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Veröffentlicht am 11.12.2025

Das Vermächtnis von Marble Hall

Tod zur Teestunde
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Die Lektorin Susan Ryeland ist von der Insel Kreta zurückgekehrt und lebt wieder in London. Sie arbeitet für einen kleinen Verlag und soll den Roman “Pünds letzter Fall“ des jungen Autors Eliot Crace betreuen. ...

Die Lektorin Susan Ryeland ist von der Insel Kreta zurückgekehrt und lebt wieder in London. Sie arbeitet für einen kleinen Verlag und soll den Roman “Pünds letzter Fall“ des jungen Autors Eliot Crace betreuen. Die überaus erfolgreiche Serie von 9 Bänden des ermordeten Autors Alan Conway soll so ihren Abschluss finden. Eigentlich möchte Susan diesen Auftrag nicht übernehmen, denn mit dem unsympathischen Autor Conway musste sie vor Jahren zusammenarbeiten und geriet in große Gefahr. Wie sich bald herausstellt, ist Eliot der Enkel der vor Jahren verstorbenen sehr erfolgreichen Kinderbuchautorin Miriam Crace. Eliot verlegt die Handlung seines Krimis zwar nach Südfrankreich, aber es ist offenkundig, dass er die Geschichte seiner eigenen Familie erzählt. Er behauptet, dass seine Großmutter nicht eines natürlichen Todes starb, sondern vergiftet wurde. In seinem Roman wird er aufdecken, wer der Täter war. Bis es so weit ist, sorgt er für große Aufregung in der Familie Crace, wo fast jeder ein Motiv hatte und sich verdächtig verhielt. Die Überlebenden fürchten um ihren guten Ruf und wollen vor allem keine geschäftlichen Einbußen erleiden. Es geht um ein riesiges Vermögen, das vom ältesten Sohn der Toten verwaltet wird. Horowitz konstruiert einen Roman im Roman, indem die Mitglieder der Familie Crace unter anderen Namen auftauchen, aber durchaus zu identifizieren sind. Es handelt sich natürlich nicht um Fiktion und Wirklichkeit, denn die eine Geschichte ist so fiktiv wie die andere. Wie die beiden Handlungsstränge verwoben sind, ist große Kunst. Besonders raffiniert ist, dass Susan Ryeland zur Hauptverdächtigen wird, als der junge Eliot bei einem Unfall mit Fahrerflucht getötet wird. Alle Indizien belasten Susan, und sie befindet sich wieder in Lebensgefahr, so dass sie die Ermittler von ihrer Unschuld überzeugen und sehr schnell aufklären muss, wer dahintersteckt.
Der Roman ist trotz seiner Länge enorm spannend und sehr raffiniert konstruiert – mit einer Vielzahl von falschen Spuren, mit Wortspielen und Anagrammen und einer überzeugenden Charakterisierung der vielen Personen. Für den Leser ist die Orientierung nicht immer einfach, aber Kriminalromane von solcher Qualität liest man nicht jeden Tag.

Veröffentlicht am 15.11.2025

Ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte

Lebensbande
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Im Mittelpunkt von Mechtild Borrmanns neuem Roman “Lebensbande“ stehen drei Frauen - Lene, Nora und Lotte - deren Leben über einen Zeitraum von mehr als 60 Jahren geschildert wird. Erzählt wird auf zwei ...

