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Veröffentlicht am 17.08.2025

✎ Joy Fielding - Lauf, Jane, lauf!

Lauf, Jane, lauf!
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„Lauf, Jane, lauf“ von Joy Fielding hat für mich eine ganz besondere Bedeutung. Vor vielen Jahren habe ich das Buch mit einer Freundin im Schulunterricht vorgestellt - wahrscheinlich war das der Moment, ...

„Lauf, Jane, lauf“ von Joy Fielding hat für mich eine ganz besondere Bedeutung. Vor vielen Jahren habe ich das Buch mit einer Freundin im Schulunterricht vorgestellt - wahrscheinlich war das der Moment, in dem meine Liebe zu Psychothrillern geweckt wurde. Seitdem begleitet mich dieses Genre, und immer wieder lande ich bei Joy Fielding.

Ich habe inzwischen 24 Bücher der Autorin gelesen, und wenn ich mich nicht irre, fehlen mir nur noch die drei neuesten Übersetzungen. Natürlich waren nicht alle auf demselben Niveau. Manche Geschichten wirkten für mich etwas konstruiert oder verloren nach einem starken Beginn an Intensität.

Das vorliegende Buch habe ich inzwischen mehrfach gelesen, doch zwischen den Rereads liegen oft mehr als zehn Jahre. Dadurch erlebe ich jedes Mal eine Mischung aus Vertrautheit und Spannung, weil ich mich an die großen Wendungen zwar noch erinnere, aber kleine Details immer wieder verblassen. Besonders neugierig war ich daher darauf, wann Jane begreift, wer sie eigentlich ist. Dass sie ihr Gedächtnis verloren hat und warum, wusste ich noch - nicht jedoch, was den entscheidenden Auslöser für ihre Erinnerung darstellt. Gerade dieses Warten erzeugt bei mir jedes Mal ein unterschwelliges Gefühl der Beklemmung, das den Reiz des Thrillers ausmacht.

Dennoch lässt mich das Werk etwas zwiegespalten zurück: Auf der einen Seite gibt es diese fesselnde Atmosphäre und die psychologische Tiefe, während auf der anderen Seite bestimmte Szenen zu vorhersehbar sind. Für mich überwiegt dennoch der Sog, den Fielding durch ihre psychologischen Spiele entfaltet.

Im Gegensatz zu klassischen Thrillern setzt die Autorin selten auf blutige Schockeffekte. Stattdessen konzentriert sie sich auf das Innenleben ihrer Figuren, ihre Ängste, Verdrängungen und die Manipulationen, denen sie ausgesetzt sind. Gerade das macht „Lauf, Jane, lauf“ so intensiv – es packt Lesende nicht durch Splatter, sondern durch den schleichenden Horror, der sich in der Psyche abspielt. Wer psychologische Spannung liebt, findet hier eine Geschichte, die nicht leicht loslässt. Aber man sollte sich bewusst sein: für schwache Nerven ist dieses Buch definitiv nicht geschrieben.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 16.08.2025

✎ Judith Kerr - Rosa Kaninchen 1 Als Hitler das rosa Kaninchen stahl

Rosa Kaninchen-Trilogie, Band 1 - Als Hitler das rosa Kaninchen stahl
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Ich hatte „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ von Judith Kerr schon oft gehört, aber nie selbst gelesen. Erst als eine Schülerin in der Schulbibliothek nach den Folgebänden fragte, musste ich erstaunt ...

Ich hatte „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ von Judith Kerr schon oft gehört, aber nie selbst gelesen. Erst als eine Schülerin in der Schulbibliothek nach den Folgebänden fragte, musste ich erstaunt feststellen, dass ich nicht mal wusste, dass die Autorin diesbezüglich eine Trilogie geschrieben hatte. Also habe ich mir kurzerhand noch Band 2&3 besorgt, um sie in einem Zug zu lesen. (Band 1 war bereits in unserem Regal vorhanden)

Das erste Buch hat mich überrascht. Es ist keine Erzählung, in der Konzentrationslager oder der Holocaust im Mittelpunkt stehen, sondern eine Fluchtgeschichte. Als die Familie der neunjährigen Anna in die Schweiz flüchtet, lässt sie ihr rosa Kaninchen zurück - in der Annahme, dass sie es irgendwann nachholen kann und / oder sogar zurückgehen wird. Doch Lesende wissen, dass die Rückkehr unmöglich wird.

