Ein Geschichtenteppich
Fischers FrauMia Sund ist Faserarchäologin an der Greifswalder Universität und hat sich in ihrem Job gut eingerichtet. "Generalberuhigung" (S. 29) war ihr erklärtes Ziel nach einem flotten Leben: In einem geschützten ...
Mia Sund ist Faserarchäologin an der Greifswalder Universität und hat sich in ihrem Job gut eingerichtet. "Generalberuhigung" (S. 29) war ihr erklärtes Ziel nach einem flotten Leben: In einem geschützten Raum unerreichbar und unauffindbar vor sich hin forschen und untersuchen. Jetzt gerät dieser gemäßigte Zustand ins Wanken, denn ein Kollege knallt ihr einen Fischerteppich auf den Schreibtisch mit der Bemerkung, ob es nicht vielleicht eine Fälschung sei. Dieses Stichwort katapultiert Mia in ihre aufwühlende Vergangenheit. Aber auch der ungewöhnliche Fischerteppich läßt ihr keine Ruhe. Eine Dienstreise führt sie quer durch Europa und die Suche nach der Herkunft des "pommerschen" Teppichs ist für Mia auch eine Suche nach sich selbst, nach der eigenen Identität.
Ach, eine schöne Geschichte. Wie immer haben die Romane von Kalisa etwas Märchenhaftes an sich. Hier ist sogar der Titel von einem Märchen inspiriert und unterstreicht diesen Charakterzug des Romans, denn auch Mia wird irgendwann zur Geschichtenschreiberin. Es wird viel mit dem Vokabular des Webens und Knüpfens als Metapher gearbeitet und das passt immer wirklich wunderbar. Die Tradition - und vor allem der Anlass für den Ursprung Ende der 1920er Jahre - der pommerschen Fischerteppichknüpferei war mir völlig unbekannt. Einen ganz spannenden und außergewöhnlichen Sachverhalt hat die Autorin hier zum Zentrum gemacht. Eine Karte auf dem Vorsatzpapier hält alle Orte bereit, die mit der Geschichte der Teppichherstellung in diesem Buch verbunden sind.
Sympathische Charaktere, eine märchenhafte Geschichte auf Basis von Fakten und eine Sprache, die Leichtigkeit und Tiefe verbindet. Die verschachtelte Handlung, die immer wieder in die Vergangenheit abtaucht, hat es mir am Anfang etwas schwer gemacht und es gab für mich auch ein paar eher langatmige Stellen, dennoch ist es ein wunderbares Leseerlebnis.
Am Ende gibt es ein kleines Glossar mit Fachbegriffen und ein Literaturverzeichnis für alle, die sich weiter informieren möchten.