Im Mittelpunkt von Mechtild Borrmanns neuem Roman “Lebensbande“ stehen drei Frauen - Lene, Nora und Lotte - deren Leben über einen Zeitraum von mehr als 60 Jahren geschildert wird. Erzählt wird auf zwei Zeitebenen, den 30er Jahren bis nach Kriegsende und den 90er Jahren nach dem Mauerfall. Lene und Nora sind Kusinen, die sich erst spät kennenlernen, Nora trifft Lotte bei ihrer Arbeit als Krankenschwester und wird nach dem Krieg mit ihr für acht Jahre in einem sowjetischen Arbeitslager eingesperrt. Es sind schwierige Zeiten mit schlimmen Ereignissen, die zu ertragen viel Mut und Kraft kostet. Lene hat einen kleinen behinderten Sohn, den man ihr wegnehmen will, weil er als Reichsausschusskind betrachtet wird. Die Freundinnen ahnen, was mit diesen Kindern in den speziellen Einrichtungen passiert, wo erstaunlich viele schon bald angeblich an Lungenentzündung sterben. Nora hilft Lene, den kleinen Leo zu retten und geht dabei ein hohes Risiko ein. Bei der Aktion gibt es einen Zwischenfall, der Noras Leben für immer prägen wird.
Lange rätselt der Leser, aus wessen Perspektive die zugleich berührende und bedrückende Geschichte erzählt wird. Eine der drei Frauen schreibt dann sozusagen als Vermächtnis auf, was damals wirklich geschehen ist und beantwortet damit offene Fragen. Mir hat Borrmanns neuer Roman wieder sehr gut gefallen, vor allem das Porträt der drei mutigen Frauen, die einander tatsächlich lebenslang verbunden bleiben und anderen helfen, selbst wenn ihr eigenes Leben auf dem Spiel steht: „Es sind die Dinge, die man nicht getan hat, die einen ein Leben lang beschämen.“ (S. 158) Ein sehr lohnender Roman, den ich verschlungen habe.

Veröffentlicht am 28.10.2025

Gelenkknorpel brauchen Bewegung

Gesund mit Visite – Arthrose
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Zwar ist Arthrose nicht heilbar, aber der Ratgeber „Gesund mit Visite – Arthrose“ klärt auf, wie man durch seine Lebensweise, durch Ernährung und Bewegung die Erkrankung verhindern oder den Verlauf verlangsamen ...

Zwar ist Arthrose nicht heilbar, aber der Ratgeber „Gesund mit Visite – Arthrose“ klärt auf, wie man durch seine Lebensweise, durch Ernährung und Bewegung die Erkrankung verhindern oder den Verlauf verlangsamen kann, wenn sie bereits eingetreten ist. Die auch für den Laien gut verständliche Darstellung beschreibt Ursachen und Verlauf der Erkrankung, enthält eine Fülle sehr interessanter, leckerer Rezepte und Übungen für Knie, Hüfte, Fußgelenke und Schultern. Sowohl die Rezepte als auch die Gelenkübungen sind leicht nachzumachen und lassen sich gut in den Alltag integrieren. Auch wenn eine Operation nötig ist oder die Schmerzen chronisch geworden sind, hilft die richtige Einstellung, den Alltag zu bewältigen. Positive Gedanken und Lebensfreude sind dabei überaus wichtig.
Mir hat der Ratgeber sehr gut gefallen. Bei mir wurde zwar vor knapp fünf Jahren bereits ein künstliches Hüftgelenk implantiert, aber ich nehme die Anregungen zur Selbsthilfe gern an und setze Rezepte und Übungen in meinem Alltag um.

Veröffentlicht am 21.09.2025

Das traurige Leben eines Losers

Der Absturz
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In seinem neuen Roman schreibt Edouard Louis über das Leben seines neun Jahre älteren namenlosen Halbbruders aus der ersten Ehe seiner Mutter, der im Alter von 39 Jahren bewusstlos in seiner Wohnung aufgefunden ...

