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Veröffentlicht am 25.08.2025

Macht Lust auf eine nächste Reihe

In Case We Forget
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Als die Trilogie von Tess Tjagvad in der Anwaltskanzlei Gold, Bright & Partners angekündigt wurde, da war mit einem Vergleich mit „Suits“ gearbeitet worden und da konnte ich echt schlecht nein sagen. Der ...

Als die Trilogie von Tess Tjagvad in der Anwaltskanzlei Gold, Bright & Partners angekündigt wurde, da war mit einem Vergleich mit „Suits“ gearbeitet worden und da konnte ich echt schlecht nein sagen. Der erste Band hat es dann etwas schwierig gemacht, den Hype aufrechtzuerhalten, weil die Liebesgeschichte nicht richtig funkte und weil die juristischen Inhalte mir etwas zu zäh waren. Die Reihe hat sich danach aber gesteigert und jetzt haben wir mit „In Case We Forget“ den Abschlussband, der sich aber mit dem Paar beschäftigt, auf das schon alles hingearbeitet hat.

Auch wenn der dritte Band wie die anderen beiden eine Liebesgeschichte ist, so muss ich doch gleich am Anfang sagen, dass es deutlich mehr Judes Geschichte als die von Nora ist. Das sehe ich in anderen Bänden oft sehr kritisch, weil ich bei beiden Perspektiven auch gerne ein Gleichgewicht empfinden möchte. Hier war ich dann von mir selbst überrascht, dass ich unterm Strich sage, die Entscheidung der Autorin, den größeren Schwerpunkt bei Jude zu suchen, war durchaus richtig. Er war in den Bänden zuvor schon sehr präsent. Er war mysteriös inszeniert und man wollte ihn endlich kennenlernen und verstehen. Nora kennen wir natürlich auch nicht, aber es gab auch nicht viel Kontext, gespannt auf sie zu sein. Dementsprechend bin ich auch mit größeren Erwartungen an Jude an die Geschichte gegangen und das wurde alles sehr, sehr gut erfüllt. Zumal Nora ja keinesfalls austauschbar gestaltet wurde. Wir brauchen sie in ihrem Arbeitsumfeld nicht groß einzubetten, weil es dort einfach keine Probleme gibt, dafür haben wir ihre Familie und dann in der gemeinsamen Geschichte sowie der Freundschaft zu Lauren nehmen wir alles mit. Zumal es auch bei Noras Familie große Konfliktpunkte gibt, die am Ende für mich genau ideal angepackt wurde. Also weniger Erzählzeit für Solo-Nora, aber dafür alles rund. Wenn man als Autorin Entscheidungen trifft, dann muss man sie auch gut begründen und das wurde hier für mich erfüllt.

Der Anfang des Buchs ist voll auf Jude zugeschnitten. Wir bekommen Rückblenden, die uns direkt verraten, dass er süchtig ist und einen Entzug hinter sich hat. Das ist ein wichtiges Puzzleteil, das danach sehr die Handlung bestimmt und ihn natürlich auch sofort besser erklärt. Aber auch so helfen die anfänglichen Kapitel sehr, ganz langsam in seinen Kopf einzusteigen und ihn immer besser zu verstehen. Jude ist sicherlich kein Charakter, bei dem man sofort Feuer und Flamme ist. Es braucht Geduld, denn selbst inmitten seiner Gedanken ist da eine Wand, die uns alle etwas wegstößt. Aber ich mag komplexe Charaktere. Ich mag die, die voller Widersprüche sind, die aber dann immer mehr schmelzen und so viel offen legen, dass man sie einfach nur ins Herz schließen kann. Tjagvads Fokus auf Jude hat sich auf jeden Fall sehr gelohnt, denn ich fand die ganze Charakterzeichnung berührend. Ich habe ihn gerne auf seiner Reise begleitet. Er ist für mich ohne Frage der am besten gestaltete Charakter der Reihe. Das sieht man auch an der Lesezeit. Das Buch ist für eine Liebesgeschichte schon sehr dick. Ja, es gab für mich auch Längen, aber wenn ich mir alles im Gesamten so anschaue, dann ist es doch ein Eindruck von zum Glück hier besser zu viel als zu wenig.

Extrem wichtig fand ich auch, dass wir relativ schnell Noras Beweggründe verstehen, warum sie Boston vor wenigen Jahren so überstürzt verlassen hat. Es macht sie eigentlich erstmal suspekt, aber als ich das erste Mal ihre Gefühle las, da war ich einfach froh, dass es verarbeitet wurde. Denn Angehörige oder Partner von Süchtigen, das ist ein so schwieriges Spannungsfeld, dass ich es einfach wichtig finde, dass es hier behandelt wird. Der, der geht, um sich selbst zu schützen, wird sich immer mit Schuldgefühlen quälen, das ist völlig normal, aber niemand anders darf ihn verurteilen. Denn Sucht hat so viele hässliche Gesichter, in der sich nicht alle zusammen verlieren dürfen. Auch wenn es Jude und Lauren als beste Freundin sehr verletzt hat, aber es gibt keine perfekte Art zu gehen. Aber es ist mutig, es überhaupt zu schaffen zu gehen. Die Geschichte hat die Facetten davon sehr gut beleuchtet.

Wir haben letztlich auch wieder die Kanzlei und den juristischen Fall. Im Bereich Familienanwalt sind wir an einem sehr lebensnahen Fachbereich und das war eine gute Entscheidung. Es war nicht trocken, es war durch die gemeinsame Geschichte von Jude und Nathan extrem persönlich. Man konnte alles gut nachvollziehen und ja, es hatte gute Vibes von Anwaltsserien. Es war am Ende etwas arg konzentriert, wie der Konflikt bei Fall und Liebesgeschichte nochmal forciert wurde, aber nur ein kleinerer Meckerpunkt. Denn auch wenn ich ein bisschen die Augen verdreht habe, aber es war spannend und am Ende auf jeden Fall sehr emotional.

Fazit: „In Case We Forget“ kann den guten Eindruck des zweiten Bandes noch einmal bestätigen. Tess Tjagvad musste in ihr Vorhaben erst richtig einfinden, aber mit den letzten beiden Bänden hat sie die Mischung aus Liebesgeschichte und juristische Fall sehr gut hinbekommen. Hier ist definitiv das Highlight die Charakterzeichnung von Jude. Die ist sehr beeindruckend. Aber auch die Liebesgeschichte berührt. Auch weil die Autorin einen echt schönen Stil hat. Ich bin gespannt, was von ihr als nächstes kommen wird.

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Veröffentlicht am 27.06.2025

Willkommen in den alternativen Realitäten

Maybe In Another Life
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Während gerade alle „Atmosphere“ von Taylor Jenkins Reid lesen, habe ich mich auf „Maybe in Another Life“ gestürzt, das bereits 2015 im Original veröffentlicht wurde und auch das deutsche Publikum konnte ...

Während gerade alle „Atmosphere“ von Taylor Jenkins Reid lesen, habe ich mich auf „Maybe in Another Life“ gestürzt, das bereits 2015 im Original veröffentlicht wurde und auch das deutsche Publikum konnte 2017 schon bei Diana eine Übersetzung bekommen. Ullstein als neue Buchheimat der US-Amerikanerin hat sich die Rechte nun gesichert, weil Reid inzwischen ein ganz anderes Renommee hat. Dementsprechend habe ich das gleich mal genutzt, um ein älteres Werk von ihr zu lesen.

Auch wenn ich wahrlich nicht alle Bücher von Reid gelesen habe, aber oft bekommt man doch ein Gefühl für eine Autorin. Aber hätte auf „Maybe in Another Life“ nicht Taylor Jenkins Reid drauf gestanden, dann hätte ich das wohl niemals vermutet. Vergleiche mit Daisy Jones & The Six“ wären eh schwierig, aber selbst „Malibu Rising“ ist einfach anders. Aber diese Unterschiede sind dennoch nicht schlecht, denn ich finde „Maybe in Another Life“ ist auch ohne Ähnlichkeiten ein empfehlenswertes Buch. Ich hatte mich vorher mit dem Klappentext gar nicht so sehr beschäftigt, mir ging es rein um die Autorin. Dementsprechend hat es mich schon gecatcht, dass der Titel Programm ist und wir uns thematisch mit alternativen Realitäten beschäftigen. Hatte ich im Buch-, Serien- und Filmbereich alles schon. Also nicht neu, aber dennoch finde ich es immer wieder interessant, wie man es lesen kann und was man damit letztlich aussagt.

Wir haben als Protagonistin Hannah, die uns gleich mit der ersten Flugreise als sehr empathischer Mensch vorgestellt wird. Wir erleben sie aber auch rastlos, wir erleben sie nach dem größten Fehler ihres Lebens, dass sie die Beziehung mit einem verheirateten Mann weitergeführt hat, nachdem sie von seinem Beziehungsstatus herausgefunden hat. Sie flüchtet zurück nach L.A., dorthin, wo sie am ehesten so etwas wie Heimat gefunden hat, weil dort ihre beste Freundin Gabby lebt. Die Frauenbeziehung ist ein großer Anker und hat mir sehr gut gefallen, weil die beiden wirklich bedingungslos füreinander da waren. Dazu haben wir die alte Jugendliebe Ethan und die große Frage, nochmal ein Versuch oder doch nicht? Genau dort setzt dann ein, dass wir Hannahs Leben in zwei Versionen aufsplitten. Einmal mit einem Ja zu Ethan und einmal mit einem Nein.

Mir hat die Erzählweise danach gut gefallen. Kapitelweise springen wir in Version 1, dann in Version 2. Das hat schon Spannung erzeugt, weil ich auf beiden Ebenen wissen wollte, wie geht es jetzt weiter? Und auch wenn es kein Krimi war, aber es gab eine Sogwirkung, auf jeden Fall. Und das Beste war eben tatsächlich, dass ich bei keiner Version sagen konnte, die gefällt mir grundsätzlich besser als die andere. Es gab bei beiden High- und Lowlights, wie das echte Leben es immer bereit hält. Ich fand auch extrem interessant, es große Parallelen gab und auch Aspekte, die völlig unterschiedlich waren. Das hat für mich gut zu der Vorstellung gepasst, dass wir alle feste Anlagen in uns tragen, die uns sehr beeinflussen, aber letztlich haben wir immer eine Wahl. Manches ist vorherbestimmt, anderes haben wir in der Hand. Das war nicht nur an Hannah festzustellen, sondern an den anderen wichtigen Figuren in ihrem Leben auch.

Etwas riskant fand ich die Liebesgeschichten in beiden Versionen. Ich bin Romantikerin. Dementsprechend mochte ich hier eine dann doch deutlich lieber. Es wurde auch viel über Seelenverwandtschaft geredet und dazu passten Reids Entscheidungen als Autorin nicht. Aber richtig gestört hat es mich nicht, weil am Ende hat jeder seine Überzeugungen. Ich fand es auf jeden Fall gut, dass es sich am Ende nicht auflöst und wir eine echt passende Erklärung bekommen, die keine Fragen mehr offen lässt. Ob wir dann alle nach dem Buch uns verschiedene Versionen unseres Lebens vorstellen?

Fazit: „Maybe in Another Life“ ist für mich zwar keine absolute Wow-Lektüre, aber eine wirklich gute Unterhaltung. Die Grundidee ist unterhaltsam und lässt einen auch privat nicht los. Die Erzählweise ist geschickt, man will immer nur weiterlesen. Dementsprechend: Taylor Jenkins Reid hatte es auch schon vor ihrem großen Durchbruch echt drauf.

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Veröffentlicht am 03.06.2025

Unterhaltsame Scharade

The Paradise Problem – Wenn das Herz den perfekten Plan durchkreuzt
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Christina Lauren gehört für mich zu den Autoren, von denen ich mal gut etwas lesen kann, aber ich muss auch nicht alles gelesen haben, zumal das Autorinnenduo, das sich hinter dem Pseudonym verbirgt, ohnehin ...

Christina Lauren gehört für mich zu den Autoren, von denen ich mal gut etwas lesen kann, aber ich muss auch nicht alles gelesen haben, zumal das Autorinnenduo, das sich hinter dem Pseudonym verbirgt, ohnehin oft Standalones schreibt, was es noch einfacher bei dieser Praktik macht. Auf „The Paradise Problem“ hatte ich jetzt einfach Lust, weil es nach einer passenden Sommerlektüre klang.

Ich habe „The Paradise Problem“ als Hörbuch gehabt. Da kann ich gleich gestehen, dass ich Sandra Voss für die Protagonistin Anna sehr passend fand. Aber umgekehrt war es manches Mal etwas irritierend, Anna dann aus Liams Sicht zu erleben, der von Jesse Grimm gesprochen wird. Dafür muss ich wohl etwas weiter ausholen. Denn der Anfang des Buchs setzt sehr auf extreme Gegensätze zwischen dem Paar. Liam hat alles im Griff, er ist wortgewandt, er weiß, was er will, er ist erfolgreich, er wirkt wie aus einem Bilderbuch. Anna dagegen lebt eher in den Tag hinein, sie ist impulsiv, sie lässt es auch gerne mal extrem entspannt angehen. Sie hat auch Ziele, aber sie sucht dennoch immer erst den Spaß statt den Ernst im Leben. Voss hat das für mich grandios eingefangen, weil sie ihren Kapiteln immer dieses Lässige mitgegeben hat. Aus Liams Sicht wirkte sie aber oft anders, da hat sie diese Seiten manchmal etwas verloren und wirkte eher seriöser. Aber vielleicht unterstreicht es letztlich auch, dass die Perspektive auf sich selbst nicht mit denen von anderen übereinstimmen kann und muss. Auch wenn ich manchmal also dachte, ist Anna echt Anna, aber die Stimmen waren toll und gerade weil „The Paradise Problem“ so viele humorvolle Seiten hat, kam das durch das Erzählen noch zusätzlich rüber.

Die Unterschiede beim Paar hatten wir schon. Davon lebt die Erzählung natürlich enorm. Der Ausgangspunkt ist auch lustig und hat mich sehr an „Purple Clouds“ von Mounia Jayawanth erinnert. Liam und Anna sind nämlich verheiratet, weil es damals für beide ein passendes Arrangement war. Doch wirklich passiert ist zwischen ihnen nichts. Sie waren Mitbewohner, die aber völlig aneinander vorbeigelebt haben. Es war nach dem Anfangskapitel, wo Liam ‚West‘ auszieht, etwas seltsam, als es wieder eine Rolle rückwärts gab, denn der Auszug war extrem emotionslos. Aber gleichzeitig verstärkt das auch den Reiz, als die beiden sich dann tatsächlich wirklich kennenlernen müssen. Es war keine Liebe auf den ersten Blick zwischen ihnen, aber Liebe auf den zweiten Blick muss keinesfalls schlechter sein und das hat für mich die Geschichte gut bewiesen. Ich finde auch, dass das ganze Setting der exquisiten Hochzeit, zu der sie gemeinsam reisen, und was sich dann über Liams verrückte abgehobene Familie ergibt, echt genial war. Ich konnte es mir auch sofort als Verfilmung vorstellen, weil da so viele Elemente waren, die für mich zum Hören funktioniert haben, die aber vor allem verfilmt richtig Freude bereiten können. Das war für mich auch das Positivste am Buch, durch den Humor und die stetigen Handlungshöhepunkte gab es ständige Unterhaltung. Ich bin regelrecht hindurchgeflogen.

Das Schöne ist auch, dass die Unterschiede zwischen Anna und Liam sich immer mehr auflösen. Der Handlungsverlauf zeigt uns, dass die beiden sehr viel mehr gemeinsam haben, als man anfangs gedacht hätte. Ich fand auch, dass sie beide sichtbar bessere Seite bei sich hervorgerufen haben. Liam ist durch Anna entspannter geworden, gleichzeitig hat er sich mit ihr im Rücken leichter tun können, seine Perspektive auf die Welt noch zu verstärken. Anna umgekehrt hat nicht mehr nur ihren Vater, der ihr so wichtig ist, sondern sie hat noch jemanden, für den sie motiviert ist, kein Klischee von sich selbst zu sein, sondern sie hat eine Mission, bei der sie Spaß haben kann, bei der sie aber auch für Liam über sich hinauswächst. Gleichzeitig ist sie aber auch mutig genug, sich von den Westons nicht einschüchtern zu lassen. Abgesehen von den beiden gibt es doch einige sehr suspekte Gestalten in der Geschichte, das musste aber. Ich fand es nur bei Jake etwas schade, denn Liams Bruder, und Annas Kumpel, ich hätte ihn mir mit etwas mehr Rückgrat gewünscht. Aber die meisten anderen müssen eher Ekel sein, damit das alles funktioniert. Zwar war in dem ganzen finanziellen Arrangement alles etwas sehr künstlich zurechtgebogen, aber es hat für mich inhaltlich diesen Schwerpunkt auf Reichtum zugelassen. Ich habe mich dadurch emotional sehr an Anna gebunden, weil sie vieles gedacht und ausgesprochen hat, wie es mir auch ergeht. Insgesamt passte aber das Allermeiste sehr gut ineinander. Die Geschichte hätte wahrscheinlich sogar noch etwas andauern können, ohne dass ich da große Kritik empfunden hätte. Das ist ein großes Kompliment.

Fazit: „The Paradise Problem“ ist ähnlich wie „Summer in the City“ von Alex Aster eine überzeugende Sommerlektüre. Christina Lauren hat ihr eine durchgängige Unterhaltung geschaffen, die lustig, spannend, charakterlich gut ausgearbeitet und anziehend gestaltet ist. Die Unterhaltung würde wohl außerhalb der heißen Zeit des Jahres passen, aber es hat einfach ein besonderes Feeling von Sommerlektüre.

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Veröffentlicht am 20.05.2025

Abschied aus Chestnut Springs

Hopeless
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Elsie Silver ist relativ gesehen immer noch eine Neuentdeckung für den deutschen Buchmarkt, weswegen die Erscheinungen der Originalausgaben mit den Übersetzungen auch teilweise etwas weiter auseinanderliegen. ...

Elsie Silver ist relativ gesehen immer noch eine Neuentdeckung für den deutschen Buchmarkt, weswegen die Erscheinungen der Originalausgaben mit den Übersetzungen auch teilweise etwas weiter auseinanderliegen. Dementsprechend habe ich nicht mitbekommen, ob dieser fünfte Teil überhaupt geplant war, aber angesichts von allen Kommentierungen von Silver gehe ich schwer davon aus, dass sie Beaus Geschichte nicht direkt auf dem Schirm hatte. Zum Glück haben wir sie mit „Hopeless“ jetzt aber.

Auch wenn alle Eaton-Brüder ihre eigene Geschichte mit Tiefen haben, aber Beau als mittlerer Bruder ist sicherlich derjenige, der ein richtiges Trauma hinter sich hat. Seine Einsätze für die Armee haben die anderen Bände immer begleitet und wir haben immer schon Anteil an seinem Schicksal genommen. Dementsprechend war es ein spannender Gedanke, in seinen Kopf blicken zu können. Ich denke zwar, dass man Stichwort PTBS noch etwas mehr hätte rausholen können, aber sowohl seine Schlafprobleme als auch seine verbrannten Füße mit transplantierter Haut sind sehr gute Ansätze, um das Bild eines unsteten Mannes, der nach dem Kriegsgeschehen seinen Sinn im Leben noch nicht gefunden hat, zu zeichnen. Umgekehrt haben wir dann ergänzend Bailey, die ebenfalls schon Auftritte hatte, aber sie war tatsächlich eher eine Randerscheinung, sodass wir mit ihr doch eigentlich eine ganz neue Figur kennenlernen. Und das war großartig. Mir gefallen die Frauen bei Silver eigentlich alle immer gut, weil sie alle einen sehr eigenwilligen Kopf haben und für etwas einstehen, woran sie glauben (am liebsten für sich selbst). Bailey kommt aus ganz schwierigen Familienverhältnissen und ihr Nachname ist so mit Vorurteilen behaftet, dass niemand die echte Bailey kennt. Es war schon extrem lustig, aber auch bewundernswert, welche Schlagfertigkeit, welche Unverblümtheit und letztlich auch Mut sie hat. Ich mochte sie echt sehr.

