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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.07.2025

Das Leben leben, wie es kommt

Strandgut
0

Bucky ist in den Siebzigern, lebt in Amerika in sehr bescheidenen Verhältnissen. Ihn plagen körperliche Schmerzen, die er mit Opiaten versucht zu unterdrücken. Depressionen begleiten ihn seit dem Tod seiner ...

Bucky ist in den Siebzigern, lebt in Amerika in sehr bescheidenen Verhältnissen. Ihn plagen körperliche Schmerzen, die er mit Opiaten versucht zu unterdrücken. Depressionen begleiten ihn seit dem Tod seiner geliebten Frau Maybell. Er treibt wie ein Stück Strandgut durch ein einsames Leben. Sein großer Erfolg, ‘Until the Wheels fall off‘ immerhin ein Welthit, der ihm im zarten Alter von siebzehn Jahren gelang, ist in seiner Heimat längst in Vergessenheit geraten. Doch in England lebt die Soullegende, wird gefeiert. Während dort seine Platten in astronomischen Summen gehandelten werden, ging Bucky infolge eines betrügerischen Plattenvertrages leer aus.
Als eines Tages eine Einladung zu einem Soulfestival in Scarborough, gelegen im Osten England, ihm ins Haus flattert, macht er sich kurzentschlossen auf den Weg. Sein Auftritt soll darüber hinaus, in seinen Augen, fürstlich bezahlt werden. Er stürzt sich in ein Abenteuer und trifft auf Dinah, eine Mittfünfzigerin, die den Star betreut, weil sie sich der Soulmusik verschrieben hat und ein Riesenfan des Altstars ist. Dinah lebt ebenso in finanziell als auch seelisch ärmlichen Verhältnissen. Doch beide werden zu Gewinnern ihrer einzigartigen Begegnung.
Benjamin Myers schreibt einen leisen, ruhigen Roman und zeigt wie zwei scheinbare Verlierer im Leben sich gegenseitig Kraft und Mut zusprechen können, das Leben zu leben mit all seinen Höhen und Tiefen. Er schreibt sehr sensibel und lässt besonders den Zwischentönen viel Freiraum.


  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.06.2025

Wenn ein Traum zerbricht

Emotional Female
1

Yumiko Kadota erzählt in ihrer Biografie ‘Emotional Female‘ von ihrem schweren Weg Ärztin mit der Spezialausrichtung Plastische Chirurgie zu werden, um sich und sicherlich auch ihrer Familie einen Herzenswunsch ...

Yumiko Kadota erzählt in ihrer Biografie ‘Emotional Female‘ von ihrem schweren Weg Ärztin mit der Spezialausrichtung Plastische Chirurgie zu werden, um sich und sicherlich auch ihrer Familie einen Herzenswunsch zu erfüllen. Das Licht der Welt erblickt sie in Tokio, wächst behütet allerdings ohne emotionale Nähe seitens ihrer Eltern gemeinsam mit zwei jüngeren Schwestern auf. Ihre Eltern führen ein Leben, dass stark mit der japanischen Tradition verbunden ist, in der Gefühle zu zeigen einen eher untergeordneten Stellenwert besitzen, als Schwäche und äußerst unangebracht gewertet werden. Einzig und allein die Leistung, die Darstellung der eigenen Fähigkeiten in der Gesellschaft ein leistungsfähiges und starkes Mitglied zu sein, zählen. Das erzeugt bei der Protagonistin einen unglaublich hohen Druck stets Höchstleistungen zu bringen, noch mehr zu leisten und den Lehrern und späteren Vorgesetzten stets ein mehr als vorbildliches Zeugnis ihrer Schaffenskraft abzuliefern. Denn diese herausfordernden Eigenschaften werden in Singapur, England und Australien differenzierter gesehen und verleiten in der ohnehin matriarchalisch geprägten Welt der Chirurgie dazu, Menschen mit diesem selbstzerstörerischen Pflichtbewusstsein auszunutzen, ihre Psyche zu zerstören.
In einem sehr nüchternen Schreibstil, der an Tagebucheinträge erinnert, legt Yumiko Kadota ihren Lebensweg offen dar, insbesondere die umfangreichen Schritte ihrer Facharztausbildung. Dabei geht sie immer wieder darauf ein, in welcher hohen körperlichen als auch seelischen Belastung sie sich über viele Jahre hinweg befand und welche Schwächen das medizinische System aufweist.
Wer gern einen detaillierten Einblick in das anstrengende, aufopfernde Leben einer sich in der Facharztausbildung befindlichen jungen Japanerin verschaffen möchte und falsch verstandenen Ehrgeiz als Symptom für ein Burnout kennenlernen möchte, bekommt in dieser Biografie einen umfassenden Einblick.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 09.06.2025

Die Last der Geheimnisse

Lauter kleine Lügen
5

Warrah Place ist eine kleine Siedlung in einem Vorort von Canberra, der australischen Hauptstadt, mit neun Einfamilienhäusern, gelegen an einer Sackgasse, die einer Petrischale ähnelt und in deren Mitte ...

Warrah Place ist eine kleine Siedlung in einem Vorort von Canberra, der australischen Hauptstadt, mit neun Einfamilienhäusern, gelegen an einer Sackgasse, die einer Petrischale ähnelt und in deren Mitte sich eine viel genutzte Grünfläche befindet. Der Fund eines postmortal abgetrennten Fußes versetzt die kleine Wohngemeinschaft erheblich in Unruhe, zumal sehr schnell feststeht, dass der junge, attraktive Italiener Antonio, ein Mitbewohner, das Mordopfer ist. Schnell verbreiten sich neben der Angst die abenteuerlichsten Verdächtigungen. Doch der Leser bekommt bereits im ersten Kapitel den potentiellen Mörder präsentiert.
Im Laufe ihres Romans ‘Lauter kleine Lügen‘ macht uns die Autorin Kate Kemp immer vertrauter mit den Protagonisten, den Bewohnern von Warrah Place, deren Charaktere fein herausgearbeitet ein in sich stimmiges und buntes Bild menschlicher Eigenheiten abbildet. Man kommt ins Gespräch, grenzt aber auch aus, begibt sich in die wildesten Spekulationen und lüftet dabei nach und nach viele kleine und große Geheimnissen, die auf so mancher Schulter schwer lasten, mit zum Teil sehr unliebsamen Methoden. Es ist in der Tat äußerst interessant wie sich das gesellschaftliche Bild des Zusammenlebens Ende der siebziger Jahre des vorherigen Jahrhunderts in seiner Themenvielfalt darstellt und wie die Menschen umgehen mit Rassismus, Ausgrenzung, dem Kinderwunsch, ausgeprägtem patriarchalen Machtdenken, Transsexualität, dem täglichen Ringen nach Anerkennung oder auch generationsübergreifendem Trauma, um nur einige Schwerpunkte zu nennen.
Die Aufklärung des Mordfalls bringt schließlich eine ungeahnte Wendung mit einer unglaublichen Wucht an Aggressivität.

  • Einzelne Kategorien
  • Handllung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 26.05.2025

Der Weg zu einem achtsamen Herzen

Kokoro
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Beth Kempton berichtet in ihrem Buch ‘Kokoro – Japanische Weisheiten für ein gelungenes Leben‘ von einer ungewöhnlichen Reise, um ihre Seele wieder ins Gleichgewicht zu bringen, ihre liebgewonnenen Werte ...

Beth Kempton berichtet in ihrem Buch ‘Kokoro – Japanische Weisheiten für ein gelungenes Leben‘ von einer ungewöhnlichen Reise, um ihre Seele wieder ins Gleichgewicht zu bringen, ihre liebgewonnenen Werte zu aktivieren. Die studierte Japanologin, Unternehmerin mit einer Familie gerät nach persönlichen Schicksalsschlägen in eine Identitätskrise, die sie selbst als Midlifecrisis bezeichnet, in dem sie ihr bisheriges Leben betrachtet und über eine statistische Lebenserwartung Möglichkeiten der Gestaltung ihrer Zukunft auslotet. Dafür begibt sie sich auf eine sicherlich für den europäischen Kulturkreis eher ungewöhnliche, langwährende Pilgerreise ins Land der aufgehenden Sonne. Als ausgewiesene Japankennerin macht sie sich auf den Weg, um ihren inneren Frieden durch Entschleunigung und eine ihr vertraute Spiritualität zu finden. Sie macht den Leser bekannt mit fernöstlichen Weisheiten, mit Land und Menschen, mit ihren Denkweisen.
Den Weg zu einem achtsamen Herzen zu suchen und zu finden, ist mit viel innerer Überzeugungsarbeit verbunden, die sicherlich auch schmerzliche Wahrheiten über das eigene Ich offenlegt. Wer sich für fernöstliche Spiritualität interessiert, wird dieses Buch als wertvollen Begleiter lieben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.05.2025

Ein Stück japanische Lebenskultur

Das kleine Antiquariat von Tante Sango-san
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Hika Harada bringt uns mit ihrem Roman ‘Das kleine Antiquariat von Tante Sango-san‘ ein Stück japanische Lebenskultur näher. Wir tauchen eine in eine Welt, die von Harmonie und lebendigen gegenseitigem ...

Hika Harada bringt uns mit ihrem Roman ‘Das kleine Antiquariat von Tante Sango-san‘ ein Stück japanische Lebenskultur näher. Wir tauchen eine in eine Welt, die von Harmonie und lebendigen gegenseitigem Interesse bestimmt ist.
Als die siebzigjährige Sango-san von ihrem verstorbenen Bruder Jiro ein Geschäft mit antiquarischer Literatur im berühmten Bücherviertel Tokios Jimbocho erbt, lässt sie dieses mit viel Herzblut und Tatkraft wieder zu neuem Leben erwecken, obwohl sie sich bisher nie mit dieser Materie beschäftigt hat und sich somit überhaupt nicht auskennt in diesem Gewerbe. Sie bekommt jedoch fleißige und fachkundige Unterstützung von ihrer Nichte Mikki, die ihr im Studium erworbenes Wissen hier vorteilhaft anwenden kann. Aber auch die nachbarschaftliche Gemeinde leisten immer wieder wertvolle Unterstützung. Sango-san verwöhnt ihre Kunden neben Tee auch mit so manch kulinarischer Köstlichkeit. Man kommt sich näher und tauscht immer wieder interessante Informationen über den früheren Ladenbesitzer aus, bekommt damit wertvolle Einblicke in das Leben des Verstorbenen.
Die Autorin erzählt eine unaufgeregte Geschichte mit authentischen, liebenswerten Charakteren, deren Sicht auf das Geschehen wechselseitig dargestellt wird. Sie vermittelt ganz nebenbei interessantes Wissen über die japanische Kultur, die sich grundlegend von der westeuropäischen unterscheidet. Man lebt miteinander und versucht dieses Miteinander in den Mittelpunkt des Alltags zu stellen.
Ein lesenswerter Roman für entspannte, glückliche Lesemomente.

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  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere