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Christina19

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.09.2025

Gegen Unterdrückung, für Freiheit - zeitlos und gleichzeitig aktueller denn je

Der Klang der Freiheit
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Inhalt:
Anlässlich eines Festzugs kommt der König in die Stadt. Für die Bewohner könnte das ein schöner Tag werden. Doch ihr König ist ein Tyrann. Wenn er sie besucht, müssen sie sich vor ihm niederwerfen. ...

Inhalt:
Anlässlich eines Festzugs kommt der König in die Stadt. Für die Bewohner könnte das ein schöner Tag werden. Doch ihr König ist ein Tyrann. Wenn er sie besucht, müssen sie sich vor ihm niederwerfen. Ein einzelner Mann wagt es jedoch, aufrecht stehen zu bleiben. Er möchte dem Gesang eines Vogels lauschen…

Meine Meinung:
„Der Klang der Freiheit“ ist ein Bilderbuch, das berührt und sehr nachdenklich stimmt. Es erzählt die Geschichte von einem König, der Angst und Schrecken verbreitet. Er unterdrückt sein Volk und bestraft ungehorsames Verhalten. Dennoch lässt sich ein Mann nicht einschüchtern und leistet Widerstand. Sein Mut bringt ihn ins Gefängnis, wo er Entsetzliches erleiden muss. Beim Lesen habe ich sehr mit ihm mitgefühlt – so sehr, wie es bisher noch kein Bilderbuch geschafft hat. Trotz allem, was dem Mann widerfährt, verliert er nie seine Hoffnung, sodass es die Obrigkeiten nicht schaffen, ihn zu brechen.
Die Erzählweise der Geschichte ähnelt der klassischer Märchen – mit dem Unterschied, dass letztere mit ihren fantastischen Elementen rein fiktiv sind, während der König in diesem Buch doch stark an den einen oder anderen Machthaber der Gegenwart erinnert. Und genau das ist es, was dieses besondere Bilderbuch ausmacht: Mit seinem Bezug zur Realität ist es ebenso zeitlos wie hochaktuell.
Die Illustrationen hat Valeria Docampo beigesteuert, die Vielen mit ihrem einzigartigen Stil aus „Die große Wörterfabrik“ und „Im Garten der Pusteblumen“ bekannt sein dürfte. Mit reduzierter Farbpalette schafft sie unglaublich ausdrucksstarke Bilder, die die Botschaft der Geschichte nicht besser transportieren könnten.
„Der Klang der Freiheit“ zeigt, dass man mutig sein sollte, sich gegen soziale Ungerechtigkeit aufzulehnen. Dass man seine Hoffnung nie aufgeben darf. Und dass man mit einem unbändigen Willen viel erreichen kann. Dieses Buch ist ein Plädoyer für ein freiheitliches Miteinander und damit nicht nur für Kinder, sondern unbedingt auch für Erwachsene zu empfehlen. Auf jeden Fall eines meiner Bilderbuchhighlights!

Veröffentlicht am 03.09.2025

Geschickt konstruierte, unerwartete Entwicklungen

Gym
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Auf der Suche nach einem neuen Job stellt sie sich in einem Fitnessstudio vor. Das Gespräch läuft gut, bis Ferhat, der Inhaber des Gyms, sie auf ihre Vorbildfunktion für die Kunden hinweist. Sie hätte ...

Auf der Suche nach einem neuen Job stellt sie sich in einem Fitnessstudio vor. Das Gespräch läuft gut, bis Ferhat, der Inhaber des Gyms, sie auf ihre Vorbildfunktion für die Kunden hinweist. Sie hätte vor Kurzem erst entbunden, meint die namenlose Erzählerin mit Blick auf ihre überschüssigen Pfunde und bekommt mit dieser Notlüge den Job. Doch nun muss sie sich nicht nur den Fragen der Kollegen nach ihrem vermeintlichen Nachwuchs stellen, sondern bekommt von ihrem Chef auch einen Trainingsplan verpasst, um ihren Körper in Form zu bringen. …

Mit einem lockeren, leichten Schreibstil weiß Verena Kessler mich mit ihrem Roman „Gym“ von Beginn an zu fesseln. Die Protagonistin der Geschichte, die ohne Namen bleibt, erzählt von ihrem Arbeitsbeginn in einem Fitnessstudio. Durch die Ich-Perspektive erhält man hin und wieder Einblick in die Gedanken der Figur, die oft sarkastisch, fast schon zynisch sind und mich als Leserin großartig amüsiert haben. In Rückblenden lernt man die Erzählerin besser kennen, erfährt von früheren beruflichen und einigen familiären Gegebenheiten. Dadurch versteht man allmählich auch, was die Figur zu ihrer Bewerbung im Fitnessstudio geführt hat.
Was unterhaltsam beginnt, bekommt zunehmend mehr Spannung und Dramatik: Der Trainingsplan, den ihr ihr Vorgesetzter Ferhat geschrieben hat, dient hier als Ausgangspunkt. Die Hauptfigur fängt an sich zu verändern, physisch wie auch psychisch. Angestachelt durch einen Konkurrenzkampf, in den sie sich selbst begeben hat, arbeitet sie immer verbissener an ihrem Körper. Ihre Entwicklung war für mich nicht nur überraschend, sondern zugleich verstörend. Aus der (trotz ihrer Notlüge) anfangs sympathischen Frau wurde eine Figur, die man wohl als wahnhaft und furchteinflößend beschreiben kann. Obwohl ich die Erzählerin zuletzt nicht mehr mochte, fand ich die Art und Weise, wie Verena Kessler deren Wandlung konstruiert hat, doch sehr gelungen. Vor allem die Rückblenden helfen zu verstehen, weshalb sie zu der Person geworden ist, die sie ist. Hier geht um mehr als nur Fitness, es geht um Konkurrenzdenken, Ehrgeiz und Anerkennung, um tiefe innere Kränkungen und Selbstzerstörung. An keiner Stelle des Romans habe ich ahnen können, wo all das am Ende hinführen wird, sodass mich der Schluss wirklich überrascht hat.
Wer herausfinden möchte, welchen Einfluss der sportliche Ehrgeiz der Erzählerin auf ihren Job im Fitnessstudio hat und ob ihr Chef am Ende erfährt, dass ihre angebliche Entbindung nur eine Notlüge war, sollte „Gym“ lesen.

Veröffentlicht am 18.08.2025

Ein Ereignis, das kaum in Worte zu fassen ist, gut aufgearbeitet

Die Ausweichschule
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Kaleb Erdmann ist 11 Jahre alt, als am 26. April 2002 die ersten Schüsse fallen. Er besucht die 5. Klasse des Erfurter Gutenberg-Gymnasiums, an dem an diesem Tag 16 Menschen das Leben verlieren, ehe der ...

Kaleb Erdmann ist 11 Jahre alt, als am 26. April 2002 die ersten Schüsse fallen. Er besucht die 5. Klasse des Erfurter Gutenberg-Gymnasiums, an dem an diesem Tag 16 Menschen das Leben verlieren, ehe der Amokläufer die Waffe gegen sich selbst richtet.
Mehr als 20 Jahre später sorgt eine zufällige Begegnung dafür, dass die erschreckende Tat in Erdmanns Leben zurückkehrt. Er beginnt sich zu erinnern, an sein Leben in Erfurt, die Stunden am Tattag und die Zeit nach dem Amoklauf. Er stellt den Wahrheitsgehalt seiner Erinnerungen in Frage, recherchiert Zusammenhänge und überlegt, wie man über etwas schreiben kann, das kaum in Worte zu fassen ist.

Kaleb Erdmann erlebte als Schüler den Amoklauf am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt. In „Die Ausweichschule“ berichtet er über die damaligen Geschehnisse sowie seine persönlichen Erlebnisse und Erinnerungen. Die Art, wie er all das niedergeschrieben hat, empfinde ich als mehr als gelungen. Er schafft es, diese erschütternde Tat weder sensationslustig noch aufmerksamkeitsheischend zu verpacken, sondern nähert sich dem Geschehenen behutsam. Erdmann beschreibt dabei den Prozess, wie er sich als Autor an das Thema herangewagt hat. Er hinterfragt, ob man nach so langer Zeit alte Wunden aufreißen sollte, ob er der Richtige ist, darüber zu schreiben und erzählt schließlich von einem Treffen mit einem Dramatiker. In regelmäßigen Rückblicken schildert er unter anderem Telefonate, die er vorab mit dem Dramatiker geführt hat und in denen beide ihr Wissen und ihre Ansichten miteinander teilten. Diese Zeit- und Szenenwechsel bringen Abwechslung sowie Spannung in den Roman. Gleichzeitig sorgt der Aufbau dafür, dass Erdmanns Ausführungen zum Anschlag in kleinere Abschnitte geteilt werden, was die Geschehnisse zwar nicht weniger entsetzlich macht, sich beim Lesen aber besser aushalten lässt – andernfalls hätte ich wohl häufiger Lesepausen gebraucht.
Während sich große Teile des Buches dem Schreibprozess des Autors und dem Amoklauf widmen, lenkt Kaleb Erdmann die Aufmerksamkeit auch auf die Folgen für die Überlebenden. Das breite Medieninteresse und damit die Berichterstattung sind schon wenige Wochen nach dem Anschlag abgeebbt, Betroffene kämpfen dagegen teils noch heute mit dem erlittenen Trauma. Doch wie kann man solche Ereignisse verarbeiten und kann man jemals damit fertig werden?
Ich bin sehr angetan von der Art und Weise, wie Erdmann den Erfurter Amoklauf aufarbeitet. Angesichts der Tatsache, dass es sich um reale Ereignisse und keine fiktive Geschichte handelt, fühlt es sich dennoch falsch an, in überschwängliche Lobeshymnen zu verfallen. Daher nur kurz und knapp: Unbedingte Leseempfehlung für „Die Ausweichschule“!

Veröffentlicht am 07.06.2025

Fundierte Grundlagen, strukturierter Aufbau, vielfältige Rezepte

fantastisch fermentiert
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„Fantastisch fermentiert“ führt uns ein in die Welt des Fermentierens. Diese alte Technik hilft nicht nur dabei, Lebensmittel zu konservieren, sondern unterstützt auch die Darmgesundheit. Auf den ersten ...

„Fantastisch fermentiert“ führt uns ein in die Welt des Fermentierens. Diese alte Technik hilft nicht nur dabei, Lebensmittel zu konservieren, sondern unterstützt auch die Darmgesundheit. Auf den ersten Seiten des Buches kann man viel über die Grundlagen lernen: Wie funktioniert die Milchsäurefermentation? Welche Bakterien bringen mein Darmmikrobiom in Schwung? Was benötige ich zum Fermentieren? Daran schließt sich ein großer Teil mit Rezepten an, wobei neben Gemüse auch Obst, Kräuter und Pilze haltbar gemacht werden. Der letzte Abschnitt zeigt mit einer Vielzahl an weiteren Rezepten, wie die Fermente in Suppen und Salaten, Hauptspeisen sowie in Saucen, Dips und Beilagen weiterverarbeitet werden können.

Als Einsteiger im Fermentieren gefällt mir dieses Buch sehr gut! Es ist übersichtlich strukturiert und daher leicht zu handhaben. Der Grundlagenteil hilft mir zu verstehen, wie das Ganze funktioniert und zeigt auch auf, was man möglichst vermeiden sollte, um seine Lebensmittel erfolgreich zu konservieren. Die Anleitungen zum Fermentieren sind sehr vielfältig, sodass für Jede/Jeden etwas dabei ist. Die ersten Fermente habe ich angesetzt, kurz nachdem ich das Buch bekommen habe. Ich kam mit den Beschreibungen gut zurecht, da die Vorgehensweise verständlich erklärt wird und entsprechend einfach nachzumachen ist. Den Geschmack kann ich aktuell allerdings noch nicht beurteilen, da die Fermentation einige Zeit dauert. Von den Rezepten, die zeigen, wie man Fermente in seine Gerichte einbinden kann, habe ich daher aktuell noch keines ausprobieren können. Grundsätzlich finde ich es aber klasse, dass dieser Teil im Buch bedacht und aufgegriffen wurde. Die Rezepte sehen sehr ansprechend aus, sodass ich mich schon darauf freue, bald die ersten umsetzen zu können!

Veröffentlicht am 31.05.2025

Mutterschaft und unerfüllter Kinderwunsch

Hello Baby
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Als ihr Handy aufblinkt, liest Munjeong eine Nachricht in einem ihrer Gruppenchats. Sie hatte die Gruppe gegründet, um sich mit Frauen auszutauschen, die wie sie die Kinderwunschklinik besuchen. Regelmäßig ...

Als ihr Handy aufblinkt, liest Munjeong eine Nachricht in einem ihrer Gruppenchats. Sie hatte die Gruppe gegründet, um sich mit Frauen auszutauschen, die wie sie die Kinderwunschklinik besuchen. Regelmäßig teilen sie hier Updates über Erfolge und Misserfolge ihrer IVF-Behandlung. Nun soll ausgerechnet Yeonghyo, die sich seit über einem Jahr nicht mehr gemeldet hatte, ein Baby bekommen haben. So sehr sich die Frauen für ihre Freundin freuen, wirft der plötzliche Nachwuchs jedoch auch einige Fragen auf. …

„Hello Baby“ rückt die Themen Mutterschaft sowie den unerfüllten Kinderwunsch in den Fokus. Die Autorin Kim Eui-kyung, selbst einstige Patientin einer Kinderwunschklinik, schreibt in ihrem Roman von sechs Frauen über 35 Jahren, die ihr Schicksal eint: Keine von ihnen kann auf natürlichem Wege schwanger werden. In jedem Kapitel des Romans steht eine der Frauen im Mittelpunkt, was das Lesen abwechslungsreich macht. Schon lange habe ich kein Buch mehr so schnell beendet wie dieses! Die einzelnen Geschichten sind dabei höchst unterschiedlich: Die Frauen entstammen unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten. Einige verspüren einen sehr starken Kinderwunsch, andere sind sich hinsichtlich der eigenen Mutterschaft nicht ganz sicher. Die Ursachen, weshalb es nicht auf natürliche Weise klappt, sind vielfältig. Auch die Art, wie die jeweiligen Partner der Patientinnen mit dem Thema umgehen, unterscheidet sich voneinander. Während einige der Männer offen über die eigene Unfruchtbarkeit sprechen und ihre Frauen zu den Behandlungen in der Klinik begleiten, zeigen andere Scham und unterstützen ihre Partnerinnen kaum. Ich mochte es sehr, wie die einzelnen Charaktere und ihre Lebenswege gezeichnet waren, da ich diese als sehr authentisch empfunden habe.
Neben der eigentlichen Handlung beschreibt die Autorin alle Schritte einer IVF-Behandlung, die für Frauen gegenüber ihren Männern physisch und teilweise auch psychisch kräftezehrender und schmerzhafter sind. Dabei fängt sie die Emotionen der Patientinnen gekonnt ein: Hoffnung, Unsicherheit, Sorge und Verzweiflung hinsichtlich des eigenen Kinderwunsches. Mitgefühl, Freude oder Neid bezüglich der Behandlungen ihrer Mitstreiterinnen.
Obwohl das Ende schon früh abzusehen war, hat mich die Geschichte an keiner Stelle gelangweilt. Viel zu interessant war es, wie die Autorin sich zwischen den Zeilen der Frage gewidmet hat, ob Mutterschaft zwingend zum Frau-Sein gehört. Aus meiner Sicht schließt sie mit der Feststellung, dass sich niemand den familiären oder gesellschaftlichen Erwartungen beugen sollte, sondern jede Frau für sich entscheiden darf, worauf sie den eigenen Lebensentwurf ausrichtet.