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Veröffentlicht am 10.07.2025

Das Ende der Welt

Waldestod
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Emmi Beinhart fühlt sich nicht mehr wohl in der Wiener Zeitungsredaktion und hat schon ihre Kündigung vorbereitet, als Chefin Sani Kovacic ihr eine Reportage in der Steiermark vorschlägt, die sie nicht ...

Emmi Beinhart fühlt sich nicht mehr wohl in der Wiener Zeitungsredaktion und hat schon ihre Kündigung vorbereitet, als Chefin Sani Kovacic ihr eine Reportage in der Steiermark vorschlägt, die sie nicht ablehnen kann. Eine schreckliche Hochwasserkatastrophe hat sich im abgelegenen Dorf Rabenwald - beinahe am Ende der Welt - ereignet, nachdem ein kleiner Bach weit über seine Ufer getreten ist, die persönlichen Berichte der Betroffenen sollen Emmi die Karriereleiter hinaufklettern lassen.

Völlig unpassend gekleidet landet die junge Journalistin naiv im waldreichsten Bundesland Österreichs und wird, wie schon vom Kollegen Sandberg vorgewarnt, nicht besonders freundlich von den Einheimischen empfangen. Zum Glück kann sie sich im Ferienhäuschen Sandbergs für ein paar Tage wohnlich einrichten und sogleich mit der Recherche beginnen, aber schon bald wird sie von unheimlichen Ereignissen eingeholt: da schleichen Männer in weißen Overalls durch den Wald, hängt eine Leiche am Baum, scheint jemand Emmi durchs Fenster zu beobachten. Alpträume suchen Emmi heim, bald weiß sie nicht mehr, ob sie phantasiert oder all das wirklich erlebt. Die düstere Stimmung mit den wortkargen Steirern, dem dunklen Wald und der unmittelbar vorangegangenen Naturkatastrophe fängt Robert Preis blendend ein, die fesselnde Geschichte nimmt zügig ihren Lauf. Sowohl für die Journalistin als auch für den Leser bleibt lange im Verborgenen, was hier genau passiert und wer welche Ziele vor Augen hat. Kann Emmi dem „Hausmeister für alles“ Severin Moser vertrauen oder will er sie nur unter Kontrolle halten? Warum reagiert der Bürgermeister so ablehnend und wieso richtet die Frau im Rollstuhl eine Flinte auf sie? Eine gespenstische Atmosphäre und entsetzte Gesichter prägen die seltsamen Vorgänge in einer Welt, die gerade aus den Fugen gerät, ja dem Untergang geweiht sein soll. Geheimnisvoll und mystisch mutet so manche Szene an, wie nebenbei und ohne oberlehrerhaft erhobenen Zeigefinger flicht Preis die Dynamik der Klimaveränderung in diesen Krimi ein und endet mit einer Hommage an den Wald als wertvollen Lebens- und Erholungsraum.

Ein bizarrer Krimi mit gruseligen Elementen und einer Erinnerung daran, wie wir unserer Umwelt begegnen sollten – unterhaltsam umgesetzt und daher eine Empfehlung wert.

Veröffentlicht am 07.07.2025

Unterwegs

Das Versprechen eines neuen Morgens
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Seit einem Jahr ist Olympia quer durch Nordamerika unterwegs und wird von den Lesern ihres Blogs @ThePizzaTraveler begleitet. Hier schreibt sie nieder, was sie bewegt und was sie erlebt, bis ihre Schwester ...

Seit einem Jahr ist Olympia quer durch Nordamerika unterwegs und wird von den Lesern ihres Blogs @ThePizzaTraveler begleitet. Hier schreibt sie nieder, was sie bewegt und was sie erlebt, bis ihre Schwester Eve sie zur Verlobung einlädt. Zurück in Blacksburg in Virgina trifft Olympia auf Spencer, ihren Mann, der wie besprochen die Scheidung plant. Alte Wunden rund um einen schweren Schicksalsschlag reißen wieder auf, ist der eingeschlagene Weg der richtige?

