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Veröffentlicht am 17.08.2025

Sittengemälde der Hamburger Gesellschaft

Im Nordlicht
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Was passiert, wenn du vor Scham nicht über deine Vergangenheit sprichst – und plötzlich alles auf dem Spiel steht?

Mit Alice hat Miriam Georg eine sehr beeindruckende Protagonistin geschaffen: eine starke ...

Was passiert, wenn du vor Scham nicht über deine Vergangenheit sprichst – und plötzlich alles auf dem Spiel steht?

Mit Alice hat Miriam Georg eine sehr beeindruckende Protagonistin geschaffen: eine starke Frau, die für ihre Tochter alles tut und ihr Ziel nie aus den Augen verliert.

Eines vorweg: Zum besseren Verständnis empfehle ich, den ersten Teil der Saga gelesen zu haben. Grundsätzlich ist das Buch zwar auch ohne Vorkenntnisse verständlich, da vieles noch einmal erklärt wird – aber der Roman knüpft nahtlos an die Ereignisse aus Band eins an. Es gibt erneut Rückblenden, wie auch schon im ersten Band, die sich deutlich besser einordnen lassen, wenn man die „Vorgeschichte“ kennt. Auch für die Figurenentwicklung ist es interessanter, den Vorgängerroman gelesen zu haben.

Alice steht im Mittelpunkt dieses Romans, doch wir erleben die Geschichte nicht nur aus ihrer Perspektive. Auch viele andere Figuren schildern die Ereignisse aus ihrem eigenen Blickwinkel – darunter natürlich John Reeven, aber auch Julius, Jaris, Henk, Blanche und einige mehr. Das gibt uns als Lesende die Möglichkeit, zu den wichtigsten Charakteren eine emotionale Bindung aufzubauen. Auf die Rolle der einzelnen Figuren möchte ich an dieser Stelle nicht näher eingehen, um nicht zu viel von der Handlung zu verraten.

Der Roman ist geprägt von starken Gefühlen: Scham, Trauer und Verzweiflung – aber auch der unbeschreiblichen Liebe einer Mutter zu ihrem Kind. Themen wie häusliche Gewalt, die Rolle der Frau in Familie und Gesellschaft, Scheidung, Schwangerschaft, Suizid und Prostitution werden offen angesprochen.

Es handelt sich um ein sehr detailgetreues Sittengemälde der Hamburger Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Roman zeigt die Diskrepanz zwischen der sogenannten besseren Gesellschaft, den einfachen Arbeitern und den Dienstboten. Und doch vereinen all diese unterschiedlichen Schichten dieselben Probleme, Hoffnungen und Wünsche. Krankheit, Tod und familiäre Konflikte machen nicht vor Standesgrenzen halt – ebenso wenig wie Glück, Zufriedenheit, Freundschaft und Liebe.
Eine privilegierte Stellung bedeutet nicht automatisch ein erfülltes Leben.

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Veröffentlicht am 20.07.2025

Ein Buch wie ein Sog

Stromlinien
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Ein Pageturner, dem ich noch sehr viele Leserinnen und Leser wünsche. Rebekka Frank hat ein Buch geschrieben, welches einen ungeheuren Sog auslöst und Leserinnen und Leser gefangen nimmt.

Die Zwillinge ...

Ein Pageturner, dem ich noch sehr viele Leserinnen und Leser wünsche. Rebekka Frank hat ein Buch geschrieben, welches einen ungeheuren Sog auslöst und Leserinnen und Leser gefangen nimmt.

Die Zwillinge Enna und Jale sind unzertrennlich, bis zu dem Tag an dem Jale verschwindet. Es ist der Tag, an dem ihre Mutter aus dem Gefängnis entlassen wird. Dort sind die beiden Mädchen auch zur Welt gekommen, sie freuen sich endlich ihre Mutter in Freiheit zu sehen und fiebern dem Tag entgegen. Doch auch die Mutter ist verschwunden. Für Enna, die Ich-Erzählerin des Hauptstrangs, bricht eine Welt zusammen. Eine abenteuerliche Suche nach ihrer Schwester und Mutter beginnt. Und sie fragt sich zum ersten Mal, warum hat ihrer Mutter eigentlich im Gefängnis gesessen und kenne ich meine Mutter eigentlich…

Ein Roman voller psychologischem Feingefühl, welches mich überzeugt hat. Am Anfang konnte ich die verschiedenen Zeitebenen nicht einordnen und hatte keine Ahnung, in welcher Beziehung die Personen zu Enna stehen, bzw. von wem die Rede ist. Doch das Geflecht der Geschichte wird immer enger und es kommt sehr viel zum Tragen.

