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Veröffentlicht am 06.08.2025

Serienmörder - Menschen wie du und ich

A Serial Killer’s Guide to Marriage
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Mein Anreiz, das Buch zu lesen, war der Titel. Ich hatte nur eine vage Vorstellung, was mich erwartet würde. Es war dann ganz anders und ich war begeistert. Im Grunde erzählt der Krimi eine alltägliche ...

Mein Anreiz, das Buch zu lesen, war der Titel. Ich hatte nur eine vage Vorstellung, was mich erwartet würde. Es war dann ganz anders und ich war begeistert. Im Grunde erzählt der Krimi eine alltägliche Geschichte, wenn die Beteiligten nicht so speziell wären.

Die Geburt ihrer Tochter Bibi führt bei Haze und Fox zu einer veritablen Ehekrise. Nun dreht sich das Leben um das Wohlergehen der heiß geliebten Tochter und lieb gewonnene Gewohnheiten müssen deshalb aufgegeben werden. Und man stellt sich die Frage, war es das ? So weit, so normal. Nur handelt es sich hier bei den Gewohnheiten darum, dass Fox und Haze gemeinsam gemordet haben. Es war ihre Leidenschaft und hat ihr Leben in jeder Hinsicht beflügelt. Das geht natürlich nicht mehr, wenn man Sorge für ein Kind trägt. Beide leiden darunter. Besonders Haze wird unausstehlich und bringt Fox an seine Grenzen. Dann tötet Haze versehentlich einen Mann praktisch vor ihrer Haustür. Das Chaos nimmt seinen Lauf.. Haze ist nun damit beschäftigt, das Geschehen vor Fox zu verheimlichen, was die häusliche Situation nicht besser macht. Fox versucht auf andere Weise, seine Vorlieben unter Kontrolle zu bekommen, was zu weiteren Heimlichkeiten führt. Es herrscht eine Atmosphäre des Misstrauens und des gegenseitigen Belauerns. Leider ein Szenario, das oft zum Scheitern einer Ehe führt, auch wenn sie im Himmel geschlossen wurde.

Die Lektüre war unglaublich spannend, auch davon getragen, die beiden können ihre Ehe retten, bevor sie sich gegenseitig umbringen. Ich habe beide Seiten verstanden und konnte mich nicht entscheiden, wem ich mehr zugeneigt bin. Vielleicht war ich mehr auf Hazes Seite - Frauensolidarität ! Gut gefallen hat mir, dass die Erzählweise . Fox und Haze schildern abwechselnd ihre Sicht auf die Dinge und ich wusste, beide lieben sich auch weiterhin. Und dann kommt auch der Humor nicht zu kurz, wenn auch etwas schräg und sehr britisch. ich habe es gefeiert. Und wo bleibt die Krimihandlung ? Nun da war ja noch der Tote vor der Haustür, die bisher verübten Morde, eine sehr clevere Polizistin, böse Eltern ... Mir hat die Mischung sehr gut gefallen. Es war spannend auf eine ganz eigne Art, unterhaltsam, witzig und definitiv mal etwas anderes.

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Veröffentlicht am 22.07.2025

Spannend, interessant und informativ

Goebbels' Schatten
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Ich muss gestehen, mir war der Name Naumann im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus kein Begriff. Natürlich war mich hingegen Goebbels in diesem Kontext bekannt. Wem nicht ! Dadurch war meine Neugierde ...

Ich muss gestehen, mir war der Name Naumann im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus kein Begriff. Natürlich war mich hingegen Goebbels in diesem Kontext bekannt. Wem nicht ! Dadurch war meine Neugierde geweckt.

Der Roman beginnt mit den letzten Tagen im Führerbunker - Ende und Anfang zugleich . Die Lektüre hier war für mich eine Herausforderung, weil so viele Personen beteiligt waren, deren Namen und Positionen mir nicht geläufig waren. Sehr gut gefallen hat mir, dass in diesem Zusammenhang die Lebensläufe einzelner Personen wie Goebbels und seiner Frau Magda ausführlich dargestellt wurden. Das war informativ und ergab ein lebendiges Bild der Betroffenen. Was mich verstört hat, waren die Schilderungen der Ereignisse im Führerbunker. Das vehemente Leugnen der Realität. Die Propagandalügen Goebbels und auch Naumanns , die unnötige Menschenopfer zur Folge hatten. Die bedingungslose Treue und und das sklavische Festhalten an der Person Hitlers trotz der beginnenden Erkenntnis, dass er jeden Realitätsbezug verloren hatte.

Mit dem Selbstmord Hitlers beginnt die eigentliche Geschichte Naumanns, die mich über längere Passagen fassungslos und gegen Ende auch wütend gemacht hat. Naumann , erst entschlossen beim Führer bis zum Ende zu bleiben, erhält von diesem den Auftrag, die nationalsozialistische Ideologie in die neue Zeit zu tragen. Ihm gelingt die Flucht aus dem in Agonie liegenden Berlin und er kann sich über ein Jahr verstecken. Dieser Abschnitt war sehr spannend zu lesen, weil es hier auch Informationen zu den Nürnberger Prozessen gab.

Schritt für Schritt gelingt es Naumann , sich wieder ein bürgerliches Leben aufzubauen. Hilfreich ist dabei, dass viele alte Weggefährten sich ebenfalls erfolgreich ihrer Bestrafung entzogen haben. Und Naumann unternimmt Anstrengungen, Hitlers Auftrag zu erfüllen. Das Ende der Geschichte ist unspektakulär und genau deshalb so empörend. Wenig tröstlich ist, dass er nicht der einzige war, der sich seiner Verantwortung entziehen konnte. Der Autor nennt einige Namen, die im Nachkriegsdeutschland Karriere gemacht haben und die mir zu meinem Entsetzen und Erstaunen bekannt sind. Mich hat das Buch wirklich gefesselt und mir eine Fülle von Informationen und Erkenntnissen gebracht. Es stimmt nachdenklich und mich auch wütend.

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Veröffentlicht am 09.07.2025

Was kann ein Mensch ertragen ?

Als die Freiheit starb – Resignation
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Ich liebe die Thriller der Autorin, die mich mit ihren Beschreibungen dessen, was ein Mensch dem anderen antun kann, oft schockiert hat, aber dennoch die Spannung überwog. Mit dieser Dystopie wagt sie ...

Ich liebe die Thriller der Autorin, die mich mit ihren Beschreibungen dessen, was ein Mensch dem anderen antun kann, oft schockiert hat, aber dennoch die Spannung überwog. Mit dieser Dystopie wagt sie sich auf neues Terrain und ich war gespannt, was mich erwartet.

Die Handlung hat mich emotional sehr bewegt, was daran lag, dass die Schicksalsschläge, die die Hauptfigur Adriana ertragen muss, für mich erschütternd waren . Einen wesentlichen Anteil hatte zudem, dass die geschilderte politische Situation für mich in weiten Teilen keine mögliche Zukunftsmöglichkeit war, sondern ich Anleihen an die Gegenwart wahrgenommen habe.

Die Geschichte spielt in Amerika, das sich innerhalb kürzester Zeit nach Wahl eines rückwärts gewandten Präsidenten zu einem faschistischen Staat entwickelt. Die Ich-Erzählerin ist Latina und mit einem Weißen verheiratet. Dies allein schützt sie vor Ausgrenzung und Armut. Ihr Sohn ist Autist und passt somit auch nicht zu herrschenden Ideologie und ist deshalb ebenfalls gefährdet. Jeder Widerstand gegen das Regime wird im Keim erstickt. Einzig die Untergrundorganisation "Freedom Fighters" , ein Sammelbecken für alle, die unter den aktuellen Verhältnissen leiden und jenen, die es nicht hinnehmen wollen, kann erfolgreich Nadelstiche setzten.
Gehen oder Bleiben ? Da nimmt das Schicksal Adriana die Entscheidung ab.
Die geschilderten Verhältnisse erinnern mich stark an die Vorgänge im Dritten Reich und ähneln in den Anfängen , ich muss es leider so sagen, an Vorgänge in Amerika unter der Trump-Regierung mit dem Bau der Grenzmauern und der offenen Diskriminierung von Minderheiten. Ich war entsetzt, was die Autorin Adriana und mir als Leserin zumutet. Es sind aber die konsequenten Folgen der politischen Lage. ich habe mit Adriana gelitten und gelegentlich ein Taschentuch gebraucht. An manchen Stellen merkt man, dass die Autorin persönliche Erfahrungen verarbeitet hat, was die Handlung um so glaubwürdiger macht. Nun warte ich auf die Fortsetzung , in der Hoffnung , dass Adriana einen Weg aus diesem tiefen Tal der Tränen findet.

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Veröffentlicht am 01.07.2025

Oma Käthe undercover

Die eiskalte Strohwitwe von Sylt
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Ich liebe die Krimireihe des Autors rund um die saarländische Familie Backes. Hat bisher Jupp Backes, seines Zeichens Polizist und Familienoberhaupt, mich mit seinen Ermittlungen erfreut, bekommt er nun ...

Ich liebe die Krimireihe des Autors rund um die saarländische Familie Backes. Hat bisher Jupp Backes, seines Zeichens Polizist und Familienoberhaupt, mich mit seinen Ermittlungen erfreut, bekommt er nun ernsthafte Konkurrenz durch seine Schwiegermutter Käthe. Käthe hat ihr spätes Liebesglück in Person des pensionierten Kommissars Hinnerk , der auf Sylt zuhause ist, gefunden. Sie pendelt deswegen zwischen ihren beiden Lebensmittelpunkten hin und her. Bei ihrem jetzigen Besuch wird ihre Zweisamkeit durch den Besuch von Hinnerks Schwester Ellen aus Amerika erheblich gestört. Da war ich ganz bei Käthe. Ellen ging mir mit ihrem affektierten Getue gehörig auf die Nerven. Um etwas Abstand zu gewinnen, übernimmt Käthe die Krankheitsvertretung für die Haushälterin bei der reichen Unternehmensfamilie Lindholm. Was soll ich sagen, keines der Familienmitglieder konnte mein Herz gewinnen. Angefangen bei den Teenie-Enkelkindern , die anmaßend und voller Standesdünkel waren, über den Opa Georg , der sich als Muttersöhnchen entpuppt bis hin zur alkoholkranken Oma Sigrid . Getoppt wird es durch die Matriarchin Herta, die wie eine Königin über die Familie und ihr Umfeld herrscht.

Gerade als Käthe, die sich nicht die Butter vom Brot nehmen lässt, hinschmeißen will, wird die sehr junge Stiefmutter ermordet. Da Hinnerk um die Ermittlungsschwäche seines Sohnes und Nachfolgers auf seiner Stelle weiß, bittet er Käthe in der Familie Undercover zu ermitteln . Und Käthe läuft zur Höchstform auf. Sie entlockt der Familie so manches Geheimnis und zieht daraus ihre Schlüsse , wenn auch nicht immer die richtigen - so wie ich auch. Natürlich habe ich mit ermittelt und eine eigene Verdächtigenliste erstellt. Den Mord hätte ich wirklich jedem aus der Familie zugetraut . Besonders als sie im Laufe der Ermittlungen ihre Masken fallen lassen und sich als noch übler entpuppen, als ich bisher angenommen hatte. Durch Käthes geschickte Verhörtechnik erfahren sie und Hinnerk einen entscheidenden Hinweis und können einen weiteren Mord verhindern.

Oma Käthe hat mich von ihren kriminalistischen Fähigkeiten erneut überzeugt. Ich wurde auf sehr abwechslungsreiche Weise sehr gut unterhalten. Die Handlung war spannend und sehr humorvoll und mir hat gefallen, dass das Ermittlungsduo das Renteneintrittsalter schon eine ganze Weile hinter sich gelassen hat.

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Veröffentlicht am 29.06.2025

Ein eher ungewöhnlicher und dabei fesselnder Justizkrimi

Die feindliche Zeugin
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Der Einstieg in die Handlung ergibt den Ausgangspunkt für die spannende Handlung, die mit einem für mich überraschenden Ende aufwartet. Emmett, ein schwarzer Jugendlicher, ist anwesend, als ein Weißer ...

Der Einstieg in die Handlung ergibt den Ausgangspunkt für die spannende Handlung, die mit einem für mich überraschenden Ende aufwartet. Emmett, ein schwarzer Jugendlicher, ist anwesend, als ein Weißer im Park erstochen wird. Er versucht noch dessen Leben zu retten, doch umsonst. Emmett wird vor Ort verhaftet und des Mordes beschuldigt, da die anwesenden weißen Zeugen ihn als Mörder identifizieren. Nun kommt die schwarze Anwältin Rosa ins Spiel, die die Verteidigung unter der Führung des erfahrenen weißen Anwalts Craig übernimmt. Für mich lag der besondere Reiz der Geschichte darin, dass eigentlich Rosa im Mittelpunkt steht, obwohl es um Emmetts Unschuld geht. Rosa kommt aus dem gleichen Viertel und ähnlichen Lebensverhältnissen wie Emmett, was ihr einen anderen Blick auf den Fall ermöglicht als einem weißen Verteidiger . Alle Beweise sprechen gegen ihren Mandanten, dennoch glaubt sie an seine Unschuld. Da sich die gesamte Anschein gegen sie wendet, dreht sich ihr gesamtes Denken nur noch um den Fall. Das hat zwiespältige Gefühle bei mir ausgelöst. Zum einen fand ich es bewundernswert, wie Rosa sich für Emmett einsetzt, der zwar seine Unschuld beteuert, ansonsten aber beharrlich schweigt. Darüber vernachlässigt sie ihr nahes privates Umfeld , was oft Unverständnis bei mir hervor gerufen hat. Tatsächlich gelingt es Rosa eine Zeugin ausfindig zu machen, die möglicherweise helfen könnte, aber sie will nicht aussagen. Dann beginnt der Prozess .
Was ich sehr gelungen fand , die Autorin nutzt die unterschwelligen Rassenvorurteile der Weißen gegenüber dem schwarzen Anteil der Bevölkerung als weitere Hürde im Verfahren , Emmetts Unschuld zu beweisen. Das war informativ , aber nie belehrend. Zugleich habe ich einiges über das britische Rechtswesen gelernt, das mir bisher fremd war.
Da ich ich überzeugt war, dass Emmett unschuldig ist, war ich emotional stärker gefordert und habe inständig gehofft, dass es zu einem Freispruch kommt. Die Auflösung des Falles hat mich komplett überrascht und war für mich ein weiterer Pluspunkt für diesen ungewöhnlichen und dabei packenden Krimi.

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