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Veröffentlicht am 29.03.2024

Eine kurze Geschichte über das Leben zweier Frauen welche zwischen Familie, Karriere und einer Krebsdiagnose stehen.

Im Winter gibt es keine Stachelbeeren mehr
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Ich stelle mir vor: Am Ende schaut man auf sein Leben wie auf ein Röntgenbild. Die Stellen, wo die radioaktiven Strahlen nicht von etwas Wesentlichem absorbiert werden, erscheinen schwarz. Wann ist es ...

Ich stelle mir vor: Am Ende schaut man auf sein Leben wie auf ein Röntgenbild. Die Stellen, wo die radioaktiven Strahlen nicht von etwas Wesentlichem absorbiert werden, erscheinen schwarz. Wann ist es zu spät, die schwarzen Löcher zu füllen?

Das Buch umfasst zwei ähnliche Geschichten die sich um das Alltägliche Leben von Sonja und Ronja drehen.

Es handelt von der Kindheit der Protagonistinnen, viel um die Karriere und ihre Familie und schlussendlich um den Krebs. Nachdem die Geschichte um Sonja abgeschlossen ist. Wiederholt sich das Geschehen mit der Protagonistin namens Ronja und enthält einen alternativen Verlauf.

Schreibstil :

Das Buch ist in sehr kurzen Kapiteln von 1-3 Seiten geschrieben dies ermöglichte, kurze Erlebnisse zu erzählen. Einige Kapitel gehen im Verlauf weiter. Es gibt oft Sätze, die sehr kurz verfasst sind, die damit einem Tagebucheintrag ähneln.

Fazit:

Es hat Spaß gemacht mehr über die Charaktere zu erfahren da mir der Schreibstil meistens gefallen hat. Insbesondere die Kapiteltitel.

Zuerst war ich von den kurzen Kapiteln begeistert, aber während des Lesens fiel es mir schwer mich in eine Situation rein zu lesen, da sie nach maximal 3/4 Seiten bereits wieder vorbei war. Drei Kapitel später ging das erlebte manchmal dann weiter. An manchen Momenten gefielen mir diese kurzen Momente, aber leider konnten mich nicht alle davon überzeugen.

Dadurch das dieses Buch in zwei geteilt ist; war es mir zu kurz, um voll in die Geschichte einzutauchen. Aber die Thematik hat mich trotzdem zum denken angeregt und die beiden Enden sind interessant verfasst. Nachdem man das liest, denkt man höchstwahrscheinlich über sein eigenes Lebens nach und hinterfragt seine eigenen Entscheidungen fürs Leben.

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Veröffentlicht am 22.10.2025

Ideen zum Verlieben, Sätze zum Verzweifeln

Musenrausch (Nektar und Ambrosia, Band 1)
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Einstieg und Erwartungen

Ich bin sehr freudig in diese Geschichte hineingestartet. Ich hatte mir im Vorfeld kaum etwas über das Buch durchgelesen, sondern wollte mich einfach von der Geschichte berieseln ...

Einstieg und Erwartungen

Ich bin sehr freudig in diese Geschichte hineingestartet. Ich hatte mir im Vorfeld kaum etwas über das Buch durchgelesen, sondern wollte mich einfach von der Geschichte berieseln lassen. Thematisch hat mich Musenrausch sofort angesprochen: griechische Mythologie, Kreativität, Musen und Kunst, das klang für mich nach einem ruhigen, cosy Fantasyroman mit magischen Elementen.

Doch tatsächlich hat mich der Einstieg überrascht. Statt einer sanft aufbauenden Geschichte wurde ich direkt mit Spannung, Action und einer unerwartet rasanten Entwicklung konfrontiert. Das hat mich zwar überrascht, aber auch positiv eingenommen – ich mag es, wenn ein Buch mich aus meiner Erwartungshaltung reißt.

Schreibstil und Perspektiven

Das Buch wird aus mehreren Perspektiven erzählt, wobei Wanda ganz klar im Zentrum steht. Sie ist die Hauptprotagonistin und hat den größten Anteil. Es gibt zwei weitere Nebencharaktere, die nur einzelne Kapitel bekommen, sowie eine Figur, die etwas häufiger zu Wort kommt. Trotzdem bleibt der Fokus deutlich auf Wanda, was ich grundsätzlich positiv fand, weil man sich stärker in sie hineinversetzen kann. Die anderen Perspektiven fühlten sich eher wie kleine „Bonbons“ an, eine Belohnung zwischendurch, die kurz Abwechslung bringt, aber nie die Hauptlinie verlässt.Trotz der verschiedenen Erzählebenen konnte ich leider zu keinem der Charaktere wirklich eine emotionale Verbindung aufbauen. Zwar wird das Buch komplett in der Ich-Perspektive erzählt, was eigentlich Nähe schafft, aber hier blieb diese Distanz bestehen.

Der Schreibstil selbst war für mich die größte Herausforderung. Schon auf den ersten Seiten fiel mir auf, dass die Autorin extrem viele Kommas und Nebensätze verwendet, oft in einer Form, die den Lesefluss massiv stört. Häufig folgen aufeinander verschachtelte Konstruktionen mit „hätte“, „würde“ und mehreren Einschüben, die nur lose mit dem Hauptsatz verbunden sind. Das führte dazu, dass ich viele Passagen mehrfach lesen musste, um sie wirklich zu verstehen und das, obwohl ich Deutsch-Muttersprachlerin bin.

Ich hatte stellenweise den Eindruck, dass manche Sätze grammatikalisch nicht ganz korrekt oder zumindest sehr ungewöhnlich formuliert waren. Besonders in Dialogen kam ich kaum hinterher, weil sie für mich unnatürlich wirkten. Erst auf den letzten 50 Seiten wurde der Stil für mich deutlich flüssiger und verständlicher, fast so, als hätte sich etwas im Schreibprozess der Autorin verändert.

Ein weiterer Punkt: Die Kapitelstruktur. Anfangs waren die Kapitel angenehm kurz (rund zehn Seiten), später wurden sie deutlich länger – teilweise bis zu 24 Seiten. Dadurch zog sich das Lesen für mich sehr. Ich konnte oft nur ein Kapitel pro Abend schaffen, was bei der sprunghaften Handlung schnell dazu führte, dass ich den Anschluss verlor. Für mich war der Lesefluss dadurch stark beeinträchtigt.

Welt, Setting und Atmosphäre

Besonders reizvoll fand ich, dass Musenrausch in Deutschland, genauer gesagt in Hamburg, spielt. Ich war selbst schon dort und konnte mir einige Orte direkt vorstellen. Das hat der Geschichte einen spannenden Wiedererkennungswert gegeben. Die Kombination aus der Realität, und dem Fantastischen, hat mich zu Beginn richtig begeistert. Für mich war das eine schöne Atmosphäre.

Allerdings verlor sich dieses Gefühl nach etwa 50 bis 100 Seiten. Die Handlung wurde zunehmend sprunghaft. Es gibt Portalreisen, magische Orte, neue Welten, aber der rote Faden, wo wir uns gerade befinden oder warum, ging für mich verloren. Ich konnte mir die Szenen kaum noch bildlich vorstellen. Anfangs noch klar und greifbar, verwandelte sich das Setting später in eine Art leerer Raum in meinem Kopf, in dem einfach Dinge passieren, ohne dass ich sie verorten konnte.

Das lag vermutlich daran, dass die Übergänge zwischen Szenen zu abrupt waren und sich keine stabile räumliche Orientierung etablieren konnte. Dadurch blieb das Worldbuilding trotz spannender Ideen oberflächlich.

Ideen, Themen und mythologische Elemente

Was ich Musenrausch absolut zugutehalten muss, ist seine Kreativität. Die Grundidee, sich auf die Musen aus der griechischen Mythologie zu konzentrieren, insbesondere auf eine neu gedachte Muse der malerischen Künste –, fand ich faszinierend. Dieser kreative Ansatz hebt das Buch klar von anderen mythologischen Fantasyromanen ab.

Auch die Verknüpfung von Mythologie mit moderner Welt, die Verbindung zwischen Künstlern und Musen, und die Idee, dass kreative Menschen quasi inspiriert oder berührt von göttlicher Energie sind, all das hat mich sehr begeistert.

Doch leider blieb die Umsetzung hinter dem Potenzial zurück. Viele mythologische Wesen werden eingeführt, aber kaum erklärt. Zwar gibt es ein Glossar, was hilfreich ist, doch im Lesefluss erfährt man oft nicht, was diese Wesen wirklich ausmacht oder welche Fähigkeiten sie besitzen. Erst auf den letzten Seiten wird manches klarer. Dadurch wirkten viele der Figuren wie leere Hüllen, sie sind zwar da, aber ohne greifbaren Hintergrund.

Dasselbe gilt für die Artefakte, die im Buch eine wichtige Rolle spielen. Das Thema ist spannend und originell, aber zu wenig ausgebaut. Man spürt, dass hier viele gute Ideen vorhanden sind, die jedoch nicht konsequent vertieft wurden.

Charaktere und Entwicklung

Wie gesagt, Wanda steht im Mittelpunkt, doch trotz der Ich-Perspektive blieb sie für mich distanziert. Ich konnte weder ihre Gefühle noch ihre Handlungen wirklich nachvollziehen. Zwei Nebencharaktere fand ich interessanter, aber sie bekamen zu wenig Raum, um sich zu entfalten. Auch zu Neo, der Muse, konnte ich keine echte Verbindung aufbauen.Wandas Charakterentwicklung war für mich ebenfalls nicht nachvollziehbar. Sie beginnt als gewöhnlicher Mensch und steht am Ende götterähnlichen Wesen gegenüber, mit magischen Kräften, die aus dem Nichts zu kommen scheinen. Ohne Training oder Vorbereitung wirkt das schon sehr unglaubwürdig.

Zwischen Wanda und Neo entwickelt sich eine leichte Romanze, die zwar stellenweise schön und poetisch beschrieben ist, mich aber emotional nicht abgeholt hat. Ihre Chemie wirkte nicht greifbar, und der Aufbau dieser Beziehung hat mich nicht überzeugt. Besonders schön fand ich, dass beide scheinbar bisexuell sind, da sie in ihrer Vergangenheit jeweils Personen des anderen Geschlechts geliebt haben, das wurde angenehm selbstverständlich und ohne großes Aufsehen in die Geschichte eingeflochten.

Gegen Mitte des Buches tauchen plötzlich neue Figuren auf, ohne klare Einführung, ohne nachvollziehbaren Grund. Sie sind einfach da und sollen offenbar wichtig sein. Das hat mich völlig rausgebracht. Obwohl ihre spätere Dynamik schön beschrieben ist, fehlte mir der Weg dahin, der sie plausibel macht.

Handlung, Spannung und Struktur

Die ersten 200 Seiten haben mich trotz Schreibstilproblemen gut unterhalten. Es gab einen klaren Spannungsbogen, und ich war neugierig, wie sich alles entwickelt. Doch danach verlor die Handlung ihren roten Faden. Zwischen Seite 200 und 350 wusste ich oft nicht, warum etwas geschieht, was die Figuren antreibt oder worauf das Ganze hinausläuft. Ich hatte Mühe, die Handlung im Kopf zu behalten, besonders wenn ich nur kurze Lesesessions hatte. Es fehlte eine emotionale Ankerlinie, die mich durch das Buch trägt.

Erst auf den letzten 80 Seiten fand ich wieder in die Geschichte hinein. Hier wird es actionreicher, der Schreibstil klarer und dynamischer. Die Autorin konzentriert sich endlich auf das Wesentliche. Das Finale ist spannend, verständlich und macht tatsächlich neugierig auf den zweiten Teil, auch wenn ich selbst unsicher bin, ob ich weiterlesen werde.

Positiv fand ich außerdem, dass nicht alles glatt läuft: Die Figuren scheitern, machen Fehler, müssen Umwege gehen. Das bringt Authentizität in die Handlung und hebt das Buch von typischen „Alles gelingt sofort“-Fantasygeschichten ab.

Kritik & Fazit

Musenrausch ist ein Buch voller großartiger Ideen, aber leider mit einer eher holprigen Umsetzung.
Der Schreibstil ist kompliziert, überladen und oft schwer verständlich. Das Worldbuilding verliert sich im Chaos der Szenenwechsel, die Charaktere bleiben distanziert, und die Handlung wirkt in der Mitte orientierungslos.

Und trotzdem: In dieser Geschichte steckt eine enorme kreative Energie. Die mythologischen und künstlerischen Themen, die Verschmelzung von Hamburg und Götterwelt und die Idee einer Muse der Malerei, all das ist originell und verdient Anerkennung.

Leider scheitert das Buch für mich an seiner sprachlichen Umsetzung und an der Unausgewogenheit zwischen Idee und Struktur. Ich wollte dieses Buch lieben, aber ich konnte es nur in Teilen genießen. Die letzten 80 Seiten zeigen jedoch, was möglich wäre, wenn Stil, Spannung und Klarheit zusammenfinden.
Ein Buch mit tollen Ideen, aber etwas wackeliger Umsetzung. Wer komplexe, etwas anspruchsvollere Texte und mythologische Themen mag, wird hier sicher was finden. Und ich glaube, für alle, die sich an einem Nachmittag ganz auf eine Geschichte einlassen, sie in einem Rutsch lesen wollen und Urban Fantasy mit starkem Fantasy-Anteil mögen, vor allem mit Fokus auf griechische Mythologie abseits der klassischen Götter, ist das hier genau das Richtige.

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Veröffentlicht am 14.09.2025

Viel erwartet, wenig bekommen

Red Flags
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Der Einstieg in die Geschichte hat mir wirklich gut gefallen. Erzählt wird aus den wechselnden Ich-Perspektiven von Poppy und Cam, was für Abwechslung sorgt und die Figuren nahbarer wirken lässt. Dank ...

Der Einstieg in die Geschichte hat mir wirklich gut gefallen. Erzählt wird aus den wechselnden Ich-Perspektiven von Poppy und Cam, was für Abwechslung sorgt und die Figuren nahbarer wirken lässt. Dank der kurzen Kapitel und der großen Schriftgröße war es leicht, dranzubleiben, und gerade die ersten Seiten haben richtig Lust auf mehr gemacht. Besonders das Kennenlernen der beiden und das vorsichtige Annähern fand ich gelungen.

Doch leider konnte das Buch dieses anfängliche Potenzial für mich nicht halten. Ab dem Punkt, an dem es eigentlich spannend werden sollte, also das daten, flachte die Handlung deutlich ab. Die Dynamik zwischen den Figuren wirkte schwach und die Charaktere blieben trotz interessanter Ansätze eher blass. Ich hätte mir mehr Tiefe, mehr Emotionen und vor allem eine spürbare Verbindung zwischen Poppy und Cam gewünscht.

Als Enemies to Lovers Rom-Com konnte mich die Geschichte nicht überzeugen: Weder kam bei mir das typische "Gegeneinander–füreinander"-Knistern auf, noch gab es humorvolle Momente, die mich zum Lachen gebracht haben. Stattdessen drehte sich vieles um die "Traummann-Checkliste" von Poppy, ein Ansatz, der zwar interessant ist, aber in der Umsetzung oberflächlich, zu wenig umgesetzt blieb. Am Ende blieben gerade einmal ein einziger Satz pro Figur, der Poppys und Cams Entwicklung andeutet. Für einen ganzen Roman ist das einfach zu wenig.

Positiv hervorheben möchte ich die Nebenfiguren, sowie Cams Lebenssituation mit seinem Opa, die für Abwechslung gesorgt haben. Aber auch hier wurde das vorhandene Potenzial nur angerissen, ohne richtig vertieft zu werden.

Fazit:
Ein Buch mit vielversprechendem Beginn und einer interessanten Idee, das aber im Verlauf stark an Spannung verliert und inhaltlich oberflächlich bleibt. Für mich war das keine Rom-Com oder Enemies to Lovers, es konnte mich nicht überzeugen. Leider habe ich mehr erwartet.

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Veröffentlicht am 06.08.2025

Ein Roman, der mehr verspricht, als er hält

Das Dolce Vita Dilemma
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„Das Dolce Vita-Dilemma“ beginnt mit einer vielversprechenden Prämisse: Die 16-jährige Lou flieht vor emotionalem Chaos in London und verbringt den Sommer in einem italienischen Hotel, wo sie nicht nur ...

„Das Dolce Vita-Dilemma“ beginnt mit einer vielversprechenden Prämisse: Die 16-jährige Lou flieht vor emotionalem Chaos in London und verbringt den Sommer in einem italienischen Hotel, wo sie nicht nur neue Erfahrungen sammelt, sondern auch auf neue Menschen trifft, allen voran Levi, den grummeligen Sohn der Hotelbesitzerin, und dessen bester Freund Teo.

Sprache & Stil: Lesefreundlich und zugänglich

Ein klarer Pluspunkt dieses Buches ist der Schreibstil: locker, modern und extrem flüssig. Die Autorin schreibt sehr zugänglich, mit kurzen Kapiteln und einem angenehmen Lesefluss, der dazu einlädt, immer noch „ein Kapitel mehr“ zu lesen. Gerade in einer Leseflaute ist das genau die Art von Stil, die leicht und motivierend wirkt.

Charaktere: Zwischen Sympathie und Unverständnis

Lou ist von Anfang an eine Figur, zu der man leicht Zugang findet. Gerade am Anfang gelingt es gut, sie als Identifikationsfigur zu etablieren. Doch je weiter die Geschichte voranschreitet, desto schwieriger wird es, eine emotionale Verbindung zu ihr aufrechtzuerhalten. Man versteht zunehmend nicht mehr, was genau Lou eigentlich will, und vor allem: warum. Es fehlt an innerer Reflexion. Die Gedanken, die sie sich macht, bleiben vage, wichtige Fragen stellt sie sich selbst kaum. Als Leser:in fragt man sich: Warum entscheidet sie so? Was fühlt sie wirklich? Was ist ihr Ziel? Doch diese Fragen bleiben unbeantwortet. Ihre Emotionen wirken oft aus dem Nichts heraus, ihre Handlungen erscheinen dadurch unklar, fast beliebig.
Levi, ist eine echte Herausforderung. Als grummeliger, verschlossener Charakter bleibt er lange schwer zugänglich und vor allem schwer nachvollziehbar. Zwar gibt es Kapitel aus seiner Perspektive, die andeuten, dass er mit emotionalem Ballast kämpft, doch sein Verhalten gegenüber Lou wirkt häufig abweisend, unfreundlich und schlichtweg unangemessen. Dass sich ausgerechnet zwischen den beiden eine Liebesgeschichte andeutet, ist nur schwer greifbar. Die Beziehung entsteht ohne klaren Aufbau, ohne nachvollziehbare emotionale Entwicklung, was es Leser:innen schwer macht, mitzufühlen oder gar mitzufiebern.

Ganz anders dagegen Teo (Mateo): Seine Szenen mit Lou sind charmant, nahbar und glaubwürdig. Die Gespräche sind lebendig, kleine Gesten berühren, und zwischen den beiden entwickelt sich eine Dynamik, die deutlich natürlicher wirkt als die mit Levi. Es ist fast schade, dass er nicht mehr Raum in der Handlung bekommt.

Handlungsstruktur: Zu sprunghaft, zu wenig Raum für Entwicklung

Ein zentrales Problem des Romans liegt in seiner Erzählweise: Die Handlung wirkt sehr sprunghaft und überhastet. Die Kapitel sind kurz, oft zehn Seiten lang, und zwischen ihnen vergehen häufig mehrere Tage oder sogar Wochen. Diese Zeitsprünge reißen einen immer wieder aus dem Geschehen heraus. Gerade wenn man anfängt, sich auf eine Szene oder einen Moment einzulassen, ist dieser auch schon wieder vorbei und mit ihm die Chance, die Figuren besser kennenzulernen oder ihre Gefühle nachzuvollziehen.

Besonders auffällig: Emotionale Momente oder Konflikte werden zwar angesprochen, aber nicht wirklich ausgeführt. Sie passieren, sie stehen kurz im Raum und dann geht es einfach weiter. Es gibt kaum greifbare Konsequenzen oder erkennbare Reaktionen der Figuren darauf. Als Leser:in fragt man sich oft: Was bedeutet das jetzt? Was macht das mit den Figuren? Wie wirkt sich das auf die Beziehung oder die Handlung aus? Doch statt Antworten zu liefern, springt das Buch einfach zur nächsten Szene, zur nächsten Woche, zum nächsten Schauplatz.

Diese fehlende Ausarbeitung zieht sich durch das ganze Buch. Wichtige Themen, Gefühle oder dramatische Wendungen werden nur kurz angerissen, aber nie wirklich zu Ende gedacht. Dadurch bleibt vieles blass, distanziert und oberflächlich, obwohl das emotionale Potenzial durchaus da wäre. Die Geschichte wirkt wie eine Aneinanderreihung kurzer Momentaufnahmen, die nie zu einer zusammenhängenden Geschichte verschmelzen.

So bleibt auch die Frage offen, worauf die Geschichte eigentlich hinauswill. Gerade zur Mitte des Buches ( bei rund 43 % ) fühlt es sich noch wie der Anfang an, obwohl schon fast die Hälfte vorbei ist. Statt Entwicklung gibt es viele Andeutungen, aber wenig greifbare Entwicklung oder echte Veränderung der Figuren.

Themen: Gute Ansätze, aber wenig Wirkung

Das Buch streift durchaus Themen, die Bedeutung haben und zum Nachdenken anregen können – sei es der Umgang mit Entscheidungen, familiäre Verantwortung, emotionale Unsicherheiten oder die Frage nach dem eigenen Platz im Leben. Zwischendurch gibt es einzelne Passagen, die durch ihre Formulierung auffallen – ein Satz, der hängen bleibt, oder eine Aussage, bei der man kurz innehält, weil sie gut beobachtet oder schön formuliert ist. Gerade solche Momente haben Potenzial und zeigen, was möglich gewesen wäre.

Doch leider bleiben diese Ansätze oft oberflächlich. Wichtige Themen werden zwar angeschnitten, aber kaum vertieft. Sie stehen kurz im Raum und dann geht es direkt weiter, ohne echte Auseinandersetzung oder spürbare Auswirkungen auf die Handlung oder die Figuren.

Zum Ende hin bekommen wir sogar noch einmal einen intensiveren Blick in eine Figur, ihre Gedanken und inneren Kämpfe. Doch auch hier fehlt die Verbindung zur restlichen Geschichte: Dieser Einblick wird uns einfach nur mitgeteilt, ohne dass er Einfluss auf das Geschehen oder die Dynamik mit den anderen Figuren hat. Es bleibt bei einer Beschreibung – ohne Konsequenz, ohne Nachhall.

So hat man über weite Strecken das Gefühl, dass das Buch wichtige Dinge andeutet, aber sich nie wirklich traut, tiefer einzusteigen oder sie zu einem erzählerischen Abschluss zu bringen. Am Ende bleibt vieles vage und damit leider auch emotional wirkungslos.

Das Ende: Plötzlich vorbei – ohne Wirkung oder Abschluss

Gegen Ende des Buches passiert etwas, das eigentlich emotional aufrütteln soll, doch da man zur betreffenden Figur im Verlauf der Geschichte kaum eine Verbindung aufgebaut hat, bleibt dieser Moment weitgehend wirkungslos. Statt mitzufühlen, bleibt man als Leser:in eher irritiert zurück. Die emotionale Tragweite verpufft, weil man schlicht zu wenig über diese Figur weiß.

Noch problematischer ist, dass andere zentrale Figuren, gegen Ende kaum noch eine Rolle spielen. Ihre Geschichten verlaufen im Sand, es gibt keinen erkennbaren Abschluss, keine Entwicklung, die zu Ende erzählt wird. Statt eines runden Finales wirkt das Ende abrupt, fast so, als wäre die Geschichte einfach stehen geblieben, ohne Aha-Moment, ohne Nachhall, ohne dass das Erzählte zusammengeführt wird.

Man hat das Gefühl, dass noch etwas fehlt, als hätte das Buch im entscheidenden Moment nicht den Mut gehabt, die emotionalen Fäden zusammenzuführen und einen echten Schlusspunkt zu setzen.

Fazit:

„Das deutsche Vita-Dilemma“ hatte definitiv gute Ansätze: Es gab Momente, die berührt haben, und einzelne Figuren, wirkten interessant und vielversprechend. Doch leider blieb es bei diesen Ansätzen. Viele dieser Potenziale wurden nicht weiterentwickelt oder konsequent zu Ende erzählt. Gerade bei emotionalen Situationen fehlte es an Tiefe: Gefühle wurden oft nur benannt, aber nicht spürbar gemacht. Es blieb bei Andeutungen, ohne dass nachvollzogen wurde, was diese Momente mit den Figuren machen, wie sie sich entwickeln oder wie sie damit umgehen.

Die fehlende Auseinandersetzung mit inneren Konflikten und emotionalen Konsequenzen ließ die Geschichte oft seltsam leer wirken. Statt Nähe zu schaffen, blieben die Figuren distanziert. Auch die viel zu knappe Länge von nur 249 Seiten hat der Handlung nicht gutgetan, alles wirkte gehetzt und teilweise einfach unfertig.

So bleibt am Ende ein Buch mit guten Ideen, aber schwacher Umsetzung. Leider keine Empfehlung von mir.

Okay, aber wer einfach mal kurz (249 Seiten) nach Italien flüchten will und sich für ein paar Stunden in das Leben einiger Jugendlicher hineinziehen lassen möchte, für den könnte das vielleicht etwas sein. Man muss dabei allerdings vieles selbst hinzudichten, vor allem, was Gefühle, innere Konflikte und Entwicklungen angeht. Vieles bleibt unausgesprochen, wird nur angedeutet und leider nicht wirklich weitergeführt.

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Veröffentlicht am 30.06.2025

Spannende Ansätze, aber schwer greifbar

Solitude 1: Devour the Light
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Die Grundidee von Solitude 1: Devour the Light hat mich sofort angesprochen, gerade durch den spannenden Prolog, der direkt Neugier weckt. Doch je weiter ich gekommen bin, desto mehr wurde mir bewusst, ...

Die Grundidee von Solitude 1: Devour the Light hat mich sofort angesprochen, gerade durch den spannenden Prolog, der direkt Neugier weckt. Doch je weiter ich gekommen bin, desto mehr wurde mir bewusst, dass ich mit vielen Elementen der Geschichte Schwierigkeiten hatte. Diese Rezension soll meine Eindrücke, sowohl positiv als auch kritisch, möglichst ehrlich und strukturiert wiedergeben.

Kapitelstruktur, Lesefluss & Perspektivwechsel

Die Kapitelstruktur hat mir grundsätzlich gut gefallen. Die Kapitellängen waren angenehm und sorgten dafür, dass man schnell noch „ein Kapitel mehr“ lesen oder hören wollte. Dadurch kam ein gewisser Sog zustande, der den Lesefluss gefördert hat, zumindest dann, wenn ich nicht gerade mit den inhaltlichen Unklarheiten zu kämpfen hatte. Erzählt wird in der Ich-Perspektive, abwechselnd aus der Sicht von Louve und Enean.

Einstieg in die Geschichte, Worldbuilding und Erzählstruktur

Der Prolog hat mir direkt gut gefallen, er war atmosphärisch, geheimnisvoll und hat sofort meine Neugier geweckt. Danach wurde es allerdings schwierig: Ich war ziemlich überfordert mit dem Worldbuilding. Es war schwer zu erkennen, wie die Welt funktioniert, welche Regeln gelten, wie die Charaktere miteinander verbunden sind. Zwar gibt es hinten im Buch ein Glossar, was ich grundsätzlich super finde, so konnte man wenigstens bestimmte Begriffe nochmal nachschlagen. Aber im Verlauf der Geschichte selbst wird vieles einfach zu wenig erklärt. Die Erzählstruktur wirkt stellenweise sprunghaft. Szenenwechsel, Actionszenen folgen oft in schneller Abfolge, ohne dass genügend erzählerischer Rahmen geboten wird, um das gelesene einzuordnen. Als jemand, der beim Lesen jeden Satz im Kopf wie einen Film visualisiert, bringen mich solche Ungereimtheiten komplett aus dem Lesefluss. Ich musste einzelne Kapitel mehrfach hören oder nachlesen, weil mir der inhaltliche Zusammenhang gefehlt hat. Vieles blieb unklar, sowohl das übergeordnete Ziel der Figuren als auch die Verbindung einzelner Szenen untereinander. Das hat es mir insgesamt sehr schwer gemacht, in der Geschichte zu bleiben.

Charaktere & Humor

Ein echtes Highlight war für mich Louve. Sie ist frech, grumpy, selbstbewusst und bringt eine erfrischende Art mit sich, die sich deutlich von typischen Fantasy-Heldinnen abhebt. Ihre Dialoge, auch mit der derberen Wortwahl, haben super zu ihr gepasst und der Welt eine eigene Note gegeben. Auch wenn Louves Entwicklung später für mich nicht ganz nachvollziehbar war, war sie insgesamt noch die Figur, mit der ich am ehesten mitgehen konnte. Mit den anderen Charakteren, vor allem Enean, bin ich leider nicht so richtig warm geworden. Ich konnte ihre Motivationen und Handlungen oft schwer nachvollziehen, und ihre Beziehungen untereinander waren für mich nicht klar greifbar.

Magiesystem, Schatten & Ideenreichtum

Trotz meiner Schwierigkeiten muss ich sagen: Es steckt wahnsinnig viel Potenzial in dieser Welt. Auch die Mischung aus urbaner, leicht dystopischer Fantasy mit einer eigenen Stadt, Schattenassassinen und seltsamen Wesen hat richtig viel Reiz. Gleichzeitig finden sich darin aber auch moderne Elemente wie Technik, Elektronik und alltägliche Gegenstände wieder, was dem Setting eine originelle Note verleiht. Leider wurde das alles nur angerissen, ohne richtig ausgebaut zu werden. Ich hätte mir gewünscht, dass das Magiesystem, die Schatten, die Azae intensiver erklärt werden. Vieles bleibt unklar oder wirkt wie im Vorbeigehen erzählt. Vielleicht wird das im zweiten Band noch aufgegriffen aber im ersten Teil hätte ich mir mehr Klarheit gewünscht.

Fazit

Auch wenn mir das Buch insgesamt nicht wirklich gefallen hat, sehe ich darin dennoch viel Potenzial. Die Welt ist voller spannender Ideen und der Humor in den Dialogen sowie die Figur Louve bringen Farbe in eine ansonsten eher düstere Welt. Die Autorin zeigt in vielen kleinen Momenten definitiv ihr Können, denn immer wieder finden sich poetische und perfekt formulierte Passagen, die mich beeindruckt haben.

"Wrens silbergetränkte Silhouette bewegt sich auf mich zu, während er mir den Himmel verspricht und mir die Hölle zu Füßen legt."

"Ich ertrinke in einem Ozean aus ungeweinten Tränen"

Dennoch konnte die Geschichte dieses Potenzial nicht vollständig ausschöpfen, da das Gesamtkonstrukt der Handlung für mich nicht so stark ausgearbeitet war. Leider fehlt dem Buch für mich ein klares Konzept, es gab zu wenig Struktur, zu viele offene Fragen und keinen roten Faden. Ich kam nicht richtig in die Geschichte hinein, konnte den Charakteren nicht durchgehend folgen und fand auch die emotionale Tiefe teilweise nicht nachvollziehbar. Der Spannungsbogen verläuft nicht kontinuierlich, die Charakterentwicklungen wirken in Teilen unlogisch oder zu abrupt. Obwohl die Geschichte punktuell spannende Momente bietet, verpufft die Spannung häufig schnell oder läuft ins Leere. Statt eines klaren Finales wirkt das Ende eher wie ein Ausklingen der Geschichte, ohne spürbare Konsequenzen.

Leser*innen, die nicht unbedingt jeden einzelnen erzählerischen Rahmen oder jede Information brauchen, um eine Geschichte zu genießen, könnten an diesem Buch durchaus Gefallen finden. Für mich persönlich, die ich jeden Satz genau verstehen und mir bildlich vorstellen muss, um richtig in die Geschichte einzutauchen, war das allerdings schwierig. Wer also viel Kontext und klare Erklärungen braucht, um sich zurechtzufinden, könnte mit Solitude 1 eher weniger glücklich werden.

Hätte ich es nicht im Rahmen einer Leserunde gelesen, hätte ich es wahrscheinlich abgebrochen, einfach weil es für mich zu anstrengend war, den Überblick zu behalten.

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