Eindringlich
Das EreignisAnnie ist ungewollt schwanger. 1963 in Frankfreich, dort ist Abtreibung illegal. Ihr Literaturstudium und somit ihre Zukunft stehen genauso auf dem Spiel wie ihre Würde.
"Das Ereignis" ist ein sehr schlichter ...
Annie ist ungewollt schwanger. 1963 in Frankfreich, dort ist Abtreibung illegal. Ihr Literaturstudium und somit ihre Zukunft stehen genauso auf dem Spiel wie ihre Würde.
"Das Ereignis" ist ein sehr schlichter und dennoch zutreffender Titel. Der französische Titel klingt natürlich viel schöner, bedeutet jedoch dasselbe. Auf dem schwarz-weißen Cover sieht man nur eine junge Frau in den 20ern, vermutlich die Autorin, mit einem leicht gequälten Gesichtsausdruck. Sehr schlicht und dadurch beeindruckend. Nur der Autorenname von Annie Ernaux ist rot und hebt sich farblich ab sowie der Aufkleber, dass dieses Büchlein 2022 den Nobelpreis für Literatur gewonnen hat.
Annie Ernaux hat eine nüchterne und trotzdem eindringliche Sprache, sie beschönigt oder entschuldigt nichts, beschreibt das Ereignis, wie es in ihrer Erinnerung vorkam. Das muss man abkönnen, alleine die Vorstellung, eine Sonde in die Gebärmutter gerammt zu bekommen und tagelang damit herumzulaufen... Und auch die nüchterne Schilderung des Abgangs, des Fötus, der wie eine Rakete aus ihr herausschießt, macht Eindruck. Ich könnte mir vorstellen, das Schreiben und dadurch Wieder-Erleben dieses Traumas hatte therapeutische Wirkung für sie und wurde noch mit dem Nobelpreis belohnt. Eine mutige Autorin und ein mutiger Verlag, dieses Büchlein zu publizieren. Chapeau!