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Veröffentlicht am 01.12.2025

Kiloschwere Kost

Botanik des Wahnsinns
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Wie lebt es sich, wenn die Familie über Generationen hinweg psychische Probleme hat? Leon Engler wartet im Grunde darauf, dass es ihn auch ereilt, versucht damit umzugehen und versucht zu verstehen, versucht ...

Wie lebt es sich, wenn die Familie über Generationen hinweg psychische Probleme hat? Leon Engler wartet im Grunde darauf, dass es ihn auch ereilt, versucht damit umzugehen und versucht zu verstehen, versucht auch immer wieder, seinen Eltern zu helfen, die in Endlosschleife den immer gleichen Problemen erliegen.

Kann man verstehen, was doch durch und durch verrückt ist? Ab wann ist jemand verrückt oder sollte man einfach die Grenzen verrücken? Wie geht man mit depressiven Menschen um, die sich nun mal nicht helfen lassen wollen? Und kann man dem entgehen, wenn man es doch in die Wiege gelegt bekommen hat?

Seine Überlegungen sind tiefgründig, poetisch, philosophisch und in wunderbarer Sprache dargeboten. Tiefe Melancholie, feiner Humor und auch eine gute Portion Fatalismus liegen zwischen den Zeilen. Es ist ein richtig gutes Buch und ich mochte es überhaupt nicht, habe es als bittere, frustrierende Lektüre empfunden. „Die Geschichte einer Versöhnung“ habe ich dort nur am Rande gefunden, der tröstliche Aspekt ist mir entgangen und als leichtfüßig empfand ich es auch nicht, eher als richtig kiloschwere Kost.

Johannes Nussbaum liest das Hörbuch ganz wunderbar, trifft genau diesen lakonischen Ton des Autors, sonnt sich geradezu im feinen Galgenhumor und gibt noch eine Schippe österreichischen Charme dazu.

Es ist ein wirklich gutes Buch, ein brillantes Hörbuch und ein verdammt harten Brocken, ich bin froh, dass ich es hinter mir habe.

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Veröffentlicht am 21.10.2025

Kein schönes Buch, aber eine Erfahrung

Der brennende Garten
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Über Tamilen in Sri Lanka habe ich nie wirklich nachgedacht, bis ich dieses Buch erwischt habe. Es ist höchst aufschlussreich und nur sehr schwer zu ertragen.

Hier erzählt ein tamilisches Mädchen aus ...

Über Tamilen in Sri Lanka habe ich nie wirklich nachgedacht, bis ich dieses Buch erwischt habe. Es ist höchst aufschlussreich und nur sehr schwer zu ertragen.

Hier erzählt ein tamilisches Mädchen aus ihrem Leben. Sashi geht noch in die Schule, zu Beginn dieses Buches. Es ist Anfang der 80er Jahre und sie möchte Ärztin werden. Das hat fast Tradition in ihrer Familie. Auch ihre Brüder studieren und lernen mit ihr, bis immer mehr Unruhen den Alltag durchbrechen, weil Tamilen immer mehr Repressalien auferlegt bekommen. Plötzlich herrscht Bürgerkrieg. Junge Männer schließen sich zu Widerstandsgruppen zusammen, auch Sashis Brüder kommen immer seltener nach Hause.

Hier bekommt man ein anschauliches Bild vom Leben in einer tamilischen Familie. Bildung ist ihnen wichtig und auch der Familienzusammenhalt. Man kann nie wissen, ob der Nachbar auch ein Freund ist. Sashi gerät in einen Gewissenskonflikt. Sie möchte helfen, aber wem hilft man in solchen Zeiten, den Eltern zu Hause oder sollte man helfen, Widerstand zu leisten?

So weit ist das Buch hoch interessant, allerdings habe ich mich mit dem Erzählstil etwas schwer getan. Sashi erzählt selbst, gerade heraus und schnörkellos, mit vielen Wiederholungen. Manche Dinge betont sie mantraartig immer wieder. Das ist eindringlich aber auch monoton. Ich habe das Buch als beklemmende, frustrierende Lektüre empfunden. Im letzten Teil wird es dann sogar noch wirklich brutal und sehr leidvoll, da konnte es mich dann doch noch ein wenig packen.

Ein schönes Buch ist es nicht, aber eine Erfahrung auf jeden Fall.

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Veröffentlicht am 23.06.2025

Toll erzählt, aber die Handlung geht etwas schleppend voran

Nacht über Soho
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Ich bin Fan von Kate Atkinson und lese natürlich alle ihre Bücher. Mit diesem hier habe ich mich erstaunlich schwer getan.

London in den wilden 20er Jahren, in Soho ist Nellie Coker die Königin der Nachtclubs. ...

Ich bin Fan von Kate Atkinson und lese natürlich alle ihre Bücher. Mit diesem hier habe ich mich erstaunlich schwer getan.

London in den wilden 20er Jahren, in Soho ist Nellie Coker die Königin der Nachtclubs. Alle angesagten Läden gehören ihr und dort ist sie eine Art Patin, die die Strippen zieht. Niemand tut etwas, was sie nicht weiß, auch nicht ihre sechs Kinder. Als plötzlich immer mehr Mädchen verschwinden oder in der Themse gefunden werden, sind Nellies Clubs die erste Adresse für Untersuchungen.

Es hat ein wenig gedauert, bis ich mit dem Buch warm wurde. Man muss zunächst umfangreiches Personal kennenlernen. Das ist erlesen, natürlich, jede Figur ist eigen, hat Ecken und Kanten und macht Spaß, wird mit der ganz eigenen Beobachtungsgabe und dem feinen englischen Humor der Autorin vorgestellt. Aber es dauert wirklich, biss dann mal Schwung ins Geschehen kommt. Und so wirklich schwungvoll ist es im Grunde nie. Beim letzten Drittel des Buches angelangt fragt man sich noch immer, ob denn wohl bald was passieren mag.

Ich habe das Buch gerne gelesen, hatte aber schon Bücher der Autorin, die mich viel mehr packen konnten.

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Veröffentlicht am 08.06.2025

Aufschlussreich

Verbrannte Wörter
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Dieses Buch ist sehr interessant und ein Augenöffner. Ganz vieles, was hier erklärt wird, wusste ich nicht, noch nicht einmal, dass das Identifizieren von Nazisprache im allgemeinen Sprachgebrauch eine ...

Dieses Buch ist sehr interessant und ein Augenöffner. Ganz vieles, was hier erklärt wird, wusste ich nicht, noch nicht einmal, dass das Identifizieren von Nazisprache im allgemeinen Sprachgebrauch eine eigene Wissenschaft ist, dabei ist es ganz logisch und sogar notwendig.

„Das Volk soll anfangen, einheitlich zu denken, einheitlich zu reagieren.“ , war eine Maxime und in diesem Sinne haben die Nazis erst einmal den Duden überarbeitet. Da kommt einem direkt George Orwells „Neusprech“ aus „1984 in den Sinn.

Mann soll dieses Buch als Nachschlagewerk verstehen, das untersucht, welche Herkunft verschiedene Worte oder Redewendungen haben. In alphabetischer Reihenfolge, von „Absetzbewegung“ bis „zersetzen“, kann man hier nachlesen, in welchem Zusammenhang zu welcher Zeit Worte benutzt wurden. Manche Begriffe haben Nazis bewusst geprägt. Zum Beispiel haben sie den Eintopf am Sonntag als Maßnahme zur Unterstützung des Heeres eingeführt. Das Geld, das man sparte, indem man kein aufwendiges Sonntagsessen kochte, sollte man für die Soldaten spenden. Wenn man so etwas erfährt, bleibt einem doch der nächste Eintopf im Halse stecken. Eintopf kommt mir nicht mehr ins Haus, es gibt doch auch feine Suppen.

Allerdings räumt der Autor ein, dass selbst belastete Wörter im Lauf der Zeit wieder frei werden können. Das Wort „Aktion“ etwa war zur Nazizeit allgegenwärtig. Heute denkt sich niemand mehr etwas dabei, weil es lange genug in harmlosen Zusammenhängen genutzt wurde.

Die verschiedensten Begriffe werden hier erklärt und erläutert und zum Abschluss gibt der Autor immer eine kleine Zusammenfassung und eine Einschätzung, ob ein Wort heute noch benutzt werden kann oder nicht. Das ist oft hilfreich, an vielen Stellen fand ich es aber doch etwas bevormundend. Manch ein Wort ist klar zu verdammen, aber oft ist es auch eine Frage des Geschmacks, ob man es benutzt oder im Hinblick auf die Wortherkunft aus seinem Wortschatz streicht. Zu beurteilen, was da guter Geschmack ist, kommt mir doch etwas anmaßend vor.

Trotzdem ist dieses Buch hoch interessant. Ich habe viel gelernt und weder jetzt wahrscheinlich deutlich kritischer mit meiner Wortwahl umgehen.

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Veröffentlicht am 06.12.2024

Eine Geduldsprobe

Die Lungenschwimmprobe
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Dieses Buch macht es einem nicht leicht. Es erzählt höchst anschaulich und in großartiger Sprache von einem spannenden historischen Ereignis, nur leider auch unendlich ausführlich.

Das 17.Jahrhundert ...

Dieses Buch macht es einem nicht leicht. Es erzählt höchst anschaulich und in großartiger Sprache von einem spannenden historischen Ereignis, nur leider auch unendlich ausführlich.

Das 17.Jahrhundert ist als Zeitalter der Aufklärung in die Geschichte eingegangen. Hier kann man sehen, dass das bitter nötig war. Anna Voight war naiv und 15 Jahre alt, als sie ein totes Kind zur Welt brachte. In kürzester Zeit wird sie als Kindsmörderin diffamiert, wo doch jedem klar sein müsste, dass eine Totgeburt sehr viel wahrscheinlicher ist. Selbst als ihr Anwalt ein neues Testverfahren, die Lungenschwimmprobe, ins Feld führt, möchten sich weder die Richter noch die Öffentlichkeit darauf einlassen. Man glaubt tatsächlich eher an die Aussagekraft von Geständnissen, die unter der Folter erwirkt werden.

Tore Renberg arbeitet diesen Fall auf bis ins kleinste Detail. Man erfährt viel über die Zeit, aber noch mehr sogar über die zahlreichen Menschen, die damit zu tun haben. Es sind nicht nur Anna Voight und ihre Familie von Interesse. Man erfährt auch alles über ihren Anwalt, seinen Werdegang und seine Familie, die Lebensgeschichten ihres Vergewaltigers, ihres Richters, ihrer Betreuerin, ihrer Nachbarn und ihres Henkers oder wer sonst noch alles ihren Weg streift.

Dieses Buch hat 704 Seiten, die unendlich viele Details ausbreiten, obwohl man im Grunde von Anfang an weiß, was passiert. Man kann eigentlich gar nichts verpassen, verliert aber doch immer mal leicht den Faden in all der Weitschweifigkeit. Es ist ein bisschen eine Geduldsprobe.

Der großartige Erzählstil hält einen dann doch bei der Stange und auch der Sprecher des Hörbuchs, Shenja Lacher, macht einen tollen Job. Es dauert 20 Stunden und 21 Minuten. Ich habe oft überlegt, ob ich es abbreche, habe es dann aber doch durchgezogen. Es ist schon ein tolles Buch, nur auch wirklich sehr ausführlich.

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