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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.07.2025

Ein nützlicher Ratgeber

Der große Erbschaftsratgeber
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Auch wenn dieser Ratgeber für das Vererben und Erben auf dem deutschen Recht basiert, hat es auch für mich als Österreicherin ein paar essentielle Ratschläge parat.

Leider beschäftigen sich nach wie ...

Auch wenn dieser Ratgeber für das Vererben und Erben auf dem deutschen Recht basiert, hat es auch für mich als Österreicherin ein paar essentielle Ratschläge parat.

Leider beschäftigen sich nach wie vor viel zu wenige Personen mit ihrem eigenen Ableben und was mit ihrem Besitztümern passieren wird. Ärger, Zank und hohe Kosten für Anwälte sind die Folgen für die Erben. Dabei könnte man sich und seine Erben durch eine eingehende Beratung und ein darauffolgendes Testament entlasten.

Otto N. Bretzinger erklärt in 21 Abschnitte, die noch weiter unterteilt sind, worauf es ankommt, sein Vermögen möglichst friktionsfrei an seine Nachkommen weiterzugeben. Dazu ist es möglich bzw. sehr nützlich, die Musterformulare herunterzuladen und diese durchzuarbeiten. Diese Vorarbeit erleichtert auch ein Gespräch bei einem Anwalt oder Notar.

Fazit:

Ein nützlicher Ratgeber, dem ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 08.07.2025

EIne Leseempfehlung!

Elbnächte. Die Lichter über St. Pauli
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Henrike Engel entführt ihre Leserschaft mit ihrem historischen Roman in das Hamburg von 1913. Dieser Sommer wird das Leben von drei Personen für immer verändern. Da ist zunächst Louise, die aus allen Wolken ...

Henrike Engel entführt ihre Leserschaft mit ihrem historischen Roman in das Hamburg von 1913. Dieser Sommer wird das Leben von drei Personen für immer verändern. Da ist zunächst Louise, die aus allen Wolken fällt, als sich ihr Ehemann als polizeilich gesuchter Hochstapler entpuppt und sie mittellos zurücklässt. Dann lernen wir Ella kennen, die von ihren eigenen Eltern an Mädchenhändler verkauft, zur Prostitution gezwungen worden und geflohen ist sowie Paul, einem ehemaligen Polizisten, dem bei einem Einsatz der linke Arm zerquetscht und anschließend amputiert werden musste. -

Diese drei höchst unterschiedlichen Menschen treffen in Hamburg bei einem Mord an einem Juwelier aufeinander, bei dem ein Jugendlicher als Täter verdächtigt wird. Während die beiden Frauen aus reinem Bauchgefühl heraus, den Jugendlichen für unschuldig halten, setzt Paul seine analytischen Fähigkeiten und seine Verbindungen zu seinen ehemaligen Kollegen ein, die wahren Täter zu finden. Paul hat eine konkrete Vermutung, wer hinter den zahlreichen Verbrechen steckt.

Um sich ihren Lebensunterhalt legal zu finanzieren, eröffnen Louise und Ella ein Lokal, in dem auch Frauen alleine hingehen dürfen. Gleichzeitig dient es als Lockmittel, den Bandenchef dingfest zu machen.

Meine Meinung:

Henrike Engel, von der ich schon die Hafenärztin-Reihe kenne, zeigt auch diesmal die garstige Seite Hamburgs. Die Autorin zeichnet ein ziemlich realistisches Hamburg. Neben reichen und wohlhabenden Bewohnern, die auf Arbeiter (denen sie ihren Reichtum verdanken) und Zugewanderte despektierlich hinunterschauen, nehmen wir Anteil am Leben genau jener, die ihr Leben gerade noch fristen und den diversen Verbrecherbanden hilflos ausgeliefert sind. Vor allem Frauen und Kinder sind hier betroffen. Mangels Ausbildung und Arbeitsplätzen bleibt den meisten Frauen nur die Prostitution, um ihre Familien zu ernähren, wenn die Männer arbeitsunfähig geworden sind oder gänzlich verschwunden sind. Kinder und da vor allem Waisenkinder werden rekrutiert und zu Dieben und/oder Sex-Sklaven abgerichtet und wenn sie ihre Tätigkeiten nicht mehr verrichten können, einfach entsorgt.

Die Charaktere sind sehr gut gelungen. Die zunächst ziemlich naive Louise erhält als Gegenpart die gewitzte, wenn auch ungebildete, Ella gegenübergestellt. Sie erkennen, welches Potenzial in ihnen steckt. Beide machen eine Entwicklung durch, die man ihnen vorerst nicht zugetraut hat.

Paul, dessen Bruder Michael als Kind verschwunden ist, ist vor allem deswegen Polizist geworden und will unbedingt etwas über das Schicksal von Michael herausfinden.

Vor der düsteren, aber atmosphärischen Kulisse des historischen Hamburgs entwickelt sich ein Katz-und-Maus-Spiel, das in einem zweiten Teil seine Fortsetzung findet, der im Oktober 2025 erscheinen wird.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Ausflug in dunkle Seite der Hansestadt 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 04.07.2025

Ein gelungener Abschluss der Trilogie

Schlehengrund
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Dieser historischer Roman bildet den Abschluss der Trilogie, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Wollseifen begonnen und nun um 1970 in Embken endet.

Das Dorf Wollseifen wird nach dem Zweiten Weltkrieg ...

Dieser historischer Roman bildet den Abschluss der Trilogie, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Wollseifen begonnen und nun um 1970 in Embken endet.

Das Dorf Wollseifen wird nach dem Zweiten Weltkrieg in einen Truppenübungsplatz verwandelt, weshalb alle Bewohner abgesiedelt werden. Die befreundeten Familien von Albert und Silvio finden Platz in einem großen leerstehenden Bauernhof im Embken. Das Gehöft gehörte in den 1930er-Jahren einer jüdischen Familie über deren Verbleib nichts bekannt ist - ausgereist sollen sie sein. Nur Johanna wundert sich über den verlassenen Bauernhof, der nun ihr neues Zuhause sein wird. Sie fragt nach, erhält vorsichtige Antworten und lernt Jakob, den einzigen Überlebenden der jüdischen Gemeinde kennen. Die Bemühungen, den jüdischen Friedhof wieder in Stand zu setzen, scheitern und Jakob wird von Unbekannten ermordet.

Man hält zusammen, krempelt die Ärmel auf und hofft nach wie vor auf die Rückkehr von Karl, Alberts Sohn und Johannas Ehemann, der sich in russischer Kriegsgefangenschaft befindet. Johanna bewirtschaftet die Landwirtschaft gemeinsam mit ihrem Schwiegervater und einigen Helfern und muss, als Karl endlich, aber gebrochen heimkommt, erleben, dass sie an den Rand gedrängt wird. Karl übernimmt wieder das Zepter obwohl er gesundheitlich schwer angeschlagen ist und den Anforderungen der Arbeit nicht (mehr) gewachsen ist. Damit steht Johanna stellvertretend für die Tausenden Frauen, die, um ihre Familien durchzubringen, jede Arbeit angenommen haben. Dass sie nun, nach der Rückkehr ihrer Männer wieder an den Herd verbannt werden und weder arbeiten gehen dürfen noch über eigenes Geld verfügen, ist ein Rückschritt, der viele Ehen scheitern lässt. Zudem sind viele Männer verroht, traumatisiert und invalide aus Krieg und Gefangenschaft zurückgekehrt.

Wie es eben in der Nachkriegszeit ist, hängen jene, die einst Hitler zujubelten, die Fahne in den neuen Wind, ohne ihre alte Gesinnung tatsächlich zu überdenken und ihr abzuschwören. Die alten Seilschaften bleiben mehr oder weniger geschickt verborgen, weiter bestehen.

Wir erleben mit, wie sich die Gesellschaft langsam ändert. Die Kinder der Familien aus Wollseifen gehen ihre eigenen Wege, verlassen den Ort Embken in unterschiedliche Richtungen werden Kunsthistoriker, Tischler, Gastronomen oder Lehrer. Nur Rolf, der die Leidenschaft für die Landwirtschaft seiner Mutter Johanna geerbt hat, übernimmt nach dem Studium als diplomierter Landwirt den florierenden Hof.

