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Veröffentlicht am 11.09.2025

So höllisch ist Cambridge

Katabasis
3

Selten werden Bücher so sehr gehypt, wie die von Rebecca F. Kuang, deshalb lesen wir sie alle, obwohl sie polarisieren, aber man möchte ja mitreden können. Ich kann das, weil ich alle gelesen habe. Die ...

Selten werden Bücher so sehr gehypt, wie die von Rebecca F. Kuang, deshalb lesen wir sie alle, obwohl sie polarisieren, aber man möchte ja mitreden können. Ich kann das, weil ich alle gelesen habe. Die Autorin ist auf jeden Fall originell, klug, humorvoll und vielseitig, und traut sich auch an heikle Themen heran. Hier geht es sogar mitten in die Hölle hinein.

Es beginnt in Cambridge, wo Alice Law analytische Magie studiert. Bei einem Zauberunfall hat sie versehentlich ihren Professor getötet und ist verzweifelt. Das durfte nicht passieren. Kann man ihn zurückholen? Es gibt wissenschaftliche Quellen, die das behaupten. Orpheus war dort und hat berichtet, Dantes Inferno ist auch sehr aufschlussreich. Alice wagt eine Rettungsexpedition in die Hölle und Peter Murdoch, ihr ärgster Konkurrent an der Universität begleitet sie spontan.

Am Anfang war ich sehr begeistert und fand das Buch grandios, herrlicher Humor, jede Menge Spitzfindigkeiten, irrwitzige Theorien zum Tod und dem Leben danach, nur irgendwann wird es dann zu viel. Es ist zu großen Teilen hoch philosophisch, mathematisch, religiös-weltanschaulich-divers. Die Fantasie der Autorin und ihre Unverfrorenheit, Fakten mit Erfundenem so zu kombinieren, dass es hoch wissenschaftlich klingt, ist grandios, aber ich habe es auch gerne, wenn ich ein Buch verstehen kann. Das ganze Szenario ist surreal, trotzdem versuchen Alice und Peter den Weg durch die Hölle wissenschaftlich zu erschließen, sitzen in der Hölle und philosophieren endlos und kryptisch.

Dabei ist diese Hölle ein grausiger Alptraum zum Thema Universität. Sie durchwandern tückische Bibliotheken, treffen die Geister ehemaliger Universitätskollegen, um am Ende in Dis zu landen, der Abteilung für die Endabrechnung, in der man seine letzte Dissertation schreiben muss, um wiedergeboren zu werden.

Das ist natürlich fantasievoll und möglicherweise klopfen sich da Studierende oder Universitätsmitglieder auf die Schenkel: wie witzig, die echte Hölle ist Cambridge! Aber für mich ist der Gag eher lau. Wenn ich schon die Hölle bereise, erwarte ich ein vielfältiges Angebot an Gräueln, das Uni-Leben gehört nicht dazu.

Dieses Buch hat einigen Unterhaltungswert, aber richtig gefallen hat es mir nicht. Nach Yellowface hatte ich mit Genialem gerechnet. Das hier ist fantasievoll und plastisch beschrieben, der Stil ist toll, aber die Logik hakt an allen Enden. Zudem hat es viel zu viele Passagen, in denen die Autorin ihr umfangreiches Wissen ausbreitet, ohne dass es die Geschichte voranbringt. Schade.

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Veröffentlicht am 29.08.2025

Sperrig und sprunghaft

Lázár
0

Von diesem Buch hatte ich mir erhofft, ein bisschen ungarische Geschichte mitzuerleben. Es fängt auch ganz vielversprechend an mit der Geburt von Lajos von Lázár im Waldschloss der Familie. Das 20. Jahrhundert ...

Von diesem Buch hatte ich mir erhofft, ein bisschen ungarische Geschichte mitzuerleben. Es fängt auch ganz vielversprechend an mit der Geburt von Lajos von Lázár im Waldschloss der Familie. Das 20. Jahrhundert ist noch neu, aber die Familie von Lázár tut, was man von Baronen seit Jahrhunderten erwartet, verwalten nach Kräften ihre Güter, heiraten standesgemäß, wahren das Gesicht und sind unglücklich.

