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Veröffentlicht am 26.10.2025

Warum wir helfen müssen

In deinem Schlaf
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„In deinem Schlaf“ von Ekaterine Togonidze, erschienen 2025 im Septime Verlag, hat eine große Sogwirkung auf mich ausgeübt, ein Buch, das mich emotional wirklich berührt hat. Das Buch beschäftigt sich ...

„In deinem Schlaf“ von Ekaterine Togonidze, erschienen 2025 im Septime Verlag, hat eine große Sogwirkung auf mich ausgeübt, ein Buch, das mich emotional wirklich berührt hat. Das Buch beschäftigt sich mit den Auswirkungen des Georgien-Abchasien-Konfliktes – vor allem aber zeigt es auf, wie sehr Sicherheit ein Grundbedürfnis aller Menschen ist und macht somit den Zynismus deutlich, den die Welt der Privilegierten ausstrahlt, wenn wir jeden Tag entscheiden, wer ein Recht auf diese Sicherheit hat – und wer nicht.

Gabi, die Tochter von Nia und Demna, liegt in einem tiefen Schlaf, aus dem sie einfach nicht erwachen will, seit sie nur knapp einem Erdbeben entkam – weil ihr Vater, mit dem sie Zuhause war, zunächst einfach davonlief, während ihre Mutter arbeiten war. Demna ist als Kind aus Abchasien geflohen, wo die georgische Minderheit verfolgt wurde, und traumatisiert, Nia ist Schauspielerin in Georgien und hat sich mit diesem Konflikt und Krieg nie wirklich beschäftigt. Gabi leidet nun am Resignationssyndrom, einem Phänomen, das viele Kinder insbesondere von Menschen mit Fluchterfahrung betrifft, die ohne gesicherten Aufenthaltsstatus in einem fremden Land leben müssen. Die Kinder schlafen einfach ein und wachen nicht mehr auf, ein Aufwachen geschieht meistens erst, wenn Sicherheit gegeben ist, der Status geklärt ist, ein Heim entstehen kann. Die Psyche ist ein erstaunliches Ding – denn dieses Syndrom ist, wie die historischen Hintergründe des Romans, keine Fiktion.
Mit dem Erdbeben kam auch ein Riss in Nias Haus ,und es wurde unbewohnbar. Der Riss setzt sich fort in ihrer Beziehung, denn Nia kann Demna nicht verzeihen, gibt ihm die Schuld an Gabis Zustand und setzt ihn vor die Tür, lässt ihn nicht mehr zu seiner Tochter und kümmert sich nun komplett allein um Gabi – eine Vollzeitaufgabe, an der sie nur scheitern kann. An Arbeit in ihrem Beruf als Schauspielerin, an Karriere ist nicht mehr zu denken. Bis sie unverhofft die Hauptrolle in einem Film abräumt, der sich genau mit dem Georgien-Abchasien-Konflikt und der Flucht beschäftigt und ihr Leben sich komplett wendet, mit weitreichenden Folgen auch für Gabi und Demna.

Togonidze findet formal eine geniale Ebene, indem sie den Bewusstseinsstrom von Nias Gedankenwelt zunehmend immer mehr mit den Dreharbeiten und der Ebene des Filmes verknüpft und so die Flucht Demnas gewissermaßen re-enacted und uns das erzeugte Trauma miterleben lässt. Zeitgleich hat der Film auf Nia eine kathartische Wirkung. Gekoppelt mit einer zusätzlichen rein erzählerischen Handlungsebene, in der wir immer wieder auch in die Vergangenheit springen, entsteht hier ein sehr komplexes, durchaus herausforderndes, aber in jedem Augenblick sinnstiftendes und oft sehr poetisches Konstrukt, das ich in dieser Form noch nicht gelesen habe. Als Westeuropäerin ist der Georgien-Abchasien-Konflikt definitiv ein blinder Fleck bei mir, auch das Resignationssyndrom war mir vollkommen unbekannt. Ich bin der Autorin mehr als dankbar, dass ich dieses Wissen in einer so erstaunlichen literarischen Form auffüllen durfte. Über die Filmebene kommt Nia in die Reflektion und wir Lesenden mit ihr – und die Reflektion erzeugt Öffnung und Veränderung. In Schichten erklärt sich immer mehr, was eigentlich geschehen ist und wir blicken auf ein transgenerationales Trauma, auch so ein spannendes Thema, das nur sehr vorsichtig angefasst und aufgelöst werden kann.

Für mich sind zentrale Themen des Romans zum einen, wie viele Parallelwelten doch existieren neben der Welt, die wir jeden Tag zu Gesicht bekommen, Dinge, die wir nicht sehen, weil wir sie nicht kennen, nicht miterleben, die aber für andere Menschen so lebensbedeutend sind. Das Thema Trauma und Schuld, das niederdrückend durch den Roman weht, das Thema Sprachlosigkeit, wie viele Dinge haben sich Demna und Nia auch schon nicht erzählt, während sie „glücklich“ waren? Das Thema des Nebeneinanders von Trauer und Leben, wie wichtig ist es, auch in der Trauer das Leben aktiv zu halten, wie wenig Hilfe gibt es, wenn wir das vernachlässigen. Ganz groß auch das Thema Hoffnung und Beharrlichkeit, sich durchbeißen, dranbleiben. Mutterschaft und Selbstaufgabe, das hat mich auch sehr beschäftigt. Ein sehr reiches Buch, das immer wieder auch deutlich macht, dass es nicht Rechtens sein kann, wenn Menschen, die in Sicherheit leben, anderen eben diese Sicherheit verwehren.

Einziger Makel für mich: das Ende, das mir zu sehr versucht, Heilung zu bringen, während der Prozess doch eigentlich gerade erst beginnt. Das ist vielleicht Geschmackssache, war mir persönlich aber deutlich zu viel Kitsch, was gar nicht zu diesem fragilen Buch passt. Das werden aber viele Menschen ganz anders sehen und in jedem Fall: Unbedingt lesen, blinde Flecken tilgen, sich berühren lassen und vor allem: Diesen literarischen Genius hemmungslos bewundern. Und übrigens noch viel mehr Bücher aus dem Septime Verlag lesen, der ganz grundsätzlich eine herausragende Arbeit macht!

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Veröffentlicht am 22.10.2025

Nicht für immer so unglücklich sein

Das Leuchten des Himmels an dunklen Tagen
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Der neue Roman von Elli Kolb mit dem wunderschönen Titel „Das Leuchten des Himmels an dunklen Tagen“ schließt emotional an den Vorgänger „9 Grad“ an und beweist erneut, dass Kolb die Generation der 20-30jährigen ...

Der neue Roman von Elli Kolb mit dem wunderschönen Titel „Das Leuchten des Himmels an dunklen Tagen“ schließt emotional an den Vorgänger „9 Grad“ an und beweist erneut, dass Kolb die Generation der 20-30jährigen von innen kennt und beschreibt wie keine zweite Autorin.

Vorn beginnend: Endlich mal eine ideale Triggerwarnung, sprich, vorn darauf hinweisen, dass hinten eine (naturgemäß spoilernde) Triggerwarnung zu finden ist, so dass Lesende, die sich sicher sind, mich triggert nichts, sie nicht wahrnehmen müssen, aber alle anderen sie wahrnehmen können, danke an die Autorin dafür – so geht’s!
Dann ein vorangestelltes Zitat – ich bin ja grundsätzlich nicht so Fan davon, aber hier hat es mich auch endlich mal befriedet, denn erstens: Nur eins! Nicht fünf, wie es neuerdings Trend ist. Und zweitens direkt themenbezogen und verbunden mit dem Buch, noch bevor ich starte, wie ein kleiner innerer Auftakt. Inhaltlich auch einfach wirklich schön, so viel dran, ich habe das Buch direkt noch einmal kurz weggelegt, um das Zitat einfach nur so mitzunehmen.

Dann geht es hinein in die Welt von Romy – und die ist keine einfache, klar, sonst würde sich ja auch ein Roman nicht lohnen. Romy ist aufgewachsen bei ihrem Opa Egon, nicht bei ihrer Mutter, obwohl diese lebt und auch Kontakt zu Romy hat. Als Egon stirbt, stürzt das Romy in einen emotionalen Strudel. Alles um sie herum scheint dunkel zu sein und auch ihre Freundinnen finden keinen wirklichen Kanal zu ihr - bis Jakob auftaucht, den sie bei einer Party kennengelernt hat. Jakob hat bringt die gute Fähigkeit mit, Romy genau im Moment zu nehmen, sie sein zu lassen, wer sie ist. Jakob bleibt, wo andere gehen. Dumm nur, dass Jakobs Tage an Romys Seite von Anfang an begrenzt sind. Über all dem fliegen und torkeln die Stadttauben, zum einen Zausel, die Lieblingstaube von Opa Egon, die jeden Tag an sein Fenster kam, zum anderen eine Fundtaube, die bei Romy einzieht und deren Gesundungsprozess ein Spiegel von Romys Seele ist.

Romy geht mir als Charakter direkt ins Herz. So viel Liebe in ihr, die wartet, gegeben zu werden, die enge Bindung zu Egon, der Kampf um die Aufmerksamkeit ihrer Mutter, die große Unsicherheit in ihr, die Suche nach einem Platz im Leben, die Angst vor Bindung und Emotion und zeitgleich dieser brennende Hunger genau danach, die Eifersucht in den Freundschaftsbeziehungen, immer wieder zwischendurch verblüffende Klarsicht, dann wieder heftiger Emotionsstau und fehlende Impulskontrolle, das Thema Dissoziation, das in dieser Generation leider auch ein sehr großes ist, warum eigentlich? Ist das Außen wirklich so sehr zu viel geworden? Die zögerliche, leicht angstgeprägte Beziehung zu den Tauben, ererbt von Egon, so eingängig, weil Romy selbst eine absolute Taube ist, Fluchttier, aber neugierig, freiheitsbezogen, aber Nähe suchend, schreckhaft, aber immer wieder auch dreist und mutig, nichts wird gekaut, alles wird direkt geschluckt – und dann arbeitet es innen weiter.

Viele Themen, die gut integriert sind, wie die weichen Drogen als Ausweichen, die Präsenz in sozialen Medien, das kaschierte Leben und der Druck, der daraus entsteht, das dauernde temporäre Jobben, die Notwendigkeit, global zu sein, flexibel, bereit für Ortswechsel, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Und, wie auch schon in 9 Grad, wenn auch etwas anders: Der Fluss als Thema, da steckt ja auch so viel drin, Strömung, Leben gebend, die Lethe auch Leben nehmend, das Vergessen, das Treibenlassen, die Entscheidung, doch anzurudern, Leichtigkeit und Schwere zugleich, einfach so passend. Und über allem schwebt die Trauer und man weiß gar nicht: Ist es die Trauer über Egon? Oder über das eigene Leben, die verpasste Kindheitsbeziehung zu Eltern? Was bricht sich da Bahn?
Und dann die Tauben! Wie die kranke Taube immer auf die Seite kippt, rückwärts fliegt, das Leben komplett neu lernen muss – so ein schöner Spiegel für Romy, die noch gar nichts davon bemerkt. Wundervoll auch, wie viele Infos über Tauben eingebunden werden, z. B. das Fakt, dass Tauben vom Menschen gezielt als krasse Vermehrer gezüchtet wurden - um jetzt genau dafür gehasst zu werden. Manchmal geht die Autorin mit den Themen auch durch, ob nun wirklich Klimawandel, Krieg etc. auch noch in den Roman mussten, kann man hinterfragen. Ja, natürlich ist das Teil des Denkens und Empfindens der Millenials und der Gen Z – aber hier hätte mir wirklich gar nichts gefehlt, wenn es nicht beschrieben worden wäre. Es wird nicht weiterverfolgt, macht aber so einen großen Raum auf, dem ich dann gern auch mehr Bedeutung gegeben hätte.

Auch nicht sicher bin ich mir über das Ende, ohne spoilern zu wollen, war es mir alles ein bisschen viel und nicht wirklich realistisch. Kolbs Qualität ist es eigentlich, sich dem Leben unromantisch zu stellen, das hätte für mich dem Ende des Romans auch gut getan.
Was aber unbenommen bleibt ist die besondere Fähigkeit von Elli Kolb, der Generation Millenials und Gen Z und deren Innenleben eine Stimme zu geben. Besonders Menschen im Alter von 20-35 dürften sich in diesem Buch ungemein gesehen fühlen. Aber auch auf alle anderen wartet hier eine dichte Lesereise, ein Buch, das ich verschlungen habe und das mich sehr berührt hat an vielen Punkten.

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Veröffentlicht am 24.09.2025

Der Tod kommt leise

Lügennebel
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„Lügennebel“ von Viveca Sten, der vierte Band der Hanna Ahlander Åre-Morde-Serie, 2025 erschienen bei dtv, hält über gut 500 Seiten souverän den Spannungsbogen und ist so eiskalt wie die Schneewelt drumherum. ...

„Lügennebel“ von Viveca Sten, der vierte Band der Hanna Ahlander Åre-Morde-Serie, 2025 erschienen bei dtv, hält über gut 500 Seiten souverän den Spannungsbogen und ist so eiskalt wie die Schneewelt drumherum. Als vierter Band in der Reihe schafft er zeitlich einen nahezu nahtlosen Anschluss an den Vorgängerband, funktioniert aber sehr gut auch als Stand-Alone-Read, da Sten wichtige Infos aus den vorangegangenen Teilen sehr gut in die aktuelle Handlung integriert.

Eine Gruppe von Adoleszenten nimmt sich in Åre eine Auszeit vom Unistress und verbringt im Ferienhaus von Wille, einem Richkid ohne Sorgen, die Zeit mit Feiern, Skifahren, Alkohol, mehr Alkohol, noch mehr Alkohol und anderen Substanzen. Dabei brodelt unter der ausgelassenen Partyhaltung von Anfang an jede Menge Unterdrücktes – bis eines Morgens eine Person der Gruppe nackt und erfroren vorm Haus im Schnee liegt. War es ein Unfall? Oder doch eiskalter Mord? Hanna Ahlander und ihr Team müssen tief im Packeis der Gefühle graben und lösen dabei so manche Lawine aus, bis der Fall endlich mit einer überraschenden Wendung aufgeklärt werden kann.

Viveca Sten schreibt gewohnt brillant, die bitterkalte Atmosphäre im Außen und Innen klirrt greifbar durch die Zeilen des durchweg mit Spannung und trickreichen Wendungen gepackten Kriminalromans. Dabei kommen auch die privaten Geschichten der Ermittler:innen wie immer nicht zu kurz: Und da ist einiges los! Während Hannah und ihr Kollege Daniel weiter wie Satelliten umeinanderkreisen und doch nicht den Mut finden, sich zu offenbaren, kommt zumindest ihr Mitarbeiter Anton in seinem Leben etwas weiter. Dominant ist aber der Fall, der dem Team diesmal alles abfordert. Sten lässt nichts aus, von gruseligem Psychothrill bis zu wilden Verfolgungsjagden – hier wird alles geboten, was man sich wünschen kann.

Ein paar Szenen hatten eigentlich keine Handlungsrelevanz und trugen auch zur Atmosphäre insgesamt nicht wirklich Neues bei, so dass ich persönlich bei gut 500 Seiten auch auf sie hätte verzichten können. Da Sten aber so gut schreibt, sind natürlich auch diese grundsätzlich isoliert betrachtet eine Freude, so dass ich die kleinen dadurch entstehenden Längen insgesamt verzeihen kann. Der Roman passt hervorragend in den nun kommenden Herbst und Winter – aber auch im Sommer dürfte die eiskalte Hochspannung eine gute Abkühlung sein. Hier kann nur zum Lesen geraten werden – und hoffentlich kommt bald der nächste Band, damit sich der kleine Cliffhanger um Hannah und Daniel schnell auflöst. Eine absolut runde Sache!

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Veröffentlicht am 28.06.2025

Erneut ein Volltreffer

Yrsa. Die Liebe der Wikingerin
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„Yrsa – Die Liebe der Wikingerin“, die Fortsetzung der Wikingersaga um die Kriegerin Yrsa aus der Feder von Alexandra Bröhm, erschienen 2025 im Ullstein Verlag, begeistert nicht weniger als der Vorgängerroman ...

„Yrsa – Die Liebe der Wikingerin“, die Fortsetzung der Wikingersaga um die Kriegerin Yrsa aus der Feder von Alexandra Bröhm, erschienen 2025 im Ullstein Verlag, begeistert nicht weniger als der Vorgängerroman und zieht erneut mit einer spannenden Story die Lesenden komplett in den Bann. Dabei funktioniert der zweite Band durchweg auch ohne Vorkenntnis des ersten Bandes, da die Autorin alle wichtigen Informationen geschickt einflicht – aber ich würde dennoch dazu raten, den ersten Band auch zu lesen, ganz einfach, weil es sich lohnt! Auch die Ausstattung des Buches steht dem Band 1 in nichts nach, erneut eine wirklich wunderschöne Covergestaltung mit goldenen Prachtmotiven und Verzierungen auf diesmal blauem Hintergrund. Bei dem knapp 600 Seiten dicken Buch wurde nicht an der Papierqualität gespart, es liegt gut in der Hand und blättert sich angenehm. Im Innencover findet sich eine Karte, die bei der geografischen Orientierung hilft.

In unseren Händen halten wir also wieder einen richtig guten Schmöker, der sich vorm Kamin ganz sicher genauso gut macht wie im Strandkorb – aber wer könnte schon bis zur Kaminzeit warten? Nachdem die junge Wikingerin Yrsa sich im ersten Band freigekämpft hat, ist sie nun bei ihrem Traum angekommen, als Kämpferin an der Seite ihres Love Interests Avidh die Meere zu bereisen und durch Überfälle ihren Lebensunterhalt zu gestalten. Ein ethisch fragwürdiger Traum, zugegeben, und vielleicht lässt Bröhm Yrsa auch deshalb schnell feststellen, dass Romantik auf dieser Reise keinen Platz hat. Was als Raubzug beginnt, wird zu einer ganz persönlichen Reise zu den eigenen Wurzeln, zum Kampf um Liebe und Verrat, zur Konfrontation mit Ängsten und Wünschen und letztlich auch zur Frage, um was es einem im Leben eigentlich geht, was ist einem das eigene Leben wert?

Bröhm trifft über weite Strecken genau die richtige Dosis an Spannung, gemeinen Verwicklungen und Intrigen, lang gehegten Geheimnissen, einem Hauch von Mystik und Magie, gut eingebetteter Historie und Plot-twists. Bröhm ist wieder ein Pageturner gelungen, sie schreibt atmosphärisch stark und erfindet lebendige Charaktere, sie webt viel gut recherchiertes Wissen um die Wikingerzeit ein, ohne dass das je aufträgt, und der Spannungsbogen trägt bis zum letzten Moment. Persönlich hätte ich auf die doch sehr groß geratene Prise Spice in der gewählten Ausführlichkeit gut verzichten können und zwischendurch gibt es schon auch einige Seiten, die nicht wirklich zur Handlung beitragen, so dass dem Roman 50 Seiten weniger noch etwas mehr Straffheit geschenkt hätten. Spannend sind dagegen die Andeutungen, dass Yrsa eventuell doch Seherkräfte von ihrer Mutter geerbt haben könnte, allerdings wird auch dieser Strang nicht wirklich verfolgt, schade, hier läge noch einiges an Potenzial, könnte sich dort Yrsas eigentliche Bestimmung verbergen? Extrem gut gelungen ist aber, wie Bröhm die dauerhafte Bedrohung von Frauen durch das männliche Geschlecht in die Geschichte einarbeitet und die vielen Formen, die diese annimmt. Wie auch die vielen Beobachtungen über die Gesellschaft der Zeit, fällt das gar nicht auf, es ist ganz selbstverständlich Teil der Geschichte.

Insgesamt wurde hier erneut ein sehr runder Roman geschaffen, den ich mit Freude und großer Spannung gelesen habe. Die Reihe ist als Dilogie angelegt und der Roman ist in sich abgeschlossen – für mich bietet das Ende jedoch durchaus Stoff für einen dritten Band. Ob Alexandra Bröhm sich von ihren Yrsa-Fans dazu bewegen lässt? Ich hoffe es doch sehr! Also alle schnell den zweiten Band kaufen und über den Sommer lesen.

Einen Bonusstern würde ich gerne für das Nachwort vergeben können – dieses ist wirklich ganz besonders gelungen. Bröhm gibt dort eine umfängliche Einordnung ihres Schreibens in den historischen Kontext, und das liest sich noch einmal genau so spannend wie das ganze Buch.

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Veröffentlicht am 24.06.2025

Titel und Inhalt synchron

Fast & Tasty
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„Fast & Tasty“ von Achim Oceal, auch bekannt als @kitchenachim ist ein Kochbuch, das hält, was sein Name verspricht. Die knallig gelbe Farbe macht gute Laune und guten Appetit – den braucht der kochende ...

„Fast & Tasty“ von Achim Oceal, auch bekannt als @kitchenachim ist ein Kochbuch, das hält, was sein Name verspricht. Die knallig gelbe Farbe macht gute Laune und guten Appetit – den braucht der kochende Mensch auch, denn die vielfältigen Rezepte sind wirklich schnell gekocht und vielfältig.

Achim Oecal kommt nach einer kurzen Einleitung zu seiner Kochphilosophie direkt zur Sache. Aufgeteilt in verschiedene Unterkapitel wie Snacks und Fingerfood, Salate, vegetarische Gerichte, Fleischgerichte, Pasta und Süßspeisen, bleiben hier keine Wünsche offen. Die Rezepte sind gut und übersichtlich erläutert und präsentiert, die Fotos großformatig und ansprechend. Ganz besonders toll: Bei jedem Rezept sind Besonderheiten wie vegetarisch, glutenfrei usw. direkt verzeichnet. Und Oecal bietet immer direkt auch noch Varianten an für Toppings, andere Gewürze, Kombinationen, gibt Infos zu unbekannteren Lebensmitteln und Tipps für Beilagen und mögliche Ergänzungen. Ein zusätzliches Plus: Ein Verzeichnis nach Zutaten, so dass man schnell fündig wird, wenn man beispielsweise noch Feta im Kühlschrank hat, der verbraucht werden sollte – ein Blick ins Register und schon findet man alle Rezepte mit Feta, einfach genial.

Als Mensch mit oft sehr wenig Zeit zum Kochen habe ich hier viele neue Inspirationen gefunden. Ein kleines Manko: Ich hätte mir Nährwerte der Rezepte gewünscht, und ein Großteil der Rezepte ist relativ hochkalorisch, so dass hier noch ein paar schlankere Rezepte der Sammlung gutgetan hätten.

Insgesamt aber eine wirklich runde Sache mit vielen wirklich leckeren Gerichten, die auch tatsächlich in der versprochenen Zeit auf den Tisch gebracht werden können, was in vielen Kochbüchern dieser Art nicht der Fall ist. Eine absolute Empfehlung für Menschen, bei denen der Terminplan oft eng getaktet ist. Man sieht dem Buch die Begeisterung, mit der Achim Oecal kocht, auf jeder Seite an.

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