Zwischen Blogbeiträgen und Kapiteln aus Olympias sowie aus Spencers Sicht muss man sich erst einmal orientieren, wer hier eine Rolle spielt und worum es eigentlich geht. Der Schreibstil Mary Ellen Taylors ist angenehm ruhig, mitunter fast nüchtern berichtend, sodass zu Beginn der Geschichte noch keine Emotionen aufkommen. Dies entwickelt sich erst allmählich im Laufe der Zeit, wenn klar wird, was vor Olympias Reise geschehen ist. Zwei Eheleute aus extrem unterschiedlichen Verhältnissen entfremden sich und suchen gleichzeitig die Nähe des anderen. Ob ein Schlussstrich oder ein Neuanfang die passende Entscheidung ist, scheint auf den ersten Blick nicht einfach. Schritt für Schritt kommt die Autorin dem Kern der Sache näher, schreibt über Verantwortung und Pflichtbewusstsein ebenso wie über Verbindendes und Liebe – wer weiß, was in etlichen Jahren ist, das Leben findet jetzt statt, vielleicht auf einem Roadtrip?

Ein schöner Roman mit ernsthaften Themenkomplexen, der sich über die Kapitel weg stetig steigert.


Veröffentlicht am 07.07.2025

Mystisches Museum

Im Finsterwald
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Die neunjährige Alice besucht gerne mit ihren vier jüngeren Geschwistern und dem Kindermädchen Maj das Naturhistorische Museum in Göteborg. Eines kalten Jännertages verschwindet das Mädchen spurlos, die ...

Die neunjährige Alice besucht gerne mit ihren vier jüngeren Geschwistern und dem Kindermädchen Maj das Naturhistorische Museum in Göteborg. Eines kalten Jännertages verschwindet das Mädchen spurlos, die anderen kehren ohne die lebhafte Alice nach Hause. Sowohl die Museumswärter als auch die Polizei können sich nicht erklären, wo das Kind geblieben sein könnte.

Sehr atmosphärisch beginnt die Geschichte im Museum und versetzt uns zurück ins Jahr 1926. Interessante Ausstellungsstücke von Weichtieren über Säuger bis hin zum Walsaal und zum Diorama mit weitläufigem Wald, wo Elche hausen, lassen einen rasch selbst zwischen den faszinierenden Exponaten ankommen. Dann verschwindet auch schon die Neunjährige und mit einer unglücklichen Zeitverzögerung geht die Suche los. Hauptwachmeister Nils Gunnarsson versucht zu ermitteln, stößt aber allerorts auf Unwissen, Schweigen oder Misstrauen. Da kommt Journalistin Ellen Forsell gerade recht und kann alsbald wichtige Informationen liefern. Dennoch tappt man lange im Dunklen, vergehen ungewisse Stunden der Untersuchung im Museum, das irgendetwas Unheimliches ausstrahlt und bisweilen den Eindruck erweckt, als lebten die ausgestopften Tiere noch. Unterschiedlichste Figuren, eine ungewöhnliche Familie und ein schauriger Ort des Geschehens lassen die eher ruhige Handlung doch kurzweilig daherkommen, vielerlei Erklärungen für das Verschwinden der Neunjährigen sind denkbar, die Lösung so einfach wie nie vermutet.

Nicht auffallend spektakulär und doch fesselnd, so könnte man „Im Finsterwald“ kurz beschreiben, die Ermittlungen stehen weniger im Vordergrund als viele persönliche Details zu den einzelnen Figuren, was insgesamt den Reiz der Geschichte ausmacht. Durchaus lesenswert, wenn man Gemächliches und Kriminalistisches aus den 1920er-Jahren sucht.


Veröffentlicht am 03.07.2025

Zum 90. Geburtstag

Nordseerätsel
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Zum 90. Geburtstag lädt Hermann Suhrkamp seine gesamte Verwandtschaft ein, eine Woche lang soll sie in seinem Haus verweilen und ein Rätsel lösen. Wer den Code knackt, erhält einhunderttausend Euro als ...

Zum 90. Geburtstag lädt Hermann Suhrkamp seine gesamte Verwandtschaft ein, eine Woche lang soll sie in seinem Haus verweilen und ein Rätsel lösen. Wer den Code knackt, erhält einhunderttausend Euro als Belohnung. Damit alles mit rechten Dingen zugeht, soll Privatdetektiv Raphael Freersen das Zusammensein beobachten. Egoismus und Gier hat Suhrkamp erwartet, Egoismus und Gier bekommt er zu sehen, und schließlich auch einen Todesfall in unmittelbarer Nähe.

Eigentlich beginnt der Krimi ja mit mysteriösen Postkarten an Hermann Suhrkamp, um erst später auf die Geburtstagsfeier und das verbissene Rätselraten überzuleiten. So entspinnen sich zwei Grundideen, die die Handlung prägen und es dem Detektiv ermöglichen, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Dieser ist mit Witz und Humor ausgestattet und wickelt so manchen Mitmenschen auf Föhr um den kleinen Finger, aber auch Zwillingsbruder Johannes kann den manchmal recht ungewöhnlichen Bitten kaum entfliehen. Im Haus Suhrkamp hingegen geht es steif zu, man hat einander wenig zu sagen, der Hausherr selbst wirft allen vor, nur auf sein Vermögen aus zu sein. Die Geschichte entwickelt sich in unterschiedliche Richtungen, die einzelnen Familienmitglieder rund um Hermann Suhrkamp hätte ich gerne etwas näher kennengelernt, bevor der Tresor geöffnet wird, dafür hätte Raphaels Nymphensittich auch einmal weniger auftreten können. Unterhaltsam ist das Rätselraten auf Föhr aber allemal.

Fazit: ein Krimi mit Humor und einer ungewöhnlichen Familienfeier, die so manches Geheimnis ans Licht zaubert. Kurzweilige Lesestunden für ein entspanntes Wochenende.

Veröffentlicht am 30.06.2025

Sommerfest

Rosenlund – Ein Sommer der Geheimnisse
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Helena veranstaltet in ihrem Hotel Rosenlund das alljährliche Sommerfest und lädt neben zahlreichen anderen Gästen auch ihre besten Freundinnen Anna, Kim und Nadja ein. Als wenige Tage später einer der ...

Helena veranstaltet in ihrem Hotel Rosenlund das alljährliche Sommerfest und lädt neben zahlreichen anderen Gästen auch ihre besten Freundinnen Anna, Kim und Nadja ein. Als wenige Tage später einer der Besucher vermisst wird, hütet jede der vier Frauen ein Geheimnis, das bei den Befragungen durch die Polizei keinesfalls ans Licht kommen darf.

Ruhig und idyllisch geht es zu im Wohnviertel Rönnbacken. So unterschiedlich die vier Freundinnen auch sind, so eng halten sie zusammen und treffen einander regelmäßig. Unaufgeregt schildert Amanda Hellberg den Alltag der Mütter und die Vorbereitungen für das legendäre Sommerfest. Auch der Abend selbst wird auf besonnene Art und Weise dargestellt, obwohl hier einiges passiert, das weitreichende Folgen nach sich zieht. Von Mord ist alsbald die Rede und weder Helena noch Anna, Kim oder Nadja berichten auf der Polizeidienststelle alles, was sie wissen. Allerdings sickert das ein oder andere Detail dennoch durch und der Grat, auf dem jede der Frauen wandert, wird von Tag zu Tag schmäler. Gekonnt baut die Autorin ein gewisses Maß an Spannung auf, die Trägheit des Sommers schlägt jedoch immer wieder durch. Zu keiner der vier Hauptpersonen kann man ein besonderes Naheverhältnis aufbauen, trotzdem wächst die Neugierde, was hinter all der Geheimniskrämerei steckt. Vieles wird im Laufe der Kapitel klar, ein großes Rätsel bleibt allerdings noch ungelöst, sodass man auf jeden Fall auch die Fortsetzung von Rosenlund lesen muss.

Ein flüssiger, aber eher ruhig gehaltener Schreibstil führt durch die Geschichte, der Zusammenhalt der Frauen in Rönnbacken bildet das Grundgerüst für einen Roman mit einzelnen kriminalistischen Elementen. Ein Sommer in Schweden und abwechslungsreiche Lebensentwürfe laden ein zum Verweilen. Ich komme gerne wieder.