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Veröffentlicht am 18.07.2025

Magisch, spannend und achtsam

Die Insel der magischen Wächter – Der große Test
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Nach dem frühen Tod ihrer Eltern wächst Berry bei ihren Großeltern Oli und Oda auf einer einsamen Insel auf. Sie liebt es sich dort um die Pflanzen und Tiere zu kümmern und singt für sie und singt mit ...

Nach dem frühen Tod ihrer Eltern wächst Berry bei ihren Großeltern Oli und Oda auf einer einsamen Insel auf. Sie liebt es sich dort um die Pflanzen und Tiere zu kümmern und singt für sie und singt mit ihnen. Als unerwartet die Einladung zur Aufnahmeprüfung für die Wächter-Akademie auf der Lotusinsel, ist sie sich unsicher, doch ihre Großeltern machen ihr Mut. Mit Erschrecken stellt sie fest, dass sie aus den einfachsten Verhältnissen von allen Anwärtern für die Aufnahmeprüfung ist. Ob sie dort jemals Freunde finden wird? Die quirlige Cherry scheint da völlig offen zu sein, ganz anders als die hochnäsige Rella, die sich offen über sie lustig macht, oder der Einzelgänger Sam, der aus der reichsten und einflussreichsten Familie von Narkonn stammt. Von den Meisterinnen und Meistern sollen sie die Kunst der Heilung, der Verteidigung und Tier- und Pflanzenpflege lernen. Bis zur Prüfung sollen sie so weit sein, sich in ihre Wächtergestalt zu verwandeln. Auch wenn sie sich mit der Zeit gut einlebt und ihr die Aufgaben Spaß machen, scheint es ihr unmöglich, ihre Gestalt zu wandeln. Sie verkrampft immer mehr, aus Angst die Insel und ihre neuen Freunde verlassen und ihre Großeltern enttäuschen zu müssen.

Jodie Ahlborn zeigt mal wieder viel Gespür für die Magie der Geschichte. Mit Herz, Seele und Magie erzählt sie Berrys Geschichte und lässt uns an ihren Nöten teilhaben. Kurzweilig und voller Elan nimmt sie uns mit ihrer wandelbaren Stimme mit auf die Insel der Wächter, zu Aufgaben die von uns Menschen längst vergessen wurden. Dabei schafft sie es spielerisch Spannung aufzubauen, in dem sie uns Berrys Verzweiflung hören lässt oder eben auch ihre Fassungslosigkeit über die schier unendlichen Atemübungen... Das ist schon irgendwie witzig und Christina Soontornvat wird mit diesem liebevollen Detail die Herzen der Zuhörenden treffen. Wie es nunmal im Leben so ist, kommt natürlich alles ganz anders als gedacht oder befürchtet und den Stein, der Berry vom Herzen fällt, den hören wir (fast) auch. Da vergeht die Zeit des Zuhörens, wie im Flug!

Wer aufgrund des Covers vielleicht fürchtet, dass die Geschichte kitschig werden könnte, den mag ich zu beruhigen. Es geht um Freundschaft, Magie, Umweltschutz und Achtsamkeit. Die Kinder lernen auf der Lotusinsel Verantwortung für ihre Umwelt und Mitwesen zu übernehmen, keine lustigen Tänze oder romantische Lieder beim Blumenkranz binden. Dabei geht es aber auch um gesellschaftliche Unterschiede, oder vielleicht, dass wir vor der Natur alle gleich sind und es auch so bleiben sollte.

Im Auftaktband lernen wir erstmal Berry und ihre Heimat, aber auch ihre zukünftige Heimat auf der Lotusinsel und deren Bewohner und Besonderheiten kennen. Der Start ist daher noch etwas ruhiger, um Berry und ihre Freunde die Würmer besser kennen zu lernen. Ich würde übrigens auch gerne die Würmer in meinem Garten um Rat fragen, ob sie mir bitte den besten Ort für eine Pflanze zeigen könnten. Dass Berry dies ganz selbstverständlich kann und tut, ist sogar auf der Insel der Wächter einzigartig.

Berry ist sehr sensible und etwas unsicher, aber sehr freundlich. Dabei ist sie sehr sympathisch und so hat es mich sehr gefreut, dass sie zumindest in Cherry auf Anhieb eine gute Freundin gefunden hat. Das lässt sie Rellas Boshaftigkeiten besser verkraften. Es zeichnen sich allerdings auch schon die ersten „Wolken“ am Horizont der Lotusinsel ab, so dass wir sicher seien können, dass in den nächsten Bänden noch so einige Herausforderungen auf Berry und die übrigen Novizen der Wächter-Akademie zukommen werden.

Ich bin auf jeden Fall gespannt und werden am Wurm, äh Ball bleiben! Magisch, achtsam und aufregend ab 8 Jahren.

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Veröffentlicht am 04.07.2025

Eine Geschichte für die Ewigkeit - so schön!

MANHWA – Klassiker für Kids – Anne auf Green Gables
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Die Geschwister Marilla und Matthew Cuthbert leben auf einer idyllischen Farm auf Prince Edward Island im Süden von Kanada, Anfang des 20. Jahrhunderts. Da Matthew langsam Probleme mit dem Herz bekommt ...

Die Geschwister Marilla und Matthew Cuthbert leben auf einer idyllischen Farm auf Prince Edward Island im Süden von Kanada, Anfang des 20. Jahrhunderts. Da Matthew langsam Probleme mit dem Herz bekommt und die harte Farmarbeit für ihn zu viel wird. Bitten sie eine Bekannte, die sich aus dem Waisenhaus ein Kind zur Hilfe im Haushalt aussuchen will, ihnen einen kräftigen Jungen mitzubringen. Als der schüchterne Matthew am Bahnhof ankommt, um den Burschen abzuholen, sitzt dort ein aufgeregtes, rothaariges Mädchen (12) mit ganz vielen Sommersprossen und schäbiger Habe und strahlt ihn an, als wäre er die Erfüllung all ihrer Wünsche. Völlig überrumpelt mit er sie mit nach Avonlea und staunt, wieviel so ein Mädchen erzählen kann und was sie um sich herum alles begeistern kann So hat er seine Heimat ja noch nie gesehen! Marilla ist entsetzt und festentschlossen, Anne „umzutauschen“. Als sie jedoch mitbekommt, in welch grässlichen Haushalt Anne dann kommen würde, bringt sie es nicht über sich, sondern behält sie. Bedingung ist, dass sie die Verantwortung für die Erziehung des Kindes alleine übernimmt und nicht ihr gutmütiger, sanfter Bruder. Dies ist die Geschichte des legendären Rotschopfes, mit der schönen Nase, dem großen Herzen und einem Kopf voller Ideen und Träume.

Ich bin ja ein ganz großer Fan dieses Klassikers und musste daher natürlich auch die Manhwa Version lesen, auch wenn mir klar war, dass neben den Manhwa Illustrationen kein Raum für sämtliche von Anne so heiß geliebten „großen“ Worte sein würde. Denn das kleine Waisenkind Anne, Tochter von 2 viel zu früh verstorbenen Lehrern, liebt Poesie und die Schönheit von Sprache, neben der der Natur, der Fantasie und der Freundschaft. Man muss sie einfach lieben, auch wenn sie vor lauter Träumereien schon mal den Alltag vergisst oder statt Zucker Salz zum Backen verwendet. Aber Anne ist stets liebenswert, nie boshaft oder neidisch und einfach unheimlich glücklich, dass ihr die unverheirateten Cuthbert Geschwister ein so schönes Zuhause bieten, auch wenn Marilla manchmal etwas streng und sehr bodenständig ist. Ihr stiller Bruder Matthew versteht Annes Träumereien deutlich besser. Letztendlich hat sie es ja auch ihm zu verdanken, dass sie bleiben darf, weil er dieses begeisterungsfähige, dauerplappernde kleine Mädchen in sein Herz geschlossen hat.