Die ganze Familie wird gründlich vorgestellt, vom schwermütigen Vater Sandor, der verhuschten Mutter Maria bis zum verrückten Onkel Imre. Man bekommt den Eindruck, der alte ungarische Adel ist prinzipiell überspannt und Lajos bekommt das in die Wiege gelegt. Dabei ist niemand wirklich sympathisch oder besonders ungarisch. Sie haben lustige Namen und essen Gulaschsuppe, davon abgesehen könnten die ersten zwei Drittel des Buches überall spielen.

Der Erzählstil ist eigen, wechselt zwischen sprunghaft und weitschweifig, hat auch sehr komische Momente, ist aber insgesamt eher anstrengend. Immer wieder bekommt man es mit endlos verschachtelten Sätzen zu tun, die direkt mehrere Geschichten im Nebensatz erzählen. Ich habe dabei oft den Faden verloren und musste Sätze mehrfach lesen. Man verliert unterwegs leicht den Überblick. Von wem war noch gleich die Rede?

Und dann sind auch noch komplett unverständliche Sätze darunter: "Das Kleid, das sie vom Stuhl nahm, hing im Schrank." - Ist das witzig? Poetisch? Spitzfindig? Kunst?

Man verfolgt das Schicksal der Familie bis in die 60er Jahre hinein. Im letzten Drittel, nach dem Zweiten Weltkrieg, wird es ein bisschen interessanter. Wie die Russen mit dem ungarischen Adel umgegangen sind steht den Nazis in nichts nach. So etwas habe ich noch nie gelesen, das war interessant, auch wenn die Figuren noch immer durch die Bank Schemen bleiben. Lajos Sohn Pista hat die Privilegien des Adels nie richtig kennengelernt, ist aber trotzdem durch und durch weltfremd.

In Summe fand ich das Buch durchaus interessant, wenn auch nicht besonders angenehm zu lesen. Es ist ein Buch, das man sich erarbeiten muss. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das gewollt hätte, hätte ich es vorher gewusst.

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Veröffentlicht am 21.07.2025

Schön geschrieben, nicht wirklich neu

Ja, nein, vielleicht
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Eigentlich mag ich sehr, wie Doris Knecht schreibt, klug, eloquent, wunderbar selbstironisch und frech-elegant, immer kurz vor den Grenze zum allzu Flapsigen, die sie aber niemals überschreitet.

Hier ...

Eigentlich mag ich sehr, wie Doris Knecht schreibt, klug, eloquent, wunderbar selbstironisch und frech-elegant, immer kurz vor den Grenze zum allzu Flapsigen, die sie aber niemals überschreitet.

Hier schreibt eine Autorin, die durchaus die Autorin sein könnte, von sich und ihrem Leben, von maroden Zähnen und dem Zahn der Zeit, vom Altwerden oder vielleicht lieber nicht, mit oder ohne Mann und wer braucht schon Männer und wenn ja, wozu überhaupt. Ihre Freundin Therese heiratet und Friedrich, ihre Jugendliebe taucht plötzlich auf.

Das alles schildert sie hübsch, es ist klug und langweilt nicht, es ist fast wie ein ausführlicher Plausch mit einer Freundin, der man seine Sorgen anvertraut. Allerdings sind dabei wirklich wenige Gedanken, die ich nicht selbst schon längst gedacht habe. Ein kleines „Warum erzählt sie mir das? Müssen wir darüber reden?“ hatte ich die ganze Zeit im Kopf.

Ja, wenn man älter wird, muss man sein Selbstbild revidieren. Altwerden ist kein Spaß, es macht nachdenklich und verschafft so manchem eine Sinnkrise, andere schreiben ein Buch drüber.

Nein, es hat mich nicht so recht abgeholt, obwohl ich grundsätzlich die Zielgruppe wäre, jüngere Menschen können vermutlich gar nichts damit anfangen.

Und ja, nein, vielleicht ist einfach nicht jeder kluge Gedanke ein Buch wert?

Nina Petri liest das Hörbuch sehr schön, ihre Stimme passt wunderbar zu dieser Erzählerin. Tatsächlich fragt man sich zwischendurch, ob Frau Knecht vielleicht selbst liest. Es dauert 7 Stunden, 12 Minuten.

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Veröffentlicht am 12.07.2025

Tolles Thema in schlichtem Erzählstil

Sunbirds
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Die Geschichte ist hochspannend. Da sucht eine Frau ihren Sohn, der seit sieben Jahren in Indien verschollen ist. Seit sieben Jahren lebt Anne in Indien und verteilt Plakate. Ihr Mann hat schon längst ...

