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Veröffentlicht am 07.07.2025

Mord im Ferienparadies

Inspector Pescadores und der Tote im Pool
7

Markus Fischer wagt den totalen Neubeginn. Frisch geschieden, hängt er seinen Job als Kriminalhauptkommissar an den Nagel und verlässt Deutschland. Ein fetter Lottogewinn macht es möglich. Als seine neue ...

Markus Fischer wagt den totalen Neubeginn. Frisch geschieden, hängt er seinen Job als Kriminalhauptkommissar an den Nagel und verlässt Deutschland. Ein fetter Lottogewinn macht es möglich. Als seine neue Heimat wählt er Gran Canaria. Nach sechs Monaten Auszeit hat er Freunde gewonnen und sich gut eingelebt. Da schwimmt morgens eine Leiche im Pool seiner Wohnanlage. Frederico, der Sohn der Besitzerin der Ferienhäuser, wird als dringend tatverdächtig festgenommen. Aber ist er wirklich ein Mörder?

„Inspector Pescadores und der Tote im Pool“ ist der Auftaktband zu Daniel Veranos neuer Krimiserie „Der Gran-Canaria-Mordclub ermittelt“.

Der Autor hat einen unterhaltsamen Sommerkrimi mit leichter Hand geschrieben. Er lässt die Ferieninsel vor dem inneren Auge seiner Leser so anschaulich erstehen, dass die Sonne auf der Haut zu spüren ist und der spezielle Duft des Meeres in der Luft liegt. Seine Protagonisten hat Daniel Verano glaubwürdig gezeichnet. Da sind Markus, der ehemalige Polizist, den sein Lottogewinn vor dem Burnout rettet und der trotz bester Vorsätze gleich wieder in die Rolle des Ermittlers rutscht, Petra, die Meisterdetektivin, die eher das Cluedo-Spielbrett fallen lässt, als eine Niederlage zu akzeptieren, Andreas, der joviale Bademeister im zu engen roten Baywatch-Höschen und Marianne, auch "Speedy Mary" genannt, mit dem grünen Gürtel in Karate, die immer ein paar Kabelbinder zur Hand hat. Sie sind eine diverse, aber harmonische Gemeinschaft, die nicht nur ihre Leidenschaft fürs Detektiv spielen, ob bei Cluedo oder im realen Leben, verbindet.

Mir hat der Krimi gut gefallen. Ambiente, Setting und Atmosphäre sind hervorragend beschrieben. Die Chemie im Team stimmt und die vier Freunde ergänzen sich gut. Manchmal waren mir die Ortsbeschreibungen ein wenig zu ausführlich, dafür hat mich das leckere Essen entschädigt. Insgesamt bekommt man Lust auf eine Stippvisite nach Gran Canaria. Das Tatmotiv fand ich einigermaßen seltsam, aber der Mord erfolgte aus mehreren Gründen. Zuletzt wird das Verbrechen dank der tatkräftigen Hilfe unserer Freunde restlos aufgeklärt und die nächste Party kann steigen.

Der Krimi endet mit mehreren kleinen Cliffhanger. Was hat Marianne früher gemacht? Polizei, Security, Detektei oder Justizangestellte? Was ist mit ihren Söhnen los? Wie geht es mit Markus und Eva weiter? Outet sich „unser Held“ als Expolizist oder lädt er seinen früheren Kollegen, der so lustiges Südhessisch spricht, wieder aus?

Fragen über Fragen, die hoffentlich in „Inspector Pescadores und der Mord im Mandeldorf“, dem zweiten Fall des Gran-Canaria-Mordclubs, beantwortet werden.

Von mir gibt es gute vier Sterne und eine Leseempfehlung an alle Fans leichter, eher unblutiger Sommerkrimis in traumhafter Umgebung.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 25.06.2025

Psychogramm eines Mörders

SKATRUNDE
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Die Mittwochabendskatrunde, bestehend aus Notar Engelbank,
Apotheker Bärkraut und Makler Wagner, steckt in ernsthaften Schwierigkeiten. Das illustre Trio wird erpresst. Drei Millionen Euro fordert Engelbanks ...

Die Mittwochabendskatrunde, bestehend aus Notar Engelbank,
Apotheker Bärkraut und Makler Wagner, steckt in ernsthaften Schwierigkeiten. Das illustre Trio wird erpresst. Drei Millionen Euro fordert Engelbanks Angestellte und Ex-Geliebte Sonja Steiner für ihr Schweigen. Ansonsten fliegen die nur halblegalen Immobiliengeschäfte und die langjährigen Steuerhinterziehungen der Herren auf. Die Betrüger hängen an ihrem Geld und bezweifeln, dass die Erpressung mit der einmaligen Zahlung endet. Also muss Sonja verschwinden.

„Skatrunde“ ist der neue Thriller von Herbert H. T. Osenger. Für mich war es das erste Buch des Autors.

Scheinbar skrupellos, nur von ihrer Gier angetrieben, beschließen drei angesehene Männer den Mord an einer lästigen Mitwisserin. Überraschend schnell werden aus miesen Betrügern und Steuerhinterziehern brutale Killer. Doch ihre grausame Tat entpuppt sich als wesentlich folgenschwerer als gedacht. Denn die Erpressung geht weiter. Nur die Höhe des Schweigegelds ist gestiegen. Notar Engelbank kann Sonjas Schrift problemlos identifizieren. Sie hat die neuen Erpresserbriefe verfasst. Doch wie kann das sein?

Der Autor lässt uns an den Gedankengängen eines perfiden Mörders teilhaben. Sein Thriller ist weitgehend aus der Perspektive des scheinbar ehrenwerten Notars Engelbank geschrieben. Was die Erpressung und ein Mord aus drei angesehenen Mitgliedern der besseren Gesellschaft macht, ist spannend nachzulesen. Sämtliche Hauptfiguren werden entweder von Gier oder Hass angetrieben. Die Gedankengänge Engelbanks, seine inneren Dämonen und Ängste werden nachvollziehbar geschildert. Dazu kommen noch Mystery-Elemente, die Fragen aufwerfen. Gibt es tatsächlich Geister? Kann ein Haus wie Engelbanks Jugendstilvilla „böse“ sein oder speichert es negative Energien über Jahrzehnte?

Herbert H.T. Osenger schreibt flüssig und bildhaft. Seine Beschreibungen aktivierten mein Kopfkino. Die Jugendstilvilla stellt manches Spukhaus, das aus Film und Fernsehen bekannt ist, mühelos in den Schatten. Mich erinnert es an das Herrenhaus in „The Others“.

Der Mystery-Thriller hat mich gut unterhalten. Als erfahrene Krimileserin hatte ich zwar bald eine Ahnung, was mein Lesevergnügen aber nicht groß beeinträchtigt hat. Der Mix aus aktuellen Verbrechen und Mystery-Elementen hat mir gefallen. Ich werde den Autor im Auge behalten.

  • Einzelne Kategorien
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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.06.2025

Tödlicher Nebel?

Im Nebel liegt der Tod
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Hauptkommissar John Benthien und seine Kollegin Lilly Velasco fahren heim. In Gedanken hängen sie noch ihrem gerade abgeschlossenen Fall auf Sylt nach. Ein beklemmendes Gefühl nagt an ihnen. War der Suizid ...

Hauptkommissar John Benthien und seine Kollegin Lilly Velasco fahren heim. In Gedanken hängen sie noch ihrem gerade abgeschlossenen Fall auf Sylt nach. Ein beklemmendes Gefühl nagt an ihnen. War der Suizid tatsächlich einer? Mittlerweile stehen sie im Stau und ein dicker Nebel zieht auf. Um doch noch rechtzeitig zum Treffen mit seinem Vater zu kommen, versucht Benthien eine andere Route, doch vergebens. Auch ihr dritter Anlauf scheitert am dichten Nebel und sie landen in einer schäbigen Pension nahe der dänischen Grenze im Niemandsland. Dort verlässt die beiden ihr diffus ungutes Gefühl nicht. Prompt entdeckt der Kommissar am nächsten Morgen die Leiche der Pensionswirtin auf der Kreuzung vor dem Haus. Unfall oder Mord?

Eine drückende Atmosphäre beherrscht die Erzählung. Liegt es am undurchdringlichen Nebel oder an den Verbrechen, mit denen Benthien und Velasco derzeit konfrontiert werden? John hatte sich nach dem Sylter Fall auf ein paar freie Tage gefreut. Und jetzt das! Hat sein Freund und Kollege Thommy Fitzen Recht, der trocken bemerkt »Leichen pflastern deinen Weg!«

Der Autor versteht es hervorragend, die trübe Stimmung zu beschreiben, die der dichte Nebel mit sich bringt. In seinem aktuellen Fall kämpft John Benthien mit dem Blues. Die Umgebung dort bei Klanxbüll wirkt deprimierend, nicht nur die Pension Nordlicht. Die Zahl der Tatverdächtigen ist überschaubar und jeder scheint etwas zu verbergen. Das Ganze erinnert mich an ein Kammerstück. Zwar kommen SpuSi etc. nach dem ersten Todesfall dazu, aber das wirkt sich nur sekundär in Form von Recherche und Untersuchungsergebnissen auf das Geschehen aus. Der Kreis der Verdächtigen, der noch dezimiert wird und das Ermittlerduo, darauf konzentriert sich die Erzählung.

Der Schreibstil ist gewohnt gut, die Ermittler sind sympathisch und kompetent, während die übrigen Protagonisten teilweise etwas blass bleiben.

Die Inselkrimis kommen für mich nicht ganz an die anderen Romane mit Benthien und seinem Team heran. Dennoch verfügen sie über ihren ganz eigenen Reiz. Bedingt durch die Kürze konzentriert sich die Geschichte auf das Wesentliche, das Verbrechen und seine Aufklärung. Persönliches bleibt weitgehend außen vor. Zuletzt wird der Fall logisch aufgeklärt und der Nebel verzieht sich. Das Leben geht weiter.

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Veröffentlicht am 24.06.2025

Was ist los auf Rügen?

Todesinsel Rügen
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Eine Mordserie erschüttert Rügen. Was verbindet die Opfer, eine Touristin, einen Bauunternehmer und Kommissar Schwinkas Ex-Freundin Nadine? Der Ermittler steht vor einem Rätsel, aber er sieht Zusammenhänge. ...

Eine Mordserie erschüttert Rügen. Was verbindet die Opfer, eine Touristin, einen Bauunternehmer und Kommissar Schwinkas Ex-Freundin Nadine? Der Ermittler steht vor einem Rätsel, aber er sieht Zusammenhänge. Doch Oberstaatsanwalt Dückert scheint das Vertrauen in seinen bevorzugten Kommissar verloren zu haben oder warum sonst richtet er drei Sokos ein? Offensichtlich glaubt er nicht, dass die Fälle zusammenhängen. Eile ist geboten, denn das Morden auf Rügen geht weiter.

In „Todesinsel Rügen: Schwinkas vierter Fall“ lässt Autor Jens-Uwe Berndt seinen Kommissar erneut im gewohnten Umfeld ermitteln. Die vorhergehenden Fälle zu kennen, ist sicher ein Plus. Das Buch lässt sich aber unabhängig von seinen Vorgängern gut lesen.

Kriminalhauptkommissar Schwinka ist mental nicht in Bestform. Er wird von Albträumen geplagt. Sein letzter Fall setzt ihm noch zu. Die vielen Toten auf Rügen tragen nicht dazu bei, seine Stimmung zu heben. Wir lernen einige zwielichtige Gestalten kennen. Den schmierigen Hafenmeister Buch, der wie eine Spinne in seinem Netz hockt und die Fäden zieht, seinen undurchsichtigen Adlatus Pierre Simoldt, der sein eigenes Süppchen kocht. Beide sind der Krankenschwester Pia verfallen, die wesentlich mehr als eine hübsche Barbie ist und ihre eigenen Pläne verfolgt. Dazu kommen noch ein einsamer polnischer Krankenpfleger, ein unglücklicher Großbauer, korrupte Stadträte, diverse Kleinganoven und ein ziemlich hohler, aber überaus erfolgreicher Influencer. Nicht zu vergessen der ehemalige Bulle Michael Neumann, der unehrenhaft aus dem Polizeidienst entlassen wurde und dafür Schwinka die Schuld gibt. Er will Rache und sieht sich schon als Rüganer Pate. Die Fülle an Charakteren deutet die eine Schwäche des Buches an. Viele Tote, viele Verdächtige, viele Verbrechen, viele Verwicklungen. Das sorgt für Verwirrung.

Jens-Uwe Berndt schreibt schnörkellos und bildhaft. Rügen und die Ostseeküste Vorpommerns werden so dargestellt, dass der Wiedererkennungswert hoch ist. Seine Protagonisten wirken authentisch und besonders die Widerlinge sind glaubwürdig.

Schwinka ist ein Fall für sich, ein genialer Ermittler, der zuletzt Federn lassen musste, was ihn einen guten Teil seiner Arroganz gekostet hat und ihn umgänglicher macht. Seine Kollegen Schobel und Chupaski sind fähig, sehr loyal und schätzen Schwinka als Polizisten und Menschen, was eine entscheidende Rolle spielt.

Der Krimi erwies sich anfangs als etwas sperrig für mich, aber dann hat mich die Geschichte in ihren Bann gezogen und meine volle Konzentration gefordert. Die Handlung weist sehr viele lose Enden auf und es fällt nicht nur den Ermittlern schwer, die Zusammenhänge zu erfassen. Was haben bestialisch ermordete Touristinnen, ein erschossener Bauunternehmer, ein erhängter Kommunalpolitiker und Schwinkas erstochene Ex gemeinsam? Neben den Morden verlangen Steuervergehen, Schmuggel, Vergewaltigungen, Nötigung, Bestechung und Korruption nach Aufklärung und Strafe. Der Fall gewinnt immer mehr an Tempo und die Spannung wächst. Am Ende erfolgt die Auflösung in einem kurzen, heftigen Showdown. Es bleiben Fragen offen, doch Schwinkas Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Wie er selbst sagt „Wir haben die Mörder gefasst, aber den Fall nicht gelöst.“ Antworten wird es hoffentlich in Schwinkas fünftem Fall geben.

Von mir bekommt dieser etwas andere Krimi gute vier Sterne und eine Leseempfehlung an alle Krimifans, die schwierige Fälle nicht scheuen.

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Veröffentlicht am 23.06.2025

Gefühlschaos im Kleingarten

Der Feind in meinem Beet
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Psychologin Maren will nach der Scheidung ihren Kleingarten genießen. Nach drei Jahren Wartezeit kann sie endlich das grüne Paradies in Besitz nehmen. Gärtnern soll sie von ihrem Stress mit Noch-Ehemann ...

Psychologin Maren will nach der Scheidung ihren Kleingarten genießen. Nach drei Jahren Wartezeit kann sie endlich das grüne Paradies in Besitz nehmen. Gärtnern soll sie von ihrem Stress mit Noch-Ehemann Lars ablenken. Dieser schafft es seit sechs Wochen nicht, die Scheidungspapiere zu unterschreiben und Maren ins Single-Dasein zu entlassen. Doch die Ablenkung fällt aus. Bestürzt muss Maren feststellen, dass ausgerechnet Gartenmuffel Lars ihr neuer Nachbar in der Kleingartenanlage ist. Was soll sie jetzt tun?

Käthe Lachmann schildert uns in „Der Feind in meinem Beet“, dem ersten Band ihrer neuen „Herzsache-Reihe“, die Geschichte einer Trennung und die zugehörigen Gefühlswirren. Die Leseprobe hörte sich gut an, der neue Roman versprach leichte, amüsante Unterhaltung. Wurden meine Erwartungen erfüllt?

Während Maren vor Wut bebt, gibt sich Lars alle Mühe, den engagierten Kleingärtner zu mimen. Auch sonst unternimmt er einiges, um Maren zurückzugewinnen. Das liest sich unterhaltsam, wirft aber auch Fragen auf. Das Ehepaar lebt seit drei Jahren getrennt und kontaktiert sich nur in Angelegenheiten, die die gemeinsame Tochter Emilie oder die Scheidung betreffen. Erst als er die abschließenden Scheidungspapiere bekommt, wird Lars bewusst, was passiert ist und er zieht alle Register? Reichlich spät!

Mit dem attraktiven, charismatischen Tammaro kommt ein Charakter ins Spiel, der Maren sofort für sich einnimmt. Anfangs lässt sich die Bekanntschaft vielversprechend an und auch eine erste wilde Knutscherei weckt den Wunsch nach mehr, doch dann tritt Maren abrupt auf die Bremse. Mit ihren eigenen Empfindungen hat die Therapeutin so ihre Schwierigkeiten. Egal, ob es sich um ihre Zuneigung zu Tammaro handelt oder ihre Vorbehalte gegenüber Lars. Hat sie Angst vor ihren Emotionen? Auch bei den anderen Protagonisten läuft es beziehungstechnisch nicht besonders gut. Marens beste Freundin Evi leidet unter Liebeskummer und Tochter Emilie hat Stress mit ihrer Partnerin Xenia. Hier fahren die Gefühle ebenfalls Karussell.

Käthe Lachmann schreibt flüssig und locker. Das Treiben in einer Kleingartenkolonie wird sehr anschaulich beschrieben. Der Herzschmerz ihrer Protagonisten steht aber im Mittelpunkt. Es liest sich größtenteils amüsant, was Maren und die anderen umtreibt. Für eine fast 43 – Jährige wirkt die Hauptfigur manchmal etwas unreif, dann wieder leicht übergriffig, was ihre Tochter betrifft. Die Trennungsgeschichte mit Lars zieht sich hin, artet aber nicht in einen Rosenkrieg aus. Das Ende der Geschichte ist dann wenig überraschend, aber passend.

Von mir gibt es vier Sterne und eine Leseempfehlung an alle Fans unterhaltsamer Sommerlektüre.

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