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Veröffentlicht am 11.11.2025

Der "Krimi-Club" on Tour

Juwelenraub im Schneepalast
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Libby Andersch und ihr Krimi-Club ermitteln im Cold Case der ausgeraubten und ermordeten Nina Kandinsky. Dafür fahren sie nach Gstaad, wo im Palace-Hotel ein Teil der britischen Kronjuwelen ausgestellt ...

Libby Andersch und ihr Krimi-Club ermitteln im Cold Case der ausgeraubten und ermordeten Nina Kandinsky. Dafür fahren sie nach Gstaad, wo im Palace-Hotel ein Teil der britischen Kronjuwelen ausgestellt wird. Aber dabei bleibt es nicht…

Auf dem Cover von „Juwelenraub im Schneepalast“ sieht man ein liebevoll gezeichnetes, vornehm aussehendes Hotel vor verschneiter Kulisse. Es sieht gemütlich und harmlos aus, sehr einladend. Für die Authentizität wäre es perfekt gewesen, wenn, wie im Buch beschrieben, neben der Schweizer Fahne auch der Union Jack geflattert hätte.

Dies war mein erstes Buch von Gabriela Kasperski, die anderen Fälle von Libby Andersch kannte ich bisher nicht. Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und sehr gut lesbar, so dass ich direkt in der Geschichte drin war. Libby Andersch erinnert mich an Agatha Christies „Miss Marple“, ebenfalls eine ältere Dame, der es immer wieder gelingt, sich unauffällig zu verhalten und durch Beobachtungen und Kombinationsgabe in Bereiche zu gelangen, die für andere nicht erreichbar sind. Ob es realistisch ist, dass die Kinder eines britischen Premierministers spontan mit einem anderen Kind Freundschaft schließen und diesen mit Anhang direkt in die Suite lassen, sei dahingestellt, aber Gabriela Kasperski verweist ja darauf, dass es sich um Fiktion handelt und nicht um eine wahre Geschichte. Als "Nichtschweizer" kannte ich einige Begriffe nicht, durchs Nachschlagen habe ich wieder etwas gelernt und konnte die offenen Fragen klären. Die Querverweise zu den vorigen Büchern haben mich auf jeden Fall auf die anderen Fälle neugierig gemacht und laden dadurch „Uneingeweihte“ wie mich ein, auch diese Bücher zu lesen.

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Veröffentlicht am 16.10.2025

Wenn man die Zeit zurückdrehen könnte

Die Melodie meines Lebens
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Alain bekommt einen Brief zugestellt, nach 30 Jahren. Es ist nicht irgendein Brief, sondern ein Brief der Plattenfirma, an ihre damalige Band, sie sollten sich melden. Der Brief, auf den sie lange gewartet ...

Alain bekommt einen Brief zugestellt, nach 30 Jahren. Es ist nicht irgendein Brief, sondern ein Brief der Plattenfirma, an ihre damalige Band, sie sollten sich melden. Der Brief, auf den sie lange gewartet und dann die Hoffnung aufgegeben haben. Was wäre gewesen, wenn dieser Brief damals angekommen wäre?

Der Schutzumschlag von "Die Melodie meines Lebens" ist in einem zarten Türkiston gehalten, die rote Cassette hebt sich deshalb besonders gut ab und bietet einen sichtbaren Kontrast zur schwarz-weißen Schrift. Das Cover verrät nicht zu viel und doch alles, wenn man ins Buch hineingelesen hat. Sehr stimmig.

Antoine Laurain versteht sich auf die leisen Töne. Er schreibt einfühlsam, behutsam, zeichnet individuelle Charaktere und bringt sie den Lesern näher. Immer mit Botschaft und sehr gefühlvoll, das mag ich an Laurains Schreibstil. "Die Meldodie meines Lebens" ist nicht sein bestes Buch, zwischendurch musste ich immer mal wieder überlegen, um welchen der vielen Protagonisten es gerade geht, aber es hat seine eigene Magie, die bestimmt nicht für jeden Geschmack bestimmt ist, mir jedoch gefällt. Ich freue mich auf das nächste Buch des Autors.

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Veröffentlicht am 25.09.2025

Ein traumhaftes Setting wird zum Alptraum

One of the Girls
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Lexi verbringt ihren Junggesellinnenabschied, ihre "Hen-Party", zusammen mit 5 Freundinnen auf einer griechischen Insel. Was traumhaft klingt, wird immer schwieriger, denn anscheinend hat jede der fünf ...