Die Geschichte ist hochspannend. Da sucht eine Frau ihren Sohn, der seit sieben Jahren in Indien verschollen ist. Seit sieben Jahren lebt Anne in Indien und verteilt Plakate. Ihr Mann hat schon längst aufgegeben und ist zurück in Schottland.

Als ihre Nichte Esther, eine Journalistin, die über das Thema berichtet hat, neue Hinweise bekommt, fliegt Esther auch nach Indien. Inzwischen hören sie auch kaum noch was von Anne. Indien scheint eine Art schwarzes Loch für Reisende auch westlichen Ländern zu sein. Sehr viele Menschen verschwinden spurlos und sehr viele Menschen reisen dort hin, um ihre Lieben zu suchen. Dabei kann so manch Suchender selbst auf Abwege geraten. Anne nicht, Anne ist inzwischen Indienprofi. So weit fand ich das Buch großartig. Man ist mitten in Indien, bekommt sehr anschaulich Land und Leute präsentiert und nebenher noch ein Rätsel.

Leider ist der Erzählstil eher einfach, die vielen Dialoge sehr schlicht. Das verhindert, dass die Figuren wirklich lebendig werden und nimmt der schillernden Umgebung viel von ihrem Charme. Auch die vielen Rückblenden in Annes und Esthers Vergangenheit bringen keine bahnbrechenden Erkenntnisse ans Licht. Die spannende Ausgangssituation führt zu einer Art Roadtrip mit Selbstfindungsseminar, was ich eher bemüht als berührend fand.

Dieses Buch hat mich anfangs sehr gefesselt, dann aber zunehmend gelangweilt.

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Veröffentlicht am 07.07.2025

Tolle Geschichte mit zu viel Drumherum

Standing Ovations
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Wenn man dieses Buch gelesen hat, ist man auf jeden Fall vorsichtiger beim Rezensionen schreiben. Kann man einfach schreiben, was man denkt, auch wenn das , was man denkt, nicht die ultimative Lobeshymne ...

Wenn man dieses Buch gelesen hat, ist man auf jeden Fall vorsichtiger beim Rezensionen schreiben. Kann man einfach schreiben, was man denkt, auch wenn das , was man denkt, nicht die ultimative Lobeshymne ist? Und, mal ehrlich, was auf der Welt verdient denn schon eine ultimative Lobeshymne?

Alex Lyons ist Theaterkritiker ersten Ranges, berühmt, gutaussehend, gelangweilt, überheblich, desillusioniert und auch noch Sohn einer Grande Dame des Theaters. Alex vergibt nur noch einen oder fünf Sterne, weil das Dazwischen nicht der Rede wert ist.

Als er beim Kunstfestival in Edinburgh die ambitionierte Performance zum Thema Umwelt von Hayley Sinclair mit einem Stern bewertet, denkt er sich nichts dabei als er die Rezension abschickt. Dass er danach Hayley in einer Bar aufgabelt und die Nacht mit ihr verbringt, gibt der Kritik dann eine ganz spezielle Note. Hayley ist tief verletzt und macht das zum Thema ihrer Show. Und diese neue Show trifft bei den Zuschauern einen Nerv.

Das ist eine wunderbare Idee, ein sehr origineller Blick auf den Kulturbetrieb und hätte ein großartiges Buch werden können, wenn die Erzählerin nicht so unglücklich gewählt wäre. Von den Geschehnissen erzählt Sophie, auch Journalistin und Kollegin von Alex, die leider weder interessant noch von Belang ist. Sie hat es nicht leicht und versucht als junge Mutter wieder im Berufsleben anzukommen, nur sind ihre persönliche Geschichte, ihre Vergangenheit oder ihre Beziehungsprobleme im Gesamtzusammenhang eher uninteressant, werden aber detailliert ausgebreitet. Es macht ein wenig den Eindruck, als hätte die Autorin versucht, mit Sophies Geschichte einen ernsteren Aspekt ins Geschehen zu bringen, bremst es damit aber eher aus.

Das Buch ist mit wunderbarem Humor geschrieben und macht Spaß. Es legt den Finger auf einige wichtige Themen, packt sie nur ein bisschen sehr in Watte. Es hätte mehr wehtun müssen.

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