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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.06.2025

5 Sterne der Angst für dieses Buch (Pflichtlektüre!)

Es ist 5 vor 1933
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Dieses Buch ist Pflichtlektüre! Philipp Ruch ist Gründer des Zentrums für politische Schönheit, das sich als „radikaler Flügel des Humanismus“ bezeichnet und im Kampf für Menschenrechte auf kreativste ...

Dieses Buch ist Pflichtlektüre! Philipp Ruch ist Gründer des Zentrums für politische Schönheit, das sich als „radikaler Flügel des Humanismus“ bezeichnet und im Kampf für Menschenrechte auf kreativste Weise Widerstand leistet.
Ruch macht anhand getätigter Aussagen von Parteimitgliedern deutlich, wie der Veränderungen aka. der Umsturz aussehen, wenn die AfD an die Macht kommt. Die AfD strebt die Abschaffung des Mehrparteienstaates an und will de facto wie die NSDAP einst eine Diktatur durch ein Einparteiensystem errichten. Die Parallelen zur Sozialistischen Reichspartei, die sich 1949 gegründet hat, sind unverkennbar. Die SRP wurde 1952 als erste politische Partei im Rahmen des Parteiverbotsverfahrens nach Art. 21. GG aufgelöst. Für die dringende Anwendung des Verbotsverfahrens gegen die verfassungsfeindliche AfD plädiert auch Ruch in seinem Buch und macht gnadenlos anhand belegbarer Aussagen und Absichten der Parteimitglieder deutlich, wie notwendig dieser Schritt ist, um unsere Demokratie zu erhalten. Denn schon 2017 äußerte AfD-Mitglied Chrupalla „Das Grundgesetz ist nicht in Stein gemeißelt“. Wer sich vor solchen Worten nicht fürchtet, der erkennt grundsätzlich oder für sich selbst die Gefahr nicht, die von dieser Partei für uns alle ausgeht.
Ja, dieses Buch macht Angst, und leider angebracht. Denn es ist mittlerweile schon 3 vor 1933, und es bleibt nicht mehr viel Zeit, die kommende Diktatur aufzuhalten, die der Gongschlag mit sich bringen könnte.

Veröffentlicht am 21.06.2025

Ein Wiedersehen mit der schonungslosen Selbstehrlichkeit

Dialoge mit mir selbst 2
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Erneut widmet sich Kabi Nagata in ihrem autobiografischen Manga dem Struggle mit sich und dem Leben. Die junge Frau hadert mit Einsamkeit, Intimität, ihrem Selbstbild und dem Verhältnis zu ihrer Familie. ...

Erneut widmet sich Kabi Nagata in ihrem autobiografischen Manga dem Struggle mit sich und dem Leben. Die junge Frau hadert mit Einsamkeit, Intimität, ihrem Selbstbild und dem Verhältnis zu ihrer Familie. Weil sie zunehmend ihre Frustration im Alkohol ertränkt, begibt sich Kabi Nagata in therapeutische Hilfe und lässt sich in eine Klinik einweisen. Doch lange hält sie es dort nicht aus, denn immer wieder befindet sie sich zwischen den beiden Extremen, ihre Familie nicht ertragen zu können und sie herzzerreißend zu vermissen. Auch der Druck, als Mangaga erfolgreich zu sein, lastet schwer auf ihr. Sie muss ihren eigenen Weg im Ausschlussverfahren der gegebenen Möglichkeiten finden. Dabei erreicht sie die Erkenntnis, dass sie nicht allein ist und Kraft aus den Freundschaften schöpfen darf, auch wenn sie verunsichert ist.

Wieder ein unglaublich ehrlicher und schonungslos mit sich selbst ins Gericht gehender Manga der Autorin, in der sie die belastenden Episoden aus ihrem Leben zu verarbeiten versucht. In der Suche nach sich selbst ist Kabi Nagata nicht allein, tausende Menschen gehen durch dieselben (inneren) Kämpfe, und das macht diese Manga-Reihe so nah- und fühlbar. Jetzt habe ich nur noch einen Band aus der Reihe vor mir, der die Episoden ihrer Alkoholabhängigkeit behandelt.

Veröffentlicht am 21.06.2025

Patriarchat dichtmachen!

»Was wollt ihr denn noch alles?!«
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Dass es Alexandra Zykunovs erstes Buch in unserer vermeintlich „modernen“ Zeit geben musste, war ja eigentlich schon traurig genug, doch es gibt schlicht so viele Arten von fehlender/mangelnder Gleichberechtigung ...

Dass es Alexandra Zykunovs erstes Buch in unserer vermeintlich „modernen“ Zeit geben musste, war ja eigentlich schon traurig genug, doch es gibt schlicht so viele Arten von fehlender/mangelnder Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern, dass es für ein zweites Buch gereicht hat.
Ich wünsche mir, und die Autorin garantiert auch, dass es gar nicht nötig wäre, darüber schreiben zu müssen, wie stark absurd viel unbezahlte Care-Arbeit Frauen noch immer leisten, wie viel weniger ihre Lohnarbeit gegenüber Männern vergütet wird, wie viel höher das Risiko ist, wenn Frauen von männlichen Chirurgen operiert werden, wie viel weniger berühmte Frauen biografisch auf Wikipedia verzeichnet sind. Und. So. Weiter.
Aber wie kann das eigentlich sein? Das von Zentraleuropa ausgegangene System mit seinen politischen Werkzeugen, Gesetzgebungsverfahren und wirtschaftlichen Prozessen ist von überwiegend mittelalten, weißen, hetero-cis-Männern aufgebaut worden und wird seit Jahrhunderten erhalten, weil Männer von der Ungleichbehandlung profitieren.
Auch wenn ich das auf die Sau gebundene Grammophon mit der kaputten Platte durchs Dorf treibe: Das Patriarchat abzubauen ist und bleibt wichtig, solange nicht jede Haftnotiz, die ich in meine Ausgabe des Buches geklebt habe, überflüssig geworden ist. Wenn ich eine Rezension schreiben will, die diesem Sachbuch gerecht wird, müsste ich es in seiner Gesamtheit rezitieren. Ich kann eigentlich nur eins sagen: Lest es, weil es relevant ist und (leider) noch ne Weile bleiben wird!

Veröffentlicht am 21.06.2025

Herrlich skurril, aber leider auch ein bisschen dystopisch-realitätsnah

Die kurze und schreckliche Regentschaft von Phil
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Innen-Horner ist ein so winziges Land, dass nur eine einzige Person darin Platz findet. Gegenwärtig ist Elmer dessen Bewohner. Wenn es Zeit ist zu tauschen, darf aus der Kurzzeitaufenthaltszone von Außen-Horner ...

Innen-Horner ist ein so winziges Land, dass nur eine einzige Person darin Platz findet. Gegenwärtig ist Elmer dessen Bewohner. Wenn es Zeit ist zu tauschen, darf aus der Kurzzeitaufenthaltszone von Außen-Horner jemand den Platz einnehmen. Doch dazu kommt es nicht, denn eines Tages wird die Ordnung durcheinandergebracht, als eine Erschütterung die Grenzen von Innen-Horner verschiebt und sich Elmer zu ¾ im Außen-Horner befindet, wo er einen Invasionsalarm auslöst. Die Kurzzeitaufenthaltszone wird zum Kampfplatz zwischen Grenzen und Stacheldraht, in der immer mehr der nicht menschlichen, nicht pflanzlichen, nicht maschinellen, aber von-allem-etwas Bewohner:innen diskriminiert und kriminalisiert werden - während der kurzen und schrecklichen Regentschaft von Phil.

George Saunders surreale Gestalten sind Täter und Opfer einer Machtübernahme mit anschließender kurzer Diktatur, die auf knapp 120 Seiten erzählt ist und um ein hochinteressantes Nachwort ergänzt wird. Aktueller könnte ein fiktives Werk gerade in der jetzigen (welt-)politischen Lage nicht sein.
Auf die Geschichte, die Saunders beschreibt, muss man sich mit einer gewissen Offenheit einlassen können ohne den Anspruch zu haben, das Land und seine Bewohner vollkommen verstehen zu wollen. Der Doppelzehner €uro ist in dieses Buch ist eine Investition, die sich absolut lohnt.

Veröffentlicht am 21.06.2025

Authentischer Einblick

'Wir sind Frauen wie andere auch!'
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Ich habe an einem Lesekreis zum Thema S€xarbeit teilgenommen , und gelesen haben wir dort Pieke Biermanns bereits 1980 erschienenes Werk „Wir sind Frauen wie andere auch“, in dem sich fünf Frauen über ...

Ich habe an einem Lesekreis zum Thema S€xarbeit teilgenommen , und gelesen haben wir dort Pieke Biermanns bereits 1980 erschienenes Werk „Wir sind Frauen wie andere auch“, in dem sich fünf Frauen über ihre Arbeit und den gesellschaftlichen Blick auf S€xarbeit austauschen.
Pieke Biermann war zum Erscheinen des Buches so ziemlich die einzige Frau in diesem Metier, die öffentlich über ihre Arbeit gesprochen hat und öffentlich aufgetreten ist. Das Vorwort zur Neuausgabe dieses Buches hat der Berufsverband S€xarbeit geschrieben, da oft genug kritisiert wurde, dass Politik und Gesellschaft sich über die Frauen unterhalten, nicht aber mit ihnen.
Im Buch kommen Angie (Tänzerin), Dörtie (Pr0stituierte in Nachtbars), Pat (Callgirl), Kitty (Pr0stituierte auf dem $traßenstrich) und Monika (Darstellerin in Peepsh0ws und P0rnofilmen) zu Wort. Die Frauen tauschen sich über ihre sehr unterschiedlichen Arbeitsorte aus. Was sie eint, ist die gesellschaftliche und behördliche Diskriminierung (besonders durch die Gesundheitsämter) für ihre Jobs. Um die Gesprächsthemen der Frauen herum füllt Biermann mit Kontext aus Gesetzestexten, Schilderungen damals aktueller und damals vergangener Kämpfe um Anerkennung und Selbstbestimmung sowie mit ihren eigenen Erfahrungen auf.

Das Buch ist im Argument-Verlag erschienen, und ich bin froh, von dem Lesekreis erfahren zu haben, weil ich sonst mit diesem Buch nie in Berührung gekommen wäre. Selten genug gibt es die Gelegenheit, so authentisch in diesen Beruf und die noch bis heute mit ihm verbundenen gesellschaftlichen Stigmata zu blicken.