Ein wichtiger Roman
KlartextDie gehörlose Protagonistin Charlie muss sich in eine Schule für gehörlose Kinder und Jugendliche integrieren, obwohl sie kaum Gebärdensprache spricht, die Schulleiterin February kämpft für das Überleben ...
Die gehörlose Protagonistin Charlie muss sich in eine Schule für gehörlose Kinder und Jugendliche integrieren, obwohl sie kaum Gebärdensprache spricht, die Schulleiterin February kämpft für das Überleben der Schule, für Gelder, für die Gehörlosenkultur und für ihre Schützlinge und stellt Charlie den Musterschüler Austin zur Seite, damit ihr die Eingliederung besser gelingt. Zwischen den beiden entwickeln sich Gefühle, aber Charlie muss sich vor allem auf ihren Kampf für körperliche Selbstbestimmung konzentrieren, der bald zu einem Kampf ums Überleben wird.
Meine Meinung:
Aufgrund einer begeisterten Rezension habe ich das Buch beim Verlag angefragt und mich sofort in die Geschichte gestürzt, die mit dem Verschwinden dreier Teenager beginnt. Durch die vielen zusätzlichen Infos, die von der selbst gehörlosen Autorin sehr fundiert zusammengestellt worden sind, erhält das Buch eine zusätzliche Tiefe. Allerdings versucht die Autorin so viele Stimmen, Perspektiven und Überzeugen zu Wort kommen zu lassen, dass das Buch zuweilen überladen wirkt und dass dabei der eigentliche Inhalt, nämlich die Gründe, die zum Verschwinden der Teenager geführt haben, abgelenkt wird.
Schreibstil und Aufbau:
Aus verschiedenen Perspektiven werden Meinungen und Erlebnisse aus der Welt von gehörlosen und hörenden Menschen dargestellt und Spannungen innerhalb von Familien und Beziehungen einfühlsam beleuchtet. Nach vielen Kapiteln gibt es einen kurzen Crash-Kurs in Gebärdensprache (allerdings in der Amerikanischen Gebärdensprache, die in meinen Augen hätte in die Deutsche Gebärdensprache übersetzt werden müssen) und wissenswerte Infos rund um die Gehörlosenkultur. Dabei geht es unter anderem um Rassismus innerhalb der verschiedenen Gebärdensprache, um wichtige politische Figuren und medizinische Errungenschaften, die oft zugleich Fluch und Segen darstellen.
Meine Empfehlung:
Sara Nović macht mit diesem Roman auf die permanente Bedrohung der Gehörlosenkultur aufmerksam und verpackt ihre Botschaft in einen spannenden aber manchmal ein wenig verzettelten Roman. Dennoch finde ich dieses Buch sehr wichtig und habe die Geschichte um die facettenreiche Charlie gerne gelesen.