In seinem neuen Roman schreibt Edouard Louis über das Leben seines neun Jahre älteren namenlosen Halbbruders aus der ersten Ehe seiner Mutter, der im Alter von 39 Jahren bewusstlos in seiner Wohnung aufgefunden wird. Der Bruder ist nicht mehr zu retten, die Geräte werden abgeschaltet. Der Autor hat seinen Bruder zu diesem Zeitpunkt fast 10 Jahre lang nicht mehr gesehen. Sie standen einander nicht nahe. Deshalb empfindet er auch keine Trauer, möchte eigentlich nichts mit der Beerdigung zu tun haben. Dennoch will er nun die Geschichte eines Mannes aufschreiben, der nie wirklich eine Chance hatte. Er stammt aus dem Arbeitermilieu in der Picardie, fing früh an zu trinken und Drogen zu konsumieren, beging schon als sehr junger Mann eine Reihe von Straftaten. Dennoch träumte er von beruflichem Erfolg und Reichtum, wollte erst der beste Metzger und dann der beste Maurer werden, der die größten Kathedralen restaurierte. Dass er seine Träume auch nicht ansatzweise verwirklichen konnte, lag an seiner prekären Ausgangssituation, aber auch an seinem unmäßigen Alkoholkonsum, durch den er jeden Job nach kurzer Zeit verlor. Hinzukam, dass er unter Alkoholeinfluss immer wieder ausrastete und gewalttätig wurde, auch gegenüber seinen Freundinnen. Dennoch erzählen gerade diese, dass der Bruder auch eine sehr liebenswerte, freundliche Seite hatte, die der Autor nicht kannte.
Louis stellt Fakten aus dem Leben des Bruders zusammen, gibt Interviews wieder, die zeigen, dass der Absturz unaufhaltsam war genauso wie der fortschreitende körperliche Verfall. Gegen sein Suchtverhalten kam er nicht an, zumal er sich nicht helfen lassen wollte, auch von den Menschen nicht, die es gut mit ihm meinten, und schließlich hatte er nur noch Angst vor jeder Form von Veränderung. Im Lauf seiner Nachforschungen erfährt Louis nicht nur vieles, was er nicht wusste. Er stellt sich auch immer wieder die Frage, ob er etwas hätte tun können oder sogar müssen.
Ich habe dieses Buch schnell und mit großem Interesse gelesen. Ich schätze Edouard Louis seit seinem Debütroman und kenne noch zwei weitere. Er wird zu Recht als einer der führenden Autoren seiner Generation betrachtet. Eine sehr lohnende Lektüre.

Veröffentlicht am 11.07.2025

Ein Augenblick trennt das Schönste vom Schlimmsten

Eden
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Markus und Kerstin Stenger sind sehr glücklich mit ihrer 12jährigen Tochter Sofie. Eines Tages überrascht Markus seine Tochter mit Tickets für das Konzert ihrer geliebten Sängerin Ariana la Vega in Stuttgart. ...

Markus und Kerstin Stenger sind sehr glücklich mit ihrer 12jährigen Tochter Sofie. Eines Tages überrascht Markus seine Tochter mit Tickets für das Konzert ihrer geliebten Sängerin Ariana la Vega in Stuttgart. Sofies Tante Isabel und ihre Kusine Lotte sind ebenfalls eingeladen. Markus ist beim Konzert nicht dabei, will die drei aber am Ende der Veranstaltung abholen. Dann passiert das Unvorstellbare. Ein Selbstmordattentäter löst eine Explosion aus, und Markus sieht seine Tochter tot am Boden liegen, während seine Schwester und seine Nichte überleben. Danach ist nichts mehr, wie es war. Die Eltern gehen unterschiedlich mit dem Verlust ihrer Tochter um und entfernen sich in ihrer Trauer weit voneinander. Während Kerstin die schreckliche Tatsache ausspricht, will Markus nicht wahrhaben, dass seine Tochter tot ist. Mit den Stengers trauert auch Sofies Schulfreund Tobias, der in schwierigen Verhältnissen lebt, weil die Eltern sich nicht mehr verstehen und der Vater zum rechtsradikalen Verschwörungstheoretiker geworden ist. Ohne seine Angehörigen zu informieren, sucht Markus die Familie des Attentäters Ayoub Issa auf. Er will begreifen, wie es zu dieser Bluttat kommen konnte und ob seine beiden Brüder von Ayoubs Radikalisierung und seinem Vorhaben wussten.
Der Autor stellt die Trauer der Hinterbliebenen sehr empathisch dar, zeigt aber auch anschaulich die gesellschaftliche Situation. Das Land ist durch das Erstarken der Rechtsextremen gespalten. Verschwörungstheoretiker verbreiten ihre Parolen im Internet. Da darf man nicht aufgeben, sondern muss kämpfen und mutig weiterleben.
Ich habe den neuen Roman von Jan Costin Wagner schnell gelesen und bin sehr davon angetan. Ich kannte bisher nur eine Reihe seiner Krimis, aber diese völlig andere Geschichte gefällt mir auch in der sprachlichen Umsetzung gut.