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Veröffentlicht am 02.07.2025

Eine Botschaft ohne erhobenen Zeigefinger

Der Steinacker
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Die Hauptfigur Jonas ist ein schwieriger Mitmensch, der nun als pensionierter Journalist zwar immer noch auf der Suche nach den passenden Worten ist, aber sie wohl nicht mehr findet. Über der Auftragsarbeit ...

Die Hauptfigur Jonas ist ein schwieriger Mitmensch, der nun als pensionierter Journalist zwar immer noch auf der Suche nach den passenden Worten ist, aber sie wohl nicht mehr findet. Über der Auftragsarbeit einer Biographie über einen von ihm gehassten Zeitungsmagnaten brütend, erkennt er schließlich gegen Ende der Sommerfrische in den Schären seine Verfehlungen gegenüber seinen erwachsenen Töchtern. Sein Umgang mit verletzenden Worten gegenüber seiner Familie brandmarkt ihn wenig schmeichelhaft als Tyrannen. So nutzlos der benachbarte Steinacker ist, ebenso nutzlos sind seine Artikel, sein berufliches Lebenswerk, das er nun mit diesen Steinen bewirft. Sein Scheitern in seiner Familie als Ehemann und Vater kristallisiert sich klar heraus.
Wie wichtig der reflektierte Umgang mit Worten ist, zeichnet sich auf den vielen Plattformen im Internet ab, wo es sehr an gepflegter, sprachlicher Etikette mangelt.

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Veröffentlicht am 27.06.2025

Vertrackte Familienverhältnisse in Jane Austen Ambiente

Ein Haus und seine Hüter
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Zwischen dem Patriarchen Duncan Edgeworth und seiner Ehefrau besteht keine Ehe auf Augenhöhe, eher eine Verbindung mit einem tyrannischen Sieger und Unterlegener, Erniedrigter. Die Dynamik im Roman jongliert ...

Zwischen dem Patriarchen Duncan Edgeworth und seiner Ehefrau besteht keine Ehe auf Augenhöhe, eher eine Verbindung mit einem tyrannischen Sieger und Unterlegener, Erniedrigter. Die Dynamik im Roman jongliert mit den älteren, dominanten Starken und jüngeren Schwachen in Familie und in der Dorfgemeinschaft. 1935 erschien dieses in weiten Teilen aus Dialogen bestehende Buch, das ein spätviktorianisches Ambiente in standesbewusstem Landhausleben heraufbeschwört. Viel Wert wird auf exzellente Umgangsformen gelegt, sprachlich werden neben zarten, umständlichen Anspielungen harscher Klartext wiedergegeben. Frauen finden ihre vollständige Erfüllung erst in der Ehe, wenn sie sich versorgt fühlen. Thematisiert werden auch Traditionsbewusstsein, Moralempfinden, Erbschaft und die große Rolle der männlichen Nachfolge. Der Schreibstil ist entsprechend „verschwurbelt“. Das karikierte Ambiente erinnert an Romane von Jane Austen mit teils satirischer, spitzfindiger Konversation.

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Veröffentlicht am 24.06.2025

Komplexe multikulturelle Zusammenhänge und eine Legende aus Somalia – tiefgründig!

Der Kommandant des Flusses
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Die Szenarien spielen in Rom und London. Die zentrale Figur ist der junge Somalier Yabar, der frustriert seine Identität während seiner Suche nach Informationen über seinen Vater und die Familiengeschichte ...

Die Szenarien spielen in Rom und London. Die zentrale Figur ist der junge Somalier Yabar, der frustriert seine Identität während seiner Suche nach Informationen über seinen Vater und die Familiengeschichte findet. Passagen über sein Aufwachsen in Rom zusammen mit seiner alleinerziehenden Mutter und engen Freunden werden unterbrochen von Episoden aus der Legende über den Kommandanten des Flusses. Diese Erzählstränge greifen ohne großartige Kennzeichnung ineinander über, meist in Dialogform zwischen ihm, seiner Mutter und der Tante. Vielleicht soll dies als Metapher auch die politische Bürgerkriegssituation ab 1990 in Somalia beleuchten mit den korrupten Machtverhältnissen zwischen den sich rivalisierenden Clans. Thematisiert werden auch Rassismus, ehemalige italienische Kolonien, das Zugehörigkeitsgefühl im Land der Migration und starke Frauen. Diese komplexe Gegenwart- und Vergangenheitsbewältigung und das zunehmende Gefühl der Desorientierung von Yabar konzentriert sich sehr auf politische, familiäre Zusammenhänge in Somalia, vernachlässigt dabei das besondere italienische bzw. britische Ambiente in deren Alltag.

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Veröffentlicht am 21.06.2025

Das surreale Reisen auf gelesenen Worten

Der Teezauberer
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In diesem Roman geht es nicht nur um die lange, weltumspannende Geschichte des Tees, aufbereitet in einzelnen, unregelmäßig eingeflochtenen Episoden. Die Hauptfigur Jacob, von Beruf erfolgreicher Tee-, ...

In diesem Roman geht es nicht nur um die lange, weltumspannende Geschichte des Tees, aufbereitet in einzelnen, unregelmäßig eingeflochtenen Episoden. Die Hauptfigur Jacob, von Beruf erfolgreicher Tee-, Kaffee- und Gewürzhändler, der beim Lesen in seinen Lieblingsbüchern seine Sehnsüchte fernhält. Er jagt Träumen nach, z.B. einem idealen Wunschbild der klaren, reinen Liebe. Bei seinen Reisen auf Worten verliert er sich in einer Sinnsuche und entfernt sich stark von der geliebten Familie und Freunden. Seine Traumwelt trifft auf die Realität, besonders in Hamburg. Zum Glück findet er den Weg heraus aus dieser surrealen Szenerie, hat wieder Hunger, schmeckt und riecht seine vielen verschiedenen Teesorten. Die Thematisierung von Liebe, Sehnsucht, Sinn des Lebens, Träumerei wird hier durch einen feinfühligen, bildhaften Schreibstil umgesetzt.
Große Leidenschaften wie Reisen, Teekultur und Lesen treffen hier aufeinander.

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Veröffentlicht am 09.06.2025

Ein unglückliches, realitätsfernes Liebesdrama ohne Selbsterkenntnis

Getäuscht
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Die Szenerie spielt hauptsächlich im Paris der 20er bis 30er Jahre, Ersatzheimat russischer Exilanten. In Tagebucheinträgen mit drei zeitlich unterbrochenen Episoden geht es zunächst um die Einsamkeit ...

Die Szenerie spielt hauptsächlich im Paris der 20er bis 30er Jahre, Ersatzheimat russischer Exilanten. In Tagebucheinträgen mit drei zeitlich unterbrochenen Episoden geht es zunächst um die Einsamkeit und grüblerische Depression des namenlosen Ich-Erzählers, einem Exilrussen. Durch die Ankunft der Nichte einer Berliner Bekannten namens Llolja als zweiter Hauptfigur entwickelt sich mehr als eine Freundschaft. Bereits zu Beginn überwältigt den Erzähler eine unerwiderte Liebe, fühlt sich schließlich von Llolja getäuscht. In teils langatmigen, feinen psychologischen Beobachtungen voller Selbstmitleid und Liebeskummer, über sich und seine Umgebung, wirkt der Verliebte mit seinem verletzten männlichen Ego extrem peinlich in seiner penetranten Art seiner Angebeteten gegenüber. Die damaligen Geschlechterrollen mit den neuen Freiheiten der Années folles, mit fragwürdigen Frauenbildern des Erzählers, sind lebendig beschrieben. Der starke Charakter von Ljolja als kluge, selbstbestimmte, selbständige Frau ist überzeugend gezeichnet. Nach 95 Jahren der Erstveröffentlichung wirkt der Schreibstil komplex, teils kompliziert, aufgelockert durch französische Gesprächseinlagen von Franzosen.
Inhaltlich und sprachlich ein anstrengendes Werk!a

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