Profilbild von tinstamp

tinstamp

Lesejury Star
offline

tinstamp ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit tinstamp über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.07.2025

Spannend, jedoch zu viele Schauplätze und Figuren

Reset
0

Peter Grandl gibt mit seinem neuesten Roman einen Einblick in die nahe Zukunft, die durch einen KI-Virus im Chaos versinkt. Alle digitalen Geräte und Kanäle scheinen davon infiziert zu sein. Den Menschen ...

Peter Grandl gibt mit seinem neuesten Roman einen Einblick in die nahe Zukunft, die durch einen KI-Virus im Chaos versinkt. Alle digitalen Geräte und Kanäle scheinen davon infiziert zu sein. Den Menschen werden täuschend ähnliche Videos vorgespielt, die größtenteils Horrorszenarien darstellen. Telefonanrufe von geliebten Menschen, die in Not sind oder die Nachricht, dass auf Kiew eine Atombombe abgeworfen wurde sind KI-generierte Fake-News, die ein mehr als beängstigendes Szenario darstellen. Niemand weiß mehr, was Wirklichkeit und ein Deep Fake ist, während die Welt im CHaos versinkt....

Wir steigen sehr rasant ein und begleiten einen Kampfpiloten bei seinem Einsatz, der über Funk die Meldung bekommen hat, dass sich ein Terrorist in einem Passagierflugzeug von London nach München befindet. Die Nachricht, dass die Maschine in das Flughafengebäude gelenkt werden soll, bringt den Piloten in eine furchtbare Situation. Soll er das Passierflugzeug mit über hundert unschuldigen Menschen abschießen oder nicht?

Diese ersten Seiten haben mich total gefesselt. Was für eine Situation! Niemand möchte diese Entscheidung treffen...
Doch bald stellt sich heraus, dass die Nachricht ein Deep Fake war und sich kein Terrorist an Bord des Passagierflugzeuges befand. Wir befinden uns plötzlich in einer Welt, in der selbst seriöse Medien nicht mehr garantieren können, dass ihre Inhalte keine perfekt gefälschte Lüge ist. Ein Szenario, das sich leider gar nicht allzu weit weg von der nahen Zukunft abspielen könnte....

Nach dieser Szene wechseln wir in fast zu schneller Reihenfolge zwischen neuen Protagonisten und Handlungsorten. Es dauerte ein bisschen, bis ich die wichtigsten Charaktere besser kennenlernen durfte. Zu diesen gehört Seiko Ito, eine Cyber-Crime Expertin aus Japan, der Ire Valentine O'Brian, der für das britische Counter Terrorism Command arbeitet, Camille Miloz, die für eine Spezialeinheit für Interpol arbeitet und Jill Jones, ehemalige Archivarin und Großaktionärin der New York Times.
Das internationale Team versammelt sich in Lyon, dem Interpol-Sitz in Frankreich, um das Problem zu lösen, während jeden Tag mehr Anarchie, Gewalt und Plünderungen entsteht. Alle von ihnen gehören zu einer Spezialeinheit, die auf ihre Weise versucht gegen den Zusammenbruch der internationalen digitalen Kommunikation anzukämpfen und das Unaufhaltsame zu stoppen. Dadurch müssen sie auf ehemalige Geräte aus den Achtziger Jahren und davor zurückgreifen, die analog sind.

Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und trotzdem konnte ich keine so richtige Beziehung zu ihnen aufbauen. Ich denke es lag daran, dass die Wechsel zwischen den Schauplätzen und den Figuren allzu schnell sind.
Die dramatische Storyline lässt einem besonders im ersten Drittel das Buch kaum aus der Hand legen. Danach begann die Geschichte für mich zu schwächeln. Es ging plötzlich Schlag auf Schlag und die Handlung wirkte etwas zu überfrachtet. Auch die Auflösung hat mir nicht ganz gefallen. Mehr kann ich jedoch nicht dazu sagen, denn sonst würde ich spoilern.
Noch ein Tipp:
Man sollte den Thriller nicht nebenher lesen, sondern der Geschichte die volle Aufmerksamkeit schenken.

Fazit:
"Reset" - Die Wahrheit stirbt zuerst" verspricht auf jeden Fall spannende Unterhaltung, die man auch erhält. Jedoch sind mir durch die raschen Wechsel von Schauplatz und Personen diese nicht wirklich nahe gekommen. Nachdenklich stimmt die Geschichte auf jeden Fall, denn das geschaffene Szenario erscheint mir nicht zu weit hergeholt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.06.2025

Geheimnis im Cottage am Meer

Dieser Sommer gehört uns
0

Sommer wie Winter steht bei mir ein neuer Sarah Morgan Roman auf dem Leseplan. Und diesmal haben wir schon wieder eine Änderung des Covers erfahren müssen!
Zuerst war es an den Sommerroman aus dem letzten ...

Sommer wie Winter steht bei mir ein neuer Sarah Morgan Roman auf dem Leseplan. Und diesmal haben wir schon wieder eine Änderung des Covers erfahren müssen!
Zuerst war es an den Sommerroman aus dem letzten Jahr angelehnt und wurde kurz vorher wieder getauscht in dieses eher nichtssagende Cover, welches ihr oben sehen könnt. Ich denke aber, dass letztes Jahr das komplett neu orientierte Cover von "Im Sommer treffen wir uns wieder" irgendwie unterging oder eben keinerlei Wiedererkennungseffekt für Sarah Morgan Fans hatte. Ich verstehe einfach nicht, warum die Cover immer wieder geändert werden und nicht an das englische oder amerikanische Cover angelehnt wird. Diese haben Wiedererkennungswert und passen einfach zur Geschichte. Doch eigentlich geht es ja um den Inhalt....

Diesmal lernen wir Cecilia Lepthorne kennen, die kurz vor ihrem 70. Geburtstag steht. Ihre Tochter Kristen hat bereits ein großes Fest zu ihrem runden Geburtstag organisiert, welches aber gleichzeitig auch als eine Hommage an Cecilias Ehemann Cameron gelten soll, der vor einem Jahr verstorben ist. Cameron war ein berühmter Künstler und Cecilia hat nicht vor, ihren eigenen Geburtstag als Gedenkfeier für ihren untreuen Ehemann zu begehen und flieht nach Cape Code. Ziel ist ein kleines Cottage am Meer, welches Cameron eigentlich verkaufen hätte sollen und welches seit Jahren leer steht. Früher war es ein geheimes Plätzchen für das Ehepaar, ein Zufluchtsort, wo sie sich künstlerisch austobten und sich vom Trubel und den Kindern zurückziehen konnten. Doch nachdem Cameron Cecilia mit einer jungen Frau in ihrem Cottage betrogen hat, war Cecilia nie mehr dort. Um die Instandhaltung kümmert sich seitdem eine Putzfirma.
Nun kommen die Erinnerungen wieder hoch und Cecilia würde am liebsten alles hinter sich lassen, denn sie hütet ein Geheimnis, welches das Leben ihrer Familie auf den Kopf stellen könnte...

Lily hat ihr Medizinstudium abgebrochen, welches sie nur wegen dem Druck ihrer Eltern begonnen hat. Sie träumt schon seit Jahren von einem Kunststudium, doch ihre Eltern waren dagegen und haben nun die finanzielle Unterstützung beendet. Seitdem putzt Lily Häuser in Cape Code und kann trotzdem ihre Miete nicht bezahlen. Sie weiß, dass das Cottage der Lapthornes immer leer steht und quartiert sich aus Mangel an Übernachtungsmöglichkeiten dort ein. Außerdem liebt sie das Licht im ehemaligen Atelier, wo sie die meiste Zeit verbringt um selbst zu malen. Sie findet endlich ihre innere Ruhe und Geborgenheit.
Doch eines Tages steht Cecilia im Wohnzimmer des Hauses und die beiden treffen aufeinander. Lily kennt Cecilia, denn deren Enkelin Hannah ist ihr beste Freundin. Seit einem großen Streit wegen Lilys Abbruch des Medizinstudiums haben sie sich aber nicht mehr gesehen. Cecilia lässt Lily weiter im Cottage wohnen und beide finden die eine oder andere Gemeinsamkeit. Cecilia unterstützt Lilys Malerei, denn sie erkennt in den Zeichnungen ihr Talent.
Doch die Ruhe wird bald gestört, denn Cecilias Enkel Todd hat herausgefunden, wo sich seine Großmutter versteckt...

Wie gewohnt erzählt Sarah Morgan wieder abwechselnd aus der Sicht von Cecilia und Lily, aber auch aus der Sicht von Kristen, die ein sehr bestimmender Charakter ist und ihren Vater vergöttert hat. Zu ihrer Mutter konnte sie keine richtige Nähe aufbauen. Sie versteht deren Flucht nicht und hat selbst Probleme in ihrer Ehe mit Theo. Der Unfallchirurg hatte nie Zeit für seine Familie und Kristen fühlt sich einsam und unverstanden. Durch den Tod des Vaters ist sie in ein tiefes Loch gefallen....
Alle drei Frauen kämpfen mit ihren eigenen Dämonen. Cecilia stand immer im Schatten ihres berühmten Ehemannes, dabei hat sie selbst ebenfalls Kunst studiert und hatte bereits einigen Erfolg. Lily wird immer wieder zu etwas gedrängt, was sie nicht will - fühlt sich aber ihren Eltern gegenüber schuldig, die ihr ihr Studium finanziert haben. Sie ist unsicher und hat wenig Selbstvertrauen.

Der Schreibstil ist wie immer locker und kurzweilig. Sarah Morgans Figuren sind sehr lebendig gezeichnet und man hat das Gefühl diese alle persönlich zu kennen. Die Charaktere sind vielschichtig und die Emotionen sind spürbar. Die bildhaften Beschreibungen der Landschaft rund um das Cottage am Meer passt hervorragend in die Sommerzeit. Aber auch die Malerei kommt nicht zu kurz.


Fazit:
Wieder ein berührender Roman der Autorin, der einige Themen anspricht und trotz Ernsthaftigkeit etwas Leichtigkeit versprüht. Mir hat "Dieser Sommer gehört uns" sehr gut gefallen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.06.2025

Eine besondere letzte Reise

Amore in italiano
0

Lucia steckt in einer Lebenskrise. Ihr steht eine Scheidung ins Haus, ihre pubertierenden Töchter Vanessa und Sandra rauben ihr die letzten Nerven und seit dem Tod der Mutter muss sie sich noch neben ihrem ...

Lucia steckt in einer Lebenskrise. Ihr steht eine Scheidung ins Haus, ihre pubertierenden Töchter Vanessa und Sandra rauben ihr die letzten Nerven und seit dem Tod der Mutter muss sie sich noch neben ihrem Job um ihren Vater Alberto und den pflegebedürftigen Bruder Gianni kümmern. Ihr Nervenkostüm ist angespannt und ein Urlaub sollte endlich für etwas Entspannung sorgen. Doch die finanzielle Situation lässt dies nicht zu. Die Mädchen sind wütend, der Großvater, der die Asche seiner Frau in seine italienische Heimat bringen möchte, ist verletzt. Zusätzlich ist die Beziehung zwischen Vater und Tochter von jeher etwas angespannt.
In einer Nacht und Nebelaktion macht sich Alberto mit Gianni auf den Weg nach Italien. Er möchte die Reise, die er mit seiner Frau Cristina gemacht hat, bevor sie nach Deutschland auswanderten, noch einmal erleben. Er mietet sich eine Vespa und fährt mit Gianni all die Orte ab, die er mit seiner großen Liebe verbindet. Allerdings unterschätzt Alberto sein Alter und seinen geistig beeinträchtigten Sohn, was manchmal einige Probleme mit sich bringt....

Lucia bleibt nichts anderes übrig, als ihrem Vater und ihrem Bruder zu folgen. Anhand von alten Postkarten, die ihre Eltern damals an ihre Tante geschickt haben, versucht Lucia die Orte zu finden, die ihr Vater besuchen könnte. Mit zwei missmutigen Teenagern startet sie ihren Roadtrip von Norden nach Süden, während Alberto und Gianni von Neapel aus Richtung Norden fahren....

Wir folgen abwechselnd Lucia und ihren Töchtern, wie auch Alberto und Gianni. In Rückblenden erfahren wir von einer großen Liebe, die sich gegen alle Konventionen aufgelehnt hat und noch über den Tod hinaus spürbar ist. Alberto und Cristinas Liebe ist durch die Zeilen hindurch spürbar und die Erinnerungen schmerzhaft, aber auch unglaublich schön.

Durch die beiden unterschiedlichen Roadtrips ist man in ganz Italien unterwegs. Mit bildhaften Beschreibungen der Landschaft und speziellen Plätzen ist man als Leser direkt dabei und hat jede Menge Kopfkino. Man spürt "La dolce Vita" und genießt die wundervolle Atmosphäre, die Urlaubsfeeling versprüht - auch wenn die Themen hier tiefer gehen und man nicht immer nur ein Wohlfühlbuch in der Hand hat.
Die Figuren entwickeln sich weiter und vor allem das Zusammenwachsen der Familie habe ich genossen. Lucia konnte ich in vielen Belangen verstehen, auch wenn sie oftmals durch ihren Perfektionismus und ihrer ruppigen Art nicht ganz so sympathisch rüberkommt. Ich habe jedoch ihre immense Überforderung gespürt und habe mich gefreut, dass sie etwas zurück ins Leben findet. Die Vergangenheit ihres Vaters bringt die Beiden durch diesen Roadtrip endlich ein bisschen näher und Lucia beginnt ihn besser zu verstehen. Neben einigen berührenden Momenten kommt auch der Humor nicht zu kurz.
Nur zum Ende hin wurde es mir etwas zu kitschig und zu sehr auf Happy End getrimmt. Das hätte nicht unbedingt sein müssen.

Das nostalgische Cover, auf dem man Alberto und Cristina wähnen kann, ist sehr gelungen. Die Farbgebung und auch diese Art von Vintage-Zeichnungen mag ich sehr.

Fazit:
"Amore in Italiano" ist ein atmosphärischer Roadtrip auf zwei Zeitebenen um Familie, Verlust und einem Neuanfang. Besonders für Italienliebhaber eine Empfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.06.2025

Zurück in Lichterhaven

Pfotenglück und Sommerwellen
0

Wir sind wieder in Lichterhaven unterwegs - bereits zum achten Mal. Es ist immer wie ein nach Hause kommen, wenn ich zu den Sommerromanen von Petra Schier greife, die im fiktiven Ort an der Nordseeküste ...

Wir sind wieder in Lichterhaven unterwegs - bereits zum achten Mal. Es ist immer wie ein nach Hause kommen, wenn ich zu den Sommerromanen von Petra Schier greife, die im fiktiven Ort an der Nordseeküste spielen. Man kennt bereits einige der Einwohner und ihre Geschichten aus den Vorgängerbänden. Da viele untereinander befreundet sind oder sich irgendwie anders über den Weg laufen (Tierarzt, Restaurant, Vereine...) hat man die Figuren schnell wieder parat.
Für alle, die einen Roman aus der Reihe lesen wollen - man kann sie trotzdem unabhängig voneinander lesen!

Diesmal geht es um Max, der von seiner Frau verlassen wurde und das alleinige Sorgerecht für seine beiden Kinder Jonathan und Lily bekommen hat. Die Scheidung hat ihm jede Menge Geld gekostet. Er musste Felder und Tiere verkaufen und weiß nicht, wie es weitergehen soll. Sein geliebter Hof steht kurz vor dem Ruin. Seine Mutter kommt auf die Idee eine Unternehmensberaterin auf den Hof kommen zu lassen. Die von ihr ausgewählte Frau fällt jedoch bei Max sofort durch. Isalie ist zwar Unternehmerin und auch wahnsinnig erfolgreich, aber vor allem Influencerin, zu jung und kommt aus Hamburg. Wie soll eine Großstadtpflanze, die noch nicht einmal die Dreißig erreicht hat, Ahnung von einem Bauernhof haben? Max ist mehr als skeptisch und hofft, dass Isalie so schnell wie möglich Lichterhaven wieder verlässt. Außerdem hält er überhaupt nichts von Instagram und TikTok. Max Abneigung weckt Isalies Ehrgeiz. Sie informiert sich über Möglichkeiten betreffend des Hofes, liest sich in die Materie ein und fühlt sich bald in Lichterhaven sehr wohl. Sie versteht sich gut mit den Kinder und Neufundländer Samson fasst bald Vertrauen zur ihr.

Die Liebesgeschichte entwickelt sich sehr langsam. Sowohl Max, als auch Isalie haben Zweifel, ob es überhaupt eine Zukunft für sie geben kann. Hier prallen doch zwei sehr unterschiedliche Welten aufeinander. Im Vordergrund des Romans steht eindeutig Max, der Hof und seine Familie, während der Slow Burn in den Hintergrund tritt.

Wie in jedem Sommer- und Winterroman der Autorin spielt natürlich wieder ein Hund eine Rolle. Ich empfand die Anteile diesmal aber etwas geringer. Samson ist ein junger Neufundländer, der ausgesetzt wurde und seitdem trauert. Er verweigert jede weitere Interaktionen mit den Menschen, die ihn sowieso wieder verlassen. Eines Tages sitzt er auf der Wiese vor Max Bauernhof und beobachtet die Hühner. Christina von der Hundeschule hat ihn vorübergehend aufgenommen und sucht ihn bereits verzweifelt. Samson hat das Herz von Max, Isalie und den Kindern rasch gewonnen und darf vorerst als Pflegehund bei ihnen einziehen.
Wie immer sind die Gedanken der Hunde in kursiver Schrift dargestellt. Das langsame Wiederkehren von Samsons Lebensfreude wird sehr stimmig erzählt. Seine Gedanken, könnten genauso sein, wie Petra Schier sie ihm in ins Maul gelegt hat.
Wie immer schreibt die Autorin stimmungsvoll und locker leicht. Die humorvollen Dialoge sorgen für gute Unterhaltung und die bildhaften Beschreibungen des Settings vermittelt Urlaubsstimmung. Die Figuren sind sympathisch und die, die ich bereits aus den anderen Büchern der Reihe kenne, sind mir schon sehr ans Herz gewachsen. Lichterhaven ist ein wunderbarer Wohlfühlort für mich geworden.

Fazit:
Ein weiterer Wohlfühlroman, der Urlaubsstimmung verbreitet und den man entspannt auf der Terrasse oder am Strand lesen kann. Ich war wieder gerne in Lichterhaven unterwegs und freue mich schon auf den kommenden Sommer auf eine Rückkehr an die Nordseeküste.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.06.2025

Nachkriegsschicksale

Der Kindersuchdienst (Kindersuchdienst 1)
0

Hamburg 1955. Auch zehn Jahre nach Kriegsende suchen noch immer Eltern verzweifelt nach ihrem Nachwuchs oder hoffen auf ein Lebenszeichen. Viele Kinder sind während des Krieges verloren gegangen, sind ...

