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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.08.2025

Netter Reihenabschluss

Was die Gezeiten versprechen. Die St.-Peter-Ording-Saga
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Der mit einem knalligen Farbschnitt geschmückte dritte Band der St. Peter-Ording-Saga von Tanja Janz bildet den Reihenabschluss ihrer Nordsee-Familiengeschichte.

Was mir gut gefallen hat:

❏ St. Peter-Ording ...

Der mit einem knalligen Farbschnitt geschmückte dritte Band der St. Peter-Ording-Saga von Tanja Janz bildet den Reihenabschluss ihrer Nordsee-Familiengeschichte.

Was mir gut gefallen hat:

❏ St. Peter-Ording ist als Setting einfach traumhaft. Auch wenn ich selbst noch nie dort war, hatte ich dank der gelungenen Beschreibungen sofort Bilder im Kopf.

❏ Caro ist eine durchaus sympathische Protagonistin, ebenso ihr liebevoller Freund Jonas. Hier fiel mir das Mitfiebern leicht.

❏ Ich habe das Wiedersehen mit den Figuren der beiden Vorgängerbände genossen. (Aber: Es fiel etwas intensiv aus.)

❏ Den Schreibstil würde ich als flüssig und leicht beschreiben - die Kapitel flogen nur so dahin, denn die Autorin hält die Abschnitte angenehm kurz. Insgesamt eignet sich die Geschichte dadurch ideal für Zwischendurch: ein Roman, bei dem man entspannt die Füße hochlegt, sich an die Nordseeküste träumen darf und dabei mühelos durch die Seiten gleitet.

… bei dem es, und hier kommen wir zu meinem kleinen Minuspunkt, allerdings auch nicht sonderlich bedeutungsschwer in die Tiefe geht.

Für meinen Geschmack wurden zu viele Themen in die Handlung hineingequetscht, deren Auflösung letztlich oberflächlich blieb. Caros Schauspielleidenschaft und ihre Beziehung zu Jonas hätten gerne als einziger Fokus fungieren können, schließlich bieten allein das tolle Jahrzehnt und die Surfserie genügend Füllstoff, um eine mitreißende Story daraus zu basteln.

Das Cover spricht mich wiederum total an, die Schwarz-Weiß-Aufnahmen der Bände wirken richtig schön nostalgisch.

𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁:
Unterm Strich unterhaltsamer Abschlussband, der mir trotz kleiner Schwächen schöne Lesestunden beschert hat. Ich hätte mir thematisch ein etwas tiefgründigeres Ende der Reihe gewünscht, dafür punktet der Read mit 90er-Vibes und sommerlicher Nordsee-Stimmung. Wenn ihr gerade nach einer kurzweiligen Geschichte zum Abschalten sucht, liegt ihr mit diesem Buch genau richtig.

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Veröffentlicht am 24.08.2025

Okay-ish, für meinen Geschmack zu überzeichnet

Sie haben Ihr Toupet ins Glücksrad geschmissen
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Mit "Sie haben Ihr Toupet ins Glücksrad geschmissen" legt Sybille Bullatschek erneut einen humorvollen Roman vor, der diesmal ganz im Zeichen einer allseits bekannten (und von mir heiß und innig geliebten) ...

Mit "Sie haben Ihr Toupet ins Glücksrad geschmissen" legt Sybille Bullatschek erneut einen humorvollen Roman vor, der diesmal ganz im Zeichen einer allseits bekannten (und von mir heiß und innig geliebten) TV-Quizshow steht.



Schon der ulkige Titel und das kunterbunte Comic-Cover machten sofort neugierig, und als jemand, der mit dem 'Glücksrad' aufgewachsen ist, musste ich das Buch natürlich lesen.



Erzählt wird aus der Perspektive von Altenpflegerin Sybille, die spontan ihre Senioren aus dem Haus Sonnenuntergang bei der neuen »Ü80-Show« anmeldet - ohne Rücksprache mit ihrem Vorgesetzten zu halten. Begründung: "[…] Der wär wahrscheinlich erst im Quadrat und dann mir an die Gurgel gesprungen. Schließlich predigt er uns seit mittlerweile anderthalb Jahren erfolglos, dass wir eine »Business Company im Health-and-Care-Sektor« sind, und da haben wir in einer TV-Sendung seiner Ansicht nach reichlich wenig zu suchen. Er kommt vom Marketing, und nichts ist ihm heiliger als der gute Ruf unseres Heims. (Welcher gute Ruf? Hahaha!)" - Fair enough.