Statt großer Worte finden sich hier deutlich mehr farbenfrohe und bisweilen sehr blumige und romantische Illustrationen. Das passt sehr gut, zu Annes Liebe zur Natur und ihren vielen Ideen und Träumen. Dadurch ist es mit ihr nie langweilig und schon bald findet sie nicht nur in Diana von der Nachbarfarm eine treue Freundin fürs Leben, sondern fügt sich gut ins Leben von Avonlea ein. Wäre da nur nicht ihr Sturkopf, der ihr im Weg steht, ihr Hang zu Fettnäpfen und Katastrophen und ihre ewige Fehde mit Mädchenschwarm Gilbert, der es sich auf Anhieb mit ihr verscherzt hat.

Da sich der Manhwa an junge Leserinnen von 8 Jahren richtet, endet dieser Band, wenn die Romanvorlage zu romantisch wird. Denn auch wenn Anne sehr unter ihren roten Haaren und Sommersprossen leidet und keine klassische Schönheit ist, findet sie durch ihren Charme, ihre Begeisterungsfähigkeit, ihren wachen Verstand und ihr großes Herz immer wieder auch Verehrer.

Dieser Band ist gekürzt und einige von Annes besten Pannen mussten leider unberücksichtigt bleiben. Aber die enthaltenen machen neugierig auf mehr und da dieser Klassiker so unendlich zeitlos ist, werden neue Fans, die nun ihr Herz für Anne entdeckt haben, noch viele Versionen zum Stillen ihrer Sehnsucht finden. Denn wer kann sich schon dem Charme von Anne Shirley entziehen?

Ach übrigens, Manhwas liest man wie Comics von Vorne nach Hinten, anders als Mangas, die rückwärts gelesen werden...

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Veröffentlicht am 19.06.2025

Leander heiratet...

Lautlose Feinde
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Einen Tag vor der Hochzeit von Leander Lost, dem Asperger autistischem Austauschkommissar aus Hamburg und Soraia Rosado, der Schwester seiner Vorgesetzen, geschieht im Hinterland von Fuseta ein Mord. Das ...

Einen Tag vor der Hochzeit von Leander Lost, dem Asperger autistischem Austauschkommissar aus Hamburg und Soraia Rosado, der Schwester seiner Vorgesetzen, geschieht im Hinterland von Fuseta ein Mord. Das Opfer ist ein Zollbeamter, der am Flughafen von Faro arbeitet und kurz darauf erhält dessen Tochter eine Lösegeldforderung für ihre entführte 9 jährige Tochter Maria. Hat André Bento sterben müssen, weil er seine Enkelin schützen wollte? Dabei erscheint auch noch ein Mitarbeiterin der Internen Ermittlungen am Tatort und überträgt die Leitung ausgerechnet Miguel Duarte, da gegen Gracia Rosado, wegen tödlicher Schüsse ermittelt wird. Miguel sieht endlich seine große Chance gekommen, hat aber gleichzeitig Angst vor einer Entscheidung.... Warum sollte jemand die Tochter einfacher Gemüsehändler entführen und 250.000,- € erpressen, sofern sie nicht an Organhändler verkauft werden soll? Leander mit seinem gnadenlos logisch, analytischen Verstand bemerkt schnell sämtliche Ungereimtheiten, im Tatmuster, wenn auch nicht die zwischenmenschlichen Feinheiten. Als es den Ermittlern gelingt Maria zu befreien, kann entspannt und ausgelassen endlich die Hochzeit gefeiert werden. Nur, das der Nebel über der Algarve Leanders und Soraias Abflug in die Flitterwochen verhindert und als dann weitere Leichen auftauchen ist das ganze Team in Alarmbereitschaft.

Dies ist der 7. Fall rund um den GNR in Fuseta und er eignet sich nicht zum Einstieg, auch nicht mithilfe des Klappentextes, der wenig mit dem tatsächlichen Inhalt zu tun hat.

Die Hochzeit auf der Gasse vor der Casa Rosado ist ebenso herzlich wie portugiesisch und Leander staunt immer wieder, dass so etwas in Hamburg nie möglich wäre... Auch wenn Leander fast schon gerührt ist, kommt durch die Erzählweise in Rückblicken und Zeitsprüngen, dennoch keine Sentimentalität auf, auch wenn sie echt schön ist... Diese Hochzeit bringt sie alle einander noch näher... und dank des Wetters, müssen die Ermittler auch nicht auf ihren Senor Lexico verzichten, dem Details auffallen, auf die sonst niemand achtet und der jederzeit Unmengen an scheinbar nutzlosem Wissen abspulen kann. Ohne diese Eigenschaft, wären sie aber wohl auch nie so stutzig geworden und hätten nach Verbindungen gesucht, die tunlichst verborgen bleiben sollten. Hier geht es um viel Größeres und das merkt auch die Presse bald, die Miguel eifrig zur Dokumentation seiner Heldentaten ständig einlädt.

Dieses Mal ist der Fall besonders kompliziert, da bis auf unsere Freunde aus Fuseta, die wir auch dieses Mal noch besser mit ihren Eigenheiten kennenlernen, niemand ist, wer sie oder er zu sein vorgeben. Bei den wechselnden Identitäten verliert man schon mal leicht den Überblick. Es ist zwar schön, dass es im Klappcover nicht nur wieder zwei Übersichtskarten von Fuseta und Umgebung gibt, sondern auch ein Personenverzeichnis für die Nebencharaktere.... Doch jede einzelne Tarnidentität ist aufgeführt, ohne zu verraten, wer dahinter steckt, da ist wirklich höchste Konzentration geboten. Auch beim zweiten Hören ist es nicht wirklich offensichtlich und man muss sich stets mentale Notizen machen....

Sehr gut gefällt mir, dass Leander Lost mit seinen Eigenheiten als Asperger Autist sehr sympathisch dargestellt wird. Er wird nie lächerlich gemacht, auch wenn man manchmal über seine Eigenheiten lachen muss, aber nicht gehässig, sondern eher im Sinne von „so so“.

Das Thema ist dieses Mal nicht ganz so politisch brisant, wie bei den ersten Bänden, es führt uns aber deutlich vor Augen, dass die Welt in den letzten Jahren leider kein sicherer Ort geworden ist. Bisweilen ist es fast unmöglich die Guten von den Bösen zu unterscheiden. Leander, Graciana, Carlos, Soraia, Sarah, Isadora... mal ausgenommen... Sie haben wie alles Rosados ein großes Herz am rechten Fleck. Die Welt wäre ein besserer Ort, gäbe es mehr Menschen wie sie. Sehr süß finde ich auch immer wieder Leanders Überlegungen, was er alles von Soraia gelernt hat, was sich ihm mit Logik nicht erschließt.... Es folgt eine Arabesque, die es in sich hat... da ich das Fuseta-Feeling aber lieber, habe ich Andreas Pietschmann wieder sehr gerne zugehört. Er hat extra für Leander einen ganz speziell emotionslosen Tonfall. Bei den vielen falschen Identitäten, ist es aber unmöglich, dass jeder Charakter eine eigene Stimme erhält... denn die Identitäten, sprechen ihren Tarnungen entsprechend...

Internationale Verwicklungen, die es in sich haben...

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Veröffentlicht am 16.06.2025

Tragende Gefühle

Alles, was wir tragen können
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Was können wir eigentlich alles tragen? Helen Docherty und Brizida Magro zeigen es uns. Auf jeder Seite finden wir Kinder in allen möglichen Situationen, die etwas tragen. Mal im konkreten, mal im übertragenen ...

Was können wir eigentlich alles tragen? Helen Docherty und Brizida Magro zeigen es uns. Auf jeder Seite finden wir Kinder in allen möglichen Situationen, die etwas tragen. Mal im konkreten, mal im übertragenen Sinne.

Mit diesem Bilderbuch geht die Autorin Helen Docherty auf die Ängste ihrer ältesten Tochter ein und beantwortet sie ebenso liebevoll, wie auch achtsam und für Kinder ab 4 Jahren verständlich. Wir werden getragen und können selbst tragen. Mit unseren Armen und Händen und in unserem Herzen. Wir alle können das, egal wie groß wir sind und wo wir herkommen oder wie wir aussehen. Tragen und Getragenheit, Getragen werden und lassen, im wörtlichen und übertragenen Sinne! Natürlich geht es hier vor allem aus Erlebnisse eines kindlichen Horzionts. Man kann jede Menge Kissen tragen, oder seinen Teddy, die Decke, in die man gekuschelt ist, einen von der Sonne gewärmten Stein voller Erinnerungen in der Hand, oder die Gießkanne, mit der man die Sonnenblumen wässern und ihnen so das Leben retten kann.

Die Übersetzung aus dem Englischen von Claudia Koch ist sensibel. Sie schafft es, die kurzen einfachen Sätze sowohl verständlich, als auch harmonisch klingen zu lassen. Es ist das Zusammenspiel von Text und Bild das den kleinen Zuhörern und Bildbetrachtern die volle Bedeutung der kleinen Szenen rund um das Tragen und Getragen werden nahe bringen. Sie erfassen es ganz instinktiv.

Meinem Mann, der sofort ganz angetan war von diesem wunderschönen Bilderbuch gefiel sofort das Spiel mit dem Wort „tragen“ und dass die Kinder auf dem Cover und im Buch ganz unterschiedlich aussehen. Endlich wurde auch mal an die rotblonden mit Sommersprossen gedacht! Aber nicht nur sie sind hier vertreten, denn die Menschheit ist so unterschiedlich, wie alles was man (in sich) tragen kann. Die Illustrationen von Brizida Magro sind freundlich und farblich harmonisch. Sie versprühen eine Atmosphäre der Geborgenheit und der Gewissheit „das alles gut wird“. Sie sprechen sofort an und sind modern und kindgerecht gehalten. Schon auf den ersten Blick können Kinder die Botschaft der Bilder erfassen.

Ganz sicher ist jedoch doch: Du wirst immer getragen, ganz liebevoll von Deinen Eltern! Und zum Schluss lässt es sich prima Einschlafen, getragen von der Gewissheit, das die Liebe der Eltern einen durch die Träume und die Nacht tragen.

Ein Bilderbuch ab 4 Jahren, dass Vertrauen schafft, Mut schenkt und ganz viel Liebe.

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Veröffentlicht am 18.04.2025

Tödlicher Fußball!

Pirlo - Doppeltes Spiel
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Nach ihrem letzten Fall, der Kooperation mit Fallanalytiker Max Bischoff, um den Mord an der Kanzleipartner von Sophie Mahlers Vater aufzuklären, ist die Kanzlei RechtSchaffen pleite. Anton Pirlo liegt ...

Nach ihrem letzten Fall, der Kooperation mit Fallanalytiker Max Bischoff, um den Mord an der Kanzleipartner von Sophie Mahlers Vater aufzuklären, ist die Kanzlei RechtSchaffen pleite. Anton Pirlo liegt noch schwer lädiert im Krankenhaus und Sophie macht zu ihrer Ernüchterung den Kassensturz. Selbst sie ist nun ratlos, ganz anders hingegen Pirlos Bruder Ahmed (von dem Sophie noch immer nicht so genau weiß, was ihn und Pirlo verbindet). Er hat eine brilliante neue Geschäftsidee, von der er überzeugt ist, dass sie dieses Mal legal sei. Dies voraussgesetzt verspricht Pirlo Ahmed bei seinem neuen Plan mit der Kanzlei zu helfen. Ahmed will Spielerberater werden. Immerhin kennen sie beide die Familie des neuen Supertalents Serda Tuncay von Eintracht Düsseldorf (4. Liga, nicht zu verwechseln mit Fortuna Düsseldorf). Der 16 Jährige hat mit seinem Tor im DFB Pokal für DIE Sensation gesorgt. So einer braucht erfahrene Berater! Zu dumm nur, dass Pirlo und Sophie Strafverteidiger sind... aber Sophie liest sich mal wieder erstaunlich schnell und gründlich in alles ein, während sich Pirlo auf seinen Instinkt und sein Sprachtalent verlässt. Schneller als befürchtet, eckt er damit bei den Granden des Traditionsvereins an. Hinter seinem Rücken zieht der Vereinspräsident dann übel über die Herkunft von Pirlo sowie Serda und seinem Vater Hamsa Tuncay her... Am nächsten Tag ist der Grande tot und die Staatsanwaltschaft steht mit einem Haftbefehl vor Pirlos Tür. Damit, dass der neue Plan seines Bruders so laufen würde, hat noch nicht mal Pirlo gerechnet.

Pirlo ist der einzige wirklich rechtschaffene seines Clans, weshalb er sich ja diesen Namen „Anton Pirlo“ zugelegt hat, damit niemand auf falsche Gedanken bei ihm kommt. Doch ausnahmsweise ist es Ahmed mit etwas ernst und er hängt sich wirklich rein. Es ist nun Saubermann Pirlo, der am Pranger steht und in echter Gefahr schwebt. Sophie und der gemeinsame Doktorvater hängen sich mächtig rein.

Ingo Bott ist tatsächlich Strafverteidiger und ich durfte beim Zuhören noch etwas lernen. Zwei Wochen vorher hätte es mir mehr gebracht, aber gut. Ich finde die rechtliche Seite wohltuend korrekt, aber auch die Einblicke in das Fußballmilieu habe ich echt genossen. Als diese 2 Welten aufeinandertreffen, weil Pirlo die Homepage schnell um das Schlagwort „Fußballstrafrecht“ ergänzt, hat es mich von den Socken gehauen. Sophie erhält tatsächlich ein Mandat in einen Fußball-Schnell-Tribunal und hat das Gefühl, sie stünde im Strafrechtskindergarten. Ich hingegen habe mich beim Autofahren weggeschmissen vor Lachen, als Sascha Rotermund die rheinische Zeugenvernehmung so lebensecht spielt – einfach genial! Für mich ein absolutes Highlight, denn es ist soooo echt! Sprachlich und inhaltlich. Er spricht diesen Fall wirklich sehr lebendig, aber in den Dialogen ist er einfach besonders gut und wenn es rheinisch wird, einfach härrlisch!

Es bleibt allerdings trotz Ahmeds Spezialitäten nicht so lustig, denn das Fußball-Geschäft ist knallhart und es bleibt nicht bei einem Toten. Pirlo und Mahler sind ziemlich ratlos, aber mit weiteren Todesfällen oder knapp verfehlten kommt langsam Licht ins Dunkel, leider sehr erschereckend. Damit hätte ich nicht gerechnet, ich hatte mit gar nichts gerechnet, weil ich mir wirklich nicht vorstellen konnte, warum man die zwei großen Männer, eines Viertliga-Clubs töten sollte... Der Prozeß geht dann am Ende ganz schnell, vielleicht etwas zu schnell.... und dann wird Pirlo wieder ein Mikro und eine Kamera vor das Gesicht gehalten und er kann es nicht lassen... Sein Wort zur Presse, werde ich mir merken, auch wenn ich noch nie zu einem Prozess für die Presse Stellung nehmen sollte. Es war sehr schön und hat mich schmunzeln lassen. So klingt ein wirklich ungewöhnlicher Strafrechtskrimi auf einer persönlichen und amüsanten Note aus. Zeit für Sophie und Anton wieder persönlich zu werden.

Ein mal ganz anderer Krimi. Ich bin gespannt, wie es mit den Kollegen weitergeht.

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