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Veröffentlicht am 17.09.2025

Ein Denkmal für Anna

Anna oder: Was von einem Leben bleibt
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Und zwar ein literarisches: verfasst über eine Frau, die vor über neunzig Jahren, nämlich 1932 verstarb - im Alter von 65 Jahren. Gesetzt hat es ihr ihr Urenkel, mehrfach preisgekrönter Redakteur der ZEIT ...

Und zwar ein literarisches: verfasst über eine Frau, die vor über neunzig Jahren, nämlich 1932 verstarb - im Alter von 65 Jahren. Gesetzt hat es ihr ihr Urenkel, mehrfach preisgekrönter Redakteur der ZEIT - sie hat es mehr als verdient.

Wobei aus meiner Sicht fast jeder Mensch ein solches Andenken verdient hätte, doch in Annas Fall ist es wirklich so, dass sie ein ungewöhnliches Leben führte, so zumindest meine Meinung.

Als junge Frau, fast noch ein Mädchen, verschlug es sie nach Cobbenrode im Sauerland, wo sie, aus einer mittellosen Großfamilie stammend, eine Stelle als Lehrerin antreten sollte, die sie fünfzehn Jahre ausfüllen sollte und dann: der Knaller!

Anna heiratet, und zwar nicht irgend jemanden, sondern den begehrtesten Junggesellen des Ortes, begütert und vier Jahre jünger als sie. Nach dessen frühem Tod füllt sie etliche seiner amtlichen Positionen aus, obwohl sie inzwischen Mutter ist, wird Wirtin im örtlichen Gasthaus, führt die Post.

Ihr zweiter Mann ist gar 19 Jahre jünger - auch mit ihm bekommt sie ein Kind, aufgrund seines Alters wird er im Ersten Weltkrieg eingezogen, auch das keine leichte Situation.

Ein Lob auf Henning Sussebach, der in der literarischen Aufarbeitung ihres Schicksals aus meiner Sicht alles richtig macht. Es ist eine warmherzige Darstellung ihres Lebens beruhend auf den wenigen Fakten, die ihm zur Verfügung stehen. Diese bettet er ein in eine zeitgeschichtliche umrahmende Darstellung ihrer Umgebung, der Lebensbedingungen, möglicher beziehungsweise durchaus wahrscheinlicher Entwicklungen, Freuden, Sorgen und Nöte. Und zeigt immer wieder auf, dass Anna ein für ihre Zeit ausgesprochen ungewöhnliches Leben führte. In einer fremden Stadt allein auf sich gestellt, brachte sie - wie man damals sagte - zu etwas. Nämlich neben einer Familie auch zu beruflichem Erfolg, sie war für ihre Zeit eine erfolgreiche Unternehmerin, nämlich als Gastwirtin. Und eine ebenso erfolgreiche Arbeitnehmerin, nämlich als Postangestellte.

Ein Buch, das sich ganz wunderbar liest und mir, die ich mich derzeit - oder eigentlich immer - mit meinen eigenen Vorfahren beschäftige, in vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet hat. Vor allem in der, dass es nicht schlimm ist, nicht alles über die jeweilige Person zu wissen. Ein historisches Verständnis und ein ebensolches Einfühlungsvermögen in damalige Umstande und Ansichten ist mindestens genauso wichtig.

Ein wundervolles Buch, dem ich viele Leser wünsche!

Veröffentlicht am 04.09.2025

Dorothy und Joseph

Das Geschenk des Meeres
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Eine Geschichte auf zwei (Zeit)Ebenen: im Jahr 1900 und einige Jahre später: Es ist wie bei den Königskindern: sie lieben sich und kommen einfach nicht zusammen. Doch anders als bei den Königskindern ...

Eine Geschichte auf zwei (Zeit)Ebenen: im Jahr 1900 und einige Jahre später: Es ist wie bei den Königskindern: sie lieben sich und kommen einfach nicht zusammen. Doch anders als bei den Königskindern stehen sie sich selbst im Wegl Namentlich ist es Dorothy, die Josephs wiederholte Versuche, auf sie zuzukommen, abwehrt. Doch eigentlich ist sie selbst nicht daran schuld - neu aus Edinburgh in das kleine Dorf am Meer zu kommen. um dort als Lehrerin zu arbeiten, ist schnell klar, dass sie und Joseph füreinander bestimmt sind - aber die junge Agnes hat ihn für sich auserkoren und versucht, dies nach Kräften durchzudrücken. Vor allem, indem sie und die ihrigen Dorothy deutlich machen, dass sie die Finger von Joseph zu lassen hat!

Dorothy heiratet einen anderen, bekommt ein Kind und verliert dieses auf tragische Weise. Eine Geschichte von (wenig) Nähe und (überbordender) Ferne mit eindringlich gezeichneten Charakteren - sowohl die Haupt- als auch die Nebendarsteller sind - teils mit wenigen Worten - so klar und deutlich dargestellt, dass ich sie und auch das Setting bildhaft vor mir sehe.

Ein wundervoller, ruhiger, dabei kraftvoller und auch tragischer Roman, in dem am Ende die Hoffnung dominiert. Meine uneingeschränkte Empfehlung!