Fazit:

Mir hat der Abschluss der Trilogie sehr gut gefallen.

Ein geschickter Schachzug der Autorin ist, stellenweise die Jahre zwischen 1950 und 1970 als Tagebucheintragungen von Emil Schlösser, dem eine Granate beide Hände abgerissen hat und nun als Gymnasiallehrer unterrichtet, quasi im Zeitraffer vorüberziehen zu lassen. Da finden die Bemühungen Konrad Adenauers, die Kriegsgefangenen aus der UdSSR zurückzuholen, die Aufdeckung diversen Alt-Nazis ebenso Erwähnung wie der Mord an John F. Kennedy oder der, durch die Polizei verschuldete, brutale Tod des Benno Ohnesorg. So erhält die Leserschaft Einblick in die damalige Zeit, die man gemeinhin als Wirtschaftswunder bezeichnet. So halten Fernseher und Autos Einzug in die Familien.

Durch die einfühlsame Johanna integriert die Autorin das nur vereinzelt auftretende schlechte Gewissen über die Ermordung der Juden in die Handlung.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem letzten Teil der Trilogie 5 Sterne und eine Leseempfehlung für die ganze Reihe.

Veröffentlicht am 02.07.2025

Beste Krimiunterhaltung!

Miss Vergnügen
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Miss Brooks, eine nicht mehr ganz junge Britin, wird auf schnöde Art von ihrem Ehemann wegen seiner schwangeren Sekretärin verlassen. Sie findet Unterschlupf im Ferienhaus ihres Schwagers Bertie am Wiener ...

Miss Brooks, eine nicht mehr ganz junge Britin, wird auf schnöde Art von ihrem Ehemann wegen seiner schwangeren Sekretärin verlassen. Sie findet Unterschlupf im Ferienhaus ihres Schwagers Bertie am Wiener Mühlwasser sowie einen Job als Visagistin bei Très Loué, also jenem Kosmetik-Unternehmen, in dem er selbst in leitender Funktion tätig ist. So wie Jacques, der sein Leben vor Kurzem, während einer Veranstaltung in der berühmten Augarten Porzellanmanufaktur in einem der beiden Brennöfen ausgehaucht hat.

Wenig später ist auch Bertie tot - erschossen bei der Verleihung der Parfum-Oscars. Was ist in diesem Kosmetik-Konzern los, dass gleich zwei Führungskräfte ermordet werden? Die Polizei schießt sich auf eine geschasste Parfümeurin ein, die blöderweise Schmauchspuren an der Kleidung hat.

Miss Brooks, deren Vorname so schrecklich ist, dass ihn niemand erfahren darf, beginnt als Mitglied der Très Loué-Familie gemeinsam mit der Journalistin Katja Pötzelberger und dem Très Loué-Testimonial Konstanze Körbler, ein wenig herumzuschnüffeln, einen Ausflug an die Côte d’Azur inklusive. Dabei erfährt das Trio einige Dinge, die, wenn sie bei bekannt würden, den Nimbus des qualitätsbewussten Konzern wie in der Hitze verschmiertes Make-up aussehen ließen.

Sollen diese Machenschaften vertuscht werden? Oder ist alles doch ganz anders?

Meine Meinung:

Dieser Cozy-Krimi, der Auftakt zu einer neuen Krimi-Reihe aus der Feder von Martina Parker ist, hat mich sehr gut unterhalten. Wie ich es von der Autorin der Gartenkrimis, die alle im Südburgenland spielen, gewöhnt bin, zeichnet sich auch dieser durch liebevoll gezeichnete weibliche Charaktere, die durchaus auch bockig und garstig sein dürfen aus.

„Die Hölle ist nichts im Vergleich zur Rache einer Frau.“ (S. 209)

Schauplatz ist diesmal Wien, genauer gesagt die Donaustadt, der 22. Bezirk, der sich vor allem durch seine gemischten Bevölkerung auszeichnet. Neben frisch zugezogenen Jungfamilien, die sich in den zahlreichen Neubaugebieten wie der Seestadt Aspern niedergelassen haben, finden wir auch Alteingesessene aus Stadlau und Aspern, die den Veränderungen wenig abgewinnen können. Es reihen sich hypermoderne Wohnhäuser an Gemeindebauten aus der Zwischenkriegszeit aneinander. Dazwischen liegen die immer seltener werdenden Gärtnereien sowie traditionelle Einfamilienhäuser. Ich lebe selbst seit über 30 Jahren in Essling, das in unmittelbarer Nachbarschaft von Aspern liegt.

Das hört sich dann im Café Pinguin, das wie Martina Parker im Nachwort erklärt, ein reales Vorbild hat, das leider nicht mehr existiert, so an:

„Alle wollen s‘ jetzt in die Donaustadt. Dabei is eh so viel Stau auf der Tangente. Erst kommen die Hipster, dann die Immobilienhaie. Und wir werden verdrängt von Trotteln mit Lastenfahrrädern, die Hafermilch-Caffè-Latte saufen und Mode für ihre Möpse kaufen. Daschiaßen müsst ma die Bagage, daschiaßen.“ (S. 71)

Entzückend ist auch Edi, der Aushilfskellner und Vater vom ermittelnden Polizisten Luka. Edi ist der einzige, der Miss Brooks Vornamen erfährt (ihn aber nicht weitersagt). Ich hoffe, auf die Auflösung des Rätsels in der Fortsetzung.

Sehr gut gefällt mir die Verwandlung von Miss Brooks von der verlassenen Ehefrau, die Sorgenpüppchen am laufenden Band häkelt, zu einer selbstbewusste Frau. Wie sagt der Taxler so treffend:

„Wissen S‘ Gnä‘ Frau, manche Männer sind wie Wolken. Wenn sie sich endlich verziehen, wird es wieder schöner.“ (S- 177)

Ja, Martina Parker hat hier wieder ihre Lebenserfahrung (?) und ihren schwarzen Humor eingebracht, um ihre Leserinnen (ja, absichtlich nicht gegendert) zum Schmunzeln und zum Nicken zu bringen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem fulminanten Reihenauftakt, der mich bestens unterhalten hat, 5 Sterne und freue mich auf eine (oder mehrere) Fortsetzung(en).

Veröffentlicht am 02.07.2025

Penibel recherchiert und fesselnd erzählt

Der Totengräber und die Pratermorde (Die Totengräber-Serie 4)
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Oliver Pötzsch entführt uns in das Jahr 1896, in dem die Ausstellung „Venedig in Wien“ viele Neugierige in den Wiener Prater zieht. Die staunenden Besucher können in wackeligen Gondeln durch künstliche ...

Oliver Pötzsch entführt uns in das Jahr 1896, in dem die Ausstellung „Venedig in Wien“ viele Neugierige in den Wiener Prater zieht. Die staunenden Besucher können in wackeligen Gondeln durch künstliche Kanäle fahren. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt. Der Wiener Prater Anziehungspunkt ist für allerlei Gelichter und Streitereien unter den Schaustellern sind an der Tagesordnung. Um den nicht immer ganz legalen Geschäften ungestört nachgehen zu können und die Wiener Polizei vom Prater fern zu halten, hat sich eine Art Prater-Gerichtsbarkeit etabliert, die kleinere oder größere Raufhändel schlichtet und andere Vergehen zwischen den Schaustellern und Artisten ahndet.

Der Prater vermittelt einen trügerischen Glanz. Seit einigen Wochen sind mehrere Frauen abgängig. Man nimmt an, dass sie einem spendablen Gönner gefolgt sind. Dass dem nicht so ist, wird Anna, die Ziehtochter des Totengräbers Augustin Rothmeyer, bei einem Fußballspiel auf der Hohen Warte entdecken.

Doch zunächst schlägt der neue Zaubertrick der zersägten Jungfrau, der im Theater Ronacher gezeigt wird, fehl: Die Assistentin des Zauberers stirbt vor dem entsetzten Publikum unter dem sich auch Julia Wolf, die Reporterin befindet. Sie schleicht sich hinter die Bühne und beginnt die Anwesenden auszufragen. Damit kommt sie Kriminalinspektor Leo von Herzfeldt ins Gehege, der sich wenig später auch noch mit den vermissten Frauen beschäftigen muss.

Meine Meinung:

Wie wir es von Oliver Pötzsch und seinen historischen Romanen gewöhnt sind, erhalten wir auch hier einen penibel recherchierten und opulent erzählten Krimi aus dem Wien der Jahrhundertwende. Schmunzeln musste ich über die detaillierte Beschreibung der Rothschild‘schen Gärten auf der Hohen Warte und dem damaligen Fußballplatz des First Vienna Cricket and Footballclub. Der Fußballplatz, eine Naturarena, besteht heute noch, auch wenn man nun häufiger American Football als Fußball spielt. Ich habe ein paar Erinnerungen an meine Kindheit, als ich auf den Schultern meines Vaters sitzend, das eine oder andere Fußballspiel kommentiert habe.

Auch der Prater und seine damaligen Attraktionen, darunter die Ausstellung „Venedig in Wien“ oder der Auftritt der „Schlangenfrau“ mit ihrer Boa Constrictor, sind sehr gut beschrieben. Die erwähnte, noch im Planungsstadium befindliche Geisterbahn, gibt es mit ein paar Änderungen heute noch. Der Calafati wacht nach wie vor über das Geschehen, auch wenn die Fahrgeschäfte und Attraktionen nun ganz andere sind. Auf den Blumencorso muss man inzwischen mangels gekrönter Häupter allerdings verzichten.

Wer bei einem Wien-Besuch auf Julias und Leos Spuren wandeln will, dem sei das Prater-Museum und natürlich der Zentralfriedhof empfohlen.

Sehr interessant finde ich die entomologischen Studien, die Augustin Rothmeyer durchführt. Üblicherweise kennen wir sie nur von CSI-Folgen oder von True-Crime-Büchern, wenn über Bodyfarmen gesprochen wird. Dass man sich in Wien mit Neuerungen immer wieder schwer getan hat, zeigt auch die kritische Betrachtung, die Leo bei der Verwendung der der Daktyloskopie entgegengebracht wird. Offiziell wird sie erst 1902 in der ganzen Monarchie eingeführt. Ein nächster Meilenstein wird dann Rudolf Schneider (1873-1951) gelingen: Er erfindet 1909 die „Folie zur Abnahme und Fixierung von Fingerabdruckspuren“ (in einschlägigen Kreisen auch „Wiener Folie“ genannt), die die Abnahme und Archivierung der Fingerprints erleichtert.

Der erwähnte Skandal, bei dem die privaten Bestatter auch handgreiflich um Leichen gestritten haben, gab es tatsächlich. Daraus folgt, dass ab 1907 ausschließlich die Stadt Wien mit ihrer gemeindeeigene Firma „Gemeinde Wien - Städtische Leichenbestattung“ Bestattungen durchführen durfte. Inzwischen ist das Monopol aufgelassen.

Neben der fesselnden Krimihandlung, die uns tief in menschliche Abgründe blicken lässt, dürfen wir auch die private Geschichte von Julia und Leo weiterverfolgen. Schmunzeln muss ich auch, wenn Rothmeyers Ziehtochter Anna tief in der Pubertät steckt und der Totengräber ausgerechnet Leo um Rat fragt.

Der Schreibstil ist wie immer flüssig, der Sprachduktus der Zeit und dem Milieu angepasst. Für alle jene, die im Wiener Dialekt nicht ganz so bewandert sind, gibt es im Anhang ein Glossar.

Fazit:

Oliver Pötzsch hat mich mit diesem historischen Krimi sehr gut unterhalten. Ich gebe ja gerne zu, ein zwiespältiges Verhältnis zum Prater zu haben, da ich in der Nähe aufgewachsen bin und daher auch die weniger glitzernde Tagesansicht des nächtlichen Vergnügungspark kenne. Von mir erhält dieser 4. Band wieder 5 Sterne und eine Leseempfehlung.