglichener zu machen. In dem Kontext war Paulas stellenweise sehr naive Art auch schwierig, weil ich anfangs auch Alarmglocken hatte, in was sie sich da wohl noch reiten wird. Kommen wir aber nochmal zu den Basics zurück. Mae kann für mich schreiben und sie hat auch an sich eine gute Entwicklung der gemeinsamen Geschichte präsentiert. Deswegen, es war keinesfalls ein Reinfall. Vielleicht könnte ich „Lessons in Forgiving“ auch nochmal anders lesen, wenn ich jetzt weiß, was passiert. Denn die beiden funktionieren miteinander, wenn sie alleine sind, wird das wieder und wieder bewiesen. Doch das Lesen war für mich beeinflusst und nur das kann ich gerade bewerten.

Fazit: Selina Mae hat mich mit „Lessons in Forgiving“ doch sehr herausgefordert. Durch die Widmung wurde dem Buch eine Vorhersehung mitgegeben, die mich zu sehr beeinflusst hat. Es war wahrscheinlich alles nicht beabsichtigt, aber es ist passiert. Aber für mich war die Darstellung von Henry viel zu dürftig. Dabei hat er wohl den Green Flag-Pokal verdient. Für mich hätte es echt eine Highlight-Paarung werden können, aber gewisse Entscheidungen haben das verhindert.

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