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Veröffentlicht am 22.08.2025

Ermittlerin in eigener (Mord)-Sache

Not Quite Dead Yet
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Die Grundidee des Plots von "Not quite dead yet" von Holly Jackson hat es in sich: Eine junge Frau klärt den Mord an sich selbst auf. Nein, es ist nicht eine Ermittlung aus dem Jenseits, wie es in einigen ...

Die Grundidee des Plots von "Not quite dead yet" von Holly Jackson hat es in sich: Eine junge Frau klärt den Mord an sich selbst auf. Nein, es ist nicht eine Ermittlung aus dem Jenseits, wie es in einigen Krimis ja schon vorgekommen ist. Jet Mason, 27 Jahre alt, weiß, dass ihr nur noch sieben Tage bleiben. Ein Unbekannter hat mit einem Hammer dreimal auf ihren Schädel eingeschlagen.

Die Folge sind mehrfache Brüche - und die Neurologin kann Jet wenig Hoffnung machen: Ein Aneurysma wird sie letztlich umbringen. Jet ist eine Tote auf Abruf. Und die junge Frau, die immer glaubte, dass ihr noch so viel Zeit bleibt und eher planlos nach einem abgebrochenen Studium in ihr Elternhaus zurückgekehrt ist, möchte zum ersten und letzten Mal in ihrem Leben etwas zu Ende bringen und ihren Mörder finden.

Unterstützt wird Jet von ihrem Kindheitsfreund Billy, in dessen Wohnung sie einzieht, weil sie mit der eigenen Familie Stress hat. Zudem wird ihr immer klarer, dass auch in ihrer Familie manches Geheimnis schlummert, das womöglich als Mordmotiv taugt. Doch rennt ihr die Zeit davon, während die neurologischen Probleme von Tag zu Tag größer werden?

Ich kannte die Autorin bisher nicht, sie ist offenbar eine populäre Autorin von Jugendbüchern. Und das merkt man irgendwie, denn für eine 27-jährige ist Jet ziemlich pubertär. Auch sprachlich erinnert Jet eher an die zweite Trotzphase eines Teenagers als an eine junge Frau, die auf die 30 zugeht. Von einigen Logikproblemen mal ganz zu schweigen. Dass jemand mit einem dreifachen Schädelbruch nach einem Tag das Krankenhaus verlassen kann, Auto fährt usw - das erscheint nicht gerade glaubwürdig. Auch wenn ich mich zugegebenerweise mit Neurochirurgie oder Medizin im allgemeinen nicht auskenne.

Mein Fazit fällt gespalten aus - eine tolle Grundidee, zahlreiche ermittlerische Irrwege, auf die Jet und Billy die Leser*innen mitnehmen und viel Stoff zum Rätseln auf meiner Positiv-Seite. Schwache Dialoge, ein allzu plakativer Schreibstil und eine ziemlich unreife bis nervige Protagonistin auf der negativen.

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Veröffentlicht am 11.08.2025

Unverhofft Brautjungfer

Wedding People (deutsche Ausgabe)
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Phoebe, als Literaturprofessorin mäßig erfolgreich, wegen dem Scheitern ihrer Ehe und ihrer unfreiwilligen Kinderlosigkeit depressiv, hatte eigentlich feste Pläne, als sie sich in einem stilvollen Luxushotel ...

Phoebe, als Literaturprofessorin mäßig erfolgreich, wegen dem Scheitern ihrer Ehe und ihrer unfreiwilligen Kinderlosigkeit depressiv, hatte eigentlich feste Pläne, als sie sich in einem stilvollen Luxushotel an der Küste Neuenglands für eine Nacht einbucht: Hier will sie ihrem Leben ein Ende setzen. Doch es kommt ganz anders in Alison Espachs "Wedding people", einer RomCom mit mehr Tiefgang, als sie das Genre üblicherweise bietet.

Denn Phoebe platzt in eine siebentägige Hochzeit - als einziger Gast des Resorts, der nichts mit der Hochzeit zu tun hat. Was zunächst niemandem auffällt. Doch Braut Lilly, hübsch, reich und eher oberflächlich, reagiert bei einem zufälligen Zusammentreffen, auf dem Phoebe genervt mit ihren Suizid-Plänen herausplatzt, pikiert: Was Phoebe denn einfalle, ihre Traumhochzeit zu ruinieren!

Tatsächlich setzt Phoebe ihren Plan erst mal nicht um - und avanciert zur eigenen Überraschung zur Brautjungfer. Dann stellt sie fest, dass der Mann, mit dem sie am Abend des geplanten Selbstmords geflirtet und sich über Depressionen ausgetauscht hat, ausgerechnet der Bräutigam ist. Je mehr Zeit sie mit der Hochzeitsgesellschaft verbringt, desto mehr zeigt sich, dass viele in der Gruppe selbst Tod und Trauer mit sich herumschleppen: Der Bräutigam, ein Witwer und nun alleinerziehender Vater, behandelte Lillys krebskranken Vater, der dann allerdings doch nach kurzer Zeit starb. War es die jeweilige Verlusterfahrung, die das Paar zusammenschmiedete? Denn Persönlichkeit und Interessen der beiden sind sehr unterschiedlich.

Je mehr Phoebe in die Hochzeitsvorbereitungen involviert wird, um so mehr stellt sie fest, dass sie in ihrem Leben immer noch Weichen stellen kann, dass die Reichen auch so ihre Probleme haben und dass ihre Schreibblockade nicht allein auf ihre Dissertation beschränkt ist, sondern sich auch auf ihre Rede auf die Braut auswirkt.

Klar, dass es Verwirrungen und Irrungen gibt auf dieser Hochzeit und ein Happy-End genremäßig unausweichlich ist. Auch wenn Leser*innen früh klar ist, in welche Richrung sich die Handlung entwickelt, ist "Wedding people" nett und angenehm zu lesen und bietet Charaktere, die nicht allzu klischeehaft daherkommen.

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Veröffentlicht am 29.07.2025

Die grauen Eminenzen hinter der Trump-Administration

Der Masterplan der Trump-Regierung
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Mit "Der Masterplan der Trump-Regierung" blickt David A Graham hinter die Kulissen rechtskonservativer Think Tanks und ihre Rolle als Chefideologen der Trump-Administration. Wobei der Autor zugeben muss ...

Mit "Der Masterplan der Trump-Regierung" blickt David A Graham hinter die Kulissen rechtskonservativer Think Tanks und ihre Rolle als Chefideologen der Trump-Administration. Wobei der Autor zugeben muss - so richtig steuern lässt sich ein unberechenbarer und impulsgesteuerter Mensch wie Trump, der weder zu logischem Denken noch zu echtem Politikverständnis neigt, eher nicht.

Doch zugleich ist Trump die Hoffnung ultrakonservativer Denker, da sich zumindest einige Punkte der jeweiligen Agenda überschneiden - etwa den Kurswechsel beim Thema Einwanderung, einer Schwächung von Kontrollinstanzen etwa der Gerichtsbarkeit und die zunehmende Ideologisierung auch der Mitarbeiter in Schlüsselministerien.

Mit Schulungen für den öffentlichen Dienst, so beschreibt Graham, habe die Heritage Foundation bereits Jahre von Trumps Wiederwahl dafür gesorgt, dass Kandidaten für Außen- und Verteidigungsministerium bereitstünden, die im öffentlichen Dienst Beamte ersetzen können, die der Sympathie für die Demokraten verdächtig sind. Zudem gibt es personelle Überschneidungen zwischen Analysten der Stiftung und Mitarbeitern der Trump-Administration.

Viele Vertreter der Stiftung werden als fundamentalchristlich mit traditionellen Familienwerten beschrieben - das dürfte auf Trump eher nicht zutreffen. Berührungspunkte gibt es dagegen beim Kampf gegen "Wokeness" und "Gender-Ideologie" - hier hat sich ja bereits in den ersten Stunden nach dem Amtseid gezeigt, dass Trump nur Cis-Geschlechtsnormen gelten lassen will.

Wird alles, was das "Projekt 2025" anstrebt, unter Trump durchgesetzt? Das wird die Zukunft zeigen. Dann aber dürfte die Verletzung der bisher bestehenden Rechte von Einwanderern, Minderheiten und queeren Menschen nur der Anfang sein. Mit einem Familienbild, das die Männer als Ernährer und die Frauen als Hausfrauen und Mütter sieht, drohen nicht nur Erfolge der Frauenbewegung rückgängig gemacht zu werden, sondern auch weibliche Selbstbestimmung über den eigenen Körper, wenn es etwa um Abtreibung geht. Eine beängstigende Vorstellung ist das allemal.

Veröffentlicht am 14.07.2025

Claire und ihr Hammer

My Life as a Serial Killer
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Wenn Claire durch Menschen buchstäblich hindurchblicken kann und sie gewissermaßen als Geister wahrnimmt, hat das nichts Gutes zu bedeuten. Denn Claire, künstlerisch begabt und auch durchaus ambitioniert, ...

Wenn Claire durch Menschen buchstäblich hindurchblicken kann und sie gewissermaßen als Geister wahrnimmt, hat das nichts Gutes zu bedeuten. Denn Claire, künstlerisch begabt und auch durchaus ambitioniert, hat mörderische Impulse und sieht keinerlei Sinn darin, sie nicht auszuleben. In Joanna Wallaces "My Life as a Serial Killer" hinterlässt sie eine Blutspur und blickt zurück auf eine mörderische Laufbahn, die im zarten Alter von sieben Jahren begann. Damals lernte sie den besonderen Nutzen eines Hammers kennen, ein Werkzeug, dass sie seitdem gerne bei sich führt.

Ein Mensch hat Claire bedingungslos geliebt, einschließlich ihrer finsteren Seite - ihr vor kurzem verstorbener Vater, der in den letzten Jahren seines Lebens an präseniler Demenz litt. In dieser Lage macht Claire etwas, was eigentlich nicht ihrer Art entspricht: Sie schließt sich einer Trauergruppe an, kurz nach dem letzten Mord, wegen dem sie dummerweise erpresst wird - von einem weiteren Mitglied der Gruppe.

Irgendwie klar, dass das für die Erpresserin nicht gut enden kann. Doch irgendwie hat noch jemand Wissen von Claires Aktivitäten. Hat die Trauer sie unvorsichtig gemacht? Können die Durchschnittsmenschen, wie Claire die Normalos um sich herum nennt, doch komplexer sein als gedacht und ihre dunkle Seite wahrnehmen? Und wie viele Menschen muss sie noch umbringen, bis sie endlich ihre Ruhe hat?

"My Life as a serial killer" hat bitterbösen britischen Humor und durchaus komische Seiten, wenn Claire quasi im Plauderton als Ich-Erzählerin übers Morden erzählt und Betrachtungen über die seltsame Welt der Durchschnittsmenschen anstellt. Klar, so richtig sympathisch ist eine Serienkillerin nicht. Die Frage, wer als nächstes dran glauben muss und ob Claire endgültig enttarnt wird, sorgt aber dennoch für spannende Unterhaltung.

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Veröffentlicht am 28.06.2025

Verzweifelte Suche

Die Angst, die niemals endet
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Mit "Die Angst, die niemals endet" hat Alex Smith den Abschluss seiner Robert Kett-Triologie um einen Ermittler geschrieben, der die eigene Ehefrau sucht und dabei auch noch die Herausforderungen des ...

Mit "Die Angst, die niemals endet" hat Alex Smith den Abschluss seiner Robert Kett-Triologie um einen Ermittler geschrieben, der die eigene Ehefrau sucht und dabei auch noch die Herausforderungen des Lebens als alleinerziehender Vater dreier lebhafter Töchter in einem nicht gerade familienfreundlichen Beruf meistern muss. Nachdem es in den ersten beiden Büchern vage Andeutungen auf den Mann gab, der hinter dem Verschwinden von Ketts Ehefrau steckt, gibt es nun eine erste Spur. Fünf Monate nach der Entführung findet sich eine DNA-Spur und das Telefon der Vermissten in einer Londoner Villa - aber auch Hinweise, dass in dem Haus Furchtbares passiert ist.

Die Angst, mit der Kett seit fast einem halben Jahr lebt, dauert jedenfalls an, denn er kann nicht wissen, ob seine Frau lebt oder nicht. Der Autor gibt den Leser*innen einen Wissensvorsprung, ohne allerdings zu viel zu verraten. Denn der geheimnisvolle Pigman scheint den Ermittlern immer um eine Nasenlänge voraus zu sein. Wie bereits in den Vorgängerbänden nimmt Kett wenig Rücksicht auf offizielle Dienstwege und setzt das eigene Leben aufs Spiel, ohne sich Gedanken über die möglichen Konsequenzen für seine drei kleinen Töchter zu machen.

Die Suche Ketts nach seiner Frau entwickelt sich immer mehr zu einer einsamen Jagd gegen den Willen seiner Vorgesetzten. Doch je näher Kett der Lösung seines persönlichsten Falles kommt, desto größer könnte der Preis werden, den er für die Wahrheit zahlen muss.

Der dritte Band bringt noch einmal jede Menge Spannung auf. Das Verhalten Ketts ist vielleicht nicht immer nachvollziehbar, Adrenalin wird aber auch beim Lesen reichlich ausgeschüttet.

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