Die kindliche Perspektive ist für das Lesealter von etwa zwölf Jahren klug gewählt. Anna schildert ihre Welt mit einer Mischung aus Naivität und staunender Beobachtung, was den Text sehr zugänglich macht. Gleichzeitig habe ich aber gemerkt, dass dadurch vieles nur am Rande angedeutet wird. Über die politischen Hintergründe oder das tatsächliche Dieser Ansatz bietet jüngeren Lesenden einen sanften Zugang zur Thematik, ohne sie zu überfordern.

Für mich war es zunächst irritierend, dass der Nationalsozialismus fast nur als Auslöser der Flucht erkennbar bleibt. Ich hatte erwartet, mehr über die Verbrechen dieser Zeit zu erfahren - dem Lesealter angepasst. Doch stattdessen erzählt das Buch in erster Linie von der Unsicherheit, dem Verlust und den Versuchen einer Familie, in der Fremde anzukommen. Genau darin liegt seine Stärke: Es ist kein klassischer Holocaust-Roman, sondern ein Fluchtroman aus Sicht eines Kindes.

Wer also einen kindgerechten Einstieg in die NS-Zeit sucht, findet hier eine feinfühlige, authentische Geschichte. Wer dagegen tiefergehende Informationen über das Regime erwartet, könnte enttäuscht sein. Für mich war es ein eindringliches, aber zugleich sehr behutsames Leseerlebnis - und ich bin gespannt, wie sich die Trilogie in den nächsten Bänden weiterentwickelt.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 06.08.2025

✎ Jake Biggin - Vom kleinen Glück

Vom kleinen Glück
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„Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd“ ist eines der Bücher, die einen still begleiten - (m)ein Herzensbuch. Als ich „Vom kleinen Glück“ zum ersten Mal entdeckte, dachte ich für einen Moment, ...

„Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd“ ist eines der Bücher, die einen still begleiten - (m)ein Herzensbuch. Als ich „Vom kleinen Glück“ zum ersten Mal entdeckte, dachte ich für einen Moment, es sei ein neues Werk desselben Autors. Der Stil, das Cover, die liebevolle Gestaltung - alles erinnerte mich daran. Doch der Name auf dem Umschlag war ein anderer: Jake Biggin.

Zunächst wollte ich es nicht lesen, weil ich wusste, wie schwer es ist, an mein Lieblingsbuch in diesem Genre heranzureichen. Doch dann entschied ich mich um - ich wollte dem Buch eine Chance geben, in der Hoffnung, dass es ähnlich berührt und trotzdem etwas Eigenständiges erzählt.

Bereits die ersten Seiten von „Vom kleinen Glück“ treffen ins Herz. Die Begegnung zwischen Anna und Happy - einem kleinen Wesen voller Zuversicht - wirkt kindlich und poetisch zugleich.

„Hallo, Anna. Ich bin Happy. Können wir beste Freunde sein?“
„Ich weiß aber nicht, wie das geht.“
„Ich schon.“

Diese wenigen Sätze haben mich tief bewegt und brachen mir schier das Herz. Wie einsam muss ein Kind sein, das Freundschaft nicht kennt? Diese Szene spiegelt auf berührende Weise wider, wie bedeutend menschliche Nähe und emotionale Begleitung sind - gerade in der Kindheit.

Jake Biggin erzählt keine klassische lineare Geschichte. Ähnlich wie bei Charlie Mackesy sind die Seiten wie kleine Inseln: eigenständige Gedanken, die für sich stehen können, und dennoch in ihrer Gesamtheit ein rundes, warmes Bild ergeben. Man kann das Buch an beliebiger Stelle aufschlagen und wird immer etwas finden, das berührt oder zum Nachdenken anregt - ohne den roten Faden zu verlieren.

Obwohl das Werk auf den ersten Blick wie ein typisches „Freundschafts-Geschenkbuch“ wirkt, sehe ich es etwas anders. Für mich passt es besser zu einer Patenschaft, als symbolisches Geschenk zur Taufe oder für einen jungen Menschen auf dem Weg ins Leben. Es geht um mehr als nur Freundschaft: Es geht ums Wachsen, um Mut, um innere Stärke und das stille Vertrauen in sich selbst.

Die Zeichnungen sind schlicht, aber keineswegs belanglos. Biggins Stil ist reduziert, fast skizzenhaft - und dennoch voller Emotionen. Mit wenigen Strichen gelingt es ihm, Atmosphäre zu schaffen, Gefühle sichtbar zu machen und Charaktere mit Leben zu füllen. Gerade das Unperfekte, das Skizzenhafte, macht den Charme aus.

Wie schon Mackesy setzt auch Biggin auf Leichtigkeit und erreicht damit genau das, was ich mir gewünscht habe: kleine Erinnerungen im Alltag, dass man gut ist, wie man ist - gerade in schwierigen Momenten.

„Vom kleinen Glück“ ist kein Ersatz für „Der Junge, der Maulwurf, der Fuchs und das Pferd“ - und will das auch nicht sein. Ich hätte mir dennoch gewünscht, dass es sich etwas mehr davon abhebt.
Trotzdem: Es ist eine sanfte Begleitung, ein kleiner Schatz für ruhige Stunden, für Menschen, die Trost oder einen liebevollen Impuls brauchen. Ein Buch, das sich wunderbar verschenken lässt - oder das man sich einfach selbst gönnt.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 11.07.2025

✎ Ilka Mella - Der Atem des Ozeans

Der Atem des Ozeans
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Manche Bücher findet man nicht - sie finden einen. So war es bei mir mit „Der Atem des Ozeans“ von Ilka Mella. Ich bin über @linhelest auf den Titel aufmerksam geworden, die ihn mehrfach empfohlen hat. ...

Manche Bücher findet man nicht - sie finden einen. So war es bei mir mit „Der Atem des Ozeans“ von Ilka Mella. Ich bin über @linhelest auf den Titel aufmerksam geworden, die ihn mehrfach empfohlen hat. Als das Hörbuch erschien, habe ich spontan zugegriffen - und wurde überrascht, wie schnell mich diese Geschichte gepackt hat.

Sarah Terweh als Sprecherin war ein echter Glücksgriff. Ihre Stimme passt perfekt zu Hokulani, der Hauptfigur, bringt die Atmosphäre der Unterwasserwelt eindrucksvoll zur Geltung und hat mich vom ersten Moment an abgeholt. Ihre Tonlage und die fein abgestimmten Betonungen lassen die Emotionen der Meerjungfrau lebendig werden. Besonders im Kontext der maritimen Welt fügt sich ihre Stimme atmosphärisch stimmig ein.

Ilka Mellas Schreibstil ist poetisch, fast schon musikalisch. Sie erschafft eine tiefgründige Unterwasserwelt, die nicht nur zum Träumen, sondern auch zum Nachdenken einlädt und die mehr ist als nur Kulisse - sie wird zum Spiegel für drängende Themen wie Artenschutz, Umweltzerstörung und das fragile Gleichgewicht unserer Ökosysteme. Besonders beeindruckt hat mich, wie natürlich diese Botschaften in die Handlung eingebettet sind, ohne belehrend zu klingen.

Hokulani selbst ist keine klassische Heldin. Sie ist kantig, verletzlich, oft zerrissen - und gerade deshalb glaubwürdig und greifbar. Ihre innere Entwicklung wirkt authentisch, ihre Entscheidungen (meistens) nachvollziehbar. Ich hatte das Gefühl, an ihrer Seite durch das Meer zu schwimmen und ihre Kämpfe mitzuerleben.

Was man vor dem Lesen / Hören wissen sollte: Die Geschichte ist stellenweise sehr brutal. Es gibt Szenen, die explizit und verstörend wirken können - insbesondere im Hinblick auf Gewalt und Folter. Selbst als geübte (Psycho)Thrillerleserin musste ich an einigen Stellen tief durchatmen. Wer empfindlich ist, sollte das im Hinterkopf behalten. Dennoch lohnt es sich, dran zu bleiben, denn unter der rauen Oberfläche verbirgt sich eine Botschaft voller Hoffnung.

Ein kleiner Wermutstropfen war für mich der Antagonist. Für meinen Geschmack blieb er etwas zu klar in seiner Rolle als "der Böse", ohne große Grautöne. Er wirkte ein wenig klischeehaft und eindimensional. Vielleicht war aber genau das die Intention der Autorin: ein klar umrissener Gegenpol zur komplexen Hauptfigur.

Das Ende kam für mich etwas überraschend und fast zu abrupt. Und doch hat es gepasst. Es ist nicht glattgebügelt, sondern emotional glaubwürdig. Man spürt, dass Hokulani nicht als makellose Heldin gedacht ist, sondern als Figur mit Spuren, Brüchen und Konsequenzen.

Ich könnte mir eine Fortsetzung super vorstellen. Die Geschichte ist zwar in sich abgeschlossen, aber sie hinterlässt Fragen - und vor allem das Bedürfnis, noch einmal in diese Welt einzutauchen.

„Der Atem des Ozeans“ ist kein Wohlfühlroman. Es ist ein ein emotionaler Tauchgang zwischen Magie, Schmerz und Hoffnung; ein intensives, forderndes und tief berührendes Leseerlebnis, das unter die Haut geht. Zwischen mythischer Erzählung und ökologischer Botschaft entfaltet sich eine Geschichte, die lange nachwirkt. Wer bereit ist, sich auf emotionale Tiefe, unbequeme Themen und poetisches Erzählen einzulassen, wird am Ende mit etwas Kostbarem belohnt: echter Hoffnung.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 27.06.2025

✎ Dr. Julia Freudenberg & Matthias Feldmann - WAS IST WAS Naturwissenschaften easy! 9 Logisch, genial, digital! Abenteuer Informatik

WAS IST WAS Naturwissenschaften easy! Logisch, genial, digital! Abenteuer Informatik
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In unserer Schulbibliothek haben die klassischen WAS-IST-WAS-Bände schon lange einen festen Platz. Sie gehören definitiv zu den meistgelesenen Sachbüchern bei uns. Die Reihe „Naturwissenschaften easy!“ ...

In unserer Schulbibliothek haben die klassischen WAS-IST-WAS-Bände schon lange einen festen Platz. Sie gehören definitiv zu den meistgelesenen Sachbüchern bei uns. Die Reihe „Naturwissenschaften easy!“ war mir hingegen neu - ein modernerer Ableger, der komplexe Themen kindgerecht erklärt.

Zum Einstieg haben wir uns direkt für den Band rund ums Thema Informatik entschieden. Nicht ganz uneigennützig, denn bei uns zuhause ist Informatik quasi Dauerpräsenz - Papa ist schließlich ITler. Umso spannender war es zu sehen, wie dieses Fachgebiet fundiert und verständlich erklärt wird.

Das Buch gliedert sich in vier große Bereiche:
- Die digitale Welt entdecken
- Hardware und Software
- So steuerst du deinen Computer
- Zukunft der Computertechnologie

Für uns war besonders das Kapitel zur Computersteuerung spannend. Hier wird auf anschauliche Weise erklärt, wie Programme funktionieren und welche Programmiersprachen existieren. Auch externe Tools wie W3Schools werden erwähnt - eine gute Ergänzung für Interessierte, die direkt erste Schritte im Coden machen möchten.

Als Mutter fand ich das Kapitel über Sicherheit und Datenschutz besonders wertvoll. In Zeiten von Social Media, Tracking und Chatbots ist es wichtiger denn je, dass Kinder verstehen, wie sie ihre Daten schützen können.

Inhaltlich hat die Lektüre bei uns definitiv gepunktet. Die Texte sind sehr informativ und klar strukturiert. Für ein Kindersachbuch ist es allerdings recht textlastig, was für manche (junge) Lesende abschreckend wirken könnte. Uns persönlich hat die klare Gliederung geholfen - wir haben kapitelweise gelesen, viele Fragen gestellt und gemeinsam reflektiert.

Was uns etwas gefehlt hat, war ein Begriffsregister. Gerade bei vielen neuen Fachbegriffen wäre es hilfreich gewesen, schneller nachschlagen zu können, wo was ausführlicher erklärt wird. (ein Glossar ist vorhanden) Eine einfache Hervorhebung im Fließtext hätte da schon viel bewirkt.

Manchmal hatte ich das Gefühl, dass der Sprachstil stellenweise noch mehr auf die Zielgruppe ab 11 Jahren abgestimmt sein könnte. Ich bin jedoch ebenso der Meinung, dass, wenn ein Elternteil mitliest oder begleitet, es wunderbar klappt.

„Logisch, genial, digital!“ hat uns nicht nur neues Wissen vermittelt, sondern auch Lust auf mehr gemacht. Das Buch bietet einen fundierten Einstieg in die Welt der Informatik, ohne zu überfordern. Trotz kleinerer Schwächen bei der Nutzerführung ist es ein gelungenes Sachbuch, das moderne Themen altersgerecht aufbereitet. Informatik wird hier auf Augenhöhe erklärt.

Mein Fazit: Absolut empfehlenswert - und ein Must-have für jede gut sortierte Schulbibliothek.

©2025 Mademoiselle Cake