Was die Welt ins schwanken bringt
Schon schwankte die WeltDer Roman "Schon schwankte die Welt" von Felicitas Prokopetz beschreibt eindrücklich wie Freundschaften, Beziehungen und Lebensträume das Leben ins schwanken bringen können. Dabei greift der Roman immer ...
Der Roman "Schon schwankte die Welt" von Felicitas Prokopetz beschreibt eindrücklich wie Freundschaften, Beziehungen und Lebensträume das Leben ins schwanken bringen können. Dabei greift der Roman immer wieder die Probleme der menschlichen Kommunikation und den Wandel der Erwartungen an Männer und Frauen in der Gesellschaft auf.
Wir lernen Viktoria kennen. Diese ist alleinerziehend und hat für Ihre Tochter Lara viele ihrer Lebensträume zurück gestellt. Inzwischen ist Lara erwachsen und lebt ihr Leben selbstständig. Viktoria erfüllt sich einen langgehegten Traum und beginnt ein Studium, welches die Erforschung der Kommunikation von Raben beinhaltet.
Im Rahmen dieser Forschungen lernt sie den jüngeren Pollux kennen. Die beiden beginnen eine Beziehung und versuchen gemeinsam mit Helene (Viktorias bester Freundin) dem Rätsel um den Raben Toni auf die Spur zu kommen.
Die Schreibweise hat es mir leicht gemacht in die Gedanken- und Gefühlswelt der einzelnen Charaktere einzutauchen. Die Sprache ist sehr feinfühlig und dennoch eindringlich. Für mich sind die unterschiedlichen Sichtweisen und Meinungen der Charaktere nachvollziehbar gewesen.
Toll fand ich die Darstellung der Ungleichheit, zwischen der Innen- und Außenwahrnehmung im Bezug auf zwischenmenschliche Kommunikation. Diese wird durch zügige Wechsel der Sichtweisen und kurze Kapitel dargestellt und zieht sich als Roter Faden durch das gesamte Buch.
Das Gelesene hat mich dazu angeregt, meine eigene Kommunikation zu reflektieren. Ich fragte mich: Wie hätte ich selbst in dieser Situation reagiert? Was hätte ich anders gemacht oder ist das Handeln der Figuren die logische und typische Reaktion?
Was zudem bei mir nachhallt ist der Gedanke: Man ist nie zu Alt um seine Träume zu verwirklichen und es gibt nicht den einen "richtigen" Lebensweg.
Inhaltlich waren die Abschnitte, in denen mit dem Raben Toni gearbeitet und geforscht wurde, besonders spannend für mich. Die hätten gerne noch etwas länger sein können.
Das ist auch einer der wenigen Kritikpunkte die ich anbringen kann:
Ich finde es schade, dass das Rätsel um den Raben Toni und das Objekt nicht aufgeklärt wird. Die Autorin lässt uns mit mehreren offenen Handlungssträngen zurück. So hatte ich nach Beendigung des Buches das Gefühl, dass viel noch nicht erzählt ist.
Vielleicht ist dieses auch nicht so wichtig für die Aussage, welche die Autorin mit der Geschichte treffen möchte. Trotzdem blieb bei mir eine "ungeschlossene Lücke" zurück. Das tut aber im Endeffekt nichts zur Sache, denn "Schon schwankte die Welt" zu lesen war insgesamt eine Bereicherung!