Hamburg 1955. Auch zehn Jahre nach Kriegsende suchen noch immer Eltern verzweifelt nach ihrem Nachwuchs oder hoffen auf ein Lebenszeichen. Viele Kinder sind während des Krieges verloren gegangen, sind traumatisiert oder können sich nicht mehr an ihre Eltern erinnern. Der Kindersuchdienst ist da, um ihnen zu helfen.

Die alleinerziehende Annegret stammt aus eher einfachen Verhältnissen. Ihre Mutter hat sie aus dem Haus gejagt, nachdem sie schwanger geworden ist. Seitdem kämpft Annegret für sich und ihren Sohn ums tägliche Überleben. Als ihr nach kurzer Praxis beim Kindersuchdienst in Hamburg eine Stelle angeboten wird, kann sie ihr Glück kaum fassen. Trotz ihrer Rechtschreib- und Leseschwäche versucht sie alles, um diese Arbeit ordentlich zu machen und zu behalten. Als unverheiratete Mutter hätte sie diesen Job nie bekommen und deshalb hat sie ihren siebenjährigen Sohn Oskar beim Bewerbungsgespräch verheimlicht. Sie bekommt trotzdem laufend Gegenwind von ihrem direkten Vorgesetzten, der mit ihrer Einstellung nicht einverstanden war.
Charlotte, die ebenfalls beim Kindersuchdienst anfängt, kommt hingegen aus guten Haus. Als Tochter eines Reedereibesitzers musste sie bisher nie arbeiten. Bestimmte Umstände zwingen sie jedoch dazu selbst Geld zu verdienen. Die Kolleginnen beneiden die selbstbewusste und gut gekleidete junge Frau, die jedoch ebenfalls ein Geheimnis hütet, welches ihr fast zum Verhängnis wird.
Beide gehen völlig in ihrer Arbeit auf und es gelingt ihnen komplizierte Suchaufträge zu vermitteln. Als der Kindersuchdienst in Hamburg wegen Geldmangel geschlossen werden soll, sind Annegret und ihre Kolleginnen entsetzt. Ein Plan zur Erhaltung ihres Jobs muss her.....

Das Thema des Kindersuchdienstes hat mich sehr angesprochen und die Leseprobe bei vorablesen hat mir gut gefallen. Ich wusste allerdings zuvor nicht, dass dies kein Einzelband, sondern eine Dilogie ist. Dementsprechend bleiben einige Dinge am Ende offen und doch wird das Wichtigste auserzählt.

Antonia Blum bringt uns die Nachkriegszeit näher. Noch leiden der Großteil der Menschen an den Folgen des Zweiten Weltkrieges und doch setzt bereits ein kleiner Wirtschaftsaufschwung ein.
Die einzelnen Charaktere sind lebendig gezeichnet. Das Frauenbild zu dieser Zeit wird sehr gut dargestellt. Als ledige Mutter hat es Annegret sehr schwer. Trotz all der Schwierigkeiten, die sowohl sie, als auch Charlotte erleben, verkörpern sie Frauen mit viel Mut und Entschlossenheit. Ihre Entwicklung hat mir sehr gut gefallen.

Einige Wendungen waren vorhersehbar und in der Mitte gab es kleine Längen. Die beiden Liebesgeschichten hätte ich nicht unbedingt gebraucht, geben aber der Geschichte etwas Leichtigkeit.
Zum Ende hin steigert sich der Spannungsbogen und lässt einem neugierig auf den Folgeband zurück.

Zusätzlich hat Antonia Blum mit der historischen Figur von Bundeskanzler Konrad Adenauer und seiner Tochter Libet Fiktion mit Historie vereint. Im Nachwort erklärt die Autorin, welche Teile der Geschichte auf wahren Begebenheiten beruhen und welche ihrer Fantasie entspringen.

Fazit:
Ein spannendes Thema, welches die Autorin in einem lesenswerten Roman erzählt und Einblicke in die Nachkriegszeit und dem Kindersuchdienst gibt. Der erste Teil konnte mich nicht durchgehend fesseln, hat mich aber berührt und unterhalten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere