Auslandskorrespondent
Deine MargotNach der Beerdigung ihres Vaters findet Vilja alte Briefe, die ihr Vater mehr als zwanzig Jahre aufbewahrt hatte. Ihre Mutter reagiert abweisen als Vilja fragt, was die Briefe zu bedeuten haben. Wer soll ...
Nach der Beerdigung ihres Vaters findet Vilja alte Briefe, die ihr Vater mehr als zwanzig Jahre aufbewahrt hatte. Ihre Mutter reagiert abweisen als Vilja fragt, was die Briefe zu bedeuten haben. Wer soll ihren Vater als Erich angeredet haben und unterschrieb mit Margot? Als sie ein Kind war hat Viljas Familie eine zeitlang in Ost-Berlin gewohnt. Noch vor der Wende sind sie wieder zurück in ihre Heimat nach Finnland gezogen. Vilja macht sich auf den Weg nach Berlin, um Spuren ihrer Eltern aufzuspüren. Es ist 2011 und nach der langen Zeit ist es schwierig etwas zu finden. Vilja lässt aber nicht locker.
Eine junge Finnin reist in ihre eigene Vergangenheit und damit auch in die damals noch existierende DDR, von deren Untergang im Jahr der Ankunft 1981 noch nichts zu ahnen war. Markus, Viljas Vater war Journalist bei einer sozialistischen finnischen Zeitung. Er wollte berichten, wie gut es in dem sozialistischen Deutschland läuft. Markus findet schnell Kontakt in Ost-Berlin, seiner Frau Rosa fällt das nicht so leicht, doch auch sie findet eine gute Freundin. Vilja ist zu diesem Zeitpunkt erst zwei Jahre und ihr Bruder Matias vier.
Eine richtig coole Idee ist es, die Wendezeit mal von außen zu betrachten. Eine finnische Autorin, die in ihrer Kindheit tatsächlich in Ost-Berlin lebte, schreibt über eine Kindheit im Osten Deutschlands, über eine Familie, einen Auslandskorrespondenten und verschiedene Bürger der DDR. Es entspinnt sich eine Familiengeschichte, die spannend ist, aber auch einige Rätsel aufgibt. Dazu wird über die damals aktuelle politische Lage berichtet. Die Menschen, die in Ost-Berlin lebten, waren danach recht zufrieden mit ihrem Leben. Aus heutiger Zeit fragt man sich schon, in welchen Kreises sich Menschen aus dem Ausland bewegen durften, auch wenn sie eine sozialistische Einstellung hatten. Die Darstellung wirkt etwas verklärend. Die Geschichte von Viljas Familie ist dagegen, wenn auch manchmal etwas zu ausführlich, so doch grundsätzlich spannend und dramatisch. Ob man dem allen jedoch so folgen kann, wenn man die Wendezeit bewußter erlebt hat, muß man beim Lesen selbst entscheiden. Anstaunten eine tolle Idee, aus der sich eine fesselnde Geschichte entwickelt.