Lexi verbringt ihren Junggesellinnenabschied, ihre "Hen-Party", zusammen mit 5 Freundinnen auf einer griechischen Insel. Was traumhaft klingt, wird immer schwieriger, denn anscheinend hat jede der fünf Damen ein Geheimnis...

Auf den ersten Blick ein etwas langweiliges Cover, auf den zweiten Blick überhaupt nicht mehr... weiße Treppen mit Blutspuren führen zu einer weißen Mauer, hinter der man das Meer erkennen kann. Die Mauer wird im Buch immer wieder erwähnt, weshalb das Cover auf jeden Fall sehr gut zum Inhalt des Buches passt.

Lucy Clarke hat einen schnörkellosen, gut lesbaren Schreibstil. Sie macht Andeutungen, man traut keinem mehr und ich hatte erst ganz zum Schluss den richtigen Riecher! Das macht die Story nicht so vorhersehbar und hat mir gut gefallen. "One of the Girls" war spannend zu lesen und hat mich gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 22.06.2025

Eindringlich

Das Ereignis
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Annie ist ungewollt schwanger. 1963 in Frankfreich, dort ist Abtreibung illegal. Ihr Literaturstudium und somit ihre Zukunft stehen genauso auf dem Spiel wie ihre Würde.

"Das Ereignis" ist ein sehr schlichter ...

Annie ist ungewollt schwanger. 1963 in Frankfreich, dort ist Abtreibung illegal. Ihr Literaturstudium und somit ihre Zukunft stehen genauso auf dem Spiel wie ihre Würde.

"Das Ereignis" ist ein sehr schlichter und dennoch zutreffender Titel. Der französische Titel klingt natürlich viel schöner, bedeutet jedoch dasselbe. Auf dem schwarz-weißen Cover sieht man nur eine junge Frau in den 20ern, vermutlich die Autorin, mit einem leicht gequälten Gesichtsausdruck. Sehr schlicht und dadurch beeindruckend. Nur der Autorenname von Annie Ernaux ist rot und hebt sich farblich ab sowie der Aufkleber, dass dieses Büchlein 2022 den Nobelpreis für Literatur gewonnen hat.

Annie Ernaux hat eine nüchterne und trotzdem eindringliche Sprache, sie beschönigt oder entschuldigt nichts, beschreibt das Ereignis, wie es in ihrer Erinnerung vorkam. Das muss man abkönnen, alleine die Vorstellung, eine Sonde in die Gebärmutter gerammt zu bekommen und tagelang damit herumzulaufen... Und auch die nüchterne Schilderung des Abgangs, des Fötus, der wie eine Rakete aus ihr herausschießt, macht Eindruck. Ich könnte mir vorstellen, das Schreiben und dadurch Wieder-Erleben dieses Traumas hatte therapeutische Wirkung für sie und wurde noch mit dem Nobelpreis belohnt. Eine mutige Autorin und ein mutiger Verlag, dieses Büchlein zu publizieren. Chapeau!

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Veröffentlicht am 12.06.2025

Eine Geschichte der Welt

Nachtglimmen
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Claudia liegt im Sterben und schaut auf ihr vergangenes Leben, ihr Verhältnis zu ihrem Bruder Gordon, ihre Affären und ihre Tochter, ihr Leben als Kriegsreporterin und Tom, den sie damals in Ägypten kennen- ...

Claudia liegt im Sterben und schaut auf ihr vergangenes Leben, ihr Verhältnis zu ihrem Bruder Gordon, ihre Affären und ihre Tochter, ihr Leben als Kriegsreporterin und Tom, den sie damals in Ägypten kennen- und liebengelernt hat.

Das Cover ist in in Türkis- und Brauntönen gehalten und zeigt mit Blick über einen Balkon den Nil mit einem Boot und die Pyramide. Der Titel "Nachtglimmen" fällt auf, da er weiß ist. Für meinen Geschmack hätte es keine deutsche Übersetzung für den Titel gebraucht, "Moon Tiger" klingt viel geheimnisvoller und hätte noch neugieriger auf den Roman gemacht.

Penelope Lively hat einen sehr poetischen Schreibstil, mit dem sie auch den Schrecken des Krieges gut "verpacken" kann. Claudia, ihre Protagonistin, ist nicht wirklich sympathisch und soll es auch nicht sein. Es fällt schwer, sich mit ihr zu identifizieren, aber sie interessiert einen. Die besten und anschaulichsten Szenen spielen in Ägypten, man spürt die Liebe der Autorin zu diesem Land in jeder Zeile, die sie schreibt. Das Buch hat durchaus ein paar Längen, die es nicht bräuchte, aber die meisten Szenen fesseln und laden zum Nachdenken ein.

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