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Veröffentlicht am 13.11.2025

Licht im Schrecken

Weil wir es uns versprochen haben
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Nachdem Brittainy Cherry zuletzt eine zusammenhängende Reihe rausgebracht hat, ist sie zurück bei einer Standalone-Romance und hat dafür eine Second Chance-Geschichte in petto.

Die Geschichte geht gleich ...

Nachdem Brittainy Cherry zuletzt eine zusammenhängende Reihe rausgebracht hat, ist sie zurück bei einer Standalone-Romance und hat dafür eine Second Chance-Geschichte in petto.

Die Geschichte geht gleich emotional intensiv los, denn wir erleben eine Episode aus Protagonistin Kierras Leben, die herzzerreißend ist und von der wir schnell entnehmen können, dass sie ihr weiteres Leben entscheidend formt. Es ist noch schwer, die einzelnen Umstände zusammenzufügen, aber genau das macht auch den Reiz aus, um irgendwann zu begreifen, wie alles zusammenhängt. Ich mag die zentralen Charaktere von Cherry eigentlich immer. Die sind nicht alle gleich, aber alle haben etwas, was einen sofort anzieht und das ist auch mit Kierra und Gabriel gelungen. Er ist ohnehin wieder absoluter Zucker, da tragen sowohl die Rückblenden als auch die Gegenwart zu bei. Er geht mit der jungen Kierra, der älteren Kierra, aber auch mit Ava stets sehr liebevoll und fürsorglich, aber auch kämpferisch um. Es war zwar in der Kindheit erst schwierig zwischen Kierra und Gabriel, aber das ist der einzige Moment, in dem es gehakt hat, denn alle sonstigen Szenen sind Chemie und damit Schicksal pur. Gabriel ist auch der Charakter, den es braucht, um Henry vergessen zu machen.

Denn bei Kierra ist der gesamte Zusammenhang schwer komplex. Es gibt viele Entscheidungen, die ich bei ihr nicht wirklich nachvollziehen kann, aber es hat mich nicht gestört, denn es ist ihre Geschichte und ich konnte in allen Zeitebenen mit ihr leiden. Für Kierra ist es einfach schade, dass sie nur wenig aktive Entscheidungen treffen kann, sondern dass sie im Grunde immer ihren Weg in den Entscheidungen anderer zu finden versucht. Das macht sie oft passiv, aber es hat mir gut gefallen, dass daran auch aufgezeigt wurde, dass passiv auf alles nur zu reagieren, einen noch lange nicht schwach macht, denn an andere zu denken und sich dafür zurückzunehmen, das ist auch eine spezielle Form der Stärke, die viel zu vielen fehlt. Zudem hat Cherry für mich das Thema häusliche Gewalt noch nie so konsequent durchgezogen. Es gibt einige echt sehr heftige Szenen, es gibt auch sehr verschiedene Weisen, wie Kierra damit umgeht, was für mich das echte Leben sehr gut abbildet. Kierra hat es damit schwerer, so leicht zu strahlen wie Gabriel, aber sie hat sich unwiderruflich in mein Herz geschlichen.

Es ist auch gut, dass das Buch so viel Abwechslung aus Licht und Schatten findet. Alles, was mit Henry passiert, wird durch Rückblenden oder durch tolle Gabriel-Gegenwartmomente abgefangen. Ohnehin sind auch Rückblick und Gegenwart sehr gut ineinander geschrieben worden, weil sich sofort Zusammenhänge ergeben, die noch mehr Emotionalität erzeugen. Ich war zunächst etwas skeptisch, wie mich die Handlung überzeugen wird, denn Kierra in einer Ehe und für das Happyend braucht es eine Trennung, das eröffnet immer ein Themenfeld, bei dem ich ganz schön allergisch reagieren kann: Seitensprung. Ich fand aber, dass es mir hier bei Cherrys inhaltlichen Entscheidungen null aufgestoßen ist. Gabriel und Kierra hatten beide Respekt füreinander und dementsprechend ist die Annäherung der beiden auch gestaltet worden. Der finale Showdown ist dann auch nochmal echt heftig, aber ich fand es gut, wie viele Figuren eingebunden wurden und wie viele einen Standpunkt entwickeln mussten. Das hat auch nochmal geholfen, der Thematik häusliche Gewalt gerecht zu werden. Am Ende siegt aber die wahre Liebe und da konnte ich mir eh sicher sein, dass von Cherry zu bekommen.

Fazit: „Weil wir es uns versprochen haben“ ist wieder ein sehr berührender Roman von Brittainy Cherry, der sich intensiv mit dem Thema häusliche Gewalt auseinandersetzt und dabei ein gutes Gewicht von zwei Männern findet, die Kierras Entscheidungen nachvollziehbar machen. Ich konnte durchweg mitleiden und mitfühlen.

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Veröffentlicht am 06.10.2025

Mutige Frauengeschichte

Atmosphere
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Auch wenn ich beileibe noch nicht alles von Taylor Jenkins Reid gelesen habe, so habe ich sie mit allen Neuerscheinungen immer auf dem Schirm. Selbst wenn stilistisch immer etwas sehr Typisches für die ...

Auch wenn ich beileibe noch nicht alles von Taylor Jenkins Reid gelesen habe, so habe ich sie mit allen Neuerscheinungen immer auf dem Schirm. Selbst wenn stilistisch immer etwas sehr Typisches für die Autorin zu erkennen ist, so finde ich umgekehrt, dass sie mit ihren Geschichten immer etwas sehr Spezielles erzählt, sodass jedes für sich unverwechselbar ist.

Das gilt auch extrem für „Atmosphere“. Entweder Reid probiert sich über die Art aus, wie sie etwas erzählt, Stichwort „Daisy Jones and the Six“, oder aber sie erschafft Welten, in denen kämpferische Frauenfiguren ihren Weg finden müssen. „Atmosphere“ hat mich sehr an den oscarprämierten Film „Hidden Figures“ erinnert, aber quasi als Nachfolger. Im Film wurde die leider eher unbekannte Geschichte von drei Schwarzen Frauen erzählt, die in den 1950er und 1960er Jahren für die NASA gearbeitet haben. Reid wiederum verlegt ihr Geschehen in den 1980er, also auf jeden Fall 20 Jahre später. Hier haben wir es mit einer komplett fiktionalisierten Geschichte zu tun, wenn es historisch auch korrekt ist, dass in den 80ern immer mehr Frauen Teil von Space-Programmen wurde. Sie wurden nur nie so berühmt wie ihre männlichen Gegenstücke. Aber „Atmosphere“ zeigt für mich auch deutlich auf, dass es nie darum ging, die Ersten für etwas zu sein, sondern sich die eigenen Träume zu erfüllen.

Ich habe mich informiert, dass Reid für ihr insgesamt schon neuntes Buch viel Recherche betrieben hat und das ist dem Buch auf jeden Fall anzumerken. Auch wenn ich wahrlich keine Expertin bin, aber da wird bereits mit der Beschreibung einer Katastrophensituation in den Roman starten, war ich sofort drin. Auch später gibt es viele Beschreibungen, die man nicht einfach aus dem Ärmel schütteln könnte. Dementsprechend war Reid hier sehr bemüht, alles so getreu wie möglich abzubilden. Ich finde auch, dass ihre Beschreibungen bei mir echtes Kopfkino ausgelöst haben. Sicherlich hat auch geholfen, dass ich „Atmosphere“ als Hörbuch hatte und Sandra Voss mich als hauptsächliche Stimme von Joan durch das Geschehen geleitet hat. Sie hat eine Portion Emotionalität in die besonders dramatischen Momente eingebracht, die die Bilder im Kopf sicherlich befeuert hat. In jedem Fall ist das Astronauten-Dasein eine gute Wahl gewesen, weil wirklich nur ein sehr kleiner Anteil von Menschen überhaupt daran beteiligt ist (mal sehen, wie das mit dem Raumtourismus durch Bezos, Musk und Co. noch weitergeht) und weil es daher auch einfach spannend ist, in diese Welt einzutauchen. Wir bekommen auch echt viel geboten. Neben diesem dramatischen Einsatz, der die Geschichte rahmt, ist es auch Joans Ausbildung und das habe ich gerne mitverfolgt.

Das Buch ist aber auch nicht einfach nur eine Astronautengeschichte, weil es um Joan Goodwin mit allen Facetten ihres Lebens geht. Genau das ist auch der Teil, der mich am meisten an Reids Stilistik erinnert hat. Neben ihrem irgendwann entflammten Traum, Astronautin zu werden, ist Joan mitten in einer komplexen Familiensituation, weil ihre Schwester ungeplant schwanger wird, doch im Grunde hätte Joan das Kind auch selbst zur Welt bringen können, weil sie schnell wie die Ersatzmutter agieren muss. Dann haben wir noch Joans sexuelles Erwachen als zweiten großen Schwerpunkt. Joan wirkt durch manche Dinge manchmal etwas naiv, weil sie alt genug ist, um eigentlich schon über andere mehr mitbekommen zu haben, aber es passte für mich ganz gut in die 80er, die mit uns heute, 40 Jahre später, nicht zu vergleichen sind. Gerade die Familiengeschichte ist auch etwas, bei der ich gut nachvollziehen konnte, warum Joan da so blind agiert, weil die eigenen Familienmitglieder diese blinden Flicken gut provozieren können. Aber es war auch großartig, wie alle drei Themenkomplexe immer wieder ineinandergegriffen haben. Es hat mir insgesamt auch gezeigt, dass eine Liebesgeschichte nicht immer alles ist. Überzeugende Charaktergeschichten muss man über ein Gesamtkonstrukt rüberbringen und das war hier definitiv der Fall.

Warum ich jetzt letztlich nicht zu fünf Sternen greife, das liegt vielleicht etwas darin begründet, dass für mich das Tempo der Handlung nicht immer stimmte. Reid wollte einen längeren Zeitraum erzählen, was auch absolut richtig war. Aber es war für mich zu sehr im Ungleichgewicht, wo sie wie viel Zeit aufgewendet hat. Gerade im ersten Drittel gab es Stellen, die etwas kürzer hätten sein können, während es am Ende übertrieben schnell ging. Ich hätte keinesfalls verlangt, die Handlung grundsätzlich länger zu gestalten, nein, es war gewichtig genug, aber das Verhältnis untereinander, das war ausbauwürdig.

Fazit: Reid hat mich wieder gepackt bekommen, weil auch „Atmosphere“ eine dichte Erzählung ist, die mit vielen Facetten überzeugt. So mag ich mutige und individuelle Frauengeschichten am liebsten. Auch wenn die erzählten Zeiten gemischt mit Zeitsprüngen besser hätten ausbalanciert werden können, ist es eine sehr empfehlenswerte Lektüre.

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Veröffentlicht am 25.08.2025

Macht Lust auf eine nächste Reihe

In Case We Forget
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Als die Trilogie von Tess Tjagvad in der Anwaltskanzlei Gold, Bright & Partners angekündigt wurde, da war mit einem Vergleich mit „Suits“ gearbeitet worden und da konnte ich echt schlecht nein sagen. Der ...

Als die Trilogie von Tess Tjagvad in der Anwaltskanzlei Gold, Bright & Partners angekündigt wurde, da war mit einem Vergleich mit „Suits“ gearbeitet worden und da konnte ich echt schlecht nein sagen. Der erste Band hat es dann etwas schwierig gemacht, den Hype aufrechtzuerhalten, weil die Liebesgeschichte nicht richtig funkte und weil die juristischen Inhalte mir etwas zu zäh waren. Die Reihe hat sich danach aber gesteigert und jetzt haben wir mit „In Case We Forget“ den Abschlussband, der sich aber mit dem Paar beschäftigt, auf das schon alles hingearbeitet hat.

Auch wenn der dritte Band wie die anderen beiden eine Liebesgeschichte ist, so muss ich doch gleich am Anfang sagen, dass es deutlich mehr Judes Geschichte als die von Nora ist. Das sehe ich in anderen Bänden oft sehr kritisch, weil ich bei beiden Perspektiven auch gerne ein Gleichgewicht empfinden möchte. Hier war ich dann von mir selbst überrascht, dass ich unterm Strich sage, die Entscheidung der Autorin, den größeren Schwerpunkt bei Jude zu suchen, war durchaus richtig. Er war in den Bänden zuvor schon sehr präsent. Er war mysteriös inszeniert und man wollte ihn endlich kennenlernen und verstehen. Nora kennen wir natürlich auch nicht, aber es gab auch nicht viel Kontext, gespannt auf sie zu sein. Dementsprechend bin ich auch mit größeren Erwartungen an Jude an die Geschichte gegangen und das wurde alles sehr, sehr gut erfüllt. Zumal Nora ja keinesfalls austauschbar gestaltet wurde. Wir brauchen sie in ihrem Arbeitsumfeld nicht groß einzubetten, weil es dort einfach keine Probleme gibt, dafür haben wir ihre Familie und dann in der gemeinsamen Geschichte sowie der Freundschaft zu Lauren nehmen wir alles mit. Zumal es auch bei Noras Familie große Konfliktpunkte gibt, die am Ende für mich genau ideal angepackt wurde. Also weniger Erzählzeit für Solo-Nora, aber dafür alles rund. Wenn man als Autorin Entscheidungen trifft, dann muss man sie auch gut begründen und das wurde hier für mich erfüllt.

Der Anfang des Buchs ist voll auf Jude zugeschnitten. Wir bekommen Rückblenden, die uns direkt verraten, dass er süchtig ist und einen Entzug hinter sich hat. Das ist ein wichtiges Puzzleteil, das danach sehr die Handlung bestimmt und ihn natürlich auch sofort besser erklärt. Aber auch so helfen die anfänglichen Kapitel sehr, ganz langsam in seinen Kopf einzusteigen und ihn immer besser zu verstehen. Jude ist sicherlich kein Charakter, bei dem man sofort Feuer und Flamme ist. Es braucht Geduld, denn selbst inmitten seiner Gedanken ist da eine Wand, die uns alle etwas wegstößt. Aber ich mag komplexe Charaktere. Ich mag die, die voller Widersprüche sind, die aber dann immer mehr schmelzen und so viel offen legen, dass man sie einfach nur ins Herz schließen kann. Tjagvads Fokus auf Jude hat sich auf jeden Fall sehr gelohnt, denn ich fand die ganze Charakterzeichnung berührend. Ich habe ihn gerne auf seiner Reise begleitet. Er ist für mich ohne Frage der am besten gestaltete Charakter der Reihe. Das sieht man auch an der Lesezeit. Das Buch ist für eine Liebesgeschichte schon sehr dick. Ja, es gab für mich auch Längen, aber wenn ich mir alles im Gesamten so anschaue, dann ist es doch ein Eindruck von zum Glück hier besser zu viel als zu wenig.

Extrem wichtig fand ich auch, dass wir relativ schnell Noras Beweggründe verstehen, warum sie Boston vor wenigen Jahren so überstürzt verlassen hat. Es macht sie eigentlich erstmal suspekt, aber als ich das erste Mal ihre Gefühle las, da war ich einfach froh, dass es verarbeitet wurde. Denn Angehörige oder Partner von Süchtigen, das ist ein so schwieriges Spannungsfeld, dass ich es einfach wichtig finde, dass es hier behandelt wird. Der, der geht, um sich selbst zu schützen, wird sich immer mit Schuldgefühlen quälen, das ist völlig normal, aber niemand anders darf ihn verurteilen. Denn Sucht hat so viele hässliche Gesichter, in der sich nicht alle zusammen verlieren dürfen. Auch wenn es Jude und Lauren als beste Freundin sehr verletzt hat, aber es gibt keine perfekte Art zu gehen. Aber es ist mutig, es überhaupt zu schaffen zu gehen. Die Geschichte hat die Facetten davon sehr gut beleuchtet.

Wir haben letztlich auch wieder die Kanzlei und den juristischen Fall. Im Bereich Familienanwalt sind wir an einem sehr lebensnahen Fachbereich und das war eine gute Entscheidung. Es war nicht trocken, es war durch die gemeinsame Geschichte von Jude und Nathan extrem persönlich. Man konnte alles gut nachvollziehen und ja, es hatte gute Vibes von Anwaltsserien. Es war am Ende etwas arg konzentriert, wie der Konflikt bei Fall und Liebesgeschichte nochmal forciert wurde, aber nur ein kleinerer Meckerpunkt. Denn auch wenn ich ein bisschen die Augen verdreht habe, aber es war spannend und am Ende auf jeden Fall sehr emotional.

Fazit: „In Case We Forget“ kann den guten Eindruck des zweiten Bandes noch einmal bestätigen. Tess Tjagvad musste in ihr Vorhaben erst richtig einfinden, aber mit den letzten beiden Bänden hat sie die Mischung aus Liebesgeschichte und juristische Fall sehr gut hinbekommen. Hier ist definitiv das Highlight die Charakterzeichnung von Jude. Die ist sehr beeindruckend. Aber auch die Liebesgeschichte berührt. Auch weil die Autorin einen echt schönen Stil hat. Ich bin gespannt, was von ihr als nächstes kommen wird.

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Veröffentlicht am 27.06.2025

Willkommen in den alternativen Realitäten

Maybe In Another Life
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Während gerade alle „Atmosphere“ von Taylor Jenkins Reid lesen, habe ich mich auf „Maybe in Another Life“ gestürzt, das bereits 2015 im Original veröffentlicht wurde und auch das deutsche Publikum konnte ...

Während gerade alle „Atmosphere“ von Taylor Jenkins Reid lesen, habe ich mich auf „Maybe in Another Life“ gestürzt, das bereits 2015 im Original veröffentlicht wurde und auch das deutsche Publikum konnte 2017 schon bei Diana eine Übersetzung bekommen. Ullstein als neue Buchheimat der US-Amerikanerin hat sich die Rechte nun gesichert, weil Reid inzwischen ein ganz anderes Renommee hat. Dementsprechend habe ich das gleich mal genutzt, um ein älteres Werk von ihr zu lesen.

Auch wenn ich wahrlich nicht alle Bücher von Reid gelesen habe, aber oft bekommt man doch ein Gefühl für eine Autorin. Aber hätte auf „Maybe in Another Life“ nicht Taylor Jenkins Reid drauf gestanden, dann hätte ich das wohl niemals vermutet. Vergleiche mit Daisy Jones & The Six“ wären eh schwierig, aber selbst „Malibu Rising“ ist einfach anders. Aber diese Unterschiede sind dennoch nicht schlecht, denn ich finde „Maybe in Another Life“ ist auch ohne Ähnlichkeiten ein empfehlenswertes Buch. Ich hatte mich vorher mit dem Klappentext gar nicht so sehr beschäftigt, mir ging es rein um die Autorin. Dementsprechend hat es mich schon gecatcht, dass der Titel Programm ist und wir uns thematisch mit alternativen Realitäten beschäftigen. Hatte ich im Buch-, Serien- und Filmbereich alles schon. Also nicht neu, aber dennoch finde ich es immer wieder interessant, wie man es lesen kann und was man damit letztlich aussagt.

Wir haben als Protagonistin Hannah, die uns gleich mit der ersten Flugreise als sehr empathischer Mensch vorgestellt wird. Wir erleben sie aber auch rastlos, wir erleben sie nach dem größten Fehler ihres Lebens, dass sie die Beziehung mit einem verheirateten Mann weitergeführt hat, nachdem sie von seinem Beziehungsstatus herausgefunden hat. Sie flüchtet zurück nach L.A., dorthin, wo sie am ehesten so etwas wie Heimat gefunden hat, weil dort ihre beste Freundin Gabby lebt. Die Frauenbeziehung ist ein großer Anker und hat mir sehr gut gefallen, weil die beiden wirklich bedingungslos füreinander da waren. Dazu haben wir die alte Jugendliebe Ethan und die große Frage, nochmal ein Versuch oder doch nicht? Genau dort setzt dann ein, dass wir Hannahs Leben in zwei Versionen aufsplitten. Einmal mit einem Ja zu Ethan und einmal mit einem Nein.

Mir hat die Erzählweise danach gut gefallen. Kapitelweise springen wir in Version 1, dann in Version 2. Das hat schon Spannung erzeugt, weil ich auf beiden Ebenen wissen wollte, wie geht es jetzt weiter? Und auch wenn es kein Krimi war, aber es gab eine Sogwirkung, auf jeden Fall. Und das Beste war eben tatsächlich, dass ich bei keiner Version sagen konnte, die gefällt mir grundsätzlich besser als die andere. Es gab bei beiden High- und Lowlights, wie das echte Leben es immer bereit hält. Ich fand auch extrem interessant, es große Parallelen gab und auch Aspekte, die völlig unterschiedlich waren. Das hat für mich gut zu der Vorstellung gepasst, dass wir alle feste Anlagen in uns tragen, die uns sehr beeinflussen, aber letztlich haben wir immer eine Wahl. Manches ist vorherbestimmt, anderes haben wir in der Hand. Das war nicht nur an Hannah festzustellen, sondern an den anderen wichtigen Figuren in ihrem Leben auch.

Etwas riskant fand ich die Liebesgeschichten in beiden Versionen. Ich bin Romantikerin. Dementsprechend mochte ich hier eine dann doch deutlich lieber. Es wurde auch viel über Seelenverwandtschaft geredet und dazu passten Reids Entscheidungen als Autorin nicht. Aber richtig gestört hat es mich nicht, weil am Ende hat jeder seine Überzeugungen. Ich fand es auf jeden Fall gut, dass es sich am Ende nicht auflöst und wir eine echt passende Erklärung bekommen, die keine Fragen mehr offen lässt. Ob wir dann alle nach dem Buch uns verschiedene Versionen unseres Lebens vorstellen?

Fazit: „Maybe in Another Life“ ist für mich zwar keine absolute Wow-Lektüre, aber eine wirklich gute Unterhaltung. Die Grundidee ist unterhaltsam und lässt einen auch privat nicht los. Die Erzählweise ist geschickt, man will immer nur weiterlesen. Dementsprechend: Taylor Jenkins Reid hatte es auch schon vor ihrem großen Durchbruch echt drauf.

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Veröffentlicht am 03.06.2025

Unterhaltsame Scharade

The Paradise Problem – Wenn das Herz den perfekten Plan durchkreuzt
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Christina Lauren gehört für mich zu den Autoren, von denen ich mal gut etwas lesen kann, aber ich muss auch nicht alles gelesen haben, zumal das Autorinnenduo, das sich hinter dem Pseudonym verbirgt, ohnehin ...

Christina Lauren gehört für mich zu den Autoren, von denen ich mal gut etwas lesen kann, aber ich muss auch nicht alles gelesen haben, zumal das Autorinnenduo, das sich hinter dem Pseudonym verbirgt, ohnehin oft Standalones schreibt, was es noch einfacher bei dieser Praktik macht. Auf „The Paradise Problem“ hatte ich jetzt einfach Lust, weil es nach einer passenden Sommerlektüre klang.

Ich habe „The Paradise Problem“ als Hörbuch gehabt. Da kann ich gleich gestehen, dass ich Sandra Voss für die Protagonistin Anna sehr passend fand. Aber umgekehrt war es manches Mal etwas irritierend, Anna dann aus Liams Sicht zu erleben, der von Jesse Grimm gesprochen wird. Dafür muss ich wohl etwas weiter ausholen. Denn der Anfang des Buchs setzt sehr auf extreme Gegensätze zwischen dem Paar. Liam hat alles im Griff, er ist wortgewandt, er weiß, was er will, er ist erfolgreich, er wirkt wie aus einem Bilderbuch. Anna dagegen lebt eher in den Tag hinein, sie ist impulsiv, sie lässt es auch gerne mal extrem entspannt angehen. Sie hat auch Ziele, aber sie sucht dennoch immer erst den Spaß statt den Ernst im Leben. Voss hat das für mich grandios eingefangen, weil sie ihren Kapiteln immer dieses Lässige mitgegeben hat. Aus Liams Sicht wirkte sie aber oft anders, da hat sie diese Seiten manchmal etwas verloren und wirkte eher seriöser. Aber vielleicht unterstreicht es letztlich auch, dass die Perspektive auf sich selbst nicht mit denen von anderen übereinstimmen kann und muss. Auch wenn ich manchmal also dachte, ist Anna echt Anna, aber die Stimmen waren toll und gerade weil „The Paradise Problem“ so viele humorvolle Seiten hat, kam das durch das Erzählen noch zusätzlich rüber.