Veröffentlicht am 05.08.2025

Moll will singen

Durch das Raue zu den Sternen
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Und zwar nicht nur in Moll, sondern in allen Tonlagen. Da es in ihrem kleinen Ort keinen passenden Chor für sie gibt, tut sie alles, um in den Knabenchor hineinzukommen, was eigentlich unmöglich ist. Doch ...

Und zwar nicht nur in Moll, sondern in allen Tonlagen. Da es in ihrem kleinen Ort keinen passenden Chor für sie gibt, tut sie alles, um in den Knabenchor hineinzukommen, was eigentlich unmöglich ist. Doch Moll wäre nicht Arkadia Fink - das ist nämlich ihr richtiger Name - wenn sie nicht bekommen würde, was sie will.

Ein überaus unterhaltsamer, warmherziger und tiefsinniger Roman, wie ich es von Christopher Kloeble nicht anders kenne. Hier schafft er es, tief in die Seele eines jungen Mädchens einzudringen und diese für sich sprechen und denken zu lassen - wie junge Mädchen dies eben tun. In diesem Falle ein zutiefst unglückliches junges Mädchen, auch wenn sie es sich nicht eingesteht. Sie hofft trotz anderer Hinweise (eigentlich ist es deutlich mehr als das), dass ihre lustige, liebevolle und so musikalische Mutter pünktlich zum Beginn ihrer Sangeskarriere zurück kommen wird. Und Moll kann zwar nicht zaubern, aber singen - also machen Sie sich auf etwas gefasst!

Veröffentlicht am 13.07.2025

Ich bin begeistert!

Vorsehung
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Dieser Roman, in dem die australische Autorin Liane Moriarty ihre Hauptfigur, eine alte Dame namens Cherry Lockwood auf einem Flug viele Mitfliegenden über ihren Todeszeitpunkt und die jeweilige ...

Dieser Roman, in dem die australische Autorin Liane Moriarty ihre Hauptfigur, eine alte Dame namens Cherry Lockwood auf einem Flug viele Mitfliegenden über ihren Todeszeitpunkt und die jeweilige Todesursache informiert und sich nachher nicht mehr daran erinnern kann, hat mich unerwarteterweise sehr begeistert.

Es geht hier nicht um einen Klamauk, sondern um einen Prozess, der sich im Laufe des inzwischen langen Lebens von Cherry entwickelt hat und darum, wie die Empfänger der Nachricht damit umgehen. Und natürlich auch darum, ob ihnen nun der Sensenmann entgegentritt oder nicht.

Moriarty blickt hinter die menschlichen Fassaden und demaskiert diese auf eine gewisse, sehr menschliche Art, die vor Humor und Ironie nur so strotzt - aber auch vor Liebe. Und zwar von der Liebe zu den (meisten) von ihr geschaffenen Figuren und auch zum Leben! Dasjenige ihrer jeweiligen Charaktiere entzieht sie ihnen nicht einfach so, nein, es hat alles seine Logik, seine eigene Bewandtnis. Ich muss sagen, ich bin begeistert - ob nur von diesem, oder auch von anderen Werken der Autorin Liane Moriarty, das wird sich zeigen!


Veröffentlicht am 02.07.2025

These vagabond shoes....

Nu Jork, Nu Jork!
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Ja, hier rufen die Reiseschuhe bzw. in Hennis Fall die Reisekrallen, denn sie ist ein Huhn und zwar ein sehr unternehmungslustiges. Im Stall beim Bauern gibt es nix Neues mehr für sie - wenn sie sich abends ...

Ja, hier rufen die Reiseschuhe bzw. in Hennis Fall die Reisekrallen, denn sie ist ein Huhn und zwar ein sehr unternehmungslustiges. Im Stall beim Bauern gibt es nix Neues mehr für sie - wenn sie sich abends auf das Stalldach begibt, trifft sie immer den Fuchs und auch musikalisch herrscht die Eintönigkeit; der Bauer spielt immer dieselbe Musik.

Also landet Hennie auf der Reling eines dieser Ozeanriesen, die die Menschen - und diesmal eben auch ein Huhn - nach Übersee, nämlich nach New York bzw. in Henniespeech Nu Jork bringen.

Sie hat tolle Begegnungen auf dem Schiff: gleich zu Beginn trifft sie dessen lebensmüden Eigentümer, der während der Überfahrt zu ihrer Frühstücksgesellschaft wird und ihr auch sonst so manchen Weg ebnet. Und sie trifft Fränk, der Abend für Abend das tolle Sinatra-Lied Nu Jork, Nujork singt - es ist zwar ein falscher Fränk, aber Henni stört das nicht.

Weitere Bekanntschaften eröffnen ihr diverse Möglichkeiten - man darf gespannt sein, denn Autorin Alexandra Lüthen hat sich so einiges einfallen lassen. Und da Peter Gaymann, mein erklärter Lieblingskarikarturist, die Illustrationen dazu zu verantworten hat, kann hier gar nichts schiefgehen. Es ist sozusagen ein Bilderbuch für Erwachsene und zwar ein ausgesprochen gelungenes.

Unglaublich witzig, aber auch sehr herzlich sind sowohl Text als auch Zeichnungen gestaltet - ein herrliches Bilderbuch für Menschen jeden Alters, die ein bisschen Sonne - und Huhn - im Leben gebrauchen können!

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