Profilbild von jutsi

jutsi

Lesejury Star
offline

jutsi ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit jutsi über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.01.2026

Jetzt schon ein Lesehighlight 2026

Die Riesinnen
0

Das Jahr hat gerade erst begonnen, doch eins meiner Lesehighlights für 2026 steht schon fest: Die Riesinnen von Hannah Häffner war ein echter Überraschungserfolg für mich und ein Buch, das auch nach dem ...

Das Jahr hat gerade erst begonnen, doch eins meiner Lesehighlights für 2026 steht schon fest: Die Riesinnen von Hannah Häffner war ein echter Überraschungserfolg für mich und ein Buch, das auch nach dem Lesen noch lange nachklang.

Die Riesinnen ist eine Geschichte über drei Generationen und begleitet Liese, ihre Tochter Cora und deren Tochter Eva von den 60er Jahren bis in die Gegenwart in einem kleinen Schwarzwalddorf. Groß, dünn und mit roten Locken scheint Liese nicht nur äußerlich nicht so richtig in das Dorf zu passen. Trotzdem bleibt sie und geht ihren Weg mit Entschlossenheit, während Cora zunächst einfach nur eins will: weg. Eva fühlt sich in ihrer Heimat fest verwurzelt und erlebt ihre Herausforderungen, als sie diese verlassen soll.

Beeindruckt hat mich vor allem Hannah Häffners Sprache, die es schafft, alle drei Frauen, ihre Eigenheiten und besonders ihre Unterschiede einzufangen und darzustellen. Insgesamt poetisch und wortgewaltig, aber mit subtilen Unterschieden, wenn der Fokus sich von einer zur anderen Protagonistin verschiebt. Viel steht auch zwischen den Zeilen, denn mit dem Wechsel der Hauptperspektive bleiben auch die Gedanken der vorangegangenen Generation plötzlich verborgen und damit Raum Beobachtungen selbst zu interpretieren und zu füllen.

Die Handlung an sich ist eher unaufgeregt und leise und doch greift jede der Frauen auch die großen Themen ihrer Generation auf und regt zu eigenen Gedanken an. Mich haben beim Lesen viele Fragen beschäftigt: Was macht eigentlich Heimat aus? Warum wurde früher über so vieles geschwiegen? Warum ist es manchmal so schwer, gerade die Menschen, die uns am nächsten sind, wirklich zu verstehen? Zugehörigkeit, Mutter-Tochter-Beziehungen, Pflichtbewusstsein, die unsichtbare Arbeit der Frauen, Perspektivlosigkeit – das Buch greift viele Themen auf. Für mich eine ganz klare Leseempfehlung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.07.2025

Überraschendes Lesehighlight

Sunbirds
0

Sunbirds von Penelope Slocombe war für mich ein überraschendes Lesehighlight. Der ungewöhnliche Titel und die Farbgebung des Covers haben mich neugierig gemacht. Überraschenderweise hat das Buch für mich ...

Sunbirds von Penelope Slocombe war für mich ein überraschendes Lesehighlight. Der ungewöhnliche Titel und die Farbgebung des Covers haben mich neugierig gemacht. Überraschenderweise hat das Buch für mich gleich nach den ersten Kapiteln in einen Sog gezogen. Ich wollte unbedingt wissen, wie es ausgeht und habe es an einem Wochenende durchgelesen.
Torran verschwindet als gerade 18 Jähriger in den Bergen in Indien und hinterlässt seine Familie ratlos. In der Vorbemerkung des Buches steht der Hinweis, dass sich schätzungsweise bis zu 9000 Menschen illegal in den Bergen aufhalten. Das setzt natürlich sofort das Gedankenkarussell in Gang: Ist Torran einer von ihnen? Während seine Mutter Anne fest daran glaubt, Torran zu finden, und ihn inzwischen seit Jahren in Indien sucht, hat sein Vater die Suche aufgegeben. Frischen Wind bringt Esther, Journalistin und Torrans Cousine in den Fall, die mit neuen Informationen nach Indien reist.
Der Roman dreht sich allerdings um soviel mehr als die Frage, was mit Torran passiert ist. Er erzählt vom Umgang mit Schicksalsschlägen, den Paarkonflikten, die infolgedessen entstehen. Ganz besonders beschäftigt er sich mit der Frage: Wann ist es an der Zeit loszulassen? Ist das überhaupt, wenn man sein Kind vermisst? Auch die komplexe Beziehung zwischen Anne und Esther ist immer wieder Thema.
Erzählt wird die Geschichte im schnellen Perspektivwechsel zwischen (vor allem) Anne und Esther, der nach und nach eine vielschichtige Wahrheit offenbart. Für mich ein überraschend spannendes Lesehighlight!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.07.2025

Witzig-skurril und motivierend für Erstleser!

Franky 1: Meine schräge Zombie-Familie, Schrumpfdrachen und andere Katastrophen
0

Franky – meine schräge Zombi-Familie, Schrumpfdrachen und andere Katastrophen macht mit dem Cover schon viel richtig: Es macht neugierig und Lust auf Lesen! Zumindest meinen Sohn hat es direkt angesprochen. ...

Franky – meine schräge Zombi-Familie, Schrumpfdrachen und andere Katastrophen macht mit dem Cover schon viel richtig: Es macht neugierig und Lust auf Lesen! Zumindest meinen Sohn hat es direkt angesprochen. Der abziehbare Schleimsticker wurde auch freudig entdeckt und ausprobiert! Für mich eine Spielerei, die nicht zwingend nötig ist – für meine Kinder hat es definitiv zum Coolness Faktor des Buches beigetragen.
Das Buch hält, was das Cover verspricht – es ist bunt, witzig und detailreich. Ich war überrascht, dass auch alle Illustrationen auf den Innenseiten farbig gehalten sind. Insgesamt trägt der Comicstil sehr zur Lesemotivation meines Sohnes bei und so war es auch hier. Die Texte sind relativ einfach gehalten, die Schrift ist stellenweise jedoch eher klein. Trotzdem hat das selbst lesen sehr gut geklappt (7 Jahre, Ende zweiter Schulklasse), auch wenn es etwas länger gedauert hat. Mein Sohn hat erstmal ein paar Seiten gebraucht, um richtig im Buch anzukommen, war aber direkt von den Details wie dem Telefon gefesselt und motiviert weiterzulesen. Auch inhaltlich finde ich das Buch dem Alter angemessen – nicht zu gruselig und guter Humor für Kinder!
Auch Franky als Charakter und Odi, der schleimspukende Schrumpfdrache kamen super an. Super, dass hier eine Reihe entstehen soll – wir werden den zweiten Band definitiv auf die Wunschliste setzen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.07.2025

Wunderschön illustriertes Buch über Freundschaft.

Willkommen. Ein Buch über Freundschaft
0

Wie wäre die Welt, wenn alle nett wären? Eine ganz einfache, aber doch nachwirkende Frage, die im Buch „Willkommen“ von Alison Green mit Bildern von Axel Scheffler gestellt wird. Denn eigentlich ist es ...

Wie wäre die Welt, wenn alle nett wären? Eine ganz einfache, aber doch nachwirkende Frage, die im Buch „Willkommen“ von Alison Green mit Bildern von Axel Scheffler gestellt wird. Denn eigentlich ist es doch ganz einfach, oder?
Die zauberhaft illustrierten Tiere im Buch machen vor wie es geht. Jeder ist willkommen – egal ob groß, klein, leise oder laut. Dabei setzt das Buch auf ganz einfache Botschaften, kurze prägnante Sätze und viele Illustrationen zur Untermalung. So werden Kindern ganz einfach wichtige Werte vermittelt – und Ideen wie wir anderen helfen können, sich willkommen zu fühlen.
Dabei Tiere als Protagonisten zu wählen, finde ich sehr gelungen. Denn Tiere sind ganz offensichtlich sehr unterschiedlich. Durch die menschliche Darstellung mit Kleidung und aufrechtem Gang, fällt es dennoch leicht, sich in sie hineinzuversetzen. Gleichzeitig ist für Kindern viel zu entdecken.
Insgesamt enthält das Buch eher wenig Text. Es lässt sich dadurch gut auch kleineren Kindern in einem Rutsch vorlesen. Und bietet im Anschluss genügend Anknüpfpunkte für Gespräche über Freundschaft. Auch wenn die Welt eine andere wäre, wenn alle immer nett wären, werden Konflikte im Buch nicht ausgeklammert. Allerdings erklärt es mit einfachen Worten, wie man wieder aufeinander zugeht.
Das Buch ist allen Kindern gewidmet, die ihr Zuhause verlassen und flüchten mussten. Gerade für Kitas und Schulen finde ich es sehr wichtig, Kindern zu zeigen, wie sie diese Kinder mit einfachen Mitteln willkommen heißen können. Daher von mir eine klare Empfehlung für dieses Buch!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.06.2025

Gesellschaftskritik trifft Mörder-Mystery

Lauter kleine Lügen
1

„Lauter kleine Lügen “ – auf dem Cover schwebt der Titel etwas bedrohlich, eingefasst von dunklen Wolken, über den Fassaden zweier beschaulicher Vorstadthäuser. Der Klappentext verspricht einen Roman über ...

„Lauter kleine Lügen “ – auf dem Cover schwebt der Titel etwas bedrohlich, eingefasst von dunklen Wolken, über den Fassaden zweier beschaulicher Vorstadthäuser. Der Klappentext verspricht einen Roman über „Vorurteile, Misstrauen und das verborgene Leben der Frauen“.

Damit liefert der Buchumschlag eine perfekte Vorschau auf das, was Kate Kemp in ihrem Debütroman liefert: Einen ungeschönten Blick hinter die perfekten Vorstadtfassaden. Das beschauliche Vorstadtleben wird gleich auf den ersten Seiten erschüttert: Naomi, Hausfrau und Mutter, schrubbt mitten in der Nacht den Badezimmerboden. Am nächsten Tag ist klar: Der junge Antonio ist gestorben. Doch was genau ist passiert? Der kleine Mikrokosmos, eine Sackgasse in den 70er Jahren in Canberra, mitten im heißen Sommer wird mitsamt seinen Bewohner*innen ordentlich durcheinandergeschüttelt. Schnell wird klar: das Zusammenleben beruht auf hunderten kleinen Geheimnissen.

Wer jetzt einen klassischen Krimi erwartet, liegt allerdings falsch. Vielmehr ist „Lauter kleine Lügen“ ein Gesellschaftsroman, der neben den persönlichen Beziehungen auch den allgegenwärtigen Alltagsrassismus, Misogynie und Homophobie aufdeckt. Dabei teilt Kemp lauter kleine Begegnungen und Beobachtungen, die sich nach und nach wie ein Puzzle zusammensetzen. Trotz der schweren Themen ist es ein leicht lesbares Buch, das mich stellenweise auch zum Schmunzeln gebracht hat. Besonders wenn die Gemeinschaft zusammenfindet und die unterschiedlichen Charaktere aufeinandertreffen, erinnert das Buch fast an ein Kammerspiel.

Erschreckenderweise sind die misogynen Strukturen, die Kate Kemp schonungslos aufdeckt, gar nicht so weit weg, wie das Setting vermuten lässt. Beim Lesen konnte ich oft Parallelen zur Gegenwart ziehen. Gerade mit Blick auf die politische Entwicklung in den USA in Bezug auf Gleichstellungsprozesse und Diversitätsprogramme hinterlässt das Buch ein ungutes Bauchgefühl, dass die schwere, drückende Atmosphäre der Sommerhitze spiegelt.

Ein unterhaltsames Buch für alle, die gerne gesellschaftskritische Literatur mit einer Prise Mystery und spannenden Figuren lesen. Ich freue mich auf mehr von Kate Kemp!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
  • Handllung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre