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Veröffentlicht am 03.09.2025

viele Nebenpfade

Ungebetene Gäste
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Naomi lebt mit ihrem einjährigen Sohn Uri in Tel Aviv, als ein arabischer Handwerker den Balkon ihrer Wohnung repariert. In einem unachtsamen Moment wirft Uri einen Hammer hinunter, der einen Teenager ...


Naomi lebt mit ihrem einjährigen Sohn Uri in Tel Aviv, als ein arabischer Handwerker den Balkon ihrer Wohnung repariert. In einem unachtsamen Moment wirft Uri einen Hammer hinunter, der einen Teenager tödlich trifft – doch der Verdacht fällt sofort auf den Handwerker. Naomi kennt die Wahrheit, entscheidet sich aber zu schweigen,

auch wenn die Schuldgefühle immer drängender werden. Während des folgenden Prozesses flieht die Familie nach Lagos in Nigeria, doch die Vergangenheit lässt sie nicht los. Dort spitzen sich die Konflikte weiter zu: zwischen den Eltern, den unausgesprochenen Schuldfragen und den kulturellen Unterschieden – bis Naomis Mann Juval in der israelischen Community auf eine alte Jugendliebe trifft, die nun als Psychologin arbeitet.

Das Cover hat mich total neugierig gemacht – clean, modern, außergwöhnlich.
Der Einstieg ist richtig stark: eine Mutter in Tel Aviv, ein unbedachter Moment – und plötzlich eine Schuld, die alles überschattet. Wie sich daraus ein innerer Konflikt und gesellschaftlicher Druck entwickelt, fand ich spürbar und real. Die Entscheidung von Naomi, zu schweigen, obwohl sie die Wahrheit kennt, zieht sich wie ein dunkler Schatten durch die ganze Geschichte.
Der Ortswechsel nach Lagos bringt zwar frische Impulse, fühlte sich aber irgendwann fast zu viel des Guten an – viele neue Figuren, Verwicklungen und psychologische Nebenpfade.
Während ich das psychologische Drama und die kulturellen Themen spannend sind, habe ich mich stellenweise verloren gefühlt und konnte nicht so ganz erkennen, wo die Reise hingehen soll.
Insgesamt packend und tiefgründig, aber für meinen Geschmack gegen Ende etwas zu verzweigt. Trotzdem: Ein Roman, der definitiv zum Nachdenken anregt – über Schuld, Rassismus und die Macht unausgesprochener Wahrheiten.

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Veröffentlicht am 12.08.2025

vielschichtige Geschichte über einen Neuanfang

Zwischen zwei Leben
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Jenni Mäki, Mitte 50, fängt nach ihrem Eheende und dem Auszug ihrer Kinder als Jenny Hill ein neues Leben an – mutig, frei, voller Aufbruch.
Ein Chor aus Märchenfiguren kommentiert dabei nicht ...

Jenni Mäki, Mitte 50, fängt nach ihrem Eheende und dem Auszug ihrer Kinder als Jenny Hill ein neues Leben an – mutig, frei, voller Aufbruch.
Ein Chor aus Märchenfiguren kommentiert dabei nicht nur ihre Biografie, sondern auch das Frauenleben von heute. In einem von ihrer Psychologin empfohlenen Briefwechsel setzt sie sich (anfangs widerwillig, später immer offener) mit ihren Gefühlen auseinander.
Am liebsten habe ich die Passagen gelesen, in denen Jenny Hills Leben „klassisch“ erzählt wird. Ich fand die Idee mit den Briefen gut, sie gaben auch zusätzliche Einblicke in Jennys Gedanken, aber irgendwie hat es sich mir nicht so richtig erschlossen, warum es gerade Brigitte Macron sein muss, an die sie ihre Gedanken adressiert.
Viele Gedanken finde ich sehr schlau und es gibt einige Aussagen, über die ich gerne noch länger nachdenke (Sicherheit vs. Freiheit, tektonische Platten der Gefühle, fehlende Empathie für die Mutter von Aava).
Die „zugeschalteten“ Märchenfiguren und ihre charmanten, teils aber auch sehr bissigen Kommentare, haben für mich, in sich geschlossen gelesen, durchaus Sinn gemacht, aber irgendwie haben sie mich im Großen und Ganzen eher ein bisschen aus dem Tritt gebracht und waren mir zusammen mit den Briefen too much.
Ein eher stiller feministischer Roman über Wandel, Alter und den Mut, sich selbst neu zu erfinden, der meinen Geschmack leider nicht durchgehend getroffen hat.
Ich hatte davor „Ja, nein, vielleicht“ von @knecht_doris gelesen. Vielleicht lag es auch daran, dass dieses Buch eher ruhige Buch für mich fast ein wenig blass wirkte.

„Große Veränderungen führen dazu, dass sich ein Mensch klein fühlt […].“


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Veröffentlicht am 09.07.2025

eine schöne Geschichte über Freundschaft und Offenheit

Knallkrebse
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Ich habe Christian Mitzenmachers Roman „Kannlkrebse“ im Rahmen einer Leserunde gelesen.
Tom engagiert sich ehrenamtlich als Pate bei der Flüchtlingshilfe. Sein Schützling ist Farid. Die beiden verstehen ...

Ich habe Christian Mitzenmachers Roman „Kannlkrebse“ im Rahmen einer Leserunde gelesen.
Tom engagiert sich ehrenamtlich als Pate bei der Flüchtlingshilfe. Sein Schützling ist Farid. Die beiden verstehen sich ausgesprochen gut und auch Toms Freundin Laura hat einen guten Draht zu dem deutlich jüngeren Farid.
Sie verbringen viel Zeit miteinander, bis Farid beschließt, mit dem Zug nach Budapest zu fahren, um seine große Liebe Pari, die er auf der Flucht kennengelernt hat, zu finden.
Wie Tom sich daraufhin verhält und wie es dazu kommt, dass Farid in einer Klinik landet was der Grund für die Trennung von Laura und Tom ist und was bei einem Treffen in Frankreich passiert, das soll hier nicht gespoilert werden.

Der Roman fällt durch sein Cover wirklich auf. Ich mag neben den starken Farben auch diesen Einwort-Titel sehr gerne.
Der Roman fängt stark an. Die Beziehung der drei Freunde liest sich stimmig, modern, authentisch und ist sehr überzeugend an den Schauplätzen in München dargestellt. Es gibt einige witzige Dialoge und Beschreibungen gerade am Anfang des Buches.
Auch den Klinikteil mochte ich gerne, weil hier Farids Biographie in den Vordergrund tritt.
Gegen Ende überschlagen sich aber leider die Ereignisse und es haben mir wesentliche Aspekte der Erzählung gefehlt. Ich hätte mir gewünscht, dass der Autor sich ein bisschen mehr Zeit nimmt, um die Geschichte wirklich noch tiefer zu erzählen.
Ich fand nicht alles nachvollziehbar, teilweise sogar unglaubwürdig (Treiben im Schwabinger Bach, Yogapause nach einem Umzug). Sprachlich hat es mir bis auf die „Portion Lebensmittel“, die eingekauft wird, gut gefallen.
Auch die Szene, in der Physiker versuchen, auf der Wiesn mitzumischen, ist sehr witzig (und realistisch 😉).
Für ich ein sehr unterhaltsames Buch, das ich gerne gelesen habe, das aber gegen Ende leider nicht mehr meine Anfangsbegeisterung aufrecht hält.
„Der Alte Botanische Garten hat einen großen Namen und eine kleine Fläche.“

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Veröffentlicht am 13.06.2025

Biografie meets Kopfkino

Anna oder: Was von einem Leben bleibt
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In Henning Sussebachs Roman „Anna oder: was von einem Leben bleibt. Die Geschichte meiner Urgroßmutter“ (ja, der Titel ist etwas sperrig) geht es um die Rekonstruktion eines Lebens anhand spärlich ...

In Henning Sussebachs Roman „Anna oder: was von einem Leben bleibt. Die Geschichte meiner Urgroßmutter“ (ja, der Titel ist etwas sperrig) geht es um die Rekonstruktion eines Lebens anhand spärlich vorhandener Dokumente und Erbstücke oder Fotos aus dem Leben von Anna.

