Profilbild von mimitatis_buecherkiste

mimitatis_buecherkiste

Lesejury Star
online

mimitatis_buecherkiste ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit mimitatis_buecherkiste über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.09.2025

Trügerische Erinnerungen

Before we were innocent
0

Bess hat Joni seit langer Zeit nicht mehr gesehen, nicht seit die gemeinsame Freundin Evangeline vor zehn Jahren im Urlaub auf der griechischen Insel Mykonos tödlich verunglückt ist. Damals standen Bess ...

Bess hat Joni seit langer Zeit nicht mehr gesehen, nicht seit die gemeinsame Freundin Evangeline vor zehn Jahren im Urlaub auf der griechischen Insel Mykonos tödlich verunglückt ist. Damals standen Bess und Joni unter Verdacht, wurden allerdings von jeder Schuld freigesprochen. Nun fordert Joni bei Bess einen Gefallen ein, sie soll ihr ein Alibi geben, ohne zu erfahren, um was genau es geht. Denn Bess steht in Jonis Schuld seit der Tragödie vor einem Jahrzehnt, als beide einen Pakt geschlossen und gelogen haben.

»Wir sind wieder da, wo wir so unbedarft und schamlos und lebendig sein konnten, wie wir wollten, keinen Gedanken daran zu verschwenden, uns zu zügeln oder dass irgendetwas davon uns je wieder einholen könnte.« (Seite 331)

Die Übersetzung des englischen Titels lautet »Bevor wir unschuldig wurden« und genau darum handelt das Buch. Drei Freundinnen fahren in den Urlaub, nur zwei von ihnen kehren zurück. Was dort passiert, erfahren wir auf zwei Zeitebenen und aus der Sicht von Bess, die sich quälend langsam daran erinnert und uns daran teilhaben lässt. Für mich war der langsame Aufbau des Buches noch knapp im Rahmen, man muss aber schon mögen, dass der Weg zur Auflösung schwierig und langwierig ist. Wer durchhält, erhält eine großartige Story über das Älterwerden, die Freundschaft und darüber, was passiert, wenn ein ungleiches Verhältnis herrscht zwischen drei Personen, die befreundet, aber eigentlich ziemlich unterschiedlich sind. In der zweiten Hälfte zieht das Tempo dramatisch an, Geheimnisse kommen ans Licht und meine Vermutungen lösen sich im Nichts auf. Einige großartige Wendungen später komme ich ans Ziel und lege das Buch zufrieden und beglückt zur Seite.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.09.2025

Abschluss der Trilogie

Wild nach einem wilden Traum
0

»Ich glaube, ich habe in meinem Leben nie vor Kreuzungen gestanden und in aller Ruhe überlegt. Ich bin einfach weiter und weiter gegangen, vielleicht sogar gerast, wie ich auch in die Liebe gerast bin, ...

»Ich glaube, ich habe in meinem Leben nie vor Kreuzungen gestanden und in aller Ruhe überlegt. Ich bin einfach weiter und weiter gegangen, vielleicht sogar gerast, wie ich auch in die Liebe gerast bin, und irgendwann, später, dreht man sich um und ist erstaunt.« (Seite 8)

Nach einem großartigen »Das Vorkommnis« sowie etwas schwächerem »Das Liebespaar des Jahrhunderts« schließt Julia Schoch mit dem vorliegenden Buch ihre Trilogie ab. In der Ich-Perspektive reist die namenlose Erzählerin auch diesmal in die Vergangenheit und seziert bestimmte Begegnungen, Gespräche und Vorkommnisse, wie sie dies schon in den ersten beiden Teilen getan hat.

»Ich will meine Erinnerung nicht abgleichen mit der Gegenwart. Vermutlich, weil ich weiß, dass ich nicht weiterschreiben könnte, wenn ich die Wahrheit kennen würde.«

Ein katalanischer Schriftsteller sowie ein Soldat nehmen den meisten Raum ein, ihre Erinnerungen mal klar, mal verworren, wie Erinnerungen es nun mal sind. Vergessenes kommt zum Vorschein, eine erneute Begegnung könnte Klarheit bringen und wieder kommen Fragen auf nach diesem und jenem, besonders aber nach dem Sinn. Es macht Spaß, der Erzählerin dabei zuzuhören, ihren Gedanken nachzuspüren, zu erfahren, wie sie rückwirkend reflektiert. Mir hat der Abschluss sehr gefallen, ich freue mich auf weitere Bücher der Autorin, will erfahren, welche Irrtümer ihr noch eingefallen sind.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.08.2025

Fiktiv, aber durchaus real

Mut beginnt im Herzen
0

»Das alles ist so irrational, und es wundert mich nicht, dass mich kaum jemand verstehen kann. Vermutlich kann man das alles nur nachvollziehen, wenn man selbst mit Ängsten zu tun und Ähnliches schon erlebt ...

»Das alles ist so irrational, und es wundert mich nicht, dass mich kaum jemand verstehen kann. Vermutlich kann man das alles nur nachvollziehen, wenn man selbst mit Ängsten zu tun und Ähnliches schon erlebt hat. In Momenten, in denen es mir gut geht, kann ich es selbst nicht richtig begreifen.« (Seite 109)

Stell dich nicht so an, reiß dich mal zusammen, das kann alles doch gar nicht so schlimm sein. Alles Sätze, die jeder schon einmal gehört und auch anderen gesagt hat, davon bin ich überzeugt und schließe mich dabei selbst nicht aus. Aber wie ist das für Betroffene, wenn es um etwas geht, das nicht sichtbar, nicht greifbar, sondern unbegreiflich und kaum zu erklären ist? Tessa Randau greift im vorliegenden Buch auf die eigene Erfahrung zurück, sie weiß also, wovon sie schreibt, auch wenn die Geschichte selbst fiktiv ist. Alles fängt mit einer Panikattacke an, ganz plötzlich, ohne Vorwarnung, und ab da ist das Leben nicht mehr so wie es vorher war. Dieses Buch ist kein Ratgeber, kann Betroffenen aber Mut machen und sie dazu bringen, über ihr eigenes Leben nachzudenken, Entscheidungen zu reflektieren und das ein oder andere anstoßen, damit es anders wird. Angst und Angststörungen waren für mich persönlich zum Glück bisher nie ein Thema, aber nach dieser Lektüre hat sich mein Blickwinkel verschoben und ich verstehe besser, um was es dabei geht. Danke dafür.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.06.2025

Ein letztes Versprechen

In tiefster Nacht
0

Vor zweiundzwanzig Jahren hatte Sami Kierce eine traumatische Erfahrung, als er eines Morgens aufwachte und seine Begleitung tot neben sich auffand, in der eigenen Hand ein Messer voller Blut. Mittlerweile ...

Vor zweiundzwanzig Jahren hatte Sami Kierce eine traumatische Erfahrung, als er eines Morgens aufwachte und seine Begleitung tot neben sich auffand, in der eigenen Hand ein Messer voller Blut. Mittlerweile ist Kierce verheiratet, als Detective suspendiert und unterrichtet Kriminologie, als plötzlich das Mädchen von damals, nun eine erwachsene Frau, in seinem Kurs auftaucht und wieder verschwindet. Neben der Erleichterung darüber, dass Anna lebt, erwacht in Kierce das Verlangen danach, herauszufinden, was damals in Spanien geschah.

Seit Jahrzehnten ist Harlan Coben ein Garant für Thriller voller überraschender Wendungen und dafür, dass ich für seine Bücher gerne die Nacht zum Tag mache, weil ich sie nicht aus der Hand legen kann. Auch mit dem vorliegenden Buch war es nicht anders, der Autor ließ den sympathischen Sami erzählen und erhöhte die Spannung dadurch, dass dieser hier was wegließ, da etwas verschwieg und dort mit Absicht eine Kleinigkeit vergaß. Zusammen mit dem großartigen Humor ergab dies eine aufregende Geschichte, die mich in den Wahnsinn trieb, weil ich so dringend wissen wollte, was damals wirklich geschah. Der einzige Kritikpunkt ist der, dass Sami manchmal zu ausschweifend war. Insgesamt aber ein toller Thriller, nach dessen Ende es bei mir Diskussionsbedarf gab. Lesenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.05.2025

Mörderisch gut!

Outback – Niemand hört dich schreien
0

Ein Pärchen aus Deutschland verschwindet im australischen Outback, Detective Sergeant Lucas Walker, der aus familiären Gründen in der Gegend ist, wird von seinem Chef beauftragt, die Vermissten zu suchen. ...

Ein Pärchen aus Deutschland verschwindet im australischen Outback, Detective Sergeant Lucas Walker, der aus familiären Gründen in der Gegend ist, wird von seinem Chef beauftragt, die Vermissten zu suchen. Rita Guerra, die Schwester der jungen Frau, reist ebenfalls an und mischt sich in die Ermittlungen ein. Zusammen mit Walker stößt sie auf die Spur weiterer vermisster Mädchen, was darauf schließen lässt, dass im Outback ein Serientäter sein Unwesen treibt.

Das Buch fing sehr gemächlich an, die Autorin baute nur langsam eine Spannung auf, es brauchte viele Seiten, bis es tatsächlich losging und noch ein bisschen länger, bis es so richtig knallt. Zum einen hing dies damit zusammen, dass es sich beim vorliegenden Thriller um den ersten Teil der Reihe mit DS Lukas Walker handelt, sodass der Charakter ausführlicher vorzustellen war. Zum anderen aber war die Geschichte keine, die schnell erzählt werden kann; die unwirtliche Gegend, die Dürre und die unglaubliche Hitze beanspruchten ihren Platz, dazu noch die vielen Schauplätze, die erkundet werden mussten, falsche Fährten inbegriffen, dies alles brauchte seine Zeit. Mir hat das nichts ausgemacht, denn Patricia Wolf hat ein Talent dafür, großartige Bilder vor meinen Augen entstehen zu lassen, die mich förmlich schwitzen ließen unter der Sonne Australiens, mich fühlen ließen, wie es sein muss, diesem Klima ausgesetzt zu sein.

Insgesamt ein toller Start der Buchreihe, der mich wunderbar unterhalten und mit der Auflösung punkten konnte. Für mich als riesiger Fan von Geschichten aus dem Outback genau das richtige Buch, sodass ich hoffe, dass es weitere Übersetzungen geben wird, zumal im Original demnächst bereits der vierte Band erscheint. Lesenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere