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Veröffentlicht am 08.09.2025

Packend, klug und unterhaltsam

Der Da Vinci Code
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Der Bestseller „Sakrileg – The Da Vinci Code“ von Dan Brown ist nun auch in einer gekürzten und altersgerechten Jugendbuchausgabe für Leser*innen ab 14 Jahren erschienen. Mit dem frischen Titel „Der Da ...

Der Bestseller „Sakrileg – The Da Vinci Code“ von Dan Brown ist nun auch in einer gekürzten und altersgerechten Jugendbuchausgabe für Leser*innen ab 14 Jahren erschienen. Mit dem frischen Titel „Der Da Vinci Code“, dem stimmungsvollen Farbschnitt und dem neuen Cover hat die Geschichte einen zeitgemäßen Anstrich bekommen. Besonders gelungen finde ich die Buchinnenklappen: Sie sind mit Fotografien und Abbildungen zu den in der Handlung vorkommenden Rätseln versehen. Das ist ein schönes Extra, das beim Lesen für zusätzliche Atmosphäre sorgt.

Zur Handlung: Symbolforscher Robert Langdon wird mitten in der Nacht nach Paris gerufen, wo er zusammen mit der Verschlüsselungsexpertin Sophie Neveu den rätselhaften Mord am Museumsdirektor des Louvre aufklären soll. Am Tatort finden sich geheimnisvolle Symbole und verschlüsselte Botschaften, die beide auf eine gefährliche Spur führen. Schon bald geraten sie selbst ins Visier der Ermittler und ziehen die Aufmerksamkeit der religiösen Organisation Opus Dei auf sich. Eine atemlose Hetzjagd durch Paris beginnt, die voller historischer Rätsel und alter Geheimnisse steckt.

Der Roman startet rasant, man ist sofort mitten in der Geschichte und diese Sogwirkung lässt bis zur letzten Seite nicht nach. Auch wenn es sich um eine gekürzte Jugendbuchausgabe handelt, geht nichts von der Spannung und Intensität verloren. Der Schreibstil ist eingängig, leicht verständlich und dennoch voller Atmosphäre.

Für mich persönlich war diese Lektüre etwas ganz Besonderes: Ich habe das Buch gemeinsam mit meinem Teenie-Sohn als Buddyread gelesen: eine absolute Premiere! Während ich mir bei knapp 500 Seiten genügend Zeit einplanen wollte, hat er das Buch regelrecht verschlungen, sodass ich kaum hinterherkam. Dass er anschließend sofort die weiteren Bände lesen möchte, ist für mich das schönste Kompliment an dieses Buch und gleichzusetzen mit einem Ritterschlag.

Oft werde ich gefragt, welche Bücher ich Jugendlichen empfehlen kann, die sich an spannende Literatur wagen möchten. „Der Da Vinci Code“ gehört ab jetzt ganz sicher auf diese Liste. Ein packender Thriller, klug und unterhaltsam, der Lust auf mehr macht.
Für mich und meinen Sohn: ganz klar 5/5 Sternen.

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Veröffentlicht am 17.08.2025

Ein bemerkenswertes Debüt

Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten
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An dem Titel „Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten“ konnte ich nicht vorbeigehen, ohne das Buch zu lesen. Da ahnte ich noch nicht, was für einen literarischen Schatz ich gefunden ...

An dem Titel „Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten“ konnte ich nicht vorbeigehen, ohne das Buch zu lesen. Da ahnte ich noch nicht, was für einen literarischen Schatz ich gefunden hatte.

Es beginnt mit einer verbotenen Schlachtung in einem norddeutschen Dorf: Das Blut dampft, die Urgroßmutter rührt schweigend in der Blutsuppe und erst als alles verarbeitet ist, öffnet sie wieder die Fenster. Damit ist der Ton gesetzt: archaisch, dicht, faszinierend.

Mit klarer Sprache und bisweilen rätselhaften und magischen Andeutungen zeichnet die Autorin ein Familienpanorama, das über Generationen hinweg verfolgt wird, von der Urgroßmutter bis zur Urenkelin Alma.

Alma scheint als letztes Glied in der Ahnenkette vieles zu wissen, ohne je dabei gewesen zu sein.

Anna Maschik gewährt einen Blick auf einen scheinbar unvermeidbaren Gang der Dinge, denn manches wiederholt sich in den Generationen: bevorzugte Geschwister, jahrelanger Schlaf, das Verwandeln in ein Möbelstück, oder in einen Wolf.

Der Fokus liegt auf den Frauen der Geschichte, die sich allesamt abgrenzen wollen und erst dadurch eine Gemeinsamkeit erzeugen.

Zwei konstante Personen ziehen sich wie ein roter Faden durch den Roman: Die Hebamme und die Totenfrau. Ich habe mich gefragt, ob die Namen auch eine tiefere Bedeutung haben.

Sowohl die Sprache als auch die besondere Formatierung machen den Roman zu einem spürbaren, nachhallenden Erlebnis.

Das Nichtgesagte hallt hier laut nach, wie ein Echo der vorherigen Generation.

Fazit: „Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten“ ist ein Roman über die Frage, wie sehr uns unsere Vorfahren geprägt haben und ob ein Ausbruch aus dem Kreislauf gelingen kann. Ein bemerkenswertes Buch, dem ich gerne 5/5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung gebe.

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Veröffentlicht am 14.08.2025

Großartiger Reihenauftakt

Rückkehr der Engel (Extended Version)
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„Rückkehr der Engel“ von Marah Woolf ist Band 1 der Angelussaga, einer Urban-Romantasy-Trilogie, die jetzt als Schmuckausgabe mit zusätzlichen Kapiteln, Illustrationen und einem Farbschnitt neu erschienen ...

„Rückkehr der Engel“ von Marah Woolf ist Band 1 der Angelussaga, einer Urban-Romantasy-Trilogie, die jetzt als Schmuckausgabe mit zusätzlichen Kapiteln, Illustrationen und einem Farbschnitt neu erschienen ist.

Seitdem die Engel auf die Erde gekommen sind, kämpft Moon de Angelis wöchentlich in ihrer Heimatstadt Venedig in der großen Arena ums Überleben. Sie macht es, um genug Geld für die Flucht ihrer Geschwister zusammen zu bekommen. Die Gegner sind keine geringeren als die Engel selbst und die sind nicht nur körperlich überlegen, sondern auch gnadenlos.

Moon ist eine mutige Protagonistin und ist mir ans Herz gewachsen. Auch die Nebencharaktere gewinnen im Laufe der Geschichte an Tiefe.

Ich finde den Ansatz von der Autorin, Engel nicht zu glorifizieren und als fehlbar und alles andere als vollkommene Geschöpfe darzustellen, absolut gelungen. Der Schreibstil ist von Anfang an einnehmend und flüssig und auch wenn das Buch ab 14 Jahren geeignet ist, hatte auch ich meine Freude damit! Obwohl ich das Buch bereits vor Jahren gelesen habe, war ich auch jetzt wieder absolut gefesselt und begeistert.

Die Atmosphäre ist ganz besonders und macht der Bezeichnung dystopische Fantasy alle Ehre.

Die Engel haben eine besondere Hierarchie, was im hinteren Teil des Buches nochmal zusammengefasst ist. Ausserdem gibt es ein Personenverzeichnis, was ich sehr hilfreich fand.

Ich war skeptisch, ob es funktionieren würde, das Thema Engel in eine spannende Fantasy-Geschichte zu integrieren, und kann abschließend sagen: es hat geklappt! In keiner Weise habe ich die Geschichte als kitschig empfunden.

Fazit: „Rückkehr der Engel“ ist eine gelungene Wiederauflage für Fans von Marah Woolf und die, die es noch werden wollen. Für mich ist diese besondere Ausgabe das Tüpfelchen auf dem i und ein echtes Highlight, deshalb 5*/5 Sternen und eine Leseempfehlung für Fantasy-Fans.


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Veröffentlicht am 31.07.2025

Schmerz, den man nicht sieht – und doch jeden Tag spürt

Schmerz-Gepäck
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Die Band Silbermond hat es mit dieser Textzeile auf den Punkt gebracht: „Denn es reist sich besser mit leichtem Gepäck“. Eine Redensart ist allerdings auch, dass jeder sein Päckchen zu tragen hat, der ...

Die Band Silbermond hat es mit dieser Textzeile auf den Punkt gebracht: „Denn es reist sich besser mit leichtem Gepäck“. Eine Redensart ist allerdings auch, dass jeder sein Päckchen zu tragen hat, der eine mehr, der andere weniger und das ganz unfreiwillig. Die Päckchen sind nicht sichtbar, können jedoch die Lebensqualität arg einschränken. So geht es Sandra Klossowski, die in ihrem Buch „Schmerz-Gepäck“ ihre chronische Erkrankungen thematisiert.

In kurzen, intensiven Kapiteln begleitet man die Autorin ein Jahr lang in ihrem Leben mit Fibromyalgie. Das ist eine unsichtbare, oft belächelte Erkrankung, die sie täglich herausfordert. Sie beschreibt den langen, zermürbenden Weg zur Diagnose. Die ständige Erschöpfung, die Fatigue, den Alltag mit Schmerzen und das Gefühl, immer wieder erklären zu müssen, dass es einem wirklich nicht gut geht, auch wenn man es nicht sieht.

Ich war an vielen Stellen tief berührt, weil Sandra so ehrlich erzählt und zeigt, wie viel Kraft es kostet, als chronisch kranker Mensch den Spagat zwischen Job, Familie und Alltag zu meistern. Wie oft dabei Übermenschliches geleistet wird, ohne dass es jemand merkt. Und weil sie gleichzeitig so viel Mut macht.

Nach der Diagnose beginnt ihre Reise zur Besserung. Sie teilt, was ihr geholfen hat: die multimodale Schmerztherapie, Veränderungen in der Ernährung, die Guaifenesintherapie, Achtsamkeit, kleine Glücksmomente und die bewusste Entscheidung für mehr Selbstfürsorge.

Besonders schön fand ich die Reflexionsfragen am Ende jedes Kapitels. Sie laden ein, innezuhalten und nachzudenken. Auch über sich selbst.

Sandra schreibt in Bildern, die hängen bleiben. Zum Beispiel, wie es sich anfühlt, mit angezogener Handbremse durchs Leben zu fahren, ein Vergleich, der mir sehr nahe ging. Und der zeigt, wie viel Verständnis wir für Menschen mit unsichtbaren Erkrankungen brauchen.

Es ist ein Mutmachbuch: Für andere Schmerzpatient*innen. Für Angehörige. Für alle, die sich einfühlen und verstehen möchten, was es heißt, ein Leben mit chronischen Schmerzen zu führen. Und es ist auch eine Art Anlaufstelle: Wenn man sich allein fühlt, wenn man keine Kraft mehr hat, dann tut es gut, zu lesen, dass es anderen ähnlich geht. Und dass es Wege gibt, wie es leichter werden kann.

Ich habe vieles aus dem Buch mitgenommen, da ich persönlich auch ein Päckchen mit mir herumtrage. Ich folge Sandra auf Instagram, weil sie nicht nur schreibt, sondern auch lebt, was sie in ihrem Buch zeigt: Du bist nicht allein.

Fazit: „Schmerz-Gepäck“ ist ein ehrliches, starkes und berührendes Buch über ein Leben mit Fibromyalgie. Sichtbar gemacht für all die, die täglich kämpfen, ohne dass man es sieht. Absolut lesenswert! 5/5 Sternen

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Informativ und spannend!

Animal
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„Animal“ ist der dritte True-Science-Thriller aus der Feder von Tibor Rode und ich war skeptisch, ob mir das Buch auch so gut gefallen würde wie die Vorgänger. Denn das Thema klingt schon etwas absurd: ...

„Animal“ ist der dritte True-Science-Thriller aus der Feder von Tibor Rode und ich war skeptisch, ob mir das Buch auch so gut gefallen würde wie die Vorgänger. Denn das Thema klingt schon etwas absurd: Ein Schwein klagt vor Gericht wegen seiner schlechten Haltungsbedingungen und mittels KI kann man es sogar verstehen. Nach Beenden des Buches kann ich sagen, dass meine Zweifel total unbegründet waren! „Animal“ ist ein moderner, hochintelligenter Justizthriller, der mich mehr gepackt hat, als ich gedacht hätte.

Das deutsche Edel-Schwein Rosa klagt mit Hilfe der jungen Tierschützerin Enna und des erfahrenen Anwalts Rabenstein gegen den Massentierhaltungskonzern, wo es gehalten wird. Für den jungen Anwalt Ben Lorenz, der auf der Seite der Industrie steht, ist das Ganze zunächst ein absurder Fall und er verspricht sich den Sieg, denn Tiere sind juristisch gesehen schließlich nichts weiter als Sachen. Was Ben allerdings nicht weiß, ist, dass im Hintergrund ein internationales Forscherteam an nichts Geringerem als der Entschlüsselung der Tiersprache mithilfe von Künstlicher Intelligenz arbeitet.

Wie eine KI beginnt, Tierlaute zu decodieren, zu interpretieren und in menschliche Sprache zu übersetzen, fand ich besonders fesselnd und spannend. Rode beleuchtet diesen wissenschaftlichen Durchbruch von vielen Seiten, inklusive der Frage, was passiert, wenn Tiere uns wirklich sagen könnten, was sie fühlen, brauchen oder erleiden.

Aus verschiedenen Perspektiven geschrieben, konnte ich mich gut in alle Charaktere hineinversetzen. Auch Rosa bekommt eine Stimme und hat wirklich Beklemmung in mir ausgelöst.

Die Story entwickelt sich glaubwürdig und die kurzen Kapitel, die oft mit einem kleinen Cliffhanger enden, haben mich das Buch innerhalb kürzester Zeit beenden lassen.

Besonders die Doppelmoral der Gesellschaft hat mich erschüttert: Wir überbehüten unsere Haustiere und ernähren uns gleichzeitig bedenkenlos von Fleisch aus der Massentierhaltung. Wir sprechen von Tierliebe und tolerieren doch industrielle Grausamkeit, solange sie gut verpackt ist. Das Buch hat diese Fragen in mir wachgerüttelt, ohne belehren zu wollen.

Im ausführlichen Nachwort ordnet Rode die wissenschaftlichen Hintergründe ein und zeigt, was bereits Realität ist. Ich mag es ja, wenn man viel aus einem Buch lernen kann.

Fazit: „Animal“ ist ein ungewöhnliches, aber wichtiges Buch, das sich nicht in eine Schublade stecken lässt. Tibor Rode schafft es, gesellschaftlich relevante Themen wie Tierrechte, KI und Gerechtigkeit in einen echten Pageturner zu verpacken und ich wünsche mir, dass dieses Buch viele Leser*innen erreicht. Ich vergebe eine Empfehlung und 5/5 Sternen.

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