Profilbild von Stillesen

Stillesen

Lesejury Star
offline

Stillesen ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Stillesen über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.08.2025

Großartiger Reihenauftakt

Rückkehr der Engel (Extended Version)
0

„Rückkehr der Engel“ von Marah Woolf ist Band 1 der Angelussaga, einer Urban-Romantasy-Trilogie, die jetzt als Schmuckausgabe mit zusätzlichen Kapiteln, Illustrationen und einem Farbschnitt neu erschienen ...

„Rückkehr der Engel“ von Marah Woolf ist Band 1 der Angelussaga, einer Urban-Romantasy-Trilogie, die jetzt als Schmuckausgabe mit zusätzlichen Kapiteln, Illustrationen und einem Farbschnitt neu erschienen ist.

Seitdem die Engel auf die Erde gekommen sind, kämpft Moon de Angelis wöchentlich in ihrer Heimatstadt Venedig in der großen Arena ums Überleben. Sie macht es, um genug Geld für die Flucht ihrer Geschwister zusammen zu bekommen. Die Gegner sind keine geringeren als die Engel selbst und die sind nicht nur körperlich überlegen, sondern auch gnadenlos.

Moon ist eine mutige Protagonistin und ist mir ans Herz gewachsen. Auch die Nebencharaktere gewinnen im Laufe der Geschichte an Tiefe.

Ich finde den Ansatz von der Autorin, Engel nicht zu glorifizieren und als fehlbar und alles andere als vollkommene Geschöpfe darzustellen, absolut gelungen. Der Schreibstil ist von Anfang an einnehmend und flüssig und auch wenn das Buch ab 14 Jahren geeignet ist, hatte auch ich meine Freude damit! Obwohl ich das Buch bereits vor Jahren gelesen habe, war ich auch jetzt wieder absolut gefesselt und begeistert.

Die Atmosphäre ist ganz besonders und macht der Bezeichnung dystopische Fantasy alle Ehre.

Die Engel haben eine besondere Hierarchie, was im hinteren Teil des Buches nochmal zusammengefasst ist. Ausserdem gibt es ein Personenverzeichnis, was ich sehr hilfreich fand.

Ich war skeptisch, ob es funktionieren würde, das Thema Engel in eine spannende Fantasy-Geschichte zu integrieren, und kann abschließend sagen: es hat geklappt! In keiner Weise habe ich die Geschichte als kitschig empfunden.

Fazit: „Rückkehr der Engel“ ist eine gelungene Wiederauflage für Fans von Marah Woolf und die, die es noch werden wollen. Für mich ist diese besondere Ausgabe das Tüpfelchen auf dem i und ein echtes Highlight, deshalb 5*/5 Sternen und eine Leseempfehlung für Fantasy-Fans.


  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.07.2025

Schmerz, den man nicht sieht – und doch jeden Tag spürt

Schmerz-Gepäck
0

Die Band Silbermond hat es mit dieser Textzeile auf den Punkt gebracht: „Denn es reist sich besser mit leichtem Gepäck“. Eine Redensart ist allerdings auch, dass jeder sein Päckchen zu tragen hat, der ...

Die Band Silbermond hat es mit dieser Textzeile auf den Punkt gebracht: „Denn es reist sich besser mit leichtem Gepäck“. Eine Redensart ist allerdings auch, dass jeder sein Päckchen zu tragen hat, der eine mehr, der andere weniger und das ganz unfreiwillig. Die Päckchen sind nicht sichtbar, können jedoch die Lebensqualität arg einschränken. So geht es Sandra Klossowski, die in ihrem Buch „Schmerz-Gepäck“ ihre chronische Erkrankungen thematisiert.

In kurzen, intensiven Kapiteln begleitet man die Autorin ein Jahr lang in ihrem Leben mit Fibromyalgie. Das ist eine unsichtbare, oft belächelte Erkrankung, die sie täglich herausfordert. Sie beschreibt den langen, zermürbenden Weg zur Diagnose. Die ständige Erschöpfung, die Fatigue, den Alltag mit Schmerzen und das Gefühl, immer wieder erklären zu müssen, dass es einem wirklich nicht gut geht, auch wenn man es nicht sieht.

Ich war an vielen Stellen tief berührt, weil Sandra so ehrlich erzählt und zeigt, wie viel Kraft es kostet, als chronisch kranker Mensch den Spagat zwischen Job, Familie und Alltag zu meistern. Wie oft dabei Übermenschliches geleistet wird, ohne dass es jemand merkt. Und weil sie gleichzeitig so viel Mut macht.

Nach der Diagnose beginnt ihre Reise zur Besserung. Sie teilt, was ihr geholfen hat: die multimodale Schmerztherapie, Veränderungen in der Ernährung, die Guaifenesintherapie, Achtsamkeit, kleine Glücksmomente und die bewusste Entscheidung für mehr Selbstfürsorge.

Besonders schön fand ich die Reflexionsfragen am Ende jedes Kapitels. Sie laden ein, innezuhalten und nachzudenken. Auch über sich selbst.

Sandra schreibt in Bildern, die hängen bleiben. Zum Beispiel, wie es sich anfühlt, mit angezogener Handbremse durchs Leben zu fahren, ein Vergleich, der mir sehr nahe ging. Und der zeigt, wie viel Verständnis wir für Menschen mit unsichtbaren Erkrankungen brauchen.

Es ist ein Mutmachbuch: Für andere Schmerzpatient*innen. Für Angehörige. Für alle, die sich einfühlen und verstehen möchten, was es heißt, ein Leben mit chronischen Schmerzen zu führen. Und es ist auch eine Art Anlaufstelle: Wenn man sich allein fühlt, wenn man keine Kraft mehr hat, dann tut es gut, zu lesen, dass es anderen ähnlich geht. Und dass es Wege gibt, wie es leichter werden kann.

Ich habe vieles aus dem Buch mitgenommen, da ich persönlich auch ein Päckchen mit mir herumtrage. Ich folge Sandra auf Instagram, weil sie nicht nur schreibt, sondern auch lebt, was sie in ihrem Buch zeigt: Du bist nicht allein.

Fazit: „Schmerz-Gepäck“ ist ein ehrliches, starkes und berührendes Buch über ein Leben mit Fibromyalgie. Sichtbar gemacht für all die, die täglich kämpfen, ohne dass man es sieht. Absolut lesenswert! 5/5 Sternen

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.07.2025

Informativ und spannend!

Animal
0

„Animal“ ist der dritte True-Science-Thriller aus der Feder von Tibor Rode und ich war skeptisch, ob mir das Buch auch so gut gefallen würde wie die Vorgänger. Denn das Thema klingt schon etwas absurd: ...

„Animal“ ist der dritte True-Science-Thriller aus der Feder von Tibor Rode und ich war skeptisch, ob mir das Buch auch so gut gefallen würde wie die Vorgänger. Denn das Thema klingt schon etwas absurd: Ein Schwein klagt vor Gericht wegen seiner schlechten Haltungsbedingungen und mittels KI kann man es sogar verstehen. Nach Beenden des Buches kann ich sagen, dass meine Zweifel total unbegründet waren! „Animal“ ist ein moderner, hochintelligenter Justizthriller, der mich mehr gepackt hat, als ich gedacht hätte.

Das deutsche Edel-Schwein Rosa klagt mit Hilfe der jungen Tierschützerin Enna und des erfahrenen Anwalts Rabenstein gegen den Massentierhaltungskonzern, wo es gehalten wird. Für den jungen Anwalt Ben Lorenz, der auf der Seite der Industrie steht, ist das Ganze zunächst ein absurder Fall und er verspricht sich den Sieg, denn Tiere sind juristisch gesehen schließlich nichts weiter als Sachen. Was Ben allerdings nicht weiß, ist, dass im Hintergrund ein internationales Forscherteam an nichts Geringerem als der Entschlüsselung der Tiersprache mithilfe von Künstlicher Intelligenz arbeitet.

Wie eine KI beginnt, Tierlaute zu decodieren, zu interpretieren und in menschliche Sprache zu übersetzen, fand ich besonders fesselnd und spannend. Rode beleuchtet diesen wissenschaftlichen Durchbruch von vielen Seiten, inklusive der Frage, was passiert, wenn Tiere uns wirklich sagen könnten, was sie fühlen, brauchen oder erleiden.

Aus verschiedenen Perspektiven geschrieben, konnte ich mich gut in alle Charaktere hineinversetzen. Auch Rosa bekommt eine Stimme und hat wirklich Beklemmung in mir ausgelöst.

Die Story entwickelt sich glaubwürdig und die kurzen Kapitel, die oft mit einem kleinen Cliffhanger enden, haben mich das Buch innerhalb kürzester Zeit beenden lassen.

Besonders die Doppelmoral der Gesellschaft hat mich erschüttert: Wir überbehüten unsere Haustiere und ernähren uns gleichzeitig bedenkenlos von Fleisch aus der Massentierhaltung. Wir sprechen von Tierliebe und tolerieren doch industrielle Grausamkeit, solange sie gut verpackt ist. Das Buch hat diese Fragen in mir wachgerüttelt, ohne belehren zu wollen.

Im ausführlichen Nachwort ordnet Rode die wissenschaftlichen Hintergründe ein und zeigt, was bereits Realität ist. Ich mag es ja, wenn man viel aus einem Buch lernen kann.

Fazit: „Animal“ ist ein ungewöhnliches, aber wichtiges Buch, das sich nicht in eine Schublade stecken lässt. Tibor Rode schafft es, gesellschaftlich relevante Themen wie Tierrechte, KI und Gerechtigkeit in einen echten Pageturner zu verpacken und ich wünsche mir, dass dieses Buch viele Leser*innen erreicht. Ich vergebe eine Empfehlung und 5/5 Sternen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.07.2025

Überraschend, warmherzig, tiefgründig

Glück ist ganz nach meinem Geschmack
0

„Glück ist ganz nach meinem Geschmack“ war für mich eine echte Überraschung. Ich hatte mit einer sommerlich-leichten Geschichte gerechnet und bekommen habe ich genau das und ganz viel mehr: Witz, Tiefe, ...

„Glück ist ganz nach meinem Geschmack“ war für mich eine echte Überraschung. Ich hatte mit einer sommerlich-leichten Geschichte gerechnet und bekommen habe ich genau das und ganz viel mehr: Witz, Tiefe, Wärme, ein Stück Selbstfindung und ziemlich viele Macarons!

Sam ist Anfang 40, Grundschullehrerin, alleinerziehende Mama von Hermine und war mir von der ersten Seite an sympathisch. Sie wirkt einfach echt, denn sie ist chaotisch, öfters hin- und hergerissen und hat gelernt sich anzupassen und versucht es, Erwartungen zu erfüllen, wie es so vielen Frauen eingetrichtert wurde. Jetzt beginnt sie zu ergründen, was sie eigentlich will, und ist dabei, sich das Leben zurückzuholen.

Der Lehreralltag wird ganz nebenbei, aber sehr treffend geschildert und thematisiert, wie man eigentlich allen gerecht werden soll.

Besonders gelungen fand ich aber die Rückblenden in Sams Schulzeit: Wer selbst in den 90ern Abi gemacht hat, wird sich hier nicht nur wiederfinden, sondern an manchen Stellen auch einfach selig grinsen.

Und dann ist da natürlich noch die Liebe. Ihre Jugendliebe Max ist plötzlich wieder greifbar. Und dann stolpert sie auch noch Finn in die Arme, der der neue, charmant-junge und unheimlich gutaussehende Schulrektor und somit ihr Chef ist. Dass Sam sich das nimmt, was sie will, fand ich erfrischend und empowernd.

Claudia Schaumann erzählt mit ganz eigenem Ton, der lustig, warmherzig und nie platt ist. Ihr Sprachgefühl ist pointiert, manchmal poetisch, manchmal laut lachend, aber immer lebendig. Es ist eines dieser Bücher, das man am liebsten direkt verschenken möchte, weil es einfach gut tut.

Fazit: „Glück ist ganz nach meinem Geschmack“ ist eine Liebeserklärung an zweite Chancen, 90er-Jahre-Schulflure, zartes Bauchkribbeln und das Recht, sich auch mit 43 nochmal neu zu erfinden. Macht Mut, macht gute Laune und macht Lust auf mehr von Claudia Schaumann! 5/5 Sternen

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.06.2025

Drei Frauen, drei Generationen und ein Ort, der alles verändert.

Die Hummerfrauen
0

Der Hummer auf dem Cover von dem Roman „Die Hummerfrauen“ ist wunderschön und auch wie im Buch kommt hinter der Schale (dem Schutzumschlag) etwas wundervolles zum Vorschein: auf dem Buch ist ein blauer ...

Der Hummer auf dem Cover von dem Roman „Die Hummerfrauen“ ist wunderschön und auch wie im Buch kommt hinter der Schale (dem Schutzumschlag) etwas wundervolles zum Vorschein: auf dem Buch ist ein blauer Hummer abgebildet, genauso einer wie „Mr. Darcy“, den Hummerfrau Ann als Haustier hält.
Mit ihren 72 Jahren fährt Ann immer noch mit ihrem Boot raus zu ihren Hummerfallen im Atlantik an der nordöstlichsten Ecke der USA, im Bundesstaat Maine, der kurz vor Kanada liegt. Seit sie von ihrer großen Liebe verlassen wurde, wohnt sie allein im beschaulichen Örtchen Stone Harbor und begegnet dort der fast zwanzig Jahre jüngeren Julie, die nach einem schweren Unfall auf dem Fischerboot zurück ins Leben findet.
Eines Tages wird die 28-jährige Mina an den Strand gespült. Auch sie hat mit einem Verlust zu kämpfen und kehrt an den Urlaubsort ihrer Kindheit zurück, an den sie so viele schöne Erinnerungen hat.
Das Leben auf der Insel ist rau und hart und um sich gegen die männlich dominierte Welt der Fischer zu behaupten, schließen sich die Frauen kurzerhand zusammen und werden zu einer eingeschworenen Gemeinschaft, fast schon einer Wahl-Familie.
Die Autorin Beatrix Gerstberger erzählt in zwei Zeitebenen und mit viel Feingefühl vom harten Alltag auf See, von Verlust, Neuanfang und dem Mut, sich selbst wiederzufinden. Besonders gelungen fand ich den Schreibstil – immer wieder gespickt mit wunderschönen, klugen Formulierungen, die mein Herz haben hüpfen lassen.
Jede der Frauen bringt ihre eigene Geschichte mit Narben, aber auch Kraft mit. Die Küstenbevölkerung hat ihre eigenen Regeln, die mich manchmal überrascht haben. Auch die anderen Bewohner des Ortes sind mir teilweise ans Herz gewachsen und wer Kleinstadt-Romane mag, der kommt hier voll auf seine Kosten.
Fazit: „Die Hummerfrauen“ ist ein warmherziger, kluger Roman über drei mutige Frauen, die sich gegenseitig Halt geben, ohne ihre Eigenständigkeit zu verlieren. Der Roman hat mich nicht nur mit der bildhaften Sprache und der rau-romantischen Atmosphäre begeistert, sondern auch mit der Authentizität seiner Figuren. Ich habe mit ihnen gefühlt, gehofft und gelacht und das Buch mit einem stillen Lächeln beendet. Ganz große Empfehlung für dieses Herzensbuch, daher vergebe ich gerne 5/5 Sternen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere