Licht im Schrecken
Weil wir es uns versprochen habenNachdem Brittainy Cherry zuletzt eine zusammenhängende Reihe rausgebracht hat, ist sie zurück bei einer Standalone-Romance und hat dafür eine Second Chance-Geschichte in petto.
Die Geschichte geht gleich ...
Nachdem Brittainy Cherry zuletzt eine zusammenhängende Reihe rausgebracht hat, ist sie zurück bei einer Standalone-Romance und hat dafür eine Second Chance-Geschichte in petto.
Die Geschichte geht gleich emotional intensiv los, denn wir erleben eine Episode aus Protagonistin Kierras Leben, die herzzerreißend ist und von der wir schnell entnehmen können, dass sie ihr weiteres Leben entscheidend formt. Es ist noch schwer, die einzelnen Umstände zusammenzufügen, aber genau das macht auch den Reiz aus, um irgendwann zu begreifen, wie alles zusammenhängt. Ich mag die zentralen Charaktere von Cherry eigentlich immer. Die sind nicht alle gleich, aber alle haben etwas, was einen sofort anzieht und das ist auch mit Kierra und Gabriel gelungen. Er ist ohnehin wieder absoluter Zucker, da tragen sowohl die Rückblenden als auch die Gegenwart zu bei. Er geht mit der jungen Kierra, der älteren Kierra, aber auch mit Ava stets sehr liebevoll und fürsorglich, aber auch kämpferisch um. Es war zwar in der Kindheit erst schwierig zwischen Kierra und Gabriel, aber das ist der einzige Moment, in dem es gehakt hat, denn alle sonstigen Szenen sind Chemie und damit Schicksal pur. Gabriel ist auch der Charakter, den es braucht, um Henry vergessen zu machen.
Denn bei Kierra ist der gesamte Zusammenhang schwer komplex. Es gibt viele Entscheidungen, die ich bei ihr nicht wirklich nachvollziehen kann, aber es hat mich nicht gestört, denn es ist ihre Geschichte und ich konnte in allen Zeitebenen mit ihr leiden. Für Kierra ist es einfach schade, dass sie nur wenig aktive Entscheidungen treffen kann, sondern dass sie im Grunde immer ihren Weg in den Entscheidungen anderer zu finden versucht. Das macht sie oft passiv, aber es hat mir gut gefallen, dass daran auch aufgezeigt wurde, dass passiv auf alles nur zu reagieren, einen noch lange nicht schwach macht, denn an andere zu denken und sich dafür zurückzunehmen, das ist auch eine spezielle Form der Stärke, die viel zu vielen fehlt. Zudem hat Cherry für mich das Thema häusliche Gewalt noch nie so konsequent durchgezogen. Es gibt einige echt sehr heftige Szenen, es gibt auch sehr verschiedene Weisen, wie Kierra damit umgeht, was für mich das echte Leben sehr gut abbildet. Kierra hat es damit schwerer, so leicht zu strahlen wie Gabriel, aber sie hat sich unwiderruflich in mein Herz geschlichen.
Es ist auch gut, dass das Buch so viel Abwechslung aus Licht und Schatten findet. Alles, was mit Henry passiert, wird durch Rückblenden oder durch tolle Gabriel-Gegenwartmomente abgefangen. Ohnehin sind auch Rückblick und Gegenwart sehr gut ineinander geschrieben worden, weil sich sofort Zusammenhänge ergeben, die noch mehr Emotionalität erzeugen. Ich war zunächst etwas skeptisch, wie mich die Handlung überzeugen wird, denn Kierra in einer Ehe und für das Happyend braucht es eine Trennung, das eröffnet immer ein Themenfeld, bei dem ich ganz schön allergisch reagieren kann: Seitensprung. Ich fand aber, dass es mir hier bei Cherrys inhaltlichen Entscheidungen null aufgestoßen ist. Gabriel und Kierra hatten beide Respekt füreinander und dementsprechend ist die Annäherung der beiden auch gestaltet worden. Der finale Showdown ist dann auch nochmal echt heftig, aber ich fand es gut, wie viele Figuren eingebunden wurden und wie viele einen Standpunkt entwickeln mussten. Das hat auch nochmal geholfen, der Thematik häusliche Gewalt gerecht zu werden. Am Ende siegt aber die wahre Liebe und da konnte ich mir eh sicher sein, dass von Cherry zu bekommen.
Fazit: „Weil wir es uns versprochen haben“ ist wieder ein sehr berührender Roman von Brittainy Cherry, der sich intensiv mit dem Thema häusliche Gewalt auseinandersetzt und dabei ein gutes Gewicht von zwei Männern findet, die Kierras Entscheidungen nachvollziehbar machen. Ich konnte durchweg mitleiden und mitfühlen.