Ich habe ja auch schon mehrfach zugegeben, dass ich mit Silvers Beschreibungen von intimen Szenen schon mal etwas hadere, aber hier in „Hopeless“ hat es mir einfach auch gefallen, dass die Annäherung aneinander so wunderbar gelungen ist. Der physische Teil wurde erst spät bedeutend und das verrät mir immer wieder, dass Silver auch an einer emotionalen Bindung interessiert ist, die alles weitere erst richtig intensiv macht. Bei Beau und Bailey haben wir einen größeren Altersunterschied und dementsprechend auch sehr unterschiedliche Erfahrungen. Das wird behutsam beleuchtet, auch weil ich bei Beau immer gemerkt habe, welchen Respekt er vor ihr hat. Obwohl das Fake Verlobtsein sich schnell dadurch auszeichnet, dass sie sich körperlich und emotional näherkommen, aber es gibt immer eine Grenze, die Beau bewahren will. Auch wenn es Bailey zwischendurch verrückt macht und frustriert, aber es ist dennoch eigentlich die Eigenschaft, die ihn am Ende so wertvoll für sie als Partner macht. Denn er wird sie immer priorisieren und aufgrund seiner Erfahrungen auch Möglichkeiten für sie sehen, die sie noch gar nicht erahnen kann. So hilfreich Beau für Baileys Entwicklung ist, so gilt das aber auch anders herum. Sie lernt seine wahren Gefühle zu allem kennen und sie ermuntert ihn zu ergründen, wer er sein will.

„Hopeless“ hat mich echt durchgängig wieder unterhalten. Denn Beau und Bailey funktionieren perfekt, aber auch die anderen Paare sowie die Familie der Eatons sind wieder überzeugend eingebunden worden. Die Ansätze zu Beau und Winter wurden toll aufgegriffen, Bailey wird eingebunden in die Frauenwelt, die Freundschaft zwischen Beau und Jasper. So viel Cooles war wieder da und es hat sich alles organisch eingefühlt. Silver hat echt ein Händchen dafür, ihre Paare und sonstige Figuren in einen Kontext zu bringen. „Hopeless“ war jetzt wohl wirklich der Abschluss und das ist okay, denn alle haben ihr Happy End. Wir haben sehr unterschiedliche Geschichten bekommen und die allermeisten haben mich richtig mitgerissen. Auch wenn ich die intimen Szenen wohl niemals vollends feiern werde, aber Silver bittet drum herum so viel an, dass es dann fast schon wieder egal ist.

Fazit: „Hopeless“ ist wohl nun das Ende der Chestnut Springs-Reihe und es gab nochmal ein echtes Ausrufezeichen. Beaus Geschichte hat alles rund gemacht und Bailey war eine geniale Ergänzung, weil sie fast meine liebste Frauenfigur ist. Es geht viel um Selbstfindung, zu überwindendes Trauma, um Respekt und so viel mehr. Silver hat mit der Reihe nicht zuletzt so viele Leser international für sich gewonnen.

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Veröffentlicht am 19.05.2025

Poetik mit außergewöhnlichen Themen

A Poet's Heart (Broken Artists, Band 1)
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Vor dieser Rezension zu „A Poet’s Heart“ dachte ich, dass es mein erstes Buch von Rebekka Weiler ist, nur um dann festzustellen, oh nein, inkorrekt. Das war „The Moment I Lost You“, was etwa drei Jahre ...

Vor dieser Rezension zu „A Poet’s Heart“ dachte ich, dass es mein erstes Buch von Rebekka Weiler ist, nur um dann festzustellen, oh nein, inkorrekt. Das war „The Moment I Lost You“, was etwa drei Jahre her ist. Beim Klappentext kam es mir auch sofort wieder in den Sinn, aber dass es noch einen zweiten Band gab, völlig verpasst. Die Northern Hearts-Reihe wiederum habe ich öfters bei Social Media erblickt, weswegen ich eben dachte, die habe ich nicht gelesen, also kenne ich Weiler nicht. Verrückt, wie es manchmal geht, aber ich bin froh, dass die vermeintliche Neuentdeckung eine Rückkehr zu Wurzeln sind, die mir immer gut gefallen.

Denn wenn ich mich noch vage erinnere, dann hat Weiler schon mit „The Moment I Lost You“ bewiesen, dass sie sehr sensibel und intensiv erzählen kann. Das wird mit dem Auftakt zur Broken Artists-Reihe wieder bestätigt. Denn das erleben wir in „A Poet’s Heart“ gleich von beiden Seiten. Das finde ich auch direkt sehr, sehr positiv. Denn es gibt Bücher, sogar manchmal ganze Reihen, in denen ich merke, dass nur eine Figur eine schwere Last trägt und es die Aufgabe des anderen ist, sie aufzubauen oder bei der Heilung zu unterstützen. Auch wenn das natürlich realistisch ist, weil in Beziehungen immer mal einer das größere Päckchen zu tragen hat, so finde ich bei so einem Ausschnitt aus dem Leben doch wichtiger zu zeigen, dass beide keine perfekte Leben haben, denn am Tiefpunkt kann man die Charakterzüge am besten erkennen. Bei Yva und Fenn wird das genau erfüllt. Sein Päckchen bleibt länger verborgen, auch wenn man sich gewissen Gedanken natürlich vorher schon machen kann, ihres steht gleich am Anfang, aber prägt die Geschichte auch durchgehend.

Die Themenauswahl finde ich dabei sehr spannend. Bei ihr ist es häusliche Gewalt, bei ihm eine Sprechstörung. Gerade Fenns Päckchen fand ich auch total neu und hat die Geschichte extrem ungewöhnlich gemacht. Ich fand das als Botschaft echt super, weil es unterstreicht, wie viele Formen verzaubernde Liebesgeschichten haben können. Zudem hat Fenn ein starkes Mittel zum Ausdrücken und zwar seine Musik. Wie der Reihenname es schon angedeutet hat, haben wir es bei den Paarungen mit mindestens einem Künstler zu tun. Zentral gilt das hier für Fenn, wenn ich Yva auch nicht ausnehmen würde. Mit ihrer Malerei, die sie auch mit seinen Songs verbindet, steht sie ihm in nichts nach, dennoch nehmen seine Songs mehr Raum ein, auch weil es zu jedem Kapitelanfang einen Auszug gab. In Weiler schlummert definitiv auch eine Poetin, denn schon die wenigen Zeilen haben mich immer schon sehr berührt. Auch wenn ich mir keine Musik dazu denken konnte, aber Worte haben eben genauso eine Wirkung. Zudem waren die Texte perfekt, um Fenn neben seinen Kapiteln besser zu verstehen. Ich fand im gesamten Buch, dass es auch sehr einfühlsam dargestellt wurde, wie Yva mit Fenn umgeht. Auch wenn wir viele Beispiele von Mobbing erleben, aber wir haben das Gegengewicht von Toleranz deutlich und wir haben eine Liebesgeschichte, die durch den Faktor von Fenn besonders geworden ist. So kann man positiv herausstechen.

Yvas Päckchen habe ich schon etwas öfters zu lesen bekommen, aber es ist dennoch auch eher die Seltenheit. Auch das hat Weiler gut umgesetzt. Mit der Schwester und Yva selbst haben wir verschiedene Formen von häuslicher Gewalt gut beleuchtet und es sind alle Gedanken drin gewesen, die ich mir von so einem sensiblen Thema dann auch erhoffe. Auch wenn wir Szenen aktiv mitbekommen und eine Triggerwarnung dementsprechend richtig war, aber ich finde, dass es genau das Maß hat, um aufzurütteln, aber keinesfalls eine Sensationsgier oder ähnliches zu befriedigen. Neben dieser Dramatik haben wir auch kleine Momente der Leichtigkeit, wir bekommen etwas von Stockholm mit (wenn ich mir das auch etwas mehr erhofft hatte) und wir bereiten die nächsten beiden Geschichten vor. Mir hat auch die Selbstverständlichkeit von Frauen-Männer-Freundschaften sehr gefallen, ohne dass es Pärchenbeziehungen entstanden ist. Insgesamt hat mir die Mischung aus den vielen Entscheidungen echt sehr gut gefallen.

Fazit: „A Poet’s Heart“ holt auf jeden Fall alle die ab, die zarte, intensive und gefühlvolle Liebesgeschichten mögen. Das Miteinander von Yva und Fenn, die Geschichten der beiden individuell, die Songtexte, da war schon echt viel, was mich sehr berührt und mitgerissen hat. Eine klare Leseempfehlung spreche ich da mit Leichtigkeit aus.

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