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Veröffentlicht am 15.07.2025

Ein facettenreicher Horrorroman

Hex
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Inhalt: Seit über 300 Jahren hält die Hexe Katherine van Wyler die idyllisch im Hudson Valley gelegene Gemeinde Black Spring in Atem. So soll sie den bösen Blick besitzen, ihr Flüstern führt in den Tod; ...

Inhalt: Seit über 300 Jahren hält die Hexe Katherine van Wyler die idyllisch im Hudson Valley gelegene Gemeinde Black Spring in Atem. So soll sie den bösen Blick besitzen, ihr Flüstern führt in den Tod; bereits in der Vergangenheit hat sie die Bevölkerung des Dorfes vollständig verschwinden lassen. Doch in der Gegenwart scheint die unmittelbare Gefahr, die von Katherine ausgeht, gebannt: Augen und Mund sind zugenäht, Katherine wandelt eher teilnahmslos durch das Dorf, erscheint mal hier, mal dort. Die Dorfbewohner haben sich mithilfe von Bürokratie und strengen Regeln mit ihr arrangiert und Leben so normal wie eben möglich - bis zu dem Zeitpunkt, als vier Jugendliche das Geheimnis um die Kräfte der Katherine van Wyler lüften möchten…

Persönliche Meinung: “Hex” ist ein Horrorroman des niederländischen Autors Thomas Olde Heuvelt. Erzählt wird die Handlung von einem allwissenden Erzähler, der in die Perspektiven mehrerer Figuren schlüpft: So begleiten wir u.a. den Jugendlichen Tyler Grant, der sein Leben frei von der Hexe führen möchte und dafür mit seinen Freunden ihre Geheimnisse ergründet, den liebevollen Vater Steve Grant, der mehrfach mit dem Schicksal seiner Familie in Black Spring hadert, den ruppigen Sicherheitsbeamten Robert Grim, der die Gefahr, die von Katherine ausgeht, mit Augenmaß zu bannen sucht, oder die einsame Metzgerin Griselda Holst, die Katherine fanatisch verehrt. Alle Figuren sind mit ihren Sorgen, Wünschen, Gefühlen und ja: auch Fanatismen ausgesprochen authentisch und lebendig gezeichnet, sodass man sich sehr gut in sie hineindenken kann und ggf. mit ihnen leidet. An der kurzen Vorstellung der Figuren merkt man schon: Die Geschichte geht über den reinen Horror hinaus (der ist natürlich auch da: Insbesondere die Szenen, in denen die zugenähte Katherine erscheint, sind atmosphärisch schön schaurig beschrieben). Daneben ist “Hex” aber auch Coming of Age, Familiendrama und Gesellschaftsroman (durch die Darstellung des engstirnigen dörflichen Mikrokosmos), wodurch die Handlung ungemein abwechslungsreich und originell ist. Wie originell der Roman ist, kann ich leider spoilerfrei nicht zur Gänze ausführen. Nur: Dass das Grauen in Form der Hexe als Teil des Alltags akzeptiert wird, dass Katherine sogar Streiche gespielt werden, zeigt, dass der Roman anders funktioniert, als man es im Horrorgenre gewohnt ist (bis zum wirklich grandiosen Ende!). Der Schreibstil von Thomas Olde Heuvelt ist anschaulich und detailliert, sodass beim Lesen ein schönes Kopfkino entsteht. Insgesamt ist “Hex” eine fesselnde, facettenreiche Lektüre, die auch nach Lesen der letzten Seite nachhallt.

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Veröffentlicht am 15.07.2025

Zehn eindrückliche Geschichten über die Schrecken des Krieges

Der Feind
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„Der Feind“ versammelt zehn Kurzgeschichten von Erich Maria Remarque, die sich mit den Schrecken des Ersten Weltkriegs auseinandersetzen. Inhaltlich lassen sich die Geschichten in zwei Gruppen einteilen: ...

„Der Feind“ versammelt zehn Kurzgeschichten von Erich Maria Remarque, die sich mit den Schrecken des Ersten Weltkriegs auseinandersetzen. Inhaltlich lassen sich die Geschichten in zwei Gruppen einteilen: Erzählungen, die an der Front spielen, und Erzählungen, die die Folgen der Kriegserfahrungen thematisieren. So handelt „Jürgen Tamen“ von einem feinfühligen Mann, der an der Front Heimweh verspürt; die titelgebende Erzählung „Der Feind“ (die für mich eine der eindrücklichsten ist) thematisiert die Erkenntnis der Soldaten, dass der sog. Feind auch ein Mensch ist; „Ich hab die Nacht geträumet - - -“ erzählt mit beklemmenden Worten den letzten Lebensgang eines Soldaten in einem Lazarett. Demgegenüber stehen Erzählungen, die das Leben nach dem Krieg darstellen. Hier finden sich einerseits Geschichten der ehemaligen Soldaten: In „Der junge Lehrer“ fällt es einem jungen Mann schwer, nach dem Krieg in den Alltag zurückzufinden; in „Karl Broeger in Fleury“ besuchen zwei ehemalige Soldaten den Ort eines Kampfes – wobei aufgezeigt wird, wie sehr sie der Krieg verfolgt; „Das seltsame Schicksal des Johann Bartok“ fokussiert die Kriegsgefangenschaft; „Unterwegs“ schließlich zeigt die Getriebenheit eines Mannes. Weiterhin existieren zwei Erzählungen, die das Schicksal der Frauen der kriegsversehrten Männer behandelt. Während „Die Geschichte von Annettes Liebe“ das Schicksal einer jung verheirateten Kriegswitwe zeigt, handelt „Josefs Frau“ von dem Kriegsheimkehrer Josef, der sein gesamtes Gedächtnis verloren hat, dessen Frau aber alles dafür tut, um ihm zu helfen. Insbesondere „Josefs Frau“ hallt durch die Aufopferung der namenlos bleibenden Frau nach. Auf eine andere Weise spricht „Schweigen um Verdun“ die Folgen des Krieges an: Mit eindrücklichen Worten wird die Veränderung der Landschaft durch den Krieg dargestellt; Idylle und Tod vermischen sich hier. Alle Geschichten eint ihr pazifistischer Grundton: Der Krieg wird als etwas Schreckliches, Sinnloses und Unmenschliches dargestellt, was für mich eine wichtige Botschaft der Sammlung insgesamt ist.

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Veröffentlicht am 13.07.2025

Eine informative Sammlung von Textquellen

Varusschlacht. Die Schriftquellen
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„Varusschlacht“, erschienen im Reclam Verlag, versammelt antike Schriftzeugnisse, die die Varusschlacht thematisieren. Versammelt sind hier Texte von Ovid, Manilius, Strabon, Velleius Paterculus, Seneca ...

„Varusschlacht“, erschienen im Reclam Verlag, versammelt antike Schriftzeugnisse, die die Varusschlacht thematisieren. Versammelt sind hier Texte von Ovid, Manilius, Strabon, Velleius Paterculus, Seneca d. Ä., Seneca d. J., Plinius d. Ä., Frontinus, Florus, Tacitus, Sueton, Cassius Dio sowie Orisius. Die Darstellung der Texte erfolgt in Paralleldruck, sodass der deutschen Übersetzung das lateinische bzw. griechische Original gegenübergestellt ist. Zu jedem Autor findet sich zudem ein kurzer, in Leben und Werke einführender Text, sodass eine leichtere Einordnung der Quelle erfolgen kann. Den Quellentexten vorangestellt ist zudem ein fachwissenschaftlicher Einleitungstext von Lutz Walther. Walther liefert hier eine konzise historische Kontextualisierung der Varusschlacht sowie einen informativen Überblick über die archäologischen Funde in Kalkriese, wo die Schlacht mutmaßlich stattgefunden hat (Für Walther spricht insgesamt viel dafür, dass die Schlacht dort stattfand, auch wenn der letztgültige Beweis noch fehlt). Für mich persönlich war vor allem interessant zu lesen, wie die antiken Schriftsteller über die Schlacht dachten und schrieben. So findet sich z. B. bei Ovid und Manilius eher ein klagendes bzw. belehrendes Anzitieren der Schlacht; Velleius Paterculus nutzt die beide kontrahierenden Feldherren der Schlacht, Varus und Arminius, um moralisierend psychologische Feldherrenqualitäten zu ergründen; Tacitus (eine der ausführlichsten Quellen) wendet sich der Schlacht retrospektiv bilanzierend zu, indem er sie mit anderen Schlachten vergleicht. Interessant fand ich neben den differierenden Schilderungen der antiken Autoren den Umstand, dass ausführliche Beschreibungen der Schlacht eher rar sind (neben Tacitus lediglich Cassius Dio) – ein Umstand, der nochmal vor Augen führt, wie schwierig das Finden des tatsächlichen Schlachtortes ist. Insgesamt ist „Varusschlacht“ eine informative sowie interessante Sammlung antiker Quellen über ein Ereignis, das Archäologie und Geschichtswissenschaft bis heute beschäftigt.

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Veröffentlicht am 13.07.2025

Zwei ungemein fesselnde Erzählungen

Der Sandmann / Das öde Haus
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„Der Sandmann“ und „Das öde Hause“ sind zwei Schauergeschichten von E.T.A. Hoffmann, die zuerst in den „Nachtstücken“ erschienen sind. In „Der Sandmann“ begleiten wir den Studenten Nathanael, der fernab ...

„Der Sandmann“ und „Das öde Hause“ sind zwei Schauergeschichten von E.T.A. Hoffmann, die zuerst in den „Nachtstücken“ erschienen sind. In „Der Sandmann“ begleiten wir den Studenten Nathanael, der fernab der Heimat Einschneidendes erlebt: Zunächst trifft er einen Wetterglashändler, der ihn an ein Trauma seiner Kindheit – den Sandmann – erinnert; später begegnet er der geheimnisvollen Olimpia, in die er sich unsterblich verliebt. Die Spannungskurve der Geschichte ist durch die analytische Erzählweise hoch: Man wird gewissermaßen durch drei Briefe von/an Nathanael ins Geschehen geworfen, ehe ein allwissender Erzähler die offenen Fäden aufgreift und weiterspinnt. Schön schaurig ist Nathanaels Kindheitserlebnis mit dem Sandmann: Erdachte sowie handfeste Kindheitsängste werden hier atmosphärisch dicht dargelegt. Weitere Spannung entsteht innerhalb der Handlung durch den undurchsichtigen Charakter der Olimpia, der schrittweise ausdifferenziert und erst zum Schluss offenbart wird (Auch wenn man durch popkulturelle Referenzen bereits weiß, was es mit Olimpia auf sich hat, ist „Der Sandmann“ ungemein lesenswert!). Im Mittelpunkt von „Das öde Haus“ steht Theodor, der in einer namenlosen Stadt ein verlassenes Gebäude in bester Lage entdeckt, das ihn nicht mehr loslässt. Geschürt wird seine Neugier, als er eine junge Frau, die dort eigentlich nicht wohnen dürfte, an einem Fenster entdeckt. „Das öde Haus“ ist teils Ermittlergeschichte (Theodor unternimmt einzelne Versuche, das Geheimnis um das Haus zu lüften), teils Mystery (mehrfach geschieht rational Unerklärliches, das erst am Ende aufgelöst wird), wodurch die Erzählung ähnlich fesselnd ist wie „Der Sandmann“. Ergänzt werden die beiden Geschichten durch ein Nachwort des Literaturwissenschaftlers Harald Neumeyer, der u. a. dem Komplementären der beiden Geschichten nachspürt. Insgesamt finden sich in der Ausgabe des Reclams Verlags mit Hoffmanns „Der Sandmann“ und „Das öde Haus“ zwei Kurzgeschichte aus der Schauerromantik, die aufgrund ihrer Spannung und Rätselhaftigkeit ungemein fesselnd sind.

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Veröffentlicht am 13.07.2025

Eine würdige Ausgabe für den Meister des Unheimlichen

Der Untergang des Hauses Usher
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„Der Untergang des Hauses Usher und andere fantastische Geschichten“ versammelt 16 Kurzgeschichten Edgar Allan Poes, die sich verschiedenen thematischen Schwerpunkten zuordnen lassen. So finden sich mit ...

„Der Untergang des Hauses Usher und andere fantastische Geschichten“ versammelt 16 Kurzgeschichten Edgar Allan Poes, die sich verschiedenen thematischen Schwerpunkten zuordnen lassen. So finden sich mit „Metzengerstein“, „Der Untergang des Hauses Usher“, „Das ovale Porträt“ und „Die Maske des Roten Todes“ Erzählungen, die, z. T. in einer mittelalterlichen Welt spielend, dekadente Facetten des Adels in ein atmosphärisches Horrorsetting einbetten. Daneben finden sich Geschichten, die sich um Krankheiten/die Pathologie drehen: „Das Begräbnis vor dem Tode“ ist eine kurze Abhandlung über den Scheintod (und die Angst davor), „Der Dämon des Widersinns“ thematisiert das Ausführen widersinniger Handlungen, „Die Sphinx“ handelt von Wahrnehmungstäuschungen, „Die Heilmethoden von Doktor Teer und Professor Feder“ spielt in einer Psychiatrie (Die Geschichte hat übrigens einen schönen Twist!) und „Bericht über den Fall Valdemar“ handelt von der Macht des Mesmerismus. Eher der Kategorie „Kriminalgeschichten“ (im weiteren Sinne) lassen sich „Grube und Pendel“ (eine beklemmend erzählte Geschichte über eine eingeschlossene Person), „Die schwarze Katze“, „Das verräterische Herz“ und „Das Fass Amontillado“ (je Ich-Erzählung aus Tätersicht) zuordnen. Die vierte Kategorie bilden tragische Liebeserzählungen, in denen jeweils eine vom Erzähler geliebte Frauengestalt im Mittelpunkt steht, die aus unterschiedlichen Gründen unerreichbar ist: „Eleonora“, „Ligeia“ und „Morella“. So inhaltlich verschieden die Geschichten sind, geeint werden sie durch ihren düster-schaurigen Grundton; oft tritt auch ein Ich-Erzähler auf, der namenlos bleibt, wodurch die Geschichten umso undurchsichtiger werden. Hervorzuheben an der Ausgabe des Coppenrath Verlags ist auch die grandiose Aufmachung des Buches: Hardcover in Lederoptik, Lesebändchen, Farbschnitt und viele zum Inhalt der jeweiligen Kurzgeschichte passende Schmuckseiten im Schauerstil. Zudem finden sich zwischen den Seiten immer mal wieder schöne Beilagen. Dabei handelt es sich um stimmig illustrierte Gedichte Poes („Der Rabe“ oder „Annabel Lee“), überblicksartige Sachinformationen (Poes Verhältnis zur Psychologie oder die Rezeption Poes in der Populärkultur) oder kleine Eastereggs, die auf die jeweilige Geschichte verweisen (bspw. ein Steckbrief des Totenkopfschwärmers oder die Einladung des Fürsten Prospero aus „Die Maske des Roten Todes“). Kurz: Eine würdige und stimmige Ausgabe für den Meister des Unheimlichen, an dem Poe sicherlich seine Freude gehabt hätte.

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