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Veröffentlicht am 15.07.2025

Reise durch Schweden

Im Land der Mitternachtssonne
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Der bekannte dänische Schriftsteller und Dichter Hans Christian Andersen (1805 – 1875) bereist gerne ferne Länder, neben Deutschland, Schweiz, England oder Italien auch mehrmals das benachbarte Schweden. ...

Der bekannte dänische Schriftsteller und Dichter Hans Christian Andersen (1805 – 1875) bereist gerne ferne Länder, neben Deutschland, Schweiz, England oder Italien auch mehrmals das benachbarte Schweden. Was er dort erlebt, wird in diesem schmucken Büchlein bildhaft dargestellt.

Abwechslungsreich und informativ geht es zu markanten Schauplätzen. Wir lassen uns vom Frühlingswind antreiben und steigen in ein Dampfschiff, reisen alsdann mit einer Pferdekutsche weiter und gehen streckenweise auch einmal zu Fuß. Birkenwälder und weite Felder erfreuen unser Auge, Diskussionen über vergangene schwedisch-dänische Kämpfe und darauffolgenden Waffenstillstand, Geschichten über Trolle und Berggeister dringen an unser Ohr, zukunftsträchtige Technologien wecken Andersens Neugierde, lassen ihn Hammerschmieden und Bergwerke ebenso besichtigen wie eine schwindelerregende Fahrt mit einem Korb an einer eisernen Kette ausprobieren. Die Gastfreundschaft in Schweden ist herausragend, fast überall stößt man auf auskunftsfreudige Menschen und so lernt der Reisende viel Historisches und Sagenhaftes kennen, das später verwoben werden kann zu eigenen Texten und Märchen.

Mit poesiebehafteten Eindrücken und beschwingten Formulierungen wird der Leser mitgenommen auf ein spannendes Abenteuer im 19. Jahrhundert und lernt auf diese Weise nicht nur Schweden sondern auch den bekanntesten Dichter Dänemarks näher kennen. Ein schöner Blickwinkel auf fremde Gegenden und entsprechende Kulturen. Lesenswert.


Veröffentlicht am 13.07.2025

Der Wald

Der Trailer
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Lisa will ihren Belgientrip mit einer Besonderheit abschließen, mit einer Wanderung im Hohen Venn. Dazu mietet sie übers Wochenende einen Trailer am nahen Campingplatz Donkerbloem, von dem sie aber nie ...

Lisa will ihren Belgientrip mit einer Besonderheit abschließen, mit einer Wanderung im Hohen Venn. Dazu mietet sie übers Wochenende einen Trailer am nahen Campingplatz Donkerbloem, von dem sie aber nie zurückkehrt – oder kehrt sie nie zurück vom Hohen Venn?

Mystisch und dunkel ist es im Wald, der Wind neigt Baumkronen, bringt Blätter zum Rauschen und bewahrt jedes Geheimnis für die Ewigkeit. Wenn Bäume erzählen könnten, … - aber das tun sie nicht, und so forscht eine suspendierte Kommissarin vierzehn Jahre später nach, was sich an besagtem Wochenende im Jahre 2011 in Donkerbloem zugetragen haben könnte. Ein Podcast, ein verruchter Barbesitzer aus Köln und andere Gestalten, die nicht unbedingt sympathisch zu nennen sind, begegnen dem Leser hier und wecken trotz aller Abneigung, ihnen im realen Leben über den Weg zu laufen, die Neugierde, mehr über sie und die Vorgänge rund um den Campingplatz zu erfahren. Und das zahlt sich mehr als nur aus, der Trailer birgt fesselnde Szenen, durchaus an einigen Stellen brutal, großartige Figuren und Überraschungen, die einen sprachlos staunen lassen. Mit einnehmenden Worten und wechselnden Perspektiven geht es flott dahin in Belgien und Deutschland, scheint alles klar und doch so falsch, dass man kleben bleibt an den Seiten, bis das letzte Kapitel zu Ende ist. Spannung pur rahmt Themen ein, die alltäglich sind, Opfer und Täter handeln unlogisch und doch psychologisch erklärbar, auch Unanständige kann man im Kern mögen, weil nichts nur schwarz oder weiß ist.

Wenn man Thriller liebt, muss man den „Trailer“ gelesen haben, einziger Wermutstropfen – der Folgeband erscheint erst Anfang 2026.

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Veröffentlicht am 09.07.2025

Die Herkunft

Das Pestmädchen und der Medicus
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Lina ist nach Gernots Tod Henkerswitwe und nach wie vor eine Unehrliche. Ihre Liebe zum Wundarzt Ulrich muss sie sich verbieten, ist er doch mit der Ratsherrentochter Angela verheiratet und somit unerreichbar. ...

Lina ist nach Gernots Tod Henkerswitwe und nach wie vor eine Unehrliche. Ihre Liebe zum Wundarzt Ulrich muss sie sich verbieten, ist er doch mit der Ratsherrentochter Angela verheiratet und somit unerreichbar. Nach dem Überfall in der Badestube und dem Brandanschlag auf ihr Wohnhaus ist Lina sicher, dass ihr irgendjemand nach dem Leben trachtet. Spannend geht es weiter.

Nahtlos schließt Band 2 an die bisherigen Ereignisse an und lässt Augsburg im Jahre 1462 lebendig werden. Abgerissene Bettler, Beutelschneider und Huren kämpfen täglich ums Überleben, im Spital ringt man wieder einmal mit dem Schwarzen Tod und die Reichen sind der Meinung, sich alles kaufen und richten zu können. Mitten drinnen in diesem Ort der Gegensätze nimmt die junge Witwe Lina ganz alleine ihr Schicksal in die Hand und erwirtschaftet Geld mit der Herstellung von Salben und Pflastern, verkauft Armsünderfett und Fingerknöchelchen am Markt, bis ein Einbrecher ihr an die Gurgel will. Voll Angst flüchtet sie sich zum Bettlerkönig der Stadt, nicht wissend, in welch missliche Lage sie sich damit selbst begibt.

Mit vielen historisch belegten Einzelheiten besticht Silvia Stolzenburg einmal mehr und fesselt ihre Leser mit spannenden Szenen aus dem Spätmittelalter. Lina als überaus tapfere Frau hat einige Hürden zu überwinden, nicht zuletzt will sie endlich wissen, wer ihre Mutter ist und warum sie im Findelhaus aufwachsen musste. Besonders realistisch wird ihr steiniger Weg geschildert, von der Abhängigkeit und Unfreiheit einer Frau erzählt Stolzenburg ebenso wie von den typischen Behandlungsmöglichkeiten der Beulenpest und von der Annahme, dass es sich um eine Strafe Gottes für die fehlbaren Sünder handelt. Eingebettet in diesen überaus atmosphärischen Rahmen erleben wir hautnah Linas bange Wochen nach dem Tod von Gernot und fiebern mit ihr mit, wie sie fortan leben wird, in steter Angst vor einem weiteren Überfall, der mit ihrer Herkunft zusammenhängen dürfte. Böse ist das Ende von Band 2, denn es ist noch nicht das Ende!

Ein aufregender Teil der Reihe „Das Pestmädchen“, der einen beim Lesen in Atem hält und hoffen lässt, dass Teil 3 alsbald erscheint. Ich spreche eine Empfehlung aus, am besten im Anschluss an den ersten Band.



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Veröffentlicht am 30.06.2025

Für immer Single

Kein Herzensbrecher ist auch keine Lösung
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Roxy hat sich gut eingelebt in Dubai, wohnt mit ihrem Freund in einer netten, kleinen Wohnung mit Blick auf den Burj Khalifa und klettert erfolgreich und zielstrebig die Karriereleiter hoch. Dazu versteht ...

Roxy hat sich gut eingelebt in Dubai, wohnt mit ihrem Freund in einer netten, kleinen Wohnung mit Blick auf den Burj Khalifa und klettert erfolgreich und zielstrebig die Karriereleiter hoch. Dazu versteht sie sich auch noch sehr gut mit ihren Vorgesetzen und Kollegen, insbesondere Luke, „Single für immer“ und notorischer Herzensbrecher hat stets gute Laune und ein offenes Ohr für alle Fälle.

Die wunderbare Kulisse Dubais mit den Gegensätzen zwischen moderner Stadt und wilder Natur findet auch hier wieder Platz in einer lesenswerten Geschichte. Mit viel Liebe zum Detail und persönlichen Eindrücken bringt Karin Lindberg ihren Lesern diesen Flecken Erde nahe und weckt Neugierde, sofern man selbst noch nicht da gewesen ist. Flüssig beschreibt die engagierte Autorin ihre Figuren und bringt dabei viele Emotionen ins Spiel, auch tiefgreifendere Themen wie Adoption und Selbstzweifel werden mit beachtlicher Leichtigkeit in die süße Liebesgeschichte eingeflochten. Insbesondere Roxy und Luke sind überaus authentisch in ihrem Auftreten, sodass man sich sehr gut in sie hineinversetzen kann. Wer den Vorgängerband gelesen hat, wird sich gerne auch an alle anderen Personen erinnern.

Ein wunderbarer Roman, der Tiefgründiges und Humorvolles auf bewährte Weise von Karin Lindberg verknüpft und dabei großes Lesevergnügen bietet. Empfehlung!

Veröffentlicht am 28.06.2025

Auf Zeit

Sommerschneeflocke
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Nach einer einzigen gemeinsamen Nacht ist Marlen schwanger, ausgerechnet vom Frauenhelden Theo, der stets mit einer anderen Schönheit gesehen wird. Nun steht Marlen vor der Entscheidung, wie sie mit der ...

Nach einer einzigen gemeinsamen Nacht ist Marlen schwanger, ausgerechnet vom Frauenhelden Theo, der stets mit einer anderen Schönheit gesehen wird. Nun steht Marlen vor der Entscheidung, wie sie mit der Situation umgehen soll und wird bald mit einer erschütternden Tatsache konfrontiert, welche ihr Leben vollends auf den Kopf stellt.

Mit einem tagebuchähnlichen Brief beginnt dieser Roman, der geprägt ist von emotionalen Momenten und mit überaus berührenden Szenen endet. Dazwischen spielt sich eine schicksalhafte Geschichte ab, die nicht nur den handelnden Figuren, sondern auch dem Leser einiges abverlangt, denn es geht um eine ungewöhnliche Schwangerschaft, die wir hier erleben und um Entscheidungen, die wohl kaum jemand leichtfertig treffen wird. Marlen befindet sich in einer scheinbar ausweglosen Situation, wird aber bald von einigen Personen in ihrem ganz persönlichen Umfeld überrascht und auf ihrem Weg begleitet, allerdings spricht Theo immer wieder von einer Beziehung auf Zeit, während der er für Marlen da sein kann, zu mehr ist er nicht bereit. Seine Beweggründe jedoch hält er geheim, will Marlen nicht mit seiner Vergangenheit belasten.

Besonders gut gelungen ist die Verquickung der Erzählung mit früheren Ereignissen, wobei erst im Laufe der Zeit klar wird, um wen es hier geht und in welchem Zusammenhang die unterschiedlichen Handlungsstränge stehen. Der Einfluss der (Nach)Kriegsgeneration auf deren Kinder und Kindeskinder wird hervorragend herausgearbeitet und lässt so manches Tun - für einige Personen erst spät - verständlich erscheinen. Lotte R. Wöss wählt einfühlsame Worte ohne dabei kitschig oder sentimental zu werden, schafft stets die passende Atmosphäre und zeigt ihre Charaktere überaus realistisch in dieser herausfordernden Lebensphase, in welcher widerstreitende Gefühle und ein Hadern zwischen Richtig und Falsch den Alltag bestimmen. Unterschiedliche Meinungen werden in die Runde geworfen und diskutiert, breit gefächerte Themen rund um Leben und Tod, Freude und Trauer, Liebe und Zweifel, Ethik und Glauben fließen mit ein in die abwechslungsreiche Handlung, die einen rasch in ihren Bann zieht. Besonders gegen Ende hin verschwimmen mitunter auch einmal die Zeilen vor den tränenden Augen, obwohl doch eigentlich das Positive in all der Tragik hervorgehoben wird. Und genau das ist das Schöne an diesem Roman: er zeigt besondere Wege der Hoffnung und die vielfältigen Möglichkeiten, seinen ganz individuellen Umgang mit schwierigen Situationen zu finden.

Der Titel Sommerschneeflocke weckt Neugierde und ist besonders treffend gewählt, die höchst aufwühlende Geschichte hinter dem hübschen Titelbild lässt wohl kaum jemanden kalt und spricht Dinge an, welche gern verschwiegen und im Verborgenen bleiben. Tief berührt und durch neue Sichtweisen sensibilisiert werde ich mich noch länger an die Zeit mit Marlen, Theo und Niva erinnern und spreche daher eine Leseempfehlung aus für all jene, die sich mit Themen wie schweren Krankheiten und Fehlbildungen bei Ungeborenen bis hin zum Kindstod auseinandersetzen möchten.


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