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Maimouna19

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.07.2025

Harter Tobak

All das zu verlieren
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Adèles Leben scheint perfekt zu sein. Sie ist mit Richard, einem erfolgreichen Chirurgen verheiratet, lebt mit ihm und ihrem kleinen Sohn in einer schicken Wohnung im 18. Pariser Arrondissement und arbeitet ...

Adèles Leben scheint perfekt zu sein. Sie ist mit Richard, einem erfolgreichen Chirurgen verheiratet, lebt mit ihm und ihrem kleinen Sohn in einer schicken Wohnung im 18. Pariser Arrondissement und arbeitet als Journalistin für eine Pariser Tageszeitung.
Doch Adèle ist nicht glücklich, das Leben erscheint ihr banal und langweilig. Um dieser inneren Leere zu entkommen, sucht sie unverbindlichen Sex. Die Männer sind ihr egal, es können Zufallsbekanntschaften sein, aber auch ein Kollege ihres Mannes. Diese Begegnungen sind teilweise demütigend, es kommt auch zu gewalttätigen Situationen. Adèle droht, die Kontrolle zu verlieren, doch obwohl sie weiß, dass sie ihre Familie verlieren könnte, kann sie nicht davon lassen.
Slimanis Schreibstil ist sehr prägnant, klar, deutlich, präzise, emotionslos, viele kurze Sätze, die Geschichte gleitet nie ins Pornografische oder Erotische ab. Allerdings bin ich weder mit Adèle noch mit irgendeinem der anderen Charaktere warmgeworden, eigentlich waren mir alle eher unsympathisch. Das mag aber auch daran liegen, dass mir Adèles Gefühlswelt völlig fremd ist.
Das Buch ist ganz schön harter Tobak, vielleicht nicht der beste Einstieg, um sich mit Slimanis Büchern auseinanderzusetzen. Es hält mich allerdings auch nicht davon ab, weitere Bücher von Slimani zu lesen.

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Veröffentlicht am 07.07.2025

Hoffentlich Satire....

Ich bin Charlotte Simmons
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Charlotte ist ein intelligentes junges Mädchen aus Sparta, einem Provinznest in North Carolina. Sie wächst in einem nicht sehr wohlsituierten, aber sehr konservativen Elternhaus auf. Dank ihrer herausragenden ...

Charlotte ist ein intelligentes junges Mädchen aus Sparta, einem Provinznest in North Carolina. Sie wächst in einem nicht sehr wohlsituierten, aber sehr konservativen Elternhaus auf. Dank ihrer herausragenden schulischen Leistungen erhält sie ein Stipendium für die (fiktive) Elite-Universität Dupont. Sie ist voller Erwartungen und hochmotiviert, auch an der Universität mit ihren Leistungen zu glänzen. Doch schnell landet sie auf dem Boden der Tatsachen: statt eines Tempels des Geistes und des Intellekts erweist sich die Universität als ein Ort der Saufgelage und sexuellen Ausschweifungen. Sie ist umgeben von reichen, verwöhnten Kids, die nichts anderes im Kopf haben als Alkohol, Sex und die neuesten Klamotten.
Ihre Mitstudenten sind Sportler, die wegen ihrer sportlichen Leistungen viele Privilegien haben, aber keinesfalls aufgrund ihrer intellektuellen Fähigkeiten einen Studienplatz erhalten haben, Verbindungsbrüder, deren Interesse sich auf Trinken und Mädchen flachlegen beschränkt (was die miserablen Noten angeht, wird Papis Geld bzw. das Verbindungsnetzwerk es schon richten) und selbsternannten Intellektuellen, die auf die anderen herabsehen, aber letztlich auch nur an Alkohol und Sex denken.
Anfangs fühlt sich Charlotte sehr einsam und ist schockiert vom studentischen Treiben. Doch dann beginnt auch sie, Wert auf ihr Äußeres zu legen, mit den „coolen“ Typen abzuhängen und sich in deren Aufmerksamkeit zu sonnen.
Tom Wolfes „Fegefeuer der Eitelkeiten“ habe ich mit Begeisterung verschlungen, von „Ich bin Charlotte Simmons“ war ich eher enttäuscht, sogar versucht, es einfach abzubrechen. Die ständigen Beschreibungen von hohlköpfigen, saufenden Studenten und sexuellen Ausschweifungen wurden irgendwann ganz schön langweilig. Das Buch ist hoffentlich als Satire anzusehen, ansonsten könnte einem Angst und bange werden. Wenn diesen Universitäten die Elite Amerikas hervorbringen, dann „Gute Nacht, USA“.
Ich habe nur bis zum Schluss durchgehalten, um zu erfahren, ob Charlotte ihre Uni-Zeit einigermaßen unbeschadet übersteht und doch noch die Kurve bekommt. Über 900 Seiten ist definitiv zu lang, etwas weniger Geschwafel hätte es auch getan.

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Veröffentlicht am 07.05.2025

Nicht wirklich überzeugend

Die Dolmetscherin - Ihre Übersetzung entscheidet über das Urteil
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In „Die Dolmetscherin“ geht es um Revelle Lee. Sie lebt zurückgezogen ohne viele soziale Kontakte in London in einer möblierten Wohnung, die sie sich eigentlich nicht leisten kann. Die Wohnung hat sie ...

In „Die Dolmetscherin“ geht es um Revelle Lee. Sie lebt zurückgezogen ohne viele soziale Kontakte in London in einer möblierten Wohnung, die sie sich eigentlich nicht leisten kann. Die Wohnung hat sie vor allem angemietet, um das Jugendamt zu beeindrucken, da sie Elliot, ihren 6jährigen Pflegesohn, adoptieren möchte. Ihren Lebensunterhalt verdient sie als freiberufliche Dolmetscherin (sie spricht 11 Sprachen) hauptsächlich bei Gericht und Polizei. Ihre Klienten sind Zeugen, Opfer und Angeklagte. Sie arbeitet sehr gewissenhaft, ist sich ihrer Verantwortung bewusst, weiß um die Macht des Wortes und den Einfluss einer ungenauen Übersetzung auf den Ausgang eines Verfahrens bzw. die Glaubwürdigkeit von Zeugen. Auch wenn sie sicher ist, dass ihr Klient lügt, bleibt sie neutral, versucht nicht, Gericht oder Polizei durch ihre Übersetzung zu beeinflussen.
Doch eines Tages, bei einem Mordprozess, verfälscht sie eine Aussage, um zu verhindern, dass der Angeklagte, den sie für schuldig hält, freigesprochen wird. Später tauchen Hinweise auf, dass der Angeklagte doch unschuldig sein könnte. Revelle bereut ihren Fehler, kann ihn aber kaum zugeben, da sie sonst selbst ins Gefängnis kommen oder zumindest ihre Dolmetsch-Aufträge verlieren könnte. Das wiederum würde die Adoption von Elliot gefährden….
Neben dieser Handlung gibt es noch einen 2. Erzählstrang, eine diffuse Bedrohung, kursiv gedruckt. Man rätselt lange, um wen oder was es da eigentlich geht – wird Revelle von den Schatten ihrer Vergangenheit eingeholt oder versucht jemand, Elliots Adoption zu verhindern?
Robinsons Erzählstil hat mir gut gefallen – flüssig lesbar, Revelles Gefühle und Gedanken waren sehr gut nachvollziehbar. Insgesamt fehlte mir allerdings die Spannung, ich empfand die Geschichte etwas zu konstruiert und streckenweise als doch eher zäh.

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Veröffentlicht am 06.04.2025

zu viele Klischees

Achtzehnter Stock
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Wanda, eine alleinerziehende Mutter, lebt mit ihrer fünfjährigen Tochter Karlie im 18. Stock eines Berliner Plattenbaus. Sie schlägt sich mehr schlecht als recht durchs Leben, träumt von der ...

