Trügerische Erinnerungen
Before we were innocentBess hat Joni seit langer Zeit nicht mehr gesehen, nicht seit die gemeinsame Freundin Evangeline vor zehn Jahren im Urlaub auf der griechischen Insel Mykonos tödlich verunglückt ist. Damals standen Bess ...
Bess hat Joni seit langer Zeit nicht mehr gesehen, nicht seit die gemeinsame Freundin Evangeline vor zehn Jahren im Urlaub auf der griechischen Insel Mykonos tödlich verunglückt ist. Damals standen Bess und Joni unter Verdacht, wurden allerdings von jeder Schuld freigesprochen. Nun fordert Joni bei Bess einen Gefallen ein, sie soll ihr ein Alibi geben, ohne zu erfahren, um was genau es geht. Denn Bess steht in Jonis Schuld seit der Tragödie vor einem Jahrzehnt, als beide einen Pakt geschlossen und gelogen haben.
»Wir sind wieder da, wo wir so unbedarft und schamlos und lebendig sein konnten, wie wir wollten, keinen Gedanken daran zu verschwenden, uns zu zügeln oder dass irgendetwas davon uns je wieder einholen könnte.« (Seite 331)
Die Übersetzung des englischen Titels lautet »Bevor wir unschuldig wurden« und genau darum handelt das Buch. Drei Freundinnen fahren in den Urlaub, nur zwei von ihnen kehren zurück. Was dort passiert, erfahren wir auf zwei Zeitebenen und aus der Sicht von Bess, die sich quälend langsam daran erinnert und uns daran teilhaben lässt. Für mich war der langsame Aufbau des Buches noch knapp im Rahmen, man muss aber schon mögen, dass der Weg zur Auflösung schwierig und langwierig ist. Wer durchhält, erhält eine großartige Story über das Älterwerden, die Freundschaft und darüber, was passiert, wenn ein ungleiches Verhältnis herrscht zwischen drei Personen, die befreundet, aber eigentlich ziemlich unterschiedlich sind. In der zweiten Hälfte zieht das Tempo dramatisch an, Geheimnisse kommen ans Licht und meine Vermutungen lösen sich im Nichts auf. Einige großartige Wendungen später komme ich ans Ziel und lege das Buch zufrieden und beglückt zur Seite.