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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.06.2025

Authentisch, ehrlich und ermutigend - grandioser Debütroman!

No Hard Feelings
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Penny ist Ende zwanzig und wenn sie so auf ihre Freundinnen schaut, läuft es nicht wirklich rund: sie wäre gerne erfolgreicher im Job, aktuell führt sie eine On-Off-Beziehung mit Max und wohnt bei einem ...

Penny ist Ende zwanzig und wenn sie so auf ihre Freundinnen schaut, läuft es nicht wirklich rund: sie wäre gerne erfolgreicher im Job, aktuell führt sie eine On-Off-Beziehung mit Max und wohnt bei einem Bekannten in dessen Haus in einer Art WG. Sie stolpert durchs Leben, sagt oft die falschen Dinge und ist hart zu sich selbst. Penny jedoch möchte weiter kommen, ihre Panikattacken in den Griff bekommen und endlich das Leben leben, von dem sie träumt.

Erstmal: Wow! Was für ein Debütroman! Ich selbst bin Anfang dreißig und konnte mich in Penny SO gut wiederfinden.
Penny als Ich-Erzählerin muss man gelesen haben. Mit viel Sarkasmus und Selbstkritik lässt sie uns an ihrem Leben teilhaben. Oft dachte ich beim Lesen, dass ich die ein oder andere Situation genauso erlebt habe - umso sympathischer ist es zu lesen, dass man damit nicht alleine ist. Ich habe mit Penny gelacht und geweint, manchmal wollte ich sie in den Arm nehmen und manchmal schütteln und sagen, was sie für ein toller Mensch ist und warum sie sich selbst oft so im Weg steht. Man fährt mit ihr durch alle Gefühlsebenen, mal heiter, mal rau und unangenehm, aber immer zu 100% authentisch.
Genevieve Novak greift hier so viele wichtige Themen auf: das Leben als Single-Frau in den Zwanzigern, Freundschaft, Selbstkritik, Selbstakzeptanz und gesellschaftlicher Druck. Mit Penny als Protagonistin webt sie diese Themen so gekonnt in die Geschichte ein, dass ich oft dachte, ich wäre selbst (als Freundin) dabei. Auch die Nebenfiguren wie ihre besten Freundinnen und ihr Mitbewohner sind toll gezeichnet. Sehr gut fand ich auch die Kapitel, in denen Penny bei der Psychotherapeutin Dr. Minnick sitzt - so herrlich erfrischend, ehrlich und wahr, dass man sich sofort ebenfalls einen Termin buchen möchte. Die Sitzungen helfen Penny, allmählich klarer zu sehen, zu akzeptieren und sich zu fokussieren. Es wird gezeigt, dass es gut ist, sich Hilfe zu suchen, wenn es nicht mehr geht und das ist in der heutigen Zeit wichtiger denn je.
Auch das Ende hat mich komplett abgeholt, es war ehrlich und "aus dem Leben", denn es zeigt, was kleine Veränderungen, die im Kopf beginnen und für die man manchmal etwas Hilfe benötigt, bewegen können.

Das Buch ist einfach - toll! Ehrlich, authentisch und mit einer guten Prise Humor legt die Autorin hier einen grandiosen Debütroman vor, der bei mir nachhallt. Unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 18.06.2025

Sommer 2006: Ein toller Roman über Freundschaft und Erwachsenwerden

Das Leben fing im Sommer an
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Solingen im Juni 2006: Chris Kramer ist fünfzehn Jahre alt und wäre gerne so beliebt wie seine anderen Klassenkameraden um bei seinem Schwarm Debbie zu landen. Er spielt ziemlich gut Fußball, ist aber ...

Solingen im Juni 2006: Chris Kramer ist fünfzehn Jahre alt und wäre gerne so beliebt wie seine anderen Klassenkameraden um bei seinem Schwarm Debbie zu landen. Er spielt ziemlich gut Fußball, ist aber aus dem Nachwuchskader von Bayer 04 Leverkusen geflogen - zu schmächtig. Das alles setzt ihm zu, aber wenn er mit seinen besten Freunden Salvo und Johnny zusammen ist, wird die Welt gleich wieder ein bisschen besser. Gemeinsam quatschen sie auf dem Hof der Eltern und lassen die Seele baumeln. Als es zu DER Party des Jahres kurz vor den Sommerferien kommt, ist sich Chris sicher: sie müssen dorthin, denn Debbie ist auch da. Als Debbie und er sich annähern ist für ihn klar: das wird der Sommer, der sein Leben verändern wird.

Mir hat das Cover schon sehr gut gefallen, Christoph Kramer kannte ich noch von der Fußball-WM 2014 und als späteren Fußballexperten. Der Einstieg in die Geschichte fällt leicht, Chris erzählt "von der Seele weg" aus der Ich-Perspektive. Man ist mittendrin im Geschehen, der 15-jährige Chris schildert seine Probleme, Sorgen und Gefühle so authentisch und toll, dass ich mich sofort selbst in meine Jugend zurück versetzt gefühlt habe. Er hat mit Akne am Rücken zu kämpfen, strebt eine Karriere als Fußballprofi an und wäre gerne beliebter. In vielen Situationen konnte ich mich selbst wieder finden, ich war 2066 ein Jahr jünger als der Protagonist. Der Autor erzählt so gekonnt aus der Zeit, dass man schnell merkt, dass er, das Meiste zumindest, selbst erlebt haben muss. Oft schwingt Nostalgie beim Erzählen mit, denn die Jugend ist eine Zeit des Umbruchs, die jeder anders erlebt hat, aber an den Sommer 2006 mitten in der Fußball-WM wird sich jeder zurück erinnern können.

Chris ist ein ganz normaler Teenager, aber aus seinem Blickwinkel wird die Geschichte besonders, man leidet mit, freut sich mit ihm und möchte ihn unbedingt weiter begleiten. Auch seine Freunde sind wunderbar authentisch gezeichnet. Die Zerrissenheit und der Umbruch, in denen Chris sich gerade befindet, werden eingänglich beschrieben, er findet Worte für Gefühle und Gedanken, die ich selbst in dem Alter nicht hatte. Auch die Widmung des Autors hat mich sehr berührt.

Von mir gibt es eine große Leseempfehlung für diesen wunderbaren Sommerroman über Freundschaft, das Erwachsenwerden und die besondere Atmosphäre eines Sommers in der Jugend!

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Veröffentlicht am 17.06.2025

Absoluter Pageturner - psychologisch vielschichtig und unglaublich spannend

Blaues Wunder
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Walter Bronstein ist Chef einer Privatbank und lädt gemeinsam mit seiner Frau Rachel seine beiden besten leitenden Angestellten samt Ehefrauen auf seine Yacht ein. Gemeinsam mit dem erwachsenen Sohn der ...

Walter Bronstein ist Chef einer Privatbank und lädt gemeinsam mit seiner Frau Rachel seine beiden besten leitenden Angestellten samt Ehefrauen auf seine Yacht ein. Gemeinsam mit dem erwachsenen Sohn der Bronsteins möchte Walter einen Kurzurlaub auf dem Meer verbringen - scheinbar, denn schnell wird klar, dass unter dem aufgesetzten Lachen und all dem zur Schau getragenen Luxus etwas enorm Wichtiges im Gange ist. Was, weiß zu Beginn noch niemand, aber niemand auf der Yacht spielt mit offenen Karten.

Das Cover ist großartig gestaltet und der Klappentext lässt nicht vermuten, welche Geschichte sich in dem Buch verbirgt. Das Setting erinnert an ein Kammerspiel: die gesamte Handlung spielt auf der Yacht mitten auf dem offenen Meer. Abgesehen von ein paar unscheinbaren Angestellten sind die sieben alleine. Die Kapitel sind abwechselnd aus der Sicht der drei Ehefrauen geschrieben, was sehr interessant gestaltet ist und die Spannung konstant oben hält.
Schnell wird klar, dass vor allem die Frauen ihre Rolle als Frau an der Seite eines reichen und einflussreichen Ehemanns bis zur Perfektion spielen können: lachen an den richtigen Stellen, immer gut gekleidet sein, Small-Talk beherrschen. Dabei macht jede auf ihre eigene Art deutlich, was sie davon hält. Die patriarchale Struktur in dieser ganz eigenen Welt der Reichen beschreibt Anne Freytag hier grandios und authentisch. Die Frauen werden oft belächelt für ihre Rolle als "Frau von", sie sind aber feine Beobachterinnen, die jedes Geschehen und jede Regung der anderen und ihrer Männer im Blick haben. Die Autorin schafft es hervorragend, diese Rolle als stille Beobachterin in dreifacher Ausführung auszufüllen. Gerade Rachel, die im größten Luxus von allen lebt, ist im Innern todtraurig. Oder wie sie an einer Stelle schreibt: nur eine lächelnde Hülle ohne Kern.
Auf der Reise treten schnell die ersten Risse in der Urlaubsidylle auf und die Fassade eines jeden bröckelt. Die Spannung wird bis zur letzten Seite hoch gehalten, denn stets schwingt eine bedrohliche und düstere Atmosphäre mit, die am Schluss zur großen Explosion führt.

Ich war von dem Buch gefesselt und habe es fast in einem Rutsch durchgelesen. Anne Freytag hat einen Roman geschrieben, der zugleich Kammerspiel, Roman und Thriller ist und mit seinem Tiefgang begeistert. Ein Highlight dieses Jahres für mich, unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 11.06.2025

Ungewöhnliche und verrückte Geschichte, die Realität und Fiktion miteinander verschwimmen lässt

Wackelkontakt
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Franz Escher sitzt zu Hause und wartet auf einen Elektriker, denn seine Steckdose in der Küche hat einen Wackelkontakt. In der Zwischenzeit liest er ein Buch über den Mafia-Kronzeugen Elio Russo, der im ...

