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Veröffentlicht am 07.08.2025

Zartfühlender Roman über Trauma, Verlust und Selbstfindung sowie ein Plädoyer für Freundlichkeit und Mitgefühl im Umgang mit einander.

Scheue Wesen
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Helen Hansford arbeitet 1964 als Kunsttherapeutin an einer psychiatrischen Klinik. Seit drei Jahren hat sie eine Affäre mit einem der leitenden Ärzte, der sich fortschrittlich für neue Therapiemethoden ...

Helen Hansford arbeitet 1964 als Kunsttherapeutin an einer psychiatrischen Klinik. Seit drei Jahren hat sie eine Affäre mit einem der leitenden Ärzte, der sich fortschrittlich für neue Therapiemethoden einsetzt. Helen steht für ihn auf Abruf bereit, solange sie noch an sein Versprechen glaubt, seine Ehefrau, die ausgerechnet eine entfernte Cousine Helens ist, zu verlassen, wenn ihre Kinder aus dem Gröbsten heraus sind.
Als ein neuer Patient eingeliefert wird, der isoliert mit seiner Tante zusammenlebte, verwahrlost und mindestens zehn Jahre nicht mehr das Haus verlassen hatte, ist Helen von seinem Schicksal berührt. Sie erkennt sein künstlerisches Talent und versucht mehr über ihren stummen Patienten herauszufinden.

Die Geschichte handelt im Jahr 1964 und gibt dabei Einblicke in den Alltag in einer "Irrenanstalt" und entwirft ein anschauliches Porträt der Gesellschaft der damaligen Zeit. Durch Szenen aus dem Familienleben werden die patriarchalen Strukturen und die Stellung der Frau erkennbar.

Mit dem Auffinden von William Tapper ergänzt eine weitere Perspektive die Handlung. In Rückblenden, die sich mit der Gegenwart 1964 abwechseln, wird Williams Lebensgeschichte chronologisch rückwärts erzählt und deckt auf, was ihm ab dem Jahr 1938 widerfahren ist und zu der prekären Situation der Abschottung in einem Haus mit einer zunehmend verwirrten Tante geführt hat.

Die Geschichte ist warmherzig und einfühlsam geschildert. Helen widmet sich liebevoll ihrer Arbeit mit den Patienten in der psychiatrischen Klinik. Auch für Dr. Gil Rudden steht das Wohl seiner Patienten an erster Stelle, weshalb er neue Ansätze vertritt und die Gesprächstherapie statt einer alleinigen medikamentösen Behandlung vorzieht. Gleichzeitig sind sie moralisch wenig integer, indem sie ihre heimliche Affäre bereits seit drei Jahren praktizieren.
Während Helen versucht, das Geheimnis hinter Williams Isolierung zu entschlüsseln und sich um ihre Nichte sorgt, die ebenfalls als Patientin in Westbury Park aufgenommen wird, stellt sie zunehmend sie ihre Beziehung zu Gil in Frage, die auf unterschiedlichen Erwartungen beruht.

"Scheue Wesen" ist dramatisch und spannend, wird jedoch sehr sanft und einfühlsam erzählt und spiegelt auf diese Art auch den Titel wider. Das Schicksal Williams geht zu Herzen und fesselt durch die Art der Erzählweise, die erst allmählich seinen Hintergrund aufdeckt.
Es ist ein zartfühlender Roman über Trauma, Verlust und Selbstfindung sowie ein Plädoyer für Freundlichkeit und Mitgefühl im Umgang mit einander.

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Veröffentlicht am 15.07.2025

Ein Trauma der Vergangenheit und eine Rückkehr zu den Wurzeln: furios, bitter und brutal - bis zum idealistischen Ende

Furye
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Die 37-jährige, namenlose weibliche Hauptfigur ist erfolgreiche Musikmanagerin, deren Gesicht zuletzt auf dem Cover der VOGUE-Business zu sehen war. Hinter der schönen Fassade ahnt niemand, dass sie mit ...

Die 37-jährige, namenlose weibliche Hauptfigur ist erfolgreiche Musikmanagerin, deren Gesicht zuletzt auf dem Cover der VOGUE-Business zu sehen war. Hinter der schönen Fassade ahnt niemand, dass sie mit psychischen Problemen zu kämpfen hat. Zudem ist ihr Vater kürzlich an Krebs gestorben, was ihre Mutter nur schwer verwunden hat. Als sie dann auch noch eine niederschmetternde Nachricht erhält, die sie ihre Zukunft noch düsterer sehen lässt, nimmt sie sich eine Auszeit und fährt an den Ort, wo sie aufgewachsen ist.
Dort war sie eine der drei Furien, eine Clique von drei 17-jährigen Mädchen, die an der elitären Schule Außenseiterinnen waren. Die impulsive Meg litt unter der alkoholkranken, desinteressierten Mutter, die schüchterne Tess unter einem prügelnden Vater und einer wehrlosen Mutter und sie selbst, mit dem Spitznamen Alec, an den ärmlichen Verhältnissen als Tochter von Einwanderern. Dort verliebte sie sich auch in den schönen Romain und den trifft sie nun 20 Jahre später wieder.

Der Roman handelt auf zwei Zeitebenen aus der Sicht von Alec, wobei die Vergangenheit auf der Grundlage ihres Notizbuchs aus der Zeit als Teenager wiedergegeben wird. Von den drei Furien war Meg die dominante, die so voller Wut war. Ihre Schimpftiraden richteten sich gegen patriarchale Strukturen und ihre Rachegelüste gegen Lehrer, Väter und Männer, die Grenzen überschritten. Gleichzeitig liebte sie es zu provozieren und Männer herauszufordern. Alec hingegen war frisch verliebt, auch wenn ihr der Klassenunterschied zu dem reichen Romain Probleme bereitete.

20 Jahre später fühlt sich Alec innerlich leer und kehrt dorthin zurück, wo sie etwas zurückgelassen hat, was sie in der Gegenwart nicht mehr erreichen kann. Neben quälenden Erinnerungen hat sie Megs Stimme im Ohr, die weiterhin auf Rache aus ist.

Durch Andeutungen ist frühzeitig zu erahnen, was sich in der Vergangenheit ereignet hat und die bittere Parallele zur Gegenwart zu erkennen. Spannend bleibt dabei, was sich Alec von ihrer Reise in die Vergangenheit erhofft und welche Rolle Romain darin spielt.

Die Geschichte ist furios, bitter, traumatisch und brutal. Sowohl in der Gegenwart als auch in der Vergangenheit werden leidenschaftlich Grenzen überschritten, überwiegend aus Wut statt aus Liebe. Sie handelt von Depressionen, Alkoholismus, Gewalt, Vernachlässigung, Suizid, Demenz, Einsamkeit und unerfülltem Kinderwunsch. Die Themen gehen dabei fließend ineinander über, so dass sie selbst bei der übersichtlichen Anzahl an handelnden Personen nicht zu viel sind. Aus der Ich-Perspektive erscheint sie zudem eindringlich und authentisch und lässt die Frage offen, ob aufgrund der Anonymität autobiografische Züge enthalten sind.
Enttäuschend ist jedoch das idealisierte, träumerische Ende, das im Vergleich zu dem sonst so mutigen Buch nicht stimmig wirkt.

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Veröffentlicht am 12.07.2025

Ein Roadtrip, der sich im Hinblick auf Ziel und Zweck nicht überraschend entwickelt, aber dennoch abwechslungsreich und unterhaltsam ist.

Die Sterne leuchten nur für uns
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Finanziell sah es bei Anna als alleinerziehender Mutter schon immer knapp aus und als ihr nun auch noch der Job als Kellnerin gekündigt wird, steht der Gerichtsvollzieher vor der Tür. Sorgen macht sie ...

Finanziell sah es bei Anna als alleinerziehender Mutter schon immer knapp aus und als ihr nun auch noch der Job als Kellnerin gekündigt wird, steht der Gerichtsvollzieher vor der Tür. Sorgen macht sie sich zudem um ihre Töchter. Während die jüngere Lily offenbar in der Schule gemobbt wird, pflegt die 17-jährige Chloé wechselnde Liebschaften und möchte kurz vor dem Abitur die Schule abbrechen.
Anna, die schon früher unter Panikattacken gelitten hat, braucht dringend eine Auszeit. Mit Hilfe einer Abfindung und des Wohnmobils ihres Vaters macht sie sich zusammen mit ihren Töchtern auf den Weg nach Skandinavien, um die Polarlichter zu sehen und sich als Familie durch die gemeinsame Zeit wieder näher zu kommen.

Der Roman wird abwechselnd aus den Perspektiven der drei weiblichen Hauptfiguren geschildert. Die beiden Töchter erhalten ihre Erzählstimme durch ihre Aufzeichnungen. Während Lily an ihr Tagebuch "Marcel" schreibt, schreibt die ältere Chloé einen Online-Blog. Auf diese Weise erhält man Einblick in alle drei Persönlichkeiten und kann ihre Probleme sowie die Verbindungen untereinander besser nachvollziehen.

Anna erhofft sich von der Reise mehr Zeit mit ihren Töchtern zu verbringen, die ihr wegen der Arbeit gefehlt hat. Sie möchte verstehen, was sie verpasst hat, ihr Vertrauen zurückgewinnen und ihnen bei der Bewältigung ihrer Probleme helfen. Selbst ist sie mit ihrer Situation überfordert, blendet ihre eigenen vorübergehend Schwierigkeiten aus und flieht vor ihnen. Chloé und Lily sind bald genervt von der Reise und würden am liebsten so schnell es geht nach Frankreich zurückkehren.

Die Geschichte bietet eine gelungene Mischung aus Reise mit neuen Eindrücken und Erlebnissen sowie einer emotionalen Reise, um wieder zu einer Einheit zu werden. Der Weg führt sie von Frankreich über Deutschland und die skandinavischen Länder bis zum Nordkap. Dabei gibt es viele magische Momente bei der Sichtung von Tieren, beim Eisbaden oder beim Beobachten der Mitternachtssonne, aber auch viel Streit. Das Zusammensein auf engstem Raum ist einerseits belastend, andererseits aber auch eine Chance.

"Die Sterne leuchten nur für uns" ist durch die verschiedenen Orte, die unterschiedlichen Sichtweisen und die Probleme der einzelnen schon aufgrund ihres Alters abwechslungsreich und unterhaltsam. Gerade Lily schreibt sehr ulkig in ihrem Tagebuch, während Chloés Online-Blog ohne Reaktionen von Nutzern weniger authentisch erscheint.

Der Roman entwickelt sich als Roadtrip einer Familie, die wieder zusammenfinden möchte, nicht weiter überraschend. Die finanziellen Fragen bleiben vor der Fahrt ungelöst und während der Fahrt kommen weitere Probleme auf, die Anna zu Hause erwarten könnten, mit denen sie nicht gerechnet hat. Gerade die Beziehung zum Vater der Kinder ist eine Komponente, die Fragen aufwirft und für Spannung sorgt.
Die ungeplante Reise ist auf den ersten Blick nicht die vernünftigste Entscheidung bei Schulden und Arbeitslosigkeit, aber ein kluger Entschluss für mehr Nähe, Verständnis und Zusammenhalt, die unbezahlbar sind.

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Veröffentlicht am 24.06.2025

Wehmütige Geschichte über das Erwachsenwerden, über Abschiednehmen und Loslassen, abwechslungsreich und einnehmend, aber mit zu vielen Beziehungskrisen in dem Familienkomplex.

Nach dem Sommerregen
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Viele unbeschwerte Sommer und Wochenenden hat die Familie Ritter in ihrem Ferienhaus, der Ritterburg, verbracht. Auch als Erwachsene kommen sie dort zu Festen zusammen, wo so allerhand Ausrangiertes lagert ...

Viele unbeschwerte Sommer und Wochenenden hat die Familie Ritter in ihrem Ferienhaus, der Ritterburg, verbracht. Auch als Erwachsene kommen sie dort zu Festen zusammen, wo so allerhand Ausrangiertes lagert und schwelgen in Kindheitserinnerungen.
Zum 70. Geburtstag von Vater Walter ist die Stimmung in dem Ferienhaus nicht feierlich, sondern gedrückt. Mutter Marianne reist verzögert an, Walter ist eifersüchtig auf einen Verflossenen seiner Ehefrau, Jonas' Ehefrau Julia erscheint gar nicht, Cecilia, die ihrer Meinung nach zu wenig Unterstützung von Per-Olov erhält, ist als junge Mutter gestresst und die jüngste Marika ist schwanger und weiß gar nicht, ob sie mit dem Vater des Kindes, den sie erst wenige Monate kennt, zusammenbleiben möchte.
Im Herbst, als alle krisengebeutelt Zuflucht in der Ritterburg suchen, kommt auf, dass Marianne nicht nur ausmisten, sondern sich auch von ihrem Mann trennen und das gemeinsame Ferienhaus verkaufen möchte.

Aufgeteilt in die vier Jahreszeiten werden jeweils wenige Tage im Sommer, Herbst, Winter und Frühling eines Jahres erzählt, wobei in jedem Abschnitt jeweils eine Hauptfigur in den Fokus rückt. Unabhängig von der jeweiligen Perspektive beginnt jedes Kapitel mit einem Dialog oder einer Nachricht, die mehr Hintergründe über die Probleme der einzelnen Paare offenbart.

Die Geschichte ist lebendig und unterhaltsam geschrieben. Die Dialoge sind lebensecht und familientypisch. Mit Streitigkeiten und Neckereien zeigen sie die Dynamik untereinander und wer welche Rolle in der Familienkonstellation einnimmt. Dabei werden auch die Alltagsprobleme offensichtlich und wie sich Beziehungen verändern. Langjährige Verbindungen werden brüchig, Menschen leben sich auseinander oder stellen neue Erwartungen an das Zusammenleben. Andere haben Schwierigkeiten, mit Veränderungen umzugehen und sind verunsichert, ob sie die Folgen bewältigen können.

Für die erwachsenen Kinder ist es schwer zu sehen, dass ihre Eltern vor einem Dilemma stehen, wenn ihr Mutter noch mehr erleben möchte, als ihr bequemer Vater. Das Ausmisten in ihrer Ritterburg fällt vergleichsweise leicht, aber aufgeben möchten sie das Haus dennoch nicht. Zudem haben sie alle mit ganz eigenen Beziehungsproblemen zu kämpfen, die sie mit sich selbst ausmachen.
Unvorstellbar ist, dass die große, verantwortungsbewusste Schwester Probleme in ihrer Vorzeigeehe haben kann. Auch dass die Ehe von Sandwichkind Jonas am Ende sein soll, ist kaum fassbar, nachdem Julia und er seit ihrer Jugend ein Paar sind. Da muss doch zumindest Nesthäkchen Marika als werdende Mutter mit dem so engagierten Vater des ungeborenen Kindes glücklich sein.

Im Verlauf des Jahres erhält man einen sehr lebhaften Einblick in eine Familie, in der gerade ganz viel im Umbruch ist und für Unsicherheit sorgt. Mit dem Verkauf des Ferienhauses droht der Verlust eines wichtigen Fixpunkts und eines Stücks heile Welt, nach dem sich der Großteil der Ritters sehnt.

Auch wenn die Gründe nachvollziehbar sind, warum es in den Beziehungen kriselt, erscheint es konstruiert, dass es in einer Familie gleich vier Paare gleichzeitig betrifft. Aus diesem Grund können die zahlreichen Probleme zudem nicht vertieft dargestellt werden, zumal der Blick immer nur auf eine Hälfte des Paares gerichtet ist.

Dennoch überzeugt der Roman mit einem einnehmenden Schreibstil und einem originellen Aufbau sowie individuell gezeichneten Charakteren. Es ist eine wehmütige, aber keinesfalls bedrückende Geschichte über das Erwachsenwerden, über Loslassen und Abschiednehmen, über das Einstehen für die eigenen Bedürfnisse, aber auch den festen Zusammenhalt in einem Familienkomplex, der sich neu formiert.

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Veröffentlicht am 21.06.2025

Psychothriller, der von Manipulation und Kontrollverlust handelt. Mit einer simplen Einteilung in Gut und Böse ist das Ende nicht grundlegend überraschend.

Die Insel - einer kennt die ganze Wahrheit
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Isak ist bei seinem Großvater aufgewachsen, nachdem seine Mutter und seine jüngere Schwester bei einem Brand ums Leben gekommen sind. Sein Vater konnte sich anschließend nicht um ihn kümmern. Als Fredrik ...

Isak ist bei seinem Großvater aufgewachsen, nachdem seine Mutter und seine jüngere Schwester bei einem Brand ums Leben gekommen sind. Sein Vater konnte sich anschließend nicht um ihn kümmern. Als Fredrik sich nach etlichen Jahren bei seinem Sohn meldet, möchte Isak keinen Kontakt zu ihm, denn sein Großvater hatte ihn stets davor gewarnt. Doch Fredrik hat einen Hirntumor und wird bald sterben, weshalb sich Isak von seiner Freundin Madde überreden lässt, seinen Vater zu besuchen, der sich eine Versöhnung wünscht. Großzügig übernimmt Fredrik alle Kosten und verspricht ihnen einen Urlaub bei sich auf Gotland. Tatsächlich ist er als zeitgenössischer Künstler wohlhabend und beherbergt und verköstigt sie in seinem luxuriösen Haus.
Nach einem entspannten ersten Abend zeigt sich schon bald eine aufdringliche Seite und die zunehmend düstere Stimmung wirkt sich auch auf die sonst so harmonische Beziehung zwischen Isak und Madde aus.

Der Roman zeugt von einem gemächlichen Spannungsaufbau. Zunächst geht es um den Alltag von Isak und Madde, die beide seit ungefähr einem Jahr in Småland zusammenleben. Isak verdient den Lebensunterhalt der beiden als Altenpfleger und hat ein enges Verhältnis zu seinem Großvater.
Erinnerungen geben sukzessive eine Erklärung, welche Familientragödie sich vor knapp 20 Jahren ereignet hat und was Isak bis heute in seinen Alpträumen belastet.

Die Spannung steigert sich, als Isak und Madde auf Gotland angekommen sind und sein Vater das Freizeitprogramm gestaltet. Einerseits zeigt er sich reuig und möchte sich vor seinem Tod mit seinem Sohn versöhnen. Auf der anderen Seite scheint er ein manipulatives Spiel mit ihm zu spielen, ist grenzüberschreitend und zeigt sehr deutlich, wie viel Macht und Einfluss er durch sein Geld hat.

Isak spricht als Erzähler den Leser direkt an und man fragt sich, was tatsächlich hinter der Einladung von Fredrik nach Gotland steckt und ob der Großvater Isak nicht umsonst vor seinem Vater gewarnt hat.
Daneben gibt es eine stumme, gruselige Haushälterin, die sich eigenartig verhält und auch Madde scheint etwas zu verbergen zu haben.

In einem zweiten Erzählstrang, der zeitlich später handelt, ist Isak im Gefängnis und muss sich einem psychologischen Test unterziehen. Welchen Verbrechens er beschuldigt wird, ist dabei nicht bekannt, was zur Frage führt, was auf Gotland letztlich passiert ist und welche Rolle das Trauma seiner Kindheit dafür spielen könnte.

"Die Insel - einer kennt die ganze Wahrheit" ist kein actiongeladener, sondern ein tiefenpsychologisch spannender Thriller, der von Manipulation und Kontrollverlust handelt. Er zeigt, wie schnell die Hemmschwelle unter Einfluss von Alkohol und Drogen sinkt und was Menschen in der Aussicht auf ein Vermögen bereit sind, zu tun. Es ist geradezu erschreckend, welchen Einfluss der Vater hat, der so lange im Leben seines Sohnes keine Rolle mehr gespielt hat. Dazu kommt aufgrund Isaks Paranoia und der unheimlichen Kunst des Vaters eine unheimliche düstere Atmosphäre, die in starkem Kontrast zu der Hitze und der Urlaubsstimmung auf Gotland herrscht.
Gut und Böse sind hier sehr plakativ, weshalb die Geschichte am Ende nicht grundlegend überraschen kann und das Ausmaß der Manipulation schon fast grotesk wirkt.

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