Die Senioren sind voller Energie, das Personal steckt mitten im Chaos, und Sybille stolpert von einer verrückten Szene in die nächste. Zwischendurch lockern kleine Lebensweisheiten das Ganze auf.



Was erwartet euch:



❏ eine Geschichte, die vom liebenswerten schwäbischen Dialekt lebt, den ich unheimlich gerne lese

❏ jede Menge Situationskomik

❏ bewusst überzeichneten Figuren



So herrlich schräg manche Szenen auch waren, der Humor war für meinen Geschmack einen Hauch zu klamaukig und oftmals stark plakativ. Wer genau das liebt, wird hier sicherlich bestens unterhalten - bei mir blieb es leider bei einem okay-ish. Ich lache einfach herzhafter über die feinsinnigen Wortspiele einer Renate Bergmann als über schrille Comedy-Szenen, was natürlich unter Geschmackssache fällt. Zudem gab es einige Längen, die mich beim Lesen ein bisschen ausgebremst haben, ehe die eigentliche TV-Show endlich beginnt.



𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁:

Ein lockerer, kurzweiliger Roman mit viel Dialekt, Komik und skurrilen Figuren. Wer Lust auf eine leicht überdrehte Heimkomödie mit Quizshow-Flair hat, wird hier sicher seine Freude finden. Für mich war es - trotz persönlicher Glücksrad-Sentimentalität - nicht ganz das Richtige, daher vergebe ich freundliche 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 31.07.2025

Beeindruckend komplexes Worldbuilding

Shadows of Perl
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Dieses wunderhübsche Werk hatte mich - trotz Nichtkenntnis des Vorgängerbandes -, thematisch dermaßen angelacht, dass ich mein Glück kaum fassen konnte, als es bei mir einziehen durfte. Ich freute mich ...

Dieses wunderhübsche Werk hatte mich - trotz Nichtkenntnis des Vorgängerbandes -, thematisch dermaßen angelacht, dass ich mein Glück kaum fassen konnte, als es bei mir einziehen durfte. Ich freute mich riesig!!

Magie, Herzschmerz, gefährliche Nähe - "Shadows of Perl" bringt genau das mit: düstere Mächte, eine geheime Akademie, eine verbotene Liebe - und mittendrin Quell, die junge Magierin, deren Kräfte ebenso gefürchtet wie faszinierend sind.

Das Worldbuilding habe ich als EXTREM komplex empfunden. Ohne den enorm hilfreichen Anhang (Begriffslexikon, Geschichten der verschiedenen Häuser) hätte ich es definitiv nicht gepackt - es ist eine ganz eigene Welt, in der man komplett versinken kann. Leider hatte ich aufgrund des ständigen Nachblätterns oft das Gefühl, mehr zu beobachten als zu fühlen. (Mega schade, insbesondere was den Romance-Aspekt betrifft, der so viel Potential hatte - denn eigentlich bedeutet Enemies to Lovers für mich: 99,9%ige Highlight-Garantie. Hier blieb das Ganze jedoch eher unterkühlt.)

Nach der Lektüre bin ich zwar noch immer begeistert von der traumhaft schönen Gestaltung des edlen Hardcovers (- auch die Charakterkarte gehört zu den bezauberndsten, die ich je gesehen habe), aber … eine tiefere Bindung zu den Figuren ist für mich essenziell … ohne wahren Bezug zu den Protas wird es schwierig.

Was mir hingegen super gefallen hat:

♡ die wirklich ungemein kreative Grundidee
♡ die gut durchdachten Magiekonzepte und Begriffe - Detailreichtum pur!
♡ die düstere, elitäre Stimmung

Eigentlich liegen mir Quereinstiege, aber wer weiß … Vielleicht hätte ich das Buch nochmal anders empfunden, hätte ich tatsächlich mit "House of Marionne" begonnen.

𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁: In puncto Ausstattungsdetails und Grundidee ein Highlight, nur emotional bin ich leider nie ganz angekommen. Gern spreche ich eine Leseempfehlung aus für Fans von (Forbidden) Magic, Geheimnissen & Intrigen, verbotener Liebe und dunklen Fantasy-Vibes.

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Veröffentlicht am 18.06.2025

Viele interessante Fakten, doch (für meinen Geschmack) zu wenig Emotion

Joan Didion und wie sie die Welt sah
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"Worte überdauern."

Der Klappentext dieser Biografie las sich so mitreißend und interessant, dass ich unbedingt mehr über die mir bis dato unbekannte Journalistin, Chronistin und (Drehbuch-)Autorin mit ...

"Worte überdauern."

Der Klappentext dieser Biografie las sich so mitreißend und interessant, dass ich unbedingt mehr über die mir bis dato unbekannte Journalistin, Chronistin und (Drehbuch-)Autorin mit dem klangvollen Namen Joan Didion erfahren wollte, zumal ich in den vergangenen Monaten wahre Glückstreffer mit biografischen Werken gelandet hatte.

"Wir wissen viel über Joan Didion, die Intellektuelle, die Ironikerin, den Goth, die trauernde Witwe und Mutter. Weniger bekannt ist uns dagegen von dieser anderen Joan, der Frau, die gepresste Blumen verschenkte, warmherzige Dankeskarten an alte und neue Freunde schrieb. Herzen berührte."

Die Literaturwissenschaftlerin Evelyn McDonnell zeichnet ein gleichermaßen ansprechendes wie mystisches Portrait dieser faszinierenden Persönlichkeit und lässt dabei sowohl die Ergebnisse ihrer akribischen Recherche sowie ihre persönlichen Empfindungen mit einfließen. Insbesondere Joans Gespür für Worte, ihre ansprechenden, aufrüttelnden journalistische Texte beeindruckten mich.

"Für ihren ersten Kriminalbericht wählte Didion interessanterweise den Fall einer Frau, die ihren Ehemann umbringt. [...] Tatsächlich sind auch die Hauptfiguren in Didions Romanen allesamt weiblich. [...] diese Frauen sind keineswegs heldenhaft oder auch nur liebenswert. Sie sind vielmehr Antiheldinnen, Menschen mit Fehlern, die weder vergöttert noch verleumdet werden - weder Madonnen noch Huren. Joan beschrieb Frauen so, wie sie sie sah und wie sie sich selbst sah [...]."

Oftmals kryptisch in ihren Formulierungen und von einer geheimnisvollen Aura umgeben, blieb Joan selbst für die Menschen in ihrem direkten Umfeld irgendwie ein Rätsel. Fest steht: Sie verachtete Schubladendenken und stereotypische Ansichten und Darstellungen, und ging mit einem bemerkenswerten Kampfgeist durchs Leben, der mich schwer beeindruckte.

"Didion mochte aussehen wie ein Mäuschen, doch sie hatte den Mut eines Löwen und war nie jemand, der sich bei Gefahr verkriecht.Sie ging durch die Welt wie eine Frau vom zweifachen ihrer Größe, reiste alleine, besuchte Kriegsgebiete, interviewte Rockstars, stellte sich Politikern."

Sie ließ sich durch nichts und niemanden von ihrer Mission abschrecken. "Als Frau ist man immer Zielscheibe für Gewalt, das ist einer der wesentlichen Punkte des Feminismus."

Auch nach der Lektüre des vorliegenden Werkes hatte ich das Gefühl, nur einen Bruchteil von Joan kennengelernt zu haben, so vielschichtig war ihr Wesen. Vielleicht ist genau das meine abschließende Erkenntnis. - "Man sieht in ihr, was man sehen will; sie ist eine Leinwand, auf die wir uns selbst projizieren können."

Fazit:
Solide recherchiert und voller Fakten zu Didions Schaffen, doch der menschliche Aspekt - die emotionale Ebene - kam mir einen Hauch zu kurz. Ich hätte gerne noch mehr gefühlt statt 'nur' erfahren. Für alle, die sich erstmals über Joans Leben informieren möchten, stellt das Buch gewiss einen guten Einstieg in die Thematik dar.

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Veröffentlicht am 18.06.2025

Leider kam mir der Naturaspekt zu kurz, abgesehen davon ist es ein netter Romance-Read

Wir sind wild und wunderbar
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Passend zum Pride Month möchte ich meinen Leseeindruck zu Anita Kellys Romance "Wir sind wild und wunderbar" mit euch teilen.

Vorab: Neben der Tatsache, dass ich noch verhältnismäßig wenige Queer-Romane ...

Passend zum Pride Month möchte ich meinen Leseeindruck zu Anita Kellys Romance "Wir sind wild und wunderbar" mit euch teilen.

Vorab: Neben der Tatsache, dass ich noch verhältnismäßig wenige Queer-Romane gelesen hatte, war es insbesondere der unheimlich interessante Settingrahmen gewesen (= die Wanderung durch die amerikanische Wildnis), der für mich einen großer Anreiz dargestellt hatte, diese Geschichte lesen zu wollen. Rückblickend kann ich festhalten: Ja, wir lesen zwar von den Etappen des Pacific Crest Trails, doch die eigentlichen Herausforderungen einer solch anspruchsvollen, langen Wanderstrecke finden kaum Erwähnung - immerhin werden Wüstenlandschaften und Hochgebirge durchquert. Diesbezüglich hatte ich mir einfach intensivere, deteilareichere, atmosphärischere Beschreibungen der Natur erhofft. Es war nett, aber nicht überwältigend.

Apropos 'nett' - beide Hauptfiguren waren mir sympathisch, ihr Kennenlernen sowie allgemein ihre Dialoge lasen sich glaubwürdig, und die erotischen Szenen waren geschmackvoll beschrieben. Trotzdem wollte der Funke nicht ganz überspringen - aber das war okay. In meinen Augen nehmen ohnehin der Selbstfindungsprozess, die Selbstliebe und -akzeptanz sowie die problematische Familiendynamik die wahre Hauptrolle ein.

Alexei hat keinerlei Kontakt mehr zu seinen Eltern, wurde nach seinem Coming Out von ihnen verstoßen. Zwar hatte ich mich bereits im Vorfeld auf diesen Handlungsaspekt eingestellt, da die Autorin im vorangestellten Hinweis erwähnt, dass "familiäre Entfremdung aufgrund queerer Identität" thematisiert werden würde, dennoch erwischte mich Alexeis Schmerz eiskalt.

"»Sie haben gesagt, ich wäre nicht länger ihr Sohn.«" Was diese Aussage mit einem Kinderherz anstellt, vermag ich mir - selbst Mutter eines Jungen, der das Licht meines Lebens ist - überhaupt nicht auszumalen. Dennoch gibt es noch immer überall auf der Welt Familien, in denen Kinder es nicht wagen, mit jenen Menschen, die ihnen eigentlich gegen den Rest der Welt zur Seite stehen müssten, offen über ihre Bedürfnisse zu sprechen. Und Eltern, die lieber ihr Kind verstoßen, als es weiterhin auf dessen Weg durchs Leben zu begleiten - nur weil sie an veralteten gesellschaftlichen Normen und starren Glaubenssätzen festhalten.

Der liebenswerte, warmherzige Alexei leidet an Selbstzweifeln, hinterfragt all seine Gefühle und quält sich mit Fragen à la 'was sagt es über ihn als Mensch aus, wenn er seine Sexulität über seine Familie stellt?' Es brach mir das Herz - und Ben ebenfalls, der sich fest vornimmt, Alexei zu zeigen, dass die Welt auch schön und voller Akzeptanz sein kann.

Das Ende habe ich als etwas abrupt abgehandelt empfunden und hin und wieder verhielten sich die Figuren nicht ganz altersentsprechend (sondern wesentlich jünger), abgesehen davon war es ein angenehmer Read, wenn auch mit kleinen Längen.

Fazit: Eine unaufgeregte, ruhige Queer-Romance mit bedeutsamen Themen, die sich gut als unterhaltsame Zwischendurch-Lektüre eignet.

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