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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.08.2025

Gewaltig und mitreißend

Hero
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Sie haben zusammen im Restaurant gearbeitet - sie als Kellnerin und er als Chefkoch - und waren befreundet. Dann haben sie sich verliebt, sind zusammengezogen und nun hat er Hero einen Heiratsantrag gemacht. ...

Sie haben zusammen im Restaurant gearbeitet - sie als Kellnerin und er als Chefkoch - und waren befreundet. Dann haben sie sich verliebt, sind zusammengezogen und nun hat er Hero einen Heiratsantrag gemacht. Doch sie weiß nicht, ob sie ihn heiraten will. Für ihn steht fest: Wenn sie nein sagt, sieht er keine Zukunft für sie zusammen. Sie fordert sieben Tage Bedenkzeit, in denen sie sich zurückziehen und zu einem Entschluss kommen kann.

Wer aufgrund des Klappentextes auf eine chronologische Liebesgeschichte hofft, wird hier sicherlich enttäuscht, denn Katie Buckley lässt Heros Gedanken freien Lauf. In der direkten Ansprache setzt sich Hero sowohl mit der Frage des Heiratens als auch mit den gemeinsamen Erinnerungen und ihrer (sexuellen) Vergangenheit auseinander. Erzählt wird ausschließlich aus Heros Sicht, es gibt kaum Namen, eigentlich nur Spitznamen für ihre engen Freundinnen, die Männer in ihrem Leben bleiben namenlos und bekommen daher auch keinerlei Tiefe oder Charakter verliehen.
Zunächst hat mich der Schreibstil sehr verwirrt - ich konnte den teilweise fragmentarischen Gedanken und Sätzen nicht folgen, konnte die Zeitsprünge nicht einordnen und wusste nicht, wer gerade gemeint ist und von wem Hero spricht. Dann habe ich einfach alles auf mich wirken lassen, beschlossen, dass die einzelnen Figuren gar nicht wichtig sind, sondern nur der Inhalt.
Und der hat es in sich. Hero erzählt von ihren sexuellen Begegnungen mit Männern, von den patriarchalen Strukturen, in denen wir leben und den heteronormative, patriarchalen Gedankenmustern hinsichtlich Beziehungen, Rollenbildern und der Familie. Sie erzählt von sexuellen Übergriffen, von gewaltvollen Erfahrungen, Enttäuschungen, Trennungen und parallel laufender Beziehungen/Begegnungen mit unterschiedlichen Männern.
Mehrfach wird die Frage aufgeworfen, inwieweit sich Frauen* für Männer verstellen, wie sehr sie gefallen wollen und wie bereit sie sind, dafür zu gehen. Hero erzählt dabei von sich, häufig nicht gesetzter Grenzen und den Eindrücken und Erfahrungen ihrer Mutter und ihrer Freundin.

Ich emfpand Katie Buckleys Schreibstil als sprachgewaltig und ausdrucksstark. Die thematisierten Gedanken und Fragen, die hier für Hero und die Männer in ihrem Leben behandelt werden, stehen exemplarisch für viele von uns.

Ein Buch, das ganz anders war, als ich erwartet habe, und mich vollkommen mitgerissen hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 01.08.2025

Packender Roman

Vorsehung
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Auf einem Flug nach Sydney steht kurz vor der Landung des Flugzeugs eine ältere Dame auf, geht von Passagierin zu Passagierin und nennt Todesalter und Todesursache. Während die ersten verwirrt sind, die ...

Auf einem Flug nach Sydney steht kurz vor der Landung des Flugzeugs eine ältere Dame auf, geht von Passagierin zu Passagierin und nennt Todesalter und Todesursache. Während die ersten verwirrt sind, die Aussagen nicht einordnen können, ändert sich die Stimmung an Bord von Irritation über Neugier bis hin zu Ärger und Panik. Nach der Landung tauschen sich die Passagierinnen über ihre Vorsehungen aus, sind skeptsich, die meisten nehmen die Aussagen der älteren Dame nicht ernst - bis die erste Prophezeiung eintrifft und die erste Person stirbt.

Der Plot hat sofort meine Neugier geweckt und ich war sehr gespannt auf die Umsetzung, die Entwicklungen einzelner Figuren und selbstverständlich auf die Auflösung und ihre Plausibilität. Liane Moriarty hat mit der älteren Dame, Cherry, eine sehr interessante Figur geschaffen, deren Lebensgeschichte ich faszinierend fand. Aus wechselnden Perspektiven wird von den Leben einzelner Figuren an Bord erzählt - aus den Zeiten vor und nach dem Flug. Während manche Fluggäst
innen ihre Prophezeiungen vergessen wollen, warten andere ab oder hinterfragen ihr momentanes Leben und ändern explizit etwas.
Für mich war "Vorsehung" ein sehr spannender und humorvoll geschriebener Roman mit unterschiedlichen, interessanten Figuren und einem fesselnden storytelling.

Veröffentlicht am 15.07.2025

Schönes Kochbuch mit leichten Gerichten

Italia a casa
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Natalie und Marisa Bruno bieten mit "Italia a casa" ein authentisches italienisches Kochbuch, das zum Nachkochen und Genießen einlädt. Allein bei den Fotos lief mir beim ersten Durchblättern das Wasser ...

Natalie und Marisa Bruno bieten mit "Italia a casa" ein authentisches italienisches Kochbuch, das zum Nachkochen und Genießen einlädt. Allein bei den Fotos lief mir beim ersten Durchblättern das Wasser im Mund zusammen.

Eingangs erzählen die beiden, dass sie sowohl in Deutschland als auch Italien aufgewachsen sind, wie sie zum Kochen gekommen sind und was sie in der Küche geprägt hat. Außerdem bieten sie eine Übersicht über den Aufbau der italienischen Küche und ihrer Gerichte, der Grundzutaten, die sie als Vorrat immer da haben und wie sie die einzelnen Menüs zusammenstellen.

Die Rezepte bestehen häufig aus wenigen Zutaten, was ich sehr mag, und sind sehr übersichtlich gestaltet. Grundsätzlich sind - abgesehen von saisonalen Gemüsesorten - alle Zutaten entweder im Supermarkt oder auf dem Markt (beispielsweise Zucchiniblüten) zu bekommen. Das bedeutet, die Rezepte sind leicht nachzukochen, da sämtliche Zutaten beschafft werden können.

Besonders angelacht haben mir die Rezepte der selbstgemachten Pastagerichte (Zeit, meine Nudelmaschine mal wieder aus dem Schrank zu holen) und sämtliche Ricotta-Spinat-Kombinationen.

Ein schönes italienisches Kochbuch mit Familienrezepten, ansprechenden Fotos und hilfreichen Tipps zur Zubereitung.

Veröffentlicht am 15.07.2025

Gut recherchiertes Sachbuch

Unstillbar
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In "Unstillbar" beleuchtet Britta Fuchs die verschiedenen Dimensionen des Stillens, unter anderem aus persönlichen, gesellschaftlichen und medialen Blickwinkeln. Das Fundament bilden Studien, historische ...

In "Unstillbar" beleuchtet Britta Fuchs die verschiedenen Dimensionen des Stillens, unter anderem aus persönlichen, gesellschaftlichen und medialen Blickwinkeln. Das Fundament bilden Studien, historische Entwicklungen und persönliche Erfahrungen, die an den passenden Stellen ausgeführt werden. Schnell wird klar, dass es sich beim Stillen nicht nur um die Nahrungsaufnahme des Kindes handelt, sondern so viel mehr Themen und Ebenen dahinterstecken. Darunter zählen Sexualisierung, hohe Erwartungen von außen, wenig bis kein Raum für Stillende in der Öffentlichkeit, Grenzüberschreitung und vermeintliche Glaubenssätze, was gut oder notwendig ist.

Britta Fuchs schreibt prägnant, klar und anschaulich, was ich an Sachbüchern sehr mag - auch die Verstrickung mit eigenen Erfahrungen oder der Wiedergabe von Gesprächen mochte ich gern. Neben dem Stillen werden auch die Geburt, gleichberechtigte Elternschaft und vor allem die (körperliche) Selbstbestimmung thematisiert. Es finden Aushandlungen zwischen der andauernden Bewertung von außen, Tabus und individuelle Entscheidungen auf dem Weg des (Nicht-)Stillens statt, die nicht nur die Gebärenden und eventuell Stillenden Personen etwas angeht, sondern sämtliche Eltern und Mitglieder unserer Gesellschaft. Daher würde ich behaupten, dass sich jede*r mit dem Stillen auseinandersetzen sollte - und "Unstillbar" dafür ein sehr guter Anfang ist.

Veröffentlicht am 06.07.2025

Inspirierende Einblicke

Was wirklich zählt
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C. Juliane Vieregge hat mit 18 verschiedenen Menschen aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen und mit vielfältigen Lebenshintergründen gesprochen und ihre Geschichten verschriftlicht. Alle Menschen ...

C. Juliane Vieregge hat mit 18 verschiedenen Menschen aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen und mit vielfältigen Lebenshintergründen gesprochen und ihre Geschichten verschriftlicht. Alle Menschen berichten von Krisenzeiten und Herausforderungen in ihrem Leben, wie sie diese überlebt oder überwunden haben, was ihnen Hoffnung und Zuversicht gegeben hat und was sie daraus für ihr Leben mitgenommen haben. Angesichts der verschiedenen Perspektiven und (Lebens)Geschichten passt der Buchtitel "Was wirklich zählt" meines Erachtens sehr gut. Zu Wort kommen unter anderem die Holocaust-Überlebende Inge Auerbacher, Dragqueen Betty BBQ, STELP-Gründer Serkan Eren und Klimaforscher Mojib Latif. Sie alle erzählen von starken Entscheidungen, ihren Beweggründen und dessen Konsequenzen für ihr heutiges Leben.

C. Juliane Vieregge schreibt flüssig und nach meinem Gefühl hat sich der Schreibstil jeder Person und jeder Geschichte etwas angepasst. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass die intensiven Gesprächsinhalte gut festgehalten und nahbar dargestellt wurden. So konnte ich die verschiedenen Geschichten auf mich wirken lassen, darin eintauchen und in jedem Fall mit inspirierenden oder bereichernden Gedanken wieder auftauchen und mich der nächsten Geschichte widmen.

Für mich auf jeden Fall ein Buch, das ich gern gelesen habe. Manche Menschen kannte ich schon und genoss, mehr über sie zu erfahren, andere waren mir noch nicht bekannt und auch bei ihnen hatte ich das Gefühl, sehr viel von ihnen und über sie erfahren zu haben.