Die Unterschiede beim Paar hatten wir schon. Davon lebt die Erzählung natürlich enorm. Der Ausgangspunkt ist auch lustig und hat mich sehr an „Purple Clouds“ von Mounia Jayawanth erinnert. Liam und Anna sind nämlich verheiratet, weil es damals für beide ein passendes Arrangement war. Doch wirklich passiert ist zwischen ihnen nichts. Sie waren Mitbewohner, die aber völlig aneinander vorbeigelebt haben. Es war nach dem Anfangskapitel, wo Liam ‚West‘ auszieht, etwas seltsam, als es wieder eine Rolle rückwärts gab, denn der Auszug war extrem emotionslos. Aber gleichzeitig verstärkt das auch den Reiz, als die beiden sich dann tatsächlich wirklich kennenlernen müssen. Es war keine Liebe auf den ersten Blick zwischen ihnen, aber Liebe auf den zweiten Blick muss keinesfalls schlechter sein und das hat für mich die Geschichte gut bewiesen. Ich finde auch, dass das ganze Setting der exquisiten Hochzeit, zu der sie gemeinsam reisen, und was sich dann über Liams verrückte abgehobene Familie ergibt, echt genial war. Ich konnte es mir auch sofort als Verfilmung vorstellen, weil da so viele Elemente waren, die für mich zum Hören funktioniert haben, die aber vor allem verfilmt richtig Freude bereiten können. Das war für mich auch das Positivste am Buch, durch den Humor und die stetigen Handlungshöhepunkte gab es ständige Unterhaltung. Ich bin regelrecht hindurchgeflogen.

Das Schöne ist auch, dass die Unterschiede zwischen Anna und Liam sich immer mehr auflösen. Der Handlungsverlauf zeigt uns, dass die beiden sehr viel mehr gemeinsam haben, als man anfangs gedacht hätte. Ich fand auch, dass sie beide sichtbar bessere Seite bei sich hervorgerufen haben. Liam ist durch Anna entspannter geworden, gleichzeitig hat er sich mit ihr im Rücken leichter tun können, seine Perspektive auf die Welt noch zu verstärken. Anna umgekehrt hat nicht mehr nur ihren Vater, der ihr so wichtig ist, sondern sie hat noch jemanden, für den sie motiviert ist, kein Klischee von sich selbst zu sein, sondern sie hat eine Mission, bei der sie Spaß haben kann, bei der sie aber auch für Liam über sich hinauswächst. Gleichzeitig ist sie aber auch mutig genug, sich von den Westons nicht einschüchtern zu lassen. Abgesehen von den beiden gibt es doch einige sehr suspekte Gestalten in der Geschichte, das musste aber. Ich fand es nur bei Jake etwas schade, denn Liams Bruder, und Annas Kumpel, ich hätte ihn mir mit etwas mehr Rückgrat gewünscht. Aber die meisten anderen müssen eher Ekel sein, damit das alles funktioniert. Zwar war in dem ganzen finanziellen Arrangement alles etwas sehr künstlich zurechtgebogen, aber es hat für mich inhaltlich diesen Schwerpunkt auf Reichtum zugelassen. Ich habe mich dadurch emotional sehr an Anna gebunden, weil sie vieles gedacht und ausgesprochen hat, wie es mir auch ergeht. Insgesamt passte aber das Allermeiste sehr gut ineinander. Die Geschichte hätte wahrscheinlich sogar noch etwas andauern können, ohne dass ich da große Kritik empfunden hätte. Das ist ein großes Kompliment.

Fazit: „The Paradise Problem“ ist ähnlich wie „Summer in the City“ von Alex Aster eine überzeugende Sommerlektüre. Christina Lauren hat ihr eine durchgängige Unterhaltung geschaffen, die lustig, spannend, charakterlich gut ausgearbeitet und anziehend gestaltet ist. Die Unterhaltung würde wohl außerhalb der heißen Zeit des Jahres passen, aber es hat einfach ein besonderes Feeling von Sommerlektüre.

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