Wanda, eine alleinerziehende Mutter, lebt mit ihrer fünfjährigen Tochter Karlie im 18. Stock eines Berliner Plattenbaus. Sie schlägt sich mehr schlecht als recht durchs Leben, träumt von der Karriere als Schauspielerin, aber für mehr als einen Werbespot hat es bisher nicht gereicht.
Doch dann scheint der Sprung in die glamouröse Filmwelt zu gelingen, Wanda ergattert eine Rolle und beginnt eine Affäre mit dem Hauptdarsteller. Läuft doch, oder? Leider nur so lange bis ihre Tochter Karlie krank wird und sie den Spagat zwischen beruflichen Verpflichtungen und Verantwortung für ihre Tochter nicht mehr hinbekommt.
Das Buch thematisiert durchaus relevante und aktuelle gesellschaftskritische Themen wie z.B. die Situation alleinerziehender Mütter, soziale Ungerechtigkeit, die immer größer werdende Schere zwischen Arm und Reich, Zwei-Klassen-Gesellschaft in der medizinischen Versorgung, etc., aber die Darstellung war mir dann doch zu plakativ und klischeehaft. In der Platte wohnen die Abgehängten, Alleinerziehende, Arbeitslose, ungebildet, nach Möglichkeit mit Migrationshintergrund, der Aufzug ist ständig kaputt und der Müll stinkt. Die „Reichen und Schönen“ der Filmindustrie dagegen werfen mit Geld nur so um sich, es geht von Champagnerparty zu Champagnerparty, nur die besten Restaurants sind gut genug. Und falls man wirklich mal ein Zipperlein hat, steht natürlich der Arzt mit Privatklinik zur Verfügung.
Das Buch lässt sich flüssig lesen, die Umsetzung des Themas ist für mich aus vorgenannten Gründen nicht perfekt. So bleibt leider wenig in Erinnerung und ich werde das Buch schnell wieder vergessen haben. Schade eigentlich...

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Veröffentlicht am 07.03.2025

Schwierige Mutter-Tochter-Beziehungen

Die Summe unserer Teile
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„Die Summe unserer Teile“ ist ein Roman über komplizierte Mutter-Tochter Beziehungen und erzählt die Familiengeschichte von Lyudmila, Daria und Lucy über mehrere Jahrzehnte. Die Großmutter, Lyudmila flüchtet ...

„Die Summe unserer Teile“ ist ein Roman über komplizierte Mutter-Tochter Beziehungen und erzählt die Familiengeschichte von Lyudmila, Daria und Lucy über mehrere Jahrzehnte. Die Großmutter, Lyudmila flüchtet während des 2. Weltkrieges von Polen in den Libanon, studiert dort und wird eine der ersten Chemikerinnen des Landes. Ihre Tochter, Daria, verlässt Beirut, um in Deutschland zu studieren und dort als angesehene Ärztin zu leben. Daria hat ihre Mutter immer als kalt, abweisend und distanziert empfunden. Nach Darias Heirat, ihr Mann ist Psychiater, wird das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter noch distanzierter und bricht nach der Geburt von Darias Tochter Lucy komplett ab. Daria möchte bei der Erziehung von Lucy alles besser machen als ihre eigene Mutter, was allerdings dazu führt, dass Lucy sich von ihrer Mutter derart bevormundet und eingeengt fühlt, dass sie den Kontakt zu Daria abbricht. Sie gibt ihr Informatikstudium in München auf, um es in Berlin fortzusetzen, ohne ihre Eltern zu informieren. Nach drei Jahren völliger Funkstille steht plötzlich ein Klavier in Lucys Berliner Studentenbude, geschickt von ihrer Mutter aus München. Dies ist der Auslöser für Lucys Reise nach Polen, zu den Wurzeln ihrer Familie bzw. ihrer Großmutter, die sie nie kennengelernt hat.
Erzählt wird die Geschichte jeweils aus der Perspektive von Lucy, ihrer Mutter und ihrer Großmutter. Dieser durchaus reizvolle und interessante Perspektivwechsel hat leider nicht dazu geführt, dass sie mich einer der Figuren näher gebracht hätte, ich bin mit keiner der drei Frauen warm geworden. Das Verhalten von Lyudmila und Daria konnte ich noch nachvollziehen, der Beziehungsabbruch von Lucy zu Daria blieb mir völlig unverständlich und absolut überzogen.
Jeder Mensch ist „die Summer seiner“ Teile, geprägt durch Erziehung, Erfahrungen und Erlebnisse in Kindheit und Jugend. Und natürlich sind dadurch auch die Beziehungen zu anderen bestimmt, haben Einfluß auf Mutter-Tochter Beziehungen. Sprachlosigkeit bzw. nicht vorhandene Kommunikation endet dann in schwierigen Beziehungen. Wie anders hätte das Verhältnis von Daria zu Lyudmila und auch von Lucy zu Daria sein können, wenn sie Lyudmilas traumatische und prägende Erfahrung gekannt hätten? Ist das die Erkenntnis aus diesem Buch: mangelnde Kommunikation ist das Grundübel? Das ist mir dann doch etwas zu flach und oberflächlich.
Insgesamt hat mir der Erzählstil gut gefallen, das Buch ist flüssig lesbar, aber es hat mich nicht gefesselt und wird nicht lange nachhallen.

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