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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.07.2025

Gewohnt spannend

Ihr werdet sie nicht finden
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Sieben Jahre saß Jonas Waider im Gefängnis, nachdem er den mutmaßlichen Täter im Fall des Verschwindens seiner Tochter zur Rechenschaft gezogen hat. Nun ist er wieder frei und macht sich erneut auf die ...

Sieben Jahre saß Jonas Waider im Gefängnis, nachdem er den mutmaßlichen Täter im Fall des Verschwindens seiner Tochter zur Rechenschaft gezogen hat. Nun ist er wieder frei und macht sich erneut auf die Suche nach Isabell. Zeitgleich sucht die Privatdetektivin Franca Lichtenwalter nach einer Vermissten, ihre Suche überschneidet sich mit dem alten Fall und bald ermitteln Jonas und Franka zusammen, denn die vermisste junge Frau taucht plötzlich auf und weiß anscheinend Einzelheiten über das Jahre zurückliegende Verbrechen.

Das vorliegende Buch ist kein reißerischer Thriller, ruhig und bedacht lässt Andreas Winkelmann die beiden ungleichen Protagonisten ihre Suche führen, bietet mir durch Rückblenden Einblicke in vergangene Ereignisse und löst dabei langsam den Knoten, sodass zum Vorschein kommt, was damals geschah. Auf der Suche nach der Lösung passiert allerhand, das Ende überrascht mich und auch sonst einiges, was ans Licht kommt, ist wirklich unfassbar. Insgesamt eine spannende Suche nach der Wahrheit, die mich sehr gut unterhalten hat. Gerne empfehle ich das Buch weiter.

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Veröffentlicht am 04.07.2025

Großes Highlight

Stromlinien
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Alea Eggers saß achtunddreißig Jahre im Gefängnis, ihre Töchter Enna und Jale zählen die Tage bis zu ihrer Entlassung. Als der große Tag gekommen ist, verschwindet Alea spurlos und auch Jale ist plötzlich ...

Alea Eggers saß achtunddreißig Jahre im Gefängnis, ihre Töchter Enna und Jale zählen die Tage bis zu ihrer Entlassung. Als der große Tag gekommen ist, verschwindet Alea spurlos und auch Jale ist plötzlich unauffindbar. Enna macht sich auf die Suche, nach Mutter und Schwester, aber auch nach der Wahrheit, was vor über achtunddreißig Jahren geschah, das ihre Familie für immer zerstört hat.

»Mama war währenddessen die ganze Zeit auf einer der Elbinseln gefangen gewesen. Und Jale und ich waren mit unserem Boot zwischen den Ufern hin und her gefahren, ohne Orientierung, ohne Halt, ohne auch nur die geringste Ahnung zu haben, woher dieses Loch kam, das inmitten unserer Familie klaffte, inmitten von uns selbst.» (Seite 339)

Mit dem vorliegenden Buch habe ich ein weiteres Highlight gefunden, es reiht sich sogar in die bisher magere Ausbeute meiner Jahreshighlights ein. Und das, obwohl ich anfangs sicher war, dass mich die zahlreichen Naturbeschreibungen ein bisschen stören würden, allerdings fügten sich diese nach und nach in die Geschichte ein, bis ich es mir gar nicht mehr anders hätte vorstellen können, denn die Geschichte selbst hatte es in sich.

Mehrere Generationen verbindet das Buch, nicht alle sind miteinander verwandt, vor über hundert Jahren nimmt alles seinen Anfang, obwohl es fast das Ende war. Zu Beginn wusste ich nicht, wer all diese Menschen sind, deren Leben vor mir ausgebreitet wurden, zu unterschiedlich waren die Namen und das Umfeld, in dem diese Menschen verwurzelt gewesen sind, wobei Enna die einzige Ich-Erzählerin geblieben ist. Dies klärte sich aber irgendwann von selbst, was erstaunlich und faszinierend war, so perfekt griffen die Lebensläufe ineinander. Geheimnisse, Verbrechen, Streitigkeiten und ein Wechselbad der Gefühle, unerwartete Wendungen, interessante Charaktere und Ereignisse, die tatsächlich passiert sind, all das findet man im Buch, aber noch so viel mehr. Eine komplexe und vielschichtige Geschichte, die irgendwann spannender war als mancher Thriller, die mich alles vergessen ließ, was um mich war. Große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 27.06.2025

Eindrucksvoll und wuchtig

Simon Radowitzky
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Die vorliegende Graphic Novel befasst sich mit dem Leben von Simón Radowitzky, einem ukrainisch-argentinischen Anarchisten und Gewerkschafter, geboren 1891 in einem kleinen ukrainischen Dorf. Als Sohn ...

Die vorliegende Graphic Novel befasst sich mit dem Leben von Simón Radowitzky, einem ukrainisch-argentinischen Anarchisten und Gewerkschafter, geboren 1891 in einem kleinen ukrainischen Dorf. Als Sohn eines jüdischen Arbeiters verließ er bereits mit zehn Jahren unfreiwillig die Schule, um arbeiten zu gehen und die Familie zu unterstützen. Bald darauf lernte er Lyudmyla kennen, die Tochter des Schmiedes, für den er arbeitete und der ihm einen Schlafplatz und zu essen gab. Durch sie kam er mit sozialrevolutionären Ideen in Berührung.

»Hätte Agustín Comotto sich diese Geschichte ausgedacht, wäre er sicherlich dafür kritisiert worden, maßlos zu übertreiben. Es scheint unglaubwürdig, dass so vieles in einem Leben zusammenkommt (so viel Ungerechtigkeit, so viel Gewalt, so viel Kampf, so viel Treue den eigenen Idealen gegenüber - so viel Schmerz in einem einzigen Körper).« (Vorwort von Liliana Ruth Feierstein, Buenos Aires im Winter 2019)

Sechs Jahre brauchte Agustín Comotto, um zu recherchieren, zu schreiben und zu zeichnen. Herausgekommen ist ein phantastisches Werk über das Leben einer Persönlichkeit, über die ich bis dato nichts gehört habe, über die ich aber nun, nachdem ich die Graphic Novel förmlich verschlungen habe, mehr wissen möchte. Die eindrucksvollen schwarzweißen Bilder, das gezielt eingesetzte Rot, die Brutalität und der Widerstand, die aus den Seiten springen, dies alles bescherte mir unvergessliche Lesestunden. Dabei ist das Werk anspruchsvoll und fordernd, keine leichte Lektüre, aber lehrreich und spannend. Gerne empfehle ich es weiter. Lesenswert!

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Veröffentlicht am 26.06.2025

Erschreckend realistisch

Reset
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Anfang Oktober 2024 wird ein Flugzeug auf dem Weg von England nach Deutschland entführt, die Kidnapper drohen damit, die Maschine in den Münchner Flughafen abstürzen zu lassen. Dies ist nur der Beginn ...

Anfang Oktober 2024 wird ein Flugzeug auf dem Weg von England nach Deutschland entführt, die Kidnapper drohen damit, die Maschine in den Münchner Flughafen abstürzen zu lassen. Dies ist nur der Beginn einer bedrohlichen Serie von Meldungen, die die ganze Welt erschüttern. Es mehren sich die Fake-News, Menschen bekommen Anrufe und Video-Botschaften, die so echt aussehen, dass niemand mehr unterscheiden kann, was Wahrheit oder Lüge ist. Die Menschheit steht vor ihrer größten Herausforderung, es ist unklar, ob es einen Ausweg aus dieser Situation gibt.

»Es war schlichtweg unmöglich geworden, sich zu informieren, eine objektive Meinung zu bilden und realistische Schlüsse aus all den Deepfakes zu ziehen, die wie eine zerstörerische Flutwelle alles mit sich rissen, was einem Halt hätte geben können.« (Seite 195)

Zu Beginn wurde ich förmlich erschlagen von der Fülle an Personen, Orten, Situationen und Ereignissen, die auf den ersten hundert Seiten beschrieben werden. Da half auch das vorne stehende Personenregister nicht, das nur eine bestimmte Anzahl der Beteiligten beinhaltet. Ich kann hier verraten, dass es nicht wichtig ist, sich jeden Namen zu merken, der Augenmerk liegt auf den Geschehnissen, die wichtigsten Akteure ergeben sich im weiteren Verlauf fast von selbst. Ich persönlich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, außen vor zu sein, bald schon lichteten sich die Reihen und die Geschichte zog mich in ihren Bann.

Das Szenario, das Peter Grandl sich hat einfallen lassen, ist so faszinierend wie genial, in erster Linie aber ungeheuer erschreckend, weil es überhaupt nicht unwahrscheinlich klingt, worüber er schreibt. Künstliche Intelligenz, Fake-News, Bilder und Videos, die etwas abbilden, das nicht sein dürfte, das wir aber doch gerade mit eigenen Augen sehen und betrachten können, heutzutage gehört dies alles bereits zu unserer Realität. Hinzu kommt eine Prise Genialität, garniert mit einem großen Schuss Wahnsinn, viele interessante Charaktere sowie ein genialer Plot und schon haben wir einen Thriller, der für mich bereits jetzt die Liste der besten Bücher im Genre anführt dieses Jahr. Zusammengefasst: ein wahres Meisterwerk!

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Veröffentlicht am 25.06.2025

Klein, fein und informativ

Frida Kahlo - Junge Kunst 43
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Bei der Geburt von Magdalena Carmen Frieda Kahlo y Calderón am 06. Juli 1907 ahnt noch niemand, dass aus ihr einmal eine berühmte Malerin sowie eine künstlerische und feministische Ikone wird. Unbekannt ...

Bei der Geburt von Magdalena Carmen Frieda Kahlo y Calderón am 06. Juli 1907 ahnt noch niemand, dass aus ihr einmal eine berühmte Malerin sowie eine künstlerische und feministische Ikone wird. Unbekannt ist den meisten wahrscheinlich auch, dass ihr Vater Guillermo in Wahrheit Wilhelm Kahlo hieß, der mit 19 Jahren aus Pforzheim nach Mexiko-Stadt auswanderte und dort ein Atelier betrieb. So vieles gibt es über die Künstlerin, das ich nicht wusste, obwohl die Auswahl an einschlägiger Literatur fast grenzenlos ist, was der Grund dafür ist, dass ich mich nie drangesetzt habe. Zu groß und zu wuchtig war mir persönlich die Menge an Informationen, sodass ich es bisher dabei belassen hatte, mich an ihren Bildern zu erfreuen, immer wenn ich diese irgendwo sah. Dies hat sich nun geändert und ich finde es wunderbar!

Der 1907 gegründete (man beachte das Gründungsjahr!) Klinkhardt & Biermann Verlag hat es sich zur Aufgabe gemacht, verschiedene Künstler und ihre Werke einem breiten Publikum vorzustellen. Hierbei ist das Motto der beiden Gründer Werner Klinkhardt und Georg Biermann Programm: »Nur weniges, aber dies wenige soll mit größter Sorgfalt ausgewählt und ausgestattet werden.« Und das trifft ganz besonders auf die zurzeit insgesamt 46 Bände umfassende Reihe »Junge Kunst« zu, der Band 43 beschäftigt sich mit Frieda Kahlo. Kurz und knapp, dabei aber ausreichend informativ, erfuhr ich viele Besonderheiten über die Künstlerin, ihr Leben, die Tragödien darin sowie insbesondere ihre außergewöhnlichen Bilder, von denen einige im Buch abgebildet sind. Eine Biografie der 1954 viel zu früh gestorbenen Malerin vervollständigt die schöne Ausgabe, angehängt ein Archiv mit Fundstücken und Dokumenten. Für mich der Beginn einer großen Leidenschaft. Lesen!

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