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Lariko

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.06.2025

Queeres Normal People

Sunburn
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Sunburn ist die Geschichte einer Liebe, die sich den Hindernissen einer homophoben Gesellschaft einer irischen Gemeinde in den 90er Jahren stellen muss. Lucy ist fasziniert von ihrer Freundin Susannah, ...

Sunburn ist die Geschichte einer Liebe, die sich den Hindernissen einer homophoben Gesellschaft einer irischen Gemeinde in den 90er Jahren stellen muss. Lucy ist fasziniert von ihrer Freundin Susannah, eine Faszination, die, wie sie bald merkt, eigentlich Verliebtheit ist. Doch sie kann sich niemandem anvertrauen und auch sie selbst muss sich zu allererst verstehen lernen. So beginnt eine Beziehung im Geheimen, eine verborgene Liebe, erstickt von den Erwartungen ihrer Familie und ihren Freunden, ihren besten Freund Martin zu heiraten.

Die Geschichte hat mich wirklich fasziniert und war sehr authentisch und nachvollziehbar. Lucys Handeln ist nicht immer moralisch einwandfrei, jedoch kann man sie kein bisschen verurteilen, lediglich die Welt, die sie unterdrückt. Dabei bringt man nicht nur ihr, sondern auch Martin Mitleid entgegen, weshalb Susannahs rebellischer Charakter umso besser gewählt ist. Sie zeigt, dass es auch in einer homophoben, ungerechten Umgebung Widerstand gab und was für eine Befreiung es ist, sich selbