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Maimouna19

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.08.2025

Einfach genial!

James
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Percy Everett greift in „James“ Mark Twains Klassiker „Huckleberry Finn“ auf, erzählt die Geschichte aber aus Sicht des Sklaven Jim.
Jim, der eigentlich James heißt, beschließt zu fliehen, als er erfährt, ...

Percy Everett greift in „James“ Mark Twains Klassiker „Huckleberry Finn“ auf, erzählt die Geschichte aber aus Sicht des Sklaven Jim.
Jim, der eigentlich James heißt, beschließt zu fliehen, als er erfährt, dass er ohne seine Frau und Tochter verkauft werden soll. In der Hoffnung, dass man dort nicht nach ihm sucht, macht er sich in Richtung Süden auf und nicht - wie die meisten entflohenen Sklaven - in den freien Norden. Unterwegs trifft er auf Huckleberry Finn, genannt „Huck“, der seinem gewalttätigen und trunksüchtigen Vater entkommen will. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg – James mit dem Ziel, genug Geld zu verdienen, um seine Familie freizukaufen.
OK, ich hätte dieses Buch nicht gebraucht, um zu lernen, dass Rassismus und Sklaverei falsch sind, aber die Idee, die Geschichte aus der Perspektive des Sklaven James zu erzählen, ist einfach grandios. Der Roman ist großartig geschrieben, spannend und unterhaltsam. Da ich das Buch auf Englisch gelesen habe, hatte ich anfänglich Schwierigkeiten mit dem von James und anderen Sklaven gesprochenen Kauderwelsch-Slang, musste mir Dialoge teils laut vorlesen, um sie zu verstehen. Das Lesevergnügen wurde dadurch allerdings nicht getrübt, sondern war der einzige Grund, der mich beim Lesen zum Schmunzeln gebracht hat: um der Erwartungshaltung der weißen Sklavenhaltergesellschaft zu entsprechen, befleißigen sich die Sklaven dieses Slangs und James verbirgt dadurch seine Sprachgewandtheit und die Tatsache, dass er lesen und schreiben kann. Schon den Kindern wird beigebracht, in Gegenwart von Weißen nur in diesem Kauderwelsch zu reden, um das Bild des dummen, einfältigen Schwarzen aufrechtzuerhalten und damit Bestrafungen und Misshandlungen zu vermeiden.
Ansonsten schildert der Autor schonungslos und eindringlich die Grausamkeiten der Sklaverei: Menschen werden wie Vieh behandelt, Männer werden ausgepeitscht, Frauen vergewaltigt, Familien ohne mit der Wimper zu zucken, voneinander getrennt.
Mit „James“ ist Everett ein genialer Roman gelungen, allemal mehr als nur eine „Abenteuergeschichte“. Absolut lesenswert!

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Heißes Pflaster Porto

Tod in Porto
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Porto im Hochsommer: Inspektor Fonseca und sein Team haben sich geistig schon fast in den Urlaub verabschiedet. Noch ein letzter Bereitschaftsdienst und die verdienten Ferien können beginnen.
Doch dann ...

Porto im Hochsommer: Inspektor Fonseca und sein Team haben sich geistig schon fast in den Urlaub verabschiedet. Noch ein letzter Bereitschaftsdienst und die verdienten Ferien können beginnen.
Doch dann wird die Leiche eines brasilianischen Immobilienmaklers gefunden. Auf einem seiner Mobiltelefone wird ein brutales Video, das eine abgeschnittene Zunge und Ohren zeigt, die an eine Holztür genagelt sind, gefunden – die brasilianische Methode, jemandem mitzuteilen, dass er ein Spitzel und seinem Ende nahe ist. Dieses Video wurde insgesamt an 8 Männer brasilianischer Herkunft geschickt. Fonsecas Team nimmt sofort die Ermittlungen auf und rechnet mit dem Schlimmsten. Schon bald darauf wird eine zweite Leiche gefunden, ebenfalls ein Brasilianer und Angestellter der gleichen Firma wie das erste Opfer. Welche Rolle spielen der Eigentümer der Immobilienfirma, eine bekannte Portoer Halbweltgröße, seine junge brasilianische Ehefrau und deren Halbschwester, die sehr zurückgezogen lebt und ständig von Leibwächtern umgeben ist? Gibt es eine Verbindung zur brasilianischen Unterwelt? Fonseca und sein Team stoßen auf eine Mauer des Schweigens.
Tod in Porto“ ist nach „Barco Negro“ der zweite Fall um Inspektor Fonseca. Wie üblich bei dieser Art Krimi, kann man die Bücher unabhängig voneinander lesen bzw. muss sich nicht an die Reihenfolge halten, da es sich um abgeschlossene Fälle handelt.
Das Buch ist spannend geschrieben und lässt sich flüssig lesen. Besonders die häufigen Perspektivwechsel zwischen Inspektor Fonseca, den verschiedenen Ermittlerteams und Verdächtigen lassen keine Langeweile aufkommen.
Insgesamt ein solider, spannender Krimi mit etwas weniger Lokalkolorit als man es von Krimis dieser Art gewohnt ist – was der Lektüre aber keinen Abbruch tut. Ich habe mich bestens unterhalten gefühlt.

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Veröffentlicht am 28.07.2025

Zuhause - was und wo ist das?

Die Suche nach Zuhause
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Paris ist für Marie Luise Ritter ein „Sehnsuchtsort“. Aber kann Paris auch ihr Zuhause sein – der Ort, an dem sie sich angekommen fühlt, wo sie hingehört und vielleicht nie wieder weg möchte? Was bedeutet ...

Paris ist für Marie Luise Ritter ein „Sehnsuchtsort“. Aber kann Paris auch ihr Zuhause sein – der Ort, an dem sie sich angekommen fühlt, wo sie hingehört und vielleicht nie wieder weg möchte? Was bedeutet „Zuhause“ überhaupt?
Um das herauszufinden, hat sie es einfach gemacht und ist nach Paris gezogen. In „Die Suche nach Zuhause – Von der Sehnsucht nach einem Ort, an den wir hingehören“ nimmt sie die Leser mit und teilt ihre Gedanken, Begegnungen, Erlebnisse während dieser Zeit in Paris.
Mir gefällt der Schreibstil von Marie Luise Ritter – leicht, flüssig lesbar, auf angenehme Weise sogar leicht philosophisch angehaucht. Es ist kein Buch, das Antworten liefert, sondern dazu anregt, sich selbst Gedanken zu machen.
Selbst habe ich auch an unterschiedlichen Orten im In- und Ausland gelebt, teilweise länger als geplant, mich durchaus wohl und Zuhause gefühlt, aber auch gewusst, dass keiner dieser Orte „für immer“ war. Ich kehre auch hin und wieder gern an diese Orte zurück, weil ich schöne Erinnerungen damit verbinde, liebe Freunde dort gefunden habe. Daher sind mir viele Gedanken der Autorin durchaus vertraut, da ich sie so oder ähnlich selbst schon gedacht habe bzw. immer noch denke. Es ist schön festzustellen, dass man mit diesen Gedanken und Erfahrungen nicht allein ist, sondern dass es anderen ähnlich geht.
Letztendlich muss jeder für sich selbst herausfinden, was Zuhause bedeutet und wo er es findet. Man verändert sich, entwickelt sich weiter, die Lebensumstände ändern sich, und so ändert sich vielleicht auch der Ort, an den man hingehört. Für mich ist Zuhause daher auch nicht an einen bestimmten Ort gebunden. Zuhause ist mehr ein Gefühl und ist dort, wo ich mich im Jetzt und Hier sicher und gut aufgehoben fühle. In ein paar Jahren kann das dann schon wieder ein ganz anderer Ort sein – oder auch nicht…
Glücklich die, für die Heimat und Zuhause eins ist, die nie den Wunsch bzw. die Sehnsucht verspürt haben, sich auf die Suche nach ihrem „Ort, an den sie hingehören“, machen zu müssen.
Für alle anderen ist „Die Suche nach Zuhause“ ein sehr lesenswertes Buch.

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Veröffentlicht am 03.06.2025

Humorvoller Blick auf das Leben

Maksym
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In „Maksym“, einem autobiografischen Roman, erzählt Dirk Stermann, ein in Österreich lebender deutscher Komiker, Kabarettist, Radiomoderator, TV-Talker und Buchautor aus seinem Leben. Genauer gesagt geht ...