Franz Escher sitzt zu Hause und wartet auf einen Elektriker, denn seine Steckdose in der Küche hat einen Wackelkontakt. In der Zwischenzeit liest er ein Buch über den Mafia-Kronzeugen Elio Russo, der im Gefängnis auf seine Entlassung wartet. Im zweiten Erzählstrang sitzt der Mafia-Kronzeuge im Gefängnis und wartet auf seine Entlassung. Er liest ein Buch über Franz Escher, der auf einen Elektriker wartet, denn seine Steckdose hat einen Wackelkontakt.

Viel mehr kann man über die Handlung gar nicht verraten, denn diese Geschichte ist außergewöhnlich und fällt aus der Norm.
Das Cover spricht schon für sich, es zeigt das Bizarre der Geschichte. Angefangen bei Franz Escher, der auf den Elektriker wartet bis zu Elio Russo im Gefängnis springt die Geschichte immer wieder hin und her, auch mitten im Absatz ohne klare Trennung. Daran musste ich mich beim Lesen erstmal gewöhnen um in die Geschichte hinein kommen. Am Anfang habe ich noch versucht, beide Geschichten klar voneinander zu trennen und genau aufzupassen, wo die Handlungen jeweils in die andere übergeht, schnell jedoch habe ich einfach "nur" gelesen ohne zwanghaft Zusammenhänge herzustellen. Denn das ist praktisch unmöglich, man weiß beim Lesen bald nicht mehr, was Realität ist und was Fiktion, denn beides geht ineinander über. Diese spezielle Erzählweise macht das Ganze auch unglaublich abwechslungsreich und interessant.
Die ganze Zeit fiebert man auf das Ende hin und fragt sich beim Lesen, wie der Autor die beiden Geschichten schlüssig auflösen möchte. Es überrascht dann auch und bildet einen tollen Abschuss dieser verrückten und doch tiefgründigen Geschichte.

Ich kann das Buch jedem empfehlen, der sich auf eine ungewöhnliche, abwechslungsreiche, aber auch tiefgründige Geschichte einlassen möchte, in der nichts ist, wie es scheint. Große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 10.06.2025

Leise und unglaublich toll erzählte Geschichte über die fremde Welt im All und die Sicht auf die Erde

Umlaufbahnen
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Vier Astronauten und zwei Astronautinnen sind in einer Raumstation um die Erde unterwegs: Anton (Russland), Chie (Japan), Nell (England), Pietro (Italien), Roman (Russland) und Shaun (USA). Sie leben zusammen ...

Vier Astronauten und zwei Astronautinnen sind in einer Raumstation um die Erde unterwegs: Anton (Russland), Chie (Japan), Nell (England), Pietro (Italien), Roman (Russland) und Shaun (USA). Sie leben zusammen auf engstem Raum und führen Forschungsarbeiten durch in einem durchgetakteten Tagesablauf. In 24 Stunden umrundet die Raumstation 16 mal die Erde. Weit weg von Freunden, Familie und dem gewohnten Alltag wird ein Tag der sechs Personen geschildert.

Mich hat das Buch vom Cover und Klappentext schon für sich eingenommen. Es gibt eigentlich keine wirkliche Handlung, es wird aus den unterschiedlichen Perspektiven der sechs AstronautInnen erzählt und ihre Beobachtungen, aber auch Eindrücke, Sehnsüchte und Gefühle wiedergegeben. Man erfährt, über welchen Kontinent oder Land sich die Raumstation gerade befindet und es werden unglaublich toll die Eindrücke zu diesen Landschaften und Gegebenheiten erzählt. Auch die Experimente, Forschungsarbeiten und Reparaturen in und an der Raumstation werden beschrieben, sodass man als Leser stets mittendrin ist und ich habe einiges an interessanten Dingen gelernt. Generell wird eine Welt beschrieben, die die allerwenigsten von uns jemals erleben werden und umso spannender ist ein realistischer Einblick, den man mit diesem Buch bekommt.
Das Buch plätschert vor sich hin, was die Geschichte jedoch nicht beeinträchtigt. Es ist eine leise Geschichte, der Erzählstil dazu passend, an vielen Stellen fast schon poetisch. Beim Lesen war ich mittendrin in dieser völlig anderen Welt, man wird demütig und ehrfürchtig und mir wurde bewusst, dass wir Menschen auf dieser Erde nur ein winziges Sandkorn sind im Vergleich zur Natur und dem allumfassenden Kosmos. Die Erde als kleiner Punkt im unendlichen Weltall wird so toll beschrieben, dass einem beim Lesen umso bewusster wird, wie wichtig es ist, diesen Planeten zu schützen und nicht auszubeuten.

Mir hat die Geschichte unglaublich gut gefallen, auch ohne konkrete Handlung wird so viel aus einer völlig anderen und fremden Welt erzählt. Für mich ein neues Lesehighlight!

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