Für mich ein Familienroman der nicht nur menschliche Abgründe offenbart, sondern auch Familiendynamiken offenbart. Der wieder einmal zeigt, wie wichtig Reden innerhalb der eigenen Familie ist. Der Schauplatz des Romans, die Marsch der Elbe wird eindrucksvoll beschrieben, ebenso die Flora und Fauna. Man hat förmlich das Gefühl mit Enna auf dem Boot zu sein und über die Elbe und ihre Nebenarme zu schippern.

Für mich großes Kino, dass ich allen Leserinnen und Lesern nur ans Herz legen kann. Ein Roman der erste etwas ruhig daherkommt und dann aber zu einem super Spannungsroman mit Krimielementen wird.

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Veröffentlicht am 20.07.2025

Einfühlsames eindringliches Buch

Frag nicht nach Agnes
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Valerie Jakob hat ein sehr eindringliches Buch geschrieben, welches in mir noch sehr lange nachgehallt hat. Es ist die Geschichte von Großmüttern, Müttern und Töchtern und inwiefern die Lebenserfahrungen ...

Valerie Jakob hat ein sehr eindringliches Buch geschrieben, welches in mir noch sehr lange nachgehallt hat. Es ist die Geschichte von Großmüttern, Müttern und Töchtern und inwiefern die Lebenserfahrungen unserer Mütter und Großmütter unser eigenes Leben beeinflussten, ob durch Wissen oder Unwissen.

Im Mittelpunkt steht die junge Goldschmiedin Lilo, aus ihrer Sicht wird der Roman zu großen Teilen erzählt. Sie versucht mehr über ihre Großmutter Agnes heraus-zubekommen, aber ihre Mutter mauert und bezichtigt wiederum Agnes, ihr Leben zerstört zu haben. Lilo möchte wissen, was in der Vergangenheit passiert ist, und begibt sich auf eine spannende Suche. Agnes, Lilos Großmutter erzählt auf der zweiten Zeitebene, vor allen Dingen aus den 50er Jahren und wie hart das Leben für Sie und die Familie nach dem Krieg war.

Zwei Frauen, die um Selbstbestimmung und Freiheit ringen. Der Roman beinhaltet so viele Themen, ob es die Rolle der Frau in den 50er Jahren ist (sie durfte nur mit der Erlaubnis ihres Mannes arbeiten) oder die Kriegsverbrechen und deren Vertuschung. Ein starkes Zeitzeugnis, welches zeigt wie tief manche Dinge verwurzelt sind und dass ein Neuanfang, nicht immer ein klarer Cut ist, so sehr wir uns auch bemühen.

Es geht um Ungesagtes, über das, worüber nicht gesprochen wird oder wurde. Dennoch hat diese “Lücke” das Leben vieler Menschen und Generationen geprägt. Teilweise ein aufwühlendes und beklemmendes Buch, welches ich gerade am Ende kaum aus der Hand legen konnte.

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Veröffentlicht am 08.06.2025

Historischer Pageturner

Berchtesgaden
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Für mich war dieser Roman ein wahrer Pageturner, spannend geschrieben und authentisch sowie historisch fundiert erzählt.

Schauplatz des Romans ist, wie der Titel schon verrät, das beschauliche Berchtesgaden, ...

Für mich war dieser Roman ein wahrer Pageturner, spannend geschrieben und authentisch sowie historisch fundiert erzählt.

Schauplatz des Romans ist, wie der Titel schon verrät, das beschauliche Berchtesgaden, der Rückzugsort Hitlers, wo viele Nazi-Größen ein und aus gingen. Dieser Ort ist für die Alliierten wichtig, sind es die Amerikaner oder die Franzosen, die zuerst dort einmarschieren. Man will nah dran sein und die Wahrheit aufdecken. Im Mittelpunkt der Erzählung steht Sophie eine junge unerschrockene Frau, ihre beiden Brüder haben an der Front gedient, der eine war, sogar bei der SS. Sie will nicht einfach nach vorne schauen und so weitermachen. Nein, sie hinterfragt und will alles genau wissen, sie setzt sich mit dem Geschehenen auseinander und stellt die Frage nach Recht und Gerechtigkeit. Sie fängt an für die amerikanische Militärregierung zu arbeiten und bekommt so einen Einblick in das, was wirklich geschah, aber kaum jemand wahrhaben wollte.

Weitere wichtige Personen sind der Jude und GI Frank Rosenzweig, der damals aus München in die USA floh und nun nach Deutschland zurückgekehrt ist und nun vieler Verhöre leitet, da er sowohl der deutschen als auch englischen Sprache mächtig ist. Zu nennen ist weiterhin Rudolf Kriss der Bürgermeister von Berchtesgaden, der von den Amerikanern eingesetzt worden ist, er wurde von den Nazis zum Tode verurteilt und hat auf wundersame Weise überlebt.

Spannend ist das Verweben von Fakten und Fiktion, genauso hätte es ablaufen können und vielleicht ist es auch genauso passiert. Viele Figuren haben wahre Vorbilder andere sind gänzlich frei erfunden, sie agieren aber stimmig und absolut authentisch.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr einnehmend und gut zu lesen, am Ende wird es immer spannender und man will das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Die verschiedenen Blickwinkel lassen es zu, dass wir vielen Personen im Laufe der Erzählung nahekommen, was mich wirklich sehr beeindruckt hat. Der angedeutete Dialekt sorgt zusätzlich für Authentizität, den richtiges Bairisch hätten wohl kaum die wenigsten lesen können.

Ein absolut wichtiges Zeugnis zum 80 Jahrestag des Kriegsendes. Ein meisterliches Debüt mit starken Protagonisten, die facettenreich und nahbar wirken. Eine Geschichte, die niemals vergessen werden darf. Für mich ein wahres Highlight in diesem Lesejahr.

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Veröffentlicht am 01.06.2025

Little Germany in New York

Little Germany - Der Duft der Neuen Welt
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Der neue Roman von Maria Nikolai ist ein wahrer Pageturner. Berührend, authentisch, liebevoll und abenteuerlich: die ganze Klaviatur des Lebens. Voller Höhen und Tiefen, mit einem Cliffhanger am Ende, ...

Der neue Roman von Maria Nikolai ist ein wahrer Pageturner. Berührend, authentisch, liebevoll und abenteuerlich: die ganze Klaviatur des Lebens. Voller Höhen und Tiefen, mit einem Cliffhanger am Ende, sodass man am liebsten direkt weiterlesen möchte.

Eine Story, die nicht nur zu Herzen rührt, sondern auch ein Stück Geschichte erzählt. Wir bekommen einen tiefen Einblick in die unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten in Deutschland. Im Mittelpunkt der Erzählung stehen das Dienstmädchen Lissy und die junge höhergestellte Tochter Julia. Julia ist unglücklich in ihrer arrangierten Ehe und Lissy wird von der Familie des Vaters ihres ungeborenen Kindes verstoßen. Beide sehen nur eine Möglichkeit: ein Neuanfang in Amerika.

Der Roman gliedert sich in vier Teile und wird bis auf wenige Ausnahmen aus der Perspektive von Lissy bzw. Julia erzählt. Aber auch einige andere Perspektiven bereichern den Roman, weil man so den Figuren näherkommt. Die Spannung in den Roman ist gut konzipiert, man fiebert mir Julia und Lissy mit, ob sie es schaffen sich ein neues Leben in Amerika aufzubauen.

Der Schreibstil von Maria Nikolai ist wie gewohnt sehr einnehmend und man fühlt sich als Leser in die Geschichte hineingezogen. Gerade die Gefühle werden durch ihren Schreibstil transportiert die Autorin wie kaum eine andere Autorin Gefühle.

Sehr interessant sind auch die Informationen über Little Germany bzw. Deutschländle, die geschickt in die Geschichte eingebaut wurden. Ich finde es immer wieder interessant, wie man in Erzählungen historische Informationen vermitteln kann.

Der bereits angesprochenen Cliffhanger macht Lust auf Band 2, wir gut, dass wir nicht mehr allzu lange darauf warten müssen, da dieser bereits am 01.10.2025 erscheint. Ich jedenfalls freue mich sehr darauf.

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