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Veröffentlicht am 06.08.2025

Unaufgeregtes Whodunit

Pretty Perfect
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Manchmal ist es seltsam. Mir sagte der Autorinnenname Ally Condie etwas, aber bevor ich mich entschieden habe, „Pretty Perfect“ als Hörbuch zu hören, habe ich dann doch nicht mehr nachgeguckt, warum da ...

Manchmal ist es seltsam. Mir sagte der Autorinnenname Ally Condie etwas, aber bevor ich mich entschieden habe, „Pretty Perfect“ als Hörbuch zu hören, habe ich dann doch nicht mehr nachgeguckt, warum da was klingelt. Vor der Rezension habe ich es dann mal nachgeholt und tatsächlich! Condie ist die Autorin der Cassia / Ky-Trilogie. Aber oh weh, ist das lange her. Ich habe sie gerne gelesen, aber ich war letztlich doch überrascht, dass sie hinter „Pretty Perfect“ steht.

Der Titel ist vielleicht etwas irritierend, aber „Pretty Perfect“ ist für mich ein typisches Whodunit auf einer einsamen Insel. Statt eines Meisterdetektivs wie Hercule Poirot oder andere haben wir die frisch geschiedene Ellery, die alleine ihre Urlaubsreise antritt, die eigentlich die gemeinsamen Jahre mit ihrem Ehemann feiern sollte. Wir werden von Julia Nachtmann als Ellery durch die Geschichte begleitet. Da wir auch nur diese eine Erzählperspektive haben, hat das völlig ausgereicht und ich fand die Stimme angenehm. Sie ist was reifer und passt daher gut zu einer Frau, die schon mitten im Leben steht, die aber nach privatem Pech doch neu anfangen muss.

Whodunit-Strukturen lese und sehe ich echt gerne. Aber es ist schon so, dass sie besser passen, wenn da jemand mit Erfahrung am Werk ist. Es müssen nicht Privatdetektive, Polizisten etc. sein, aber eine ganz normale Lehrerin, die sich dann ohne Hindernisse zur Meisterdetektivin aufspielt, das war etwas seltsam. Ellery spielt sich nicht charakterlich auf, keineswegs. Sie ist eine ruhige, fast schon eher schüchterne Person, die viel Schmerz mit sich rumträgt und einfach fasziniert von den Gästen der Traumhochzeit ist, die rein zufällig auch auf der Insel stattfinden soll, bis es zur Tragödie kommt. Aber es ist dann einfach seltsam, wie Ellery nach dem Leichenfund sich gemeinsam mit Nina und Ravi auf die Lösungssuche macht und das auch so offensichtlich, während sie alle auch noch dabei unterstützen. Auch wenn nicht immer alle mit offenen Karten spielen, aber es war alles einfach strukturiert. Ja, dann ist Ellory eben jetzt die Kommissarin unter uns, ist doch ganz normal.

Auch wenn die zwei Verbrechen, die im Klappentext schon verraten werden, sicherlich den Eindruck eines Urlaubsparadieses verschlechtern, aber ich fand es schon seltsam, dass die Atmosphäre nicht ideal rüberkam. Auch wenn das Personal des Hotels zwischendurch Maßnahmen umsetzt, aber schaurig kam es nicht rüber. Es wirkte eher nach Wohlfühlatmosphäre. Erst am Ende wird dann wieder angezogen und es wird alles zu einem Showdown zusammengefasst. Es gibt nochmal einige Geheimnisse, aber letztlich sind es keine Zusammenhänge, die ich als sonderlich clever empfunden habe. Dafür lese ich dann doch zu viel Thriller, da war mir das alles etwas zu brav. Abschließend nochmal zurück zu Ellery, die ihre eigenen Dämonen zu bekämpfen hat und die beziehen sich nicht nur auf die gescheiterte Ehe. Auch das Trauma aus ihrem Job, dem habe ich zwischendurch viel Bedeutung beigemessen und habe mich gefragt, ob es da einen größeren Zusammenhang gibt. War aber nicht so. Es war dann an der Stelle einfach etwas aufgebauscht.

Fazit: Auch wenn es als Hörerlebnis flott durchzuziehen war, aber „Pretty Perfect“ war insgesamt eine wirklich nur mittelmäßige Unterhaltung. Auch wenn Ally Condie mir von früher noch ein Begriff ist, aber dieses Buch hat sie mich null wiedererkennen lassen und innerhalb des Genres wird es sich erst recht nicht behaupten können. Kann man lesen, aber ein Must-Read ist es wahrlich nicht.

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Veröffentlicht am 14.07.2025

Willkommen im (braven) The Darlington

The Darlington - Henry & Kate
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Als von Laura Kneidl die „Darlington“-Reihe angekündigt wurde, war ich enthusiastisch und skeptisch gleichermaßen. Ich fand es toll, von ihr mal wieder eine neue Liebesreihe zu bekommen, gleichzeitig musste ...

Als von Laura Kneidl die „Darlington“-Reihe angekündigt wurde, war ich enthusiastisch und skeptisch gleichermaßen. Ich fand es toll, von ihr mal wieder eine neue Liebesreihe zu bekommen, gleichzeitig musste ich aber auch an Mounia Jayawanth und ihre Van Day-Reihe denken, die auch in einem Hotel spielte, was mir insgesamt leider nicht so zugesagt hat. Aber ich bin positiv geblieben, weil Kneidl zum einen pro Band ein anderes Paar nimmt und weil es auch ganz andere Möglichkeiten gibt, das Hotel inhaltlich einzubinden.

Insgesamt muss ich sagen, dass der Auftakt zu Henry und Kate für mich einige Auf und Abs hatte. Grundsätzlich fand ich die Ausgangslage sehr interessant und das zunächst mal für beide Hauptfiguren separiert betrachtet. Henry als sehr junger Geschäftsführer des Hotels, der das schwere Erbe hat, dass gegen seinen Vater Klage wegen Vergewaltigung eingereicht wurde und nun den Ruf des Hotels retten muss. Umgekehrt haben wir mit Kate, der in jungen Jahren auf der Straße leben muss und kriminelle Aktivitäten durchziehen muss, um zu überleben. Die Gegensätze sind groß auf dem Papier, aber gleichzeitig doch auch sehr ähnlich, weil sie beide viel zu verlieren haben, aber für das kämpfen, wovon sie überzeugt sind. Ich mochte beide Charaktere auch, wenn ich auch sagen muss, dass sie mir in manchen Nuancen zu perfekt, zu gut waren. Henry positioniert sich großartig gegen seinen Vater, und das wiederholt, wie er auf die erste Begegnung mit Kate reagiert, Respekt, aber ich hätte mir da einfach ein paar mehr Ecken und Kanten gewünscht. Erst am Ende haben wir etwas mit ihm, mit dem ich persönlich nicht gerechnet hätte. Ich hatte einen Verdacht, der in eine etwas andere Richtung ging. Für die Geschichte passte es gut, aber es kam einfach sehr spät und ich hätte mir gerne vorher schon andere Seiten von Henry gewünscht.

Bei Kate würde ich sagen, dass wir über das Buch verteilt zwei sehr gegenteilige Seiten von ihr erleben. Auf der Straße ist sie eine Überlebenskünstlerin, sie wirkt frech, sie wirkt redegewandt, um keine Ausrede verlegen. Deswegen fand ich die erste Begegnung auch irgendwie lustig, weil sie sich einfach etwas rausgenommen hat, was sehr mutig war. Im späteren Verlauf fand ich Kate dann aber sehr verwandelt. Sie wurde immer braver und irgendwie angepasster. Dabei hätte ich mir die anfängliche Kate lieber durchgängig gewünscht. Da beide Figuren so sehr harmonisch aufeinander angepasst wurden, kam das Drama fast nur von außen, aber nicht aus ihnen als Paar heraus. Es wirkte alles so leicht (was auch eine Botschaft ist, ja), aber vielleicht zu leicht. So war es manchmal schwer, den mit den beiden restlos mitzufiebern. Zudem fehlten mir manche Aspekte deutlich. Das wäre zum einen, dass wir Henry nie selbst mit Ethan erleben, nur mit Logan. Auch wenn die Geschichten beider Brüder schon initiiert werden (auch ihrer Partnerinnen), aber es gab für die Brüderdynamik sehr wenig. Ja, Kneidl will sich natürlich auch etwas aufsparen, aber man kann nicht alles aufsparen, man muss auch vorher schon was Futter anreichen. Letztlich finde ich das Ende auch etwas übereilt. Es wurde zwar ein passender Bogen gefunden, aber das eigentliche Thema, wie die Beziehung der beiden angesichts der Gesellschaft funktionieren soll, das ist dann einfach abgehakt. Henry und Kate werden nicht einfach verschwinden, das ist klar, aber ich hätte mir hier erste klare Ideen gewünscht, weil ich mir die Beziehung der beiden in genau dem Umfeld nicht als dauerhaft glücklich vorstellen kann, denn sich nur darauf zu verlassen, man habe sich ja gegenseitig, das ist dann zu wenig.

So, jetzt ist erstmal alles raus, was ich etwas schade am Auftakt fand. Aber ich war keinesfalls nur unzufrieden. Ich fand, dass der Hotelalltag gut rübergebracht wurde. Wir haben Henry, der sich mit den ganzen äußeren Bedingungen beschäftigen muss, wir haben Kate kurzfristig als Dienstmädchen. Da war es schon gut integriert. Auch ansonsten fand ich viele Themen genau richtig. Zum einen die Obdachlosigkeit, die durchgängig beleuchtet wurde und so Aufmerksamkeit bekommen hat. Zum anderen eben Me Too, mit dem doppelten Standard in vielen Gesellschaftsschichten, der reißerische Blog, der mit ein wenig an Lady Whistledown erinnerte. Der Cliffhanger ist ebenfalls extrem geschickt, weil es eine heftige Sache zum Abschluss ist, die Lust auf mehr macht, die aber auch inhaltlich Ernsthaftigkeit andeutet.

Fazit: Die Reihe funktioniert von der Idee her und es wird noch zwei weitere Bände geben, die das endgültig beweisen können. Henry und Kate haben für „The Darlington“ aber keine restlose Begeisterung bei mir auslösen können. Es fehlten in vielen Aspekten Ecken und Kanten, weil es so etwas zu brav war. Aber Kneidl hat das drauf und sie hat sich jetzt in die Welt eingeschrieben, also einfach noch mehr, dann bin ich positiv-aufgeregt.

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Veröffentlicht am 02.06.2025

Ein ersehntes, aber holpriges Happy End

Dunbridge Academy - Anymore
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Die „Dunbridge Academy“-Reihe galt als beendet, aber viel Insistieren, viel Leidenschaft hat Sarah Sprinz überredet, noch einen vierten Band rund um Gideon und Grace nachzulegen. Ich muss gestehen, dass ...

Die „Dunbridge Academy“-Reihe galt als beendet, aber viel Insistieren, viel Leidenschaft hat Sarah Sprinz überredet, noch einen vierten Band rund um Gideon und Grace nachzulegen. Ich muss gestehen, dass die Reihe, die für viele der Durchbruch mit der Autorin war, durchaus meine Schwierigkeiten hatte, aber auch ich wollte jetzt natürlich wissen, wie es für diese beiden Charaktere weitergeht, vor allem, nachdem Grace im ersten Band eine so entscheidende Rolle hatte, die man ihr so keinesfalls gegönnt hat. Gibt es Gerechtigkeit für diese Figur?

Ich muss gestehen, dass „Anymore“ für mich ein fleißiges Abwechseln von richtig starken Stellen und verzweifeltem Haareraufen war. Fangen wir mit einem positiven Aspekt an. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich gerade am Anfang der Reihe oft dachte, dass man bei Sprinz nicht wirklich den Unterschied zwischen YA und NA bemerkt, weil ob nun High School oder College, die Rollen wirkten sehr ähnlich in ihrer emotionalen Reife und das wirkte manchmal etwas unnatürlich. Das kann ich für diesen vierten Band überhaupt nicht mehr kritisieren. Ich fand den Schreibstil an vielen Stellen sehr passend. Die Sprache war etwas einfacher gehalten, die Sätze wirkten oft wie Gedankenfetzen, ich fand es gut, auch wenn ich es eher seltener noch lese, aber es passte für mich ideal, gerade wenn man an die Jugendlichen von heute denkt. Aber man merkt es nicht nur am Schreibstil, sondern extrem an der emotionalen Reife und da muss ich dann wieder sagen, bin ich einfach zu alt? Ich war echt oft sehr verzweifelt, weil da einfach ein paar Schritte bei Grace und Gideon fehlten, vor allem bei ihm. Auf eine Art mochte ich ihn, auf eine andere hat er mich sehr genervt. Wie unbeholfen er sich teilweise ausgedrückt hat und wie viel er damit angerichtet hat, aber auch seine Gefühle, so extrem von Emotionen gesteuert, da hätte ich mir manchmal etwas mehr Hirn gewünscht.

Gideon ist Grace treu ergeben, das ist irgendwie süß, aber manchmal fand ich die Gedanken auch sehr besitzergreifend. Ich kann zwar nicht behaupten, dass er ihr dadurch die Selbstständigkeit abgesprochen hätte, aber dieser bewusste Unterschied zu Henry, dass er erkannt hat, was das Besondere an Grace ist, das war durchaus auch anstrengend. Zudem war es furchtbar, wie selten er einfach mal die Wahrheit gesprochen hat. Er ist mehr ein Mann der Gesten und da gab es viele süße Ideen und er hat schon deutlich auch immer gesehen und bemerkt, was mit Grace los ist. Aber durch seinen Mangel an Wortgewandtheit, durch seine Feigheit mit Ehrlichkeit, hat er auch immer wieder dazu beigetragen, dass es Grace nicht besser gehen konnte. Das hat das Buch natürlich aufgebauscht, es hat den Inhalt aber überdurchschnittlich depressiv gemacht. Dass wir am Anfang in einem tiefen Tal starten, das ist verständlich. Wir haben durch die anderen Bände schon mitbekommen können, wie es Grace gehen muss und das mit ihr vor allem ein Thema angesprochen werden wird. Aber es ist schon oft fast unerträglich, all diese Gedanken zu lesen, die sie hat. Sie passen zu ihr, aber sie tat mir auch extrem leid, ich wollte so viel besseres für sie.

„Anymore“ hat insgesamt einfach etwas Leichtigkeit zwischendurch gefehlt. Eine Liebesgeschichte lebt für mich auch von diesen Momenten, in denen sich das Pärchen unbesiegbar fühlt. Einfach loslässt. Und das fehlte hier. Es war so traurig und immer wenn ich dachte, yes, jetzt haben wir einen Moment für Grace, da hat Gideon wieder was echt Dummes getan bzw. gesagt. Dementsprechend folgte auf jede Minispitze schon wieder eine extreme Delle. Es war schon komisch, dass ich am Ende froh war, das Buch beendet zu haben, einfach um diese Stimmung abstreifen zu können, weil es belastet hat. Gleichzeitig will ich aber echt nicht verheimlichen, dass es einzelne Szene gab, die ich sehr gefeiert habe, die für mich die Reihe rund gemacht hat. Zudem mit dem Abschluss am Ende, einen konkreten Blick in die Zukunft aller zu haben, das war sehr nostalgisch. Es war tatsächlich nochmal ein Band, wonach ich dachte, das ist echt der bessere Abschluss. Was ich auch sehr feiere, das waren die Gespräche von Grace und Henry. Ich fand es so wichtig und es ist uns gegeben worden. Wir haben auch Gideon und Henry, was ich sehr gut fand. Da sind dann so einzelne Szenen, in denen man das Schreibtalent von Sprinz sehr gut erkennen kann.

Fazit: „Anymore“ aus der Dunbridge-Reihe war auf eine Art noch so wichtig, aber auf eine andere Art war es auch eine sehr anstrengende Lektüre. Im Gesamten war die ganze Atmosphäre sehr traurig und depressiv, es gab viel Augenrollen, weil dann Dinge passierten, die es noch länger hinauszögerten. Aber es gab auch Highlight-Stellen. Ich bin inhaltlich um vieles froh, aber stilistisch hätte ich es mir etwas anders gewünscht.

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Veröffentlicht am 05.05.2025

Qualitativ zweigeteilter Eindruck

Ashen Throne
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„Burning Crown“ von Marie Niehoff war letztes Jahr ein echter Überraschungshit für mich. Dabei ging es für mich noch nicht mal wirklich um die Drachen, sondern um das Konzept, was Drachen-Sein dort bedeutet. ...

„Burning Crown“ von Marie Niehoff war letztes Jahr ein echter Überraschungshit für mich. Dabei ging es für mich noch nicht mal wirklich um die Drachen, sondern um das Konzept, was Drachen-Sein dort bedeutet. Dazu war die Geschichte dicht und intensiv erzählt, sodass „Ashen Throne“ von mir sehr ersehnt wurde.

Da ich Band 1 schon als Hörbuch hatte, war es sehr passend, dass es auch bei Band 2 möglich war, denn so konnte ich wieder mit Leonie Landa und Sven Macht in die Welt von Yessa und Cassim eintauchen. Es hat mir auch erneut gut gefallen. Ich bin dieser Reihe wohl auch maßgeblich durch die Stimmen verfallen, sodass es wenig verwunderlich auch hier wieder sehr rund war. Dennoch muss ich sagen, dass „Ashen Throne“ für mich leider erst in der zweiten Hälfte inhaltlich das angeboten hat, was ich vom ersten Teil lieben gelernt habe. Zunächst bin ich aber gut in die Geschichte gestartet. Wir setzen unmittelbar am Cliffhanger aus Band 1 ein. Da auch nicht zu viel Zeit beim Hören vergangen ist, war ich sofort wieder im Geschehen drin. Zumal auch das Figurenrepertoire nicht übermäßig groß war und das World Building noch bewusst eng gehalten. Das hat es in jedem Fall erleichtert, auch ohne wiederholende Elemente sofort wieder gefesselt zu sein. Nach dem starken ersten Kapitel zum Einstieg, da hat mich die Geschichte dann aber etwas verloren. Ich hatte den Eindruck, dass alles etwas zu sehr auf der Stelle verharrte und dass es vor allem um die Vertiefung der Beziehung von Cassim und Yessa ging.

Die Liebegeschichte ist sehr wichtig für alles, auf jeden Fall, aber ich merke gerade bei Fantasy in letzter Zeit, dass es ein echter Spagat für viele Autoren ist. Wie viel soll es sein und wann ist es vielleicht zu viel? Eigentlich mochte ich das Tempo und wie viel Raum es einnimmt, bislang sehr gerne, aber die erste Hälfte von Band 2, da war es viel zu viel. Wenn ich die gesamte Handlung kenne, dann sehe ich natürlich, dass es auch auf etwas hingearbeitet hat und das in mehrfacher Hinsicht. Aber auch wenn ich immer ein Gesamtbild schätze und hinterher immer noch anders denken kann, so ist das konkrete Hörerlebnis in dem einen Moment damit nicht gleich vergessen und ich habe echt oft gedacht, wie bekloppt die beiden gerade sind. Es ging nur die ganze Zeit um Intimität und die Gefahr, was passieren könnte, aber es hat dennoch nicht interessiert.

Umgekehrt finde ich aber auch, dass die Spannungselemente, die wir in der ersten Hälfte haben, auf jeden Fall moralisch grenzwertig waren. Fantasy soll brutal, echt und schonungslos sein dürfen, auf jeden Fall! Aber gerade Romantasy, da fangen für mich schon die Einschränkungen an, zumal die Zielgruppe auch durchaus jüngere sein werden. Dementsprechend gab es zwei zusammenhängende Handlungselemente, die mich doch etwas skeptisch gemacht haben. In einem Krieg und wenn es ums Überleben geht, dann ist Moral nicht unbedingt das, auf was man gucken kann, aber ich weiß nicht, mir war es etwas zu heftig und vor allem im Nachhinein mit zu wenig Gedankengängen und Aufarbeitung.

Als wir dann aber in die zweite Hälfte gekommen sind, da passte für mich wieder viel, viel mehr und ich bin echt froh, dass sich nach den Enttäuschungen das Gefühl wieder einstellen konnte. Nachdem Cassims Geheimnis einmal heraus ist und wir vor allem die Welt von „Dragenbound“ noch einmal enorm erweitern, da gab es wieder so viel zu entdecken, da habe ich mich wieder besser mit Yessa identifizieren können und da wurde durch Cassims Perspektive auch viel besser deutlich, was er empfindet. Seine Geschichte wird überhaupt entschieden um Informationen ergänzt und somit gab es viele neue Puzzleteile, die neue Facetten ermöglichen. Damit ist dann das Potenzial für Band 3 auch wieder sehr hoch, weil man jetzt auch wirklich sieht, was der Plan sein wird und das wir an genau den Punkt kommen, den Cassim und Yessa beide beeinflusst haben und auf den sie, ohne persönliche Anwesenheit des Antagonisten, immer hingearbeitet haben.

Fazit: „Ashen Throne“ hat mich Nerven gekostet. Auch wenn es insgesamt wieder ein echtes Erlebnis war, aber ich fand die erste Hälfte echt zäh, teilweise fragwürdig und damit auch als Enttäuschung nach meiner Begeisterung für Band 1. Aber am Ball bleiben, lohnt sich auch schon mal und so war die zweite Hälfte dann wieder all das, was ich mir versprochen habe. Ich bin sehr hoffnungsvoll für einen explosiven Abschluss, aber trotzdem schade um das schwache 2.1.

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Veröffentlicht am 30.04.2025

Man merkt die Drehbuchautorin

How To End A Love Story
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Yulin Kuang ist in Hollywood als Regisseurin und Drehbuchautorin bereits etabliert, aber als Romanautorin ist sie bis „How to End a Love Story“ nicht tätig gewesen. Ich fand es interessant, als ich las, ...

Yulin Kuang ist in Hollywood als Regisseurin und Drehbuchautorin bereits etabliert, aber als Romanautorin ist sie bis „How to End a Love Story“ nicht tätig gewesen. Ich fand es interessant, als ich las, dass Kuang für eine kommende Emily Henry-Adaption das Drehbuch anfertigen wird. Eben diese Autorin war eine große Überraschung der letzten zwei Jahre für mich, dementsprechend klang alles wie ein Kreis, der sich schließen musste und gleichzeitig ist das Thema Hollywood, Serienproduktionen etc. immer etwas, was mich anzieht.

Aufgrund der Verbindung zu Henry habe ich bei Kuang vor allem einen sehr ähnlichen Stil vermutet, das bedeutet, eine ordentliche Portion Humor und Lockerheit, ohne aber den Dramen des Lebens den Raum zu nehmen oder sie lächerlich zu machen. Dadurch war der Anfang von „How to End a Love Story“ schon ein gewisser Schock. Alles geht mit einem schweren Schicksalsschlag für unsere Protagonistin Helen los. Auch wenn da eine gehörige Portion Sarkasmus rauszulesen war, aber gleichzeitig ist es schon sehr echt und ein sehr komplizierter Start, der aber auch neugierig macht. Im Verlauf wurde dann aber auch deutlich, dass vielleicht ein gewisser übertriebener Ton anfangs Helens Schutzmechanismus auf die Welt ist, aber das verliert sich auch schnell. Danach würde ich Kuangs Stil als sehr ernst und sehr persönlich beschreiben. Aufgrund der großen Parallelen zwischen der Autorin und Helen, sowohl beruflich als auch kulturell, habe ich immer wieder gemerkt, dass es viel, viel Verarbeitung offensichtlich war. Aber keinesfalls als Abrechnung, sondern einfach als Bedürfnis, eine sehr echte Geschichte zu erzählen.

Helen ist keine Figur, die man sofort und bedingungslos ins Herz schließen kann. Ihre Ablehnung Grant gegenüber ist lange hart und sie ist sich mit ihren Unsicherheiten selbst ihr größter Feind. Umgekehrt ist er eigentlich gleich die Figur, die einem näher ist, weil er insgesamt stabiler und mehr mit sich im Einklang wirkt. Umso überraschter war ich eigentlich, dass sich dieser Eindruck durch beide angebotenen Perspektiven verändert hat. Helen ist Kuang so nah, dass man ihr auch immer näher kommt. Helen ist auch am Ende keinesfalls die Figur, bei der man weiß, es gelingt alles leicht, nein, sie wird immer alles zerdenken, aber sie ist mir einfach sehr nahe, weil ich sie verstehe. Bei Grant waren die Ansätze sehr interessant, aber ich finde, dass seine Ausgestaltung irgendwann etwas abfällt. Da merkt man schon bald, dass es mehr um Helen und sie und Grant als Paar geht, aber sein Weg wird nicht mehr so konsequent dargestellt. Das Ungleichgewicht ist für mich definitiv ein Kritikpunkt. Hätte Kuang sich nur für Helens Perspektive entschieden, es wäre gar nicht so aufgefallen.

Auch wenn die Handlung schon mal von übertreibenden Momenten geprägt ist, aber wie gesagt, Humor war nicht mehr das Erste, an was ich bei dieser Geschichte denken musste. Der Kampf in Hollywood, Helens persönliche Situation mit ihrer Schwester, das angespannte Verhältnis zu den Eltern, all das hat der Geschichte viel mehr Tiefe gegeben, als ich anfangs gedacht hätte. Aber ich muss auch gestehen, dass „How to End a Love Story” nicht immer überall die Konsequenz zeigt, die ich mir intuitiv gewünscht hätte. Das gilt vor allem bei der Gestaltung der Adaption von Helens Bestsellerreihe. Die Sequenzen im Writer’s Room waren vielversprechend, aber die genauen Abläufe fielen dann irgendwann ab. Die Handlung entfernte sich davon und ich habe es echt vermisst. Beispielhaft kann ich das an einem Moment aufzeigen, den ich auch nicht als wesentlichen Spoiler empfinde. Grant schreibt eine der Episoden und Helen scheut sich, das dazu gehörende Drehbuch zu lesen, weil sie etwas gespiegelt bekommen könnte. Das ist okay, aber letztlich wirkt es so, als hätte sie es nie gelesen, wobei das nicht sein kann. Da hat mir einfach eine logische Erklärung gefehlt. Da war also öfters etwas aufgebaut, was dann aber nicht erfüllt wurde. Denn die ganzen Ideen, die waren alle super.

Zuletzt will ich auch noch ein paar Worte zur Liebesgeschichte verlieren. Für mich war es ein ziemliches Auf und Ab. Erst wirkte es etwas wie Frenemies to Lovers, dann passte auch das Spielchen. Aber es löste sich dann auf, aber nicht auf eine Art, bei der ich gut mitgekommen bin. Dann gab es echt tiefe, innige Momente, dann wieder viel Tempo, ausgelassene Momente, um die beiden besser zu verstehen. Unterm Strich hat mich dennoch alles mitgerissen, aber es war keine komplett weghauende Liebesgeschichte, dafür fehlte leider etwas Chemie.

Fazit: „How to End a Love Story” ist das Debüt von Yulin Kuang als Romanautorin. Drehbücher und Romane sind einfach nicht dasselbe, das wird auch sie wissen, aber es wird sicherlich auch nicht einfach sein, diese eine Seite in sich abzustellen. Denn mein Eindruck war schon, dass es Brüche in der Handlung gibt. Man kann sich den Roman wunderbar als Film vorstellen, aber Bücher und Adaptionen sind oft sehr unterschiedlich, weil es nicht eins zu eins zu kopieren ist. Dementsprechend war es inhaltlich sehr interessant, es war überraschend ernst, mit wenigen lustigen Momenten, aber es war auch an manchen Stellen zu sehr an der Oberfläche verharrt. Jetzt bin ich gespannt auf Kuangs Adaption von „Kein Sommer ohne dich“.

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