In „Maksym“, einem autobiografischen Roman, erzählt Dirk Stermann, ein in Österreich lebender deutscher Komiker, Kabarettist, Radiomoderator, TV-Talker und Buchautor aus seinem Leben. Genauer gesagt geht es um die Suche nach einem Kindermädchen für seinen kleinen Sohn Hermann für die Dauer der Abwesenheit seiner Frau, die beruflich bedingt ein paar Monate ins Ausland muss. Letztendlich fällt die Wahl auf Maksym, einen bärenstarken, bulligen Ukrainer.„Maksym“ ist mein erstes Buch von Dirk Stermann, in einem öffentlichen Bücherschrank entdeckt. Das Buch ist sicher kein literarisches Meisterwerk, doch der Erzählstil und der Humor haben mir gut gefallen. Ich habe mich zwar anfangs gefragt, warum der Buchtitel „Maksym“ lautet – Stermann erzählt vor allem viel aus seinem Leben, kommt dabei vom Hölzchen aufs Stöckchen, man erfährt so einiges über das durchaus nicht immer lustige Leben auf Lesereisen, Auftritten, etc. eines freischaffenden Kabarettisten und Autors – es kann schon hart sein, was man sich alles antun muss, um sein Geld zu verdienen. Man muss es halt mit Humor nehmen. Und diesen Humor fand ich köstlich, manchmal bissig, manchmal politisch inkorrekt, aber immer vergnüglich. Im Hinterkopf hat man natürlich auch immer die Frage, welche Geschichten tatsächlich wahr und welche frei erfunden sind.Das Buch wird nicht jedem gefallen, mir hat es allerdings ein paar sehr unterhaltsame Lesestunden beschert.

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Veröffentlicht am 07.05.2025

Ein düsteres Kapitel der schwedischen Geschichte

Das Echo der Sommer
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In „Das Echo der Sommer“ wird am Beispiel von drei Frauen aus zwei Generationen von den Zwangsumsiedlungen der nomadischen Sámen erzählt, dem letzten indigenen Volk Europas.
Als die dreizehnjährige ...

In „Das Echo der Sommer“ wird am Beispiel von drei Frauen aus zwei Generationen von den Zwangsumsiedlungen der nomadischen Sámen erzählt, dem letzten indigenen Volk Europas.
Als die dreizehnjährige Ingá, ihre Mutter Rávdná und ihre Tante Ánne im Jahr 1941 wie immer von ihrem Winterquartier in ihre Sommerheimat, an einen See in Nordschweden, zurückkehren, ist ihr Koten sowie die gesamte sámische Siedlung inklusive des Grabes von Ingás Vater schon fast im See versunken. Durch den Bau immer höherer Staudämme für ein Wasserkraftwerk werden die Sámen Stück für Stück verdrängt, ihre Dörfer zerstört. Der schwedische Staat entscheidet über die Köpfe der Sámen hinweg. Die Betroffenen, deren Heimat hier ist, wurden weder gefragt noch angemessen entschädigt. Da sie als ungebildet und unzuverlässig gelten, haben schwedische Verwaltungsangestellte im Süden des Landes die Vormundschaft über die Sámen, heißt, diese Leute entscheiden über das Leben von Menschen, deren Lebensweise, Traditionen und Kultur sie nicht ansatzweise kennen. So ist es den Sámen z.B. verboten, feste Häuser zu bauen, sie erhalten keine Kredite, etc.
Ingás Mutter Rávdná will das nicht mehr länger hinnehmen. Obwohl verboten, baut sie heimlich ein Haus und versucht, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, gegen diese Ungerechtigkeiten zu protestieren. Allerdings steht sie ziemlich allein da, die anderen Mitglieder der sámischen Gemeinde fügen sich schweigend in ihr Schicksal.
Dreißig Jahre später, im Jahr 1971, Ingá ist inzwischen eine erwachsene Frau, ihre Tante Ánne verstorben, wiederholt sich die Geschichte: der Stausee wird nochmals erweitert und wieder wird Rávdnás Haus vom See verschlungen.
Die Autorin, Elin Anna Labba, hat selbst sámische Wurzeln und als Aktivistin für die Sache ihres Volkes auch ein Sachbuch zu dem Thema geschrieben. Nichtsdestotrotz hat sie in „Das Echo der Sommer" nicht lehrerhaft den Zeigefinger erhoben, sondern ein sehr berührendes und kraftvolles Buch geschrieben. Sehr authentisch, aber auch voller Poesie erzählt sie von der Verbundenheit der Sámen mit ihren Traditionen und ihrer Kultur, ihrer klaren, reinen Liebe zur Natur – dem „modernen“ Menschen scheint all dies abhandengekommen zu sein.
Da im Text viele sámische Begriffe verwendet werden, ist das Buch nicht einfach so nebenbei zu lesen (ein Glossar gibt es nicht). Doch wenn man sich einmal darauf eingelassen hat, versinkt man in einem lehrreichen, sehr intensiven und berührenden Buch, das auch noch zum Nachdenken einlädt!

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