Anna Kalthoff kam im Alter von 20 Jahren 1887 als Lehrerin in das kleine Dorf Cobbenrode im Sauerland. Nach dem Tod ihres Vaters wurde sie von ihrer Mutter aus ihrem Heimatort Horn die Niederland geschickt, wo sie sich in Steyl im St. Josefskloster auf dem Lehrerdienst vorbereitete.
In Cobbenrode nun verliebte sie sich in Clemens Vogelheim, der ein moderner Mann gewesen zu sein scheint: Er besaß ein Fahrrad und gründete den „Verein Sport“. Weder dem Familienoberhaupt Vogelheim noch dem Staat gefiel jedoch diese Liaison der Lehrerin mit dem Kaufmannssohn und so konnten die beiden erst sehr viel später (nach dem Tod des Vaters und der Aufgabe der Lehrposition) heiraten.
Die glückliche Zeit hielt leider nur kurz an und Anna heiratete erneut, dieses Mal einen sehr introvertierten Mann, Bernhard Raesfeld. Aus der ersten Ehe brachte sie einen Sohn mit, in der zweiten kam eine Tochter zur Welt.
Anna starb 1932 mit 65 Jahren.

Dieses Gerüst einer Biografie dient dem Autor als Grundlage seines Buches. Er verwebt zeitgeschichtliche Ereignisse mit den Lebensstationen seiner Uroma, was ich sehr gelungen fand, um einen besseren Eindruck von der Welt, in der Anna lebte, zu bekommen.

Trotzdem bleibt vieles reine Spekulation und das Bild von Anna, das beim Lesen kreiert wird, ist abhängig von den Ideen und der Vorstellungskraft des Urenkels und auch der Lesenden. Ich habe mich gefragt, ob es mich stört, wenn ein biografisches Buch überwiegend auf Vermutungen basiert. Hmmm.
Ich denke, Henning Sussebach gelingt durch seine Offenheit und den Hinweis darauf, dass alles auch hätte anders sein können, hier durchaus der Spagat zwischen Biografie und Kopfkino.

Ich mochte das Buch, weil es mir einen Einblick in die mögliche Lebenswelt auch meiner Uroma präsentiert hat. Trotzdem hat es mich nicht vom Hocker gehauen. Aber das ist bei dieser Art der Erzählung vielleicht ja auch gar nicht die Intention.

„Wohl jeder Mensch kennt das tiefe Erschrecken, wenn ihm bewusst wird, wie sehr seine Existenz auf Zufällen beruht.“


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Veröffentlicht am 03.06.2025

Es geht weiter- wenn auch anders

Das leise Platzen unserer Träume
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Ich mochte den Titel, ich hatte schon viel über dieses Buch gehört. Und jetzt hab ich „Das leise Platzen unserer Träume“ von Eva Lohmann dann auch mal gelesen.

Nachdem David und Jule aufs Dorf gezogen ...

Ich mochte den Titel, ich hatte schon viel über dieses Buch gehört. Und jetzt hab ich „Das leise Platzen unserer Träume“ von Eva Lohmann dann auch mal gelesen.

Nachdem David und Jule aufs Dorf gezogen sind, zeigt sich, dass das Familienleben, das sie sich erträumt hatten, so nicht eintreffen wird.

Die beiden entfernen sich trotz gemeinsamer Arbeit am Traumhaus immer mehr voneinander. Als Davids Affaire mit der alleinerziehenden Mutter Hellen zu Tage kommt, verändert sich in vielen Leben vieles.

Ich fand die wechselnde Erzählperspektive erst mal gewöhnungsbedürftig. Dass Hellen Jule in ihren Passagen direkt anspricht, hat mich erst irritiert, später fand ich es dann aber eine gute Idee, weil sich mir so Hellens Charakter recht gut erschlossen hat.

Gefallen hat mir der ehrliche Ton, mit dem Jule den leisen Untergang ihrer Beziehung schildert.

Obwohl ich den Roman schnell und auch überwiegend gerne gelesen habe, fand ich doch einiges zu konstruiert und nicht glaubhaft. Auch sprachlich gab es ein paar Sätze, die ich merkwürdig fand: Die Yogafrauen würden „verzückt“ sein und sich an den Töpfen der vorgekochten Suppe „selbst helfen“.

Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sich gerade gegen Schluss alles viel zu schnell dann eben doch wieder im Idyll auflöst. Die Annäherung der beiden Frauen, die Adaption (oder eben nicht) ans Dorfleben, die Rolle Davids- das alles war für meinen Geschmack plötzlich alles kein echtes Thema mehr.

Es geht ja nun mal um Trennung, Verletzung und das Weitermachen unter erschwerten Bedingungen. Da darf die Geschichte für mich dann auch realistischer enden und mehr Zeit einnehmen.

„Alles, was sie empfanden, war jenes Verständnis, das Menschen erst dann füreinander aufbringen können, wenn das Leben die eigenen Träume schon ein paarmal zerschossen hat.“

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