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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.08.2025

Viele unsortierte, autobiographische Kindheits-Erinnerungen des entführten, amerikanischen Autors

Die Sonne stand tief, als ich meinen Vater fand
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Das Aufwachsen in weißen, rassistischen Verhältnissen unter der Verschwiegenheit seiner eigentlichen Identität scheint für den Autor eine hochemotionale Tortur seit seiner Entführung von seinem farbigen ...

Das Aufwachsen in weißen, rassistischen Verhältnissen unter der Verschwiegenheit seiner eigentlichen Identität scheint für den Autor eine hochemotionale Tortur seit seiner Entführung von seinem farbigen Vater gewesen zu sein. Seine nicht chronologischen Reflexionen scheinen seinen Schreibstil in langen Sätzen mit repetitiven Elementen sehr zu beeinflussen. Seine unruhige Suche nach Herkunft und Zugehörigkeit kann schmerzhaft nachempfunden werden. Nur erfolgen die detaillierten Wiederholungen mit Gedankensprüngen zu oft. 1975 in Texas geboren, mit zehn Jahren umgezogen nach Kalifornien, vermisste er seine jeweiligen Freunde und liebte Skateboard-Fahren. Erst mit fünfzehn Jahren entfachte das Gedicht „Lady Lazarus“ von Sylvia Plath sein Interesse für Gedichte und Literatur. Sein Gefühlsleben erfuhr auch eine erhebliche Veränderung nach der Trennung seiner Großmutter von dem gewalttätigen Großvater, auch weil der Autor dadurch halbwegs seinen Entführern entkommen war. In seiner Revolution als entführtes Kind gegen Schule wurde er durch Refrains mancher Songs bestärkt, wollte depressiv und hilfebedürftig wirken ohne je ein glückliches Zuhause gehabt zu haben.
Diese negativen Kindheitserinnerungen, geprägt durch Rassismus und Gewalt, nach dreißig Jahren wieder herauf beschworen, sind leider durch den repetierten Schreibstil erschwert zu lesen.

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Veröffentlicht am 08.07.2025

Was für ein Sex erfülltes Leben in queerem Milieu!

Schwindel
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Zwischen Schwindelgefühlen auf dem Dach eines Hochhauses und Schwindeleien im Leben von vier Menschen bewegt sich dieser queere Roman. Diese Figuren Ava, Robin, Delia und Silvia, die sich aus Versehen ...

Zwischen Schwindelgefühlen auf dem Dach eines Hochhauses und Schwindeleien im Leben von vier Menschen bewegt sich dieser queere Roman. Diese Figuren Ava, Robin, Delia und Silvia, die sich aus Versehen hier oben ausgesperrt haben, werden in Rückblenden näher vorgestellt, was teilweise sehr vom Haupterzählstrang ablenkt. Miteinander verbunden sind sie hauptsächlich durch ihr älteres bzw. aktuelles sexuelles Verhältnis zu Ava. Das Milieu von polygamen Verhältnissen wird verdeutlicht, auch mit den negativen gesellschaftlichen wie gesundheitlichen Konsequenzen. Delia als Trans-Person wird in ihrer Erzählposition mit "demm" und "dey" statt "er" und "sie" dargestellt, was Erklärungsbedarf auslösen könnte. Die Lesbe Silvia ist in diesem Quartett bedeutend älter als die drei sexuell erfahrenen Akteure um die 30. Thematisiert werden Drogen, Sehnsucht nach Nähe und Zugehörigkeit. Die Wortwahl entspringt oft einem nicht alltäglichen Slang aus queeren Kreisen.
Alles sehr gewöhnungsbedürftig für Otto Normalverbraucher. Mutig!

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Veröffentlicht am 12.06.2025

1975 - Ein Terrorakt in den Schweizer Bergen – Eine Neuauflage

Ein Sonntag in den Bergen
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Der Autor Daniel de Roulet gesteht in diesem Buch, Brandstifter des Chalets von Axel Springer in der Nähe von Gstaad im Jahre 1975 gewesen zu sein. In unterschiedlich zeitlicher Reihenfolge erläutert er ...

Der Autor Daniel de Roulet gesteht in diesem Buch, Brandstifter des Chalets von Axel Springer in der Nähe von Gstaad im Jahre 1975 gewesen zu sein. In unterschiedlich zeitlicher Reihenfolge erläutert er Planung und Ausführung des Brandanschlags gut nachvollziehbar, aufgelockert durch damaliges Zeitgeschehen des politischen „kalten Krieges“ und des Weltgeschehens. Angeblich sei er irrtümlich zu diesem Zeitpunkt in dem Glauben gewesen, dass Springer ein Nazi gewesen sei. Die neutrale und an sich sachliche Schilderung wird durch ausschweifende Liebesbekundungen gegenüber seiner damaligen Komplizin an diesem betreffenden Sonntag in den Schweizer Bergen ausgeschmückt. In einem weiteren Erzählstrang, der Autor ist inzwischen sechzig, folgt er den familiären Spuren Spiegels in Hamburg gemäß einer Biographie über den erfolgreichen deutschen Verleger und entschuldigt sich. Mutig ist er, sich zur damaligen kriminellen Tat endlich zu stellen, aber auch naiv, eine solch gefährliche Tat zu begehen, motiviert durch seine falsche Annahme in der Vergangenheit. Sehr wenig wird im Nachwort auf die juristische Einordnung dieses Tatbestands und auf Reaktionen der Medien und der Nachwelt eingegangen. Jüngeren Lesern mögen erwähnte Namen der demonstrierenden Szene um 1975 wenig sagen.

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Veröffentlicht am 06.06.2025

Skrupellose Machenschaften bei Firmenverkauf

Nimms nicht persönlich
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Der Wolf im Schafsfell – so kommt das Cover daher- passend für den selbständigen Personalvermittler besonderer, surrealer Kategorie, der hier als Zeitreisender auftritt. Die Gesellschaftskritik des Autors ...

Der Wolf im Schafsfell – so kommt das Cover daher- passend für den selbständigen Personalvermittler besonderer, surrealer Kategorie, der hier als Zeitreisender auftritt. Die Gesellschaftskritik des Autors richtet sich klar gegen unmenschliche, gegen Arbeitsrecht verstoßende Maßnahmen im Bereich der Firmentransformation, z, B. wie hier in Form von Umstrukturierungen bei Firmenverkauf. Verläuft anfangs das Geschehen noch realistisch, entwickelt es sich mit dem Auftauchen des selbstständigen Personalvermittlers Lombard und seinem Assistenten Reiner eher zu einem surrealen Spektakel fern jeder Realität. Auch finden sich historische Einflechtungen über das Pestjahr 1349 in Straßburg, wo durch ein fiktives, geschicktes Lügengeflecht von Lombard und Reiner eine große Judenverbrennung angestiftet wurde. Juden sollen die Brunnen der Stadt verunreinigt haben. Die Darstellung des Qualitätsmanagers Lute und seiner Überforderung hinsichtlich der verantwortungsvollen Rückabwicklung seiner überflüssig gewordenen Abteilung unterliegt ebenso dem Trend zum Utopischen und Absurden. Den Nebenfiguren wie der Chefin Klara und einigen Mitarbeitern blüht ein unmenschliches, fantasie-überladenes, wirres Schicksal. Die Szenerie spielt größenteils in Veluwe, einem überwiegend bewaldeten Landstrich in der niederländischen Provinz Gelderland. Sie ist das größte zusammenhängende Waldgebiet der Niederlande und bekannt für ihre vielfältige Natur, darunter Wälder, Heide, Sandverwehungen und Moore.

Ein absurd konstruierter Roman!

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Veröffentlicht am 24.05.2025

Zwei Frauen gegen den Rest von Amerika

Killer Potential
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Ein ungewohnt farbenfrohes, ansprechendes Cover für einen Thriller! Die Szenerie spielt zunächst in L.A. mit Evie Gordon, 29, SAT-Tutorin, als Erzählerin. Im ersten von drei Teilen findet sich die Hauptfigur ...

Ein ungewohnt farbenfrohes, ansprechendes Cover für einen Thriller! Die Szenerie spielt zunächst in L.A. mit Evie Gordon, 29, SAT-Tutorin, als Erzählerin. Im ersten von drei Teilen findet sich die Hauptfigur im Haus ihrer Schülerin in eine Mordsituation verwickelt, mit einer scheinbar traumatisierten, gefesselten Frau als noch lebendes Opfer. Auf ihrer Flucht vor der Polizei, als ineffektiv dargestellt, treffen sie auf diverse Typen beim Tanken, Einchecken oder Einkaufen bzw. Stehlen. Klischees werden hier bedient. Die Medien entzünden eine übertriebene, landesweite Hexenjagd ohne jedwede Beweislage, was insgesamt nicht realistisch erscheint. Mehr polizeiliche Erkenntnisse, DNA-Spuren oder nachbarliche bzw. verwandtschaftliche Befragungen etc. würde man in einem Thriller mit mehreren Morden, bei den Victors und Carlisles, erwarten. Unwirklich wirkt auch die amouröse, sich allmählich entspannende Beziehung der zwei Frauen, leiden sie aber doch eigentlich eher unter ständigen Fluchtszenarien und unter existentieller Bedrohung aufzufliegen. Durch Evies Gedanken z.B. zum möglichen Mordhergang und mehrmalige Rückblicke auf den bisherigen Lebensverlauf beider Frauen werden diese Hauptfiguren zwar menschlicher, aber die Handlung selbst verliert dadurch an Spannung. Die Aufklärung rund um Peter Victor’s Sexworkerinnen wirkt surreal. Durch das endgültige Erwachen von Serena aus dem Koma und ihrer klaren Aussage am Ende von Teil 2 folgen im dritten Teil Evie‘s leidige Erfahrungen, wenig zu Jae Park und leider keine polizeiliche Aufklärung.
Angenehmer Schreibstil, aber kein Thriller!

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