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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.05.2026

Erschütternd und realitätsnah

Schlaf
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Honor Jones' "Schlaf" ist kein Roman, den man nebenbei lesen kann. Er beschreibt Beziehungen und Vorkommnisse, die man nicht gern glauben mag, von denen man aber immer wieder hört. Dabei ist das Cover ...

Honor Jones' "Schlaf" ist kein Roman, den man nebenbei lesen kann. Er beschreibt Beziehungen und Vorkommnisse, die man nicht gern glauben mag, von denen man aber immer wieder hört. Dabei ist das Cover wunderschön, sieht romantisch und kunstvoll aus und verrät sonst kaum etwas über den schon erschütternden Inhalt des Romans. Auch das Layout und die Schrift fand ich besonders lesefreundlich und ansprechend.

Die Protagonistin des Roman, Margaret, selbst Mutter von Töchtern, erfährt als junges Mädchen, eigentlich noch als Kind, selbst emotionale Kälte und Distanz von ihrer Mutter. Von den männlichen Familienmitgliedern und dem Umkreis erfährt sie Übergriffe und Missbrauch. Als Erwachsene, im Beruf und privat, muss Margaret mit ihrem Trauma umgehen. Ihre Erwartungen und Handlungen sind das Resultat ihrer Kindheitserlebnisse.

Der Roman ist eigentlich nur bedingt explizit und geradeheraus. Er lebt von der Kreation einer Atmosphäre, die man deuten muss, die man verarbeiten muss. Manches wiederum war mir aber auch zu explizit und hat kaum zur Handlungsentwicklung beigetragen. Die Protagonistin Margaret bleibt für mich etwas blass und durchläuft kaum eine Entwicklung.

Das Thema selbst, allgegenwärtig, doch meist im Verborgenen, hat große Aktualität. Der Roman zeigt, was die Kälte einer Mutter und das Wegschauen anrichten kann. Damit hat mich der Roman aufgerüttelt, aber nicht komplett überzeugt. Ich würde den Roman aber gern weiterempfehlen. Er richtet sich an Lesende, die keinen leichten Sommerroman suchen und gern längere Passagen am Stück lesen. Nur so kann man die erzeugte Atmosphäre gut erfassen.

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Veröffentlicht am 27.03.2026

Lebendige Erzählung

Marie und die Woche ohne Donnerstag
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"Marie und die Woche ohne Donnerstag" von Elke Michel und Jutta Wetzel ist ein lebendiges Kinderbuch mit lustigen Illustrationen. Die Handlung dreht sich Marie und ihre Familie und eine Woche voller schöner ...

"Marie und die Woche ohne Donnerstag" von Elke Michel und Jutta Wetzel ist ein lebendiges Kinderbuch mit lustigen Illustrationen. Die Handlung dreht sich Marie und ihre Familie und eine Woche voller schöner Aktivitäten und anderer Dinge, die Marie lieber vermeiden möchte, allen voran der gefürchtete Zahnarztbesuch am Donnerstag.

Mit den magischen T-Shirts, die Maries Vater ihr auf dem Jahrmarkt gekauft hat, kann Marie sich in jeden Tag der Woche versetzen; sobald sie das verstanden hat, lässt sie natürlich immer wieder den Donnerstag aus. Das ist lustig und kurzweilig, doch nach ca. 2/3 des Buches verliert die Geschichte ihre Magie, denn Marie erlebt die gleichen Tage immer wieder, sodass es nicht mehr recht vorwärts geht. Damit ist irgendwann die Luft raus, das Buch ist zwar immer noch nett, aber nicht mehr spannend.

"Marie und die Woche ohne Donnerstag" würde ich für Erstlesende oder als Vorlesebuch empfehlen. Auf einen zweiten Teil hätte ich momentan keine Lust, bin aber dennoch gespannt, um was es gehen wird. Die T-Shirts haben mit dem ersten Band sicher ihren Dienst getan.

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Veröffentlicht am 01.03.2026

Negative Gefühle

Narbenmädchen
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"Narbenmädchen" von Lilly Bogenberger ist ganz klar ein Jugendbuch, nicht aber unbedingt sofort als solches zu erkennen. Vielmehr erinnert mich das Cover eher an einen Thriller. Das Thema macht es aber ...

"Narbenmädchen" von Lilly Bogenberger ist ganz klar ein Jugendbuch, nicht aber unbedingt sofort als solches zu erkennen. Vielmehr erinnert mich das Cover eher an einen Thriller. Das Thema macht es aber bald sehr deutlich, dass es sich um ein Jugendbuch handelt, ebenso die Sprache aus der Sicht der Protagonistin Lara. Diese ist ein fiktionaler Charakter, ich hatte beim Lesen aber stets das Gefühl, die Autorin hat dies vielleicht selbst so oder ähnlich erlebt und Lara ist oder ähnelt Lilly.

Der Roman lässt sich gut lesen, doch die Themen sind hart: Lara praktiziert selbstverletzendes Verhalten und kann auch nicht einfach damit aufhören, wie man das scheinbar glaubt. Hilfe bekommt sie in der zwangsverordeneten Kur nicht, ihre Mutter denkt auch lieber zuerst an sich selbst, hätte sie nicht Freundschaft mit ein paar Jungs aus der Klinik geschlossen...Alle haben unterschiedliche Probleme, und so werden die Lesenden mit sehr vielen Problemen konfrontiert.

Obwohl die Probleme der Jugendlichen gut nachvollziehbar sind, fand ich niemanden wirklich sympathisch, auch nicht die Protagonistin Lara. Sie rennt ständig zum Rauchen (und auch mal zum Trinken), was ja auch kein Wunder ist, da sie auch zuhause sogar in ihrem Zimmer rauchen durfte - und das mit 15! Auch sonst war sie für mich keine Sympathieträgerin. Auch die sehr saloppe Sprache hat mir nicht gefallen, es gibt nicht einen korrekten Kausalsatz, auch die Wortwahl fand ich nicht immer schön, obwohl sie für Lara sicher angemessen war.

So wurde mir während des Lesens klar, dass "Narbenmädchen" sicher einer jüngeren Zielgruppe besser gefallen würde, obwohl ich sonst auch gern Jugendromane lese. Doch würde ich den Roman Jugendlichen gern empfehlen? Ich würde dies nicht tun, weil er mir einfach zu negativ scheint, realistisch zwar möglicherweise schon, aber ich möchte ihn niemandem empfehlen, weil ich beim Lesen stets ein sehr bedrückendes Gefühl hatte. Vor allem für selbst Betroffene würde ich "Narbenmädchen" nicht empfehlen. Es gibt dann sicher noch andere gute Literatur. Die Warnung der Autorin am Anfang des Buches finde ich aber gut und wichtig.

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Veröffentlicht am 19.01.2026

Spannend, teils zu explizit

Firewatch
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Ich bin sicher nicht die Zielgruppe dieses New-Adult-Romans, aber mir gefiel das Szenario der beiden Charaktere in Colin Hadlers "Firewatch", die den Sommer auf zwei Feuerwachtürmen im erfundenen Goldenfalls-Nationalpark ...

Ich bin sicher nicht die Zielgruppe dieses New-Adult-Romans, aber mir gefiel das Szenario der beiden Charaktere in Colin Hadlers "Firewatch", die den Sommer auf zwei Feuerwachtürmen im erfundenen Goldenfalls-Nationalpark in Kalifornien verbringen müssen. Sie sind dort abgeschieden und frei von jeder Handy- und Internetverbindung, doch sie können über Funk Kontakt miteinander aufnehmen, sind also ganz für sich und bieten damit eine gute Konstellation für einen Thriller. Auch das Cover des Romans ist dazu stimmig und auch etwas zweideutig, also sehr passend.

Bis ca. Seite 100 war "Firewatch" für mich ein absoluter Pageturner mit sehr gelungenen Twists und Cliffhangern. Der Autor hat es geschafft, dass ich den Roman in kürzester Zeit gelesen habe. Dann aber werden zwei nicht notwendige erotische Szenen eingefügt, die ich unpassend und gar nicht zielführend fand. Dabei fand ich es sehr auffällig, dass die sonst gute Sprache auf das Niveau eines Groschenromans fällt. Jugendlichen würde ich aufgrund dieser beiden Szenen den Roman nicht empfehlen, ich selbst habe den Mehrwert hier nicht entdecken können.

Das erste Ende des Buches fand ich sehr unglaubwürdig, sehr unwahrscheinlich, daher habe ich mich gefreut, dass eine zweite, unerwartete Aufklärung folgt. Leider fand ich auch diese sehr weit hergeholt, sehr fragwürdig, nicht so passend. Auch der Showdown am Ende ist für den Verlauf so nicht notwendig, für eine Verfilmung aber vielleicht gewinnbringend.

Was ich von Anfang fraglich fand, ist die Tatsache, dass sich hier ein österreichischer Schriftsteller eine Location in einem wohl eher wenig besuchten Nationalpark in den USA ausgesucht hat. Dabei sind die beiden Firetowers 30 Meilen, also ca. 50km voneinander entfernt, das sicher nicht durch gute Wege oder Straßen. Dass dies keine österrreichischen Wanderwege sind, ist wohl klar. aber Aaron läuft dies in 10 Stunden und dann auch wieder zurück. Wenn man ihn hier verfolgen möchte, dann kann man sich auch kaum durch das Dickicht schlagen, man würde nicht unentdeckt bleiben. Es gibt weitere Unstimmigkeiten, die aber zu vernachlässigen sind.

Alles in allem hatte ich große Lesefreude; der Roman ist eigentlich ein gelungener Psychothriller. Immer wieder ändert man seine Meinung über die Schuld und Unschuld der Protagonisten. Der Roman hat mich nicht losgelassen, war lange Zeit für mich ein 5-Sterne-Buch. Am Ende war ich aber nicht mehr so überzeugt von "Firewatch" und hätte vor allem die zwei unnötigen Szenen gern nicht gelesen. Die Betitelung von "Suspense-Romance" weist darauf auf nicht hin. Insgesamt finde ich die genreübergreifende Mischung zwar gut, aber manchmal ist weniger einfach mehr.

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Veröffentlicht am 15.06.2025

Ungewöhnlich und schwer zu deuten

Shark Heart
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"Shark Heart" von Emily Habeck hat mich schon durch das Cover in seinen Bann gezogen. Die Story selbst kann und konnte ich bisher nicht richtig einordnen. Fantasy ist das m.E. nicht, man soll die Story ...

"Shark Heart" von Emily Habeck hat mich schon durch das Cover in seinen Bann gezogen. Die Story selbst kann und konnte ich bisher nicht richtig einordnen. Fantasy ist das m.E. nicht, man soll die Story wohl eher im übertragenen Sinne lesen oder sehen. Ein Mann wird zu einem weißen Hai, ein Phänomen, das den Ärzten durchaus nicht unbekannt ist - was hat es damit auf sich? Ausgeschrieben ist das Buch u.a. als Liebesroman; dies trifft es wohl auch am besten.

Was es genau mit der Transformation auf sich hat, bleibt eher unausgesprochen. Hier ist immer wieder die Rede davon, dass Lewis mit einer fortschreitenden Krankheit kämpft. Sieht man den Roman auf diese Art, so macht der Fortgang natürlich Sinn, aber die Autorin wollte das Unausweichliche wohl nicht auf diese Art aussprechen.

Vielleicht ist es besonders tragisch, dass Lewis und Wren gerade frisch verheiratet sind, ihre Liebe frisch ist, ihr gemeinsames Leben noch ungelebt. Daher muss Wren ganz besonders viel Stärke beweisen, was sie auch tut.

Insgesamt bleiben in diesem Roman einerseits für mich doch viele Fragen offen, andererseits hat es mich auch sehr berührt. Die ersten beiden Teile waren für mich aber stärker als der letzte Teil. Ein ungewöhnlicher Roman bekommt von mir 4 Sterne, es ist aber auf jeden Fall die Art Roman, die ich gern lese.

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