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Veröffentlicht am 11.07.2025

Mehr als nur Mimimi – ein Buch mit Haltung

Offenheit und Berührbarkeit
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Ich hab das Buch Offenheit und Berührbarkeit von Barbara Schmitz nicht einfach gelesen – ich hab’s eher durchfühlt. Und das meine ich völlig nüchtern, obwohl das Cover irgendwie nach veganem Buchclub klingt. ...

Ich hab das Buch Offenheit und Berührbarkeit von Barbara Schmitz nicht einfach gelesen – ich hab’s eher durchfühlt. Und das meine ich völlig nüchtern, obwohl das Cover irgendwie nach veganem Buchclub klingt. Aber hey – Überraschung! Das Ding hat Tiefe, Haltung und sogar ein paar Denkanstöße, die wie Nadelstiche im Hirn landen – im besten Sinne.

Schmitz spricht über Verletzlichkeit, als wär’s nicht der nervige Elefant im Raum, sondern ein zartes Haustier, das wir alle irgendwie vernachlässigt haben. Und plötzlich denkt man: "Verdammt, da ist ja wirklich was dran!" Ihre Art, Ethik, Gesellschaft und sogar Machtverhältnisse mit dem Thema zu verknüpfen, ist ziemlich elegant – fast schon tänzelnd. Keine staubige Theorie, kein moralinsaurer Zeigefinger. Dafür: Klartext mit Haltung.

Natürlich gibt’s auch Passagen, bei denen ich mich gefragt hab, ob ich versehentlich in ein philosophisches Yoga-Retreat geraten bin. Da wird’s mitunter etwas verkopft, so als müsste man einen inneren Ethik-Dolmetscher hinzuziehen. Aber gut – ein bisschen Kopfarbeit darf sein, man ist ja nicht auf TikTok hier.

Besonders gefallen hat mir, dass sie nicht mit dieser toxischen Resilienz-Keule kommt, so à la „Stell dich nicht so an!“. Stattdessen: Einfühlsamkeit, Reflexion, und sogar ein kleiner Aufstand gegen die permanente Selbstoptimierung. Ich applaudier innerlich.

Fazit: Ein Buch, das nicht heilt, aber hilft. Kein Ratgeber, sondern ein gedanklicher Spaziergang mit Gesprächsbedarf. Ein Stern Abzug, weil’s streckenweise ein bisschen schwurbelt – aber hey, das Leben tut das ja auch.

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Veröffentlicht am 04.07.2025

Drei Frauen, ein Tal und der ganz große Kampf

Das Echo der Sommer
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Na gut, dieses Buch hat mich mit einem leichten Rentiergeweih auf dem Kopf und nassen Füßen erwischt – „Das Echo der Sommer“ von Elin Anna Labba ist kein Roman, den man einfach mal eben wegliest. Nee, ...

Na gut, dieses Buch hat mich mit einem leichten Rentiergeweih auf dem Kopf und nassen Füßen erwischt – „Das Echo der Sommer“ von Elin Anna Labba ist kein Roman, den man einfach mal eben wegliest. Nee, das Ding hallt nach. Ich dachte zuerst: Natur, Sámi, Heimat – klingt nach stillen Seen und viel Moos. Aber zack, da kommt die Flut, und das ganze Sommerland geht baden. Und damit nicht nur ein paar Hütten, sondern gleich ein ganzes Stück Identität.

Die kleine große Heldin, stapft da mit 13 durch die nasse Tragödie ihres Lebens, während Mutter und Tante den Behörden zeigen, was eine Rentierkeule ist. Die Frauen sind zäh wie Trockenfleisch und gefühlvoll wie Rentieraugen im Morgengrauen. Kein Witz – selten hab ich Figuren so intensiv erlebt. Die Wut, die Hilflosigkeit, die Liebe zur Heimat – alles drin, ohne dass es pathetisch wird. Eher leise wütend. Und poetisch wie ein Schneesturm, der dir eine Ohrfeige gibt.

Was mir gefallen hat? Die Sprache! Hanna Granz hat hier keinen trockenen Brocken übersetzt, sondern was Lebendiges, das singt, beißt und leise jault. Was mir gefehlt hat? Ein bisschen mehr Tempo zwischendurch. Ich hab ein paar Mal gedacht: Okay, schön, aber darf’s jetzt mal weitergehen? Nicht schlimm, aber erwähnenswert.

Am Ende bleibt ein warmes Ziehen im Herzen – und die Frage: Wie viel kann ein Mensch (oder ein Volk) verlieren, bevor er sich selbst verliert? Große Fragen, leise Töne, starke Frauen. Ich zieh meinen (unsichtbaren) Hut. Vier Sterne, weil fünf schon wieder kitschig wären.

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Veröffentlicht am 01.07.2025

Geschichten, die nicht schreien müssen, um zu bleiben

Unter derselben Sonne
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Ich dachte, ich les da mal eben rein, ein bisschen Biografie, bisschen Kultur, fertig. Stattdessen hat mir Nadège Kusanika mit Unter derselben Sonne literarisch so liebevoll eine gescheuert, dass ich zwischendurch ...

Ich dachte, ich les da mal eben rein, ein bisschen Biografie, bisschen Kultur, fertig. Stattdessen hat mir Nadège Kusanika mit Unter derselben Sonne literarisch so liebevoll eine gescheuert, dass ich zwischendurch lachen, schlucken und kurz mal meine Komfortzone durchlüften musste. Die Frau schreibt, als würde sie mir direkt gegenüber am Küchentisch sitzen – zwischen Süßkartoffelblättern, Kindheitserinnerungen und deutschem Kantinenessen.

Was mich besonders abgeholt hat: diese Mischung aus poetischer Melancholie und trockenem Humor. Man merkt, da ist jemand nicht einfach „gekommen“, sondern dazwischengewachsen – zwischen Kongo und Deutschland, Mango und Mettbrötchen. Und das erzählt sie ohne Pathos, aber mit verdammt viel Herz.

Ja, klar, manches Kapitel wirkt fast zu leise, zu sanft – aber vielleicht ist genau das die Stärke. Kein großes Drama, sondern echtes Leben. Und das knallt dann eben auf die ganz stille Tour.

Ich hätte mir hier und da etwas mehr narrative Struktur gewünscht, manchmal irrt man ein bisschen zwischen den Erinnerungen umher wie ein Tourist ohne Google Maps – aber hey, vielleicht ist das Absicht. Identität findet man schließlich auch nicht auf geradem Weg.

Unterm Strich: Ein starkes Debüt, das auf charmante Art unbequem ist – wie neue Schuhe, die man trotzdem liebt. Ein Buch, das gleichzeitig brennt und wärmt. Und definitiv nicht nur für Leute, die „Was mit Migration“ lesen wollen.

Ich sag mal so: Lesen bildet. In diesem Fall auch ein kleines bisschen Demut.

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Veröffentlicht am 30.06.2025

Im Federrock durch die Geschichte – Josephine Baker legt los

"Tanzen, Singen, Freiheit". Memoiren
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Also gut – ich bin reingestolpert in dieses Buch wie Josephine einst auf eine Bühne: etwas skeptisch, leicht überfordert, aber dann plötzlich mittendrin im Glitzerregen. Und was soll ich sagen? Diese Frau ...

Also gut – ich bin reingestolpert in dieses Buch wie Josephine einst auf eine Bühne: etwas skeptisch, leicht überfordert, aber dann plötzlich mittendrin im Glitzerregen. Und was soll ich sagen? Diese Frau ist ein verdammter Vulkan im Federrock! Ihre Memoiren sind kein glattgebügelter Lebenslauf, sondern eher ein wilder Charleston aus Erinnerungen, Emotionen und echtem Revoluzzertum.

Josephine schreibt, wie sie gelebt hat – direkt, ungestüm und mit einer Portion Größenwahnsinn, die ich ihr an keiner Stelle übelnehmen konnte. Sie erzählt von Armut, Rassismus, Ruhm und Resistance – alles mit einer Stimme, die klingt, als säße sie mit einem Cocktail neben dir auf dem Sofa und sagt: „Und weißt du, was dann passiert ist?“

Natürlich gibt’s auch Momente, in denen ich mir dachte: Na gut, jetzt wird's ein bisschen dick aufgetragen, aber hey – das ist Josephine Baker. Die hat sich nicht hochgetanzt, um dann leise zu flüstern.

Die Kapitel über den Zweiten Weltkrieg haben mich besonders gepackt. Plötzlich wird aus dem Showgirl eine Spionin mit Mut bis unter die Basstuba – was für eine Wendung! Man merkt, dass sie mehr war als nur Glitzer und Banane.

Ein Extra-Stern geht an die Übersetzung – charmant und trotzdem rau, so wie’s sein muss. Der vierte Stern bleibt dann bei mir, weil ich gerne ein bisschen mehr Tiefgang gehabt hätte bei manchen Themen, vor allem am Ende.

Fazit: Wer glaubt, das hier sei nur die Geschichte einer Tänzerin, liegt so falsch wie ein Taktgefühl im Swing. Es ist die Geschichte einer Frau, die keine Angst hatte, alles zu sein. Ich verbeuge mich. Mit einem breiten Grinsen. Und einer Banane im Kopf.

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Veröffentlicht am 26.05.2026

Wenn Väter plötzlich Weltgeschichte schreiben

Männer, Väter, Patriarchen. Eine Geschichte von Liebe und Macht
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Vaterschaft klingt erstmal nach Windeln, Verantwortung und diesem besonderen Blick, wenn ein Kind einen komplett entwaffnet. Dieses Buch geht aber deutlich tiefer. Hier wird nicht nur gefragt, was ein ...

Vaterschaft klingt erstmal nach Windeln, Verantwortung und diesem besonderen Blick, wenn ein Kind einen komplett entwaffnet. Dieses Buch geht aber deutlich tiefer. Hier wird nicht nur gefragt, was ein Vater ist, sondern auch, warum Männer über Jahrhunderte so verdammt oft mit Macht, Kontrolle und gesellschaftlicher Ordnung verbunden wurden.

Augustine Sedgewick nimmt einen mit auf eine ziemlich große Reise. Aristoteles, Augustinus, Heinrich VIII., Darwin, Freud, da sitzt plötzlich eine ganze Runde berühmter Männer am Tisch und man denkt sich zwischendurch: Meine Güte, ihr habt aber auch alle euer Päckchen getragen. Und teilweise anderen gleich noch eins mit aufgedrückt.

Besonders stark fand ich, dass das Buch Vaterschaft nicht romantisch weichzeichnet. Es zeigt Liebe, Fürsorge und Nähe, aber eben auch Besitzdenken, Hierarchie und diesen alten patriarchalen Kram, der bis heute nachwirkt. Man liest das und nickt manchmal, dann schnaubt man kurz, dann denkt man wieder an den eigenen Vater, an sich selbst oder an Männerbilder, die man irgendwo übernommen hat.

Ganz ehrlich: Immer ganz leicht ist das nicht. Manche Passagen sind sehr dicht, manche Porträts wirken eher wie ausführliche Ausflüge als wie ein direkter roter Faden. Aber langweilig wurde es mir nicht. Dafür ist das Thema zu spannend und der Blick darauf zu scharf.

Für mich ein kluges, wichtiges und stellenweise richtig unbequemes Sachbuch. Kein Buch zum Wegatmen, eher eins zum Nachdenken, Markieren und zwischendurch mal kurz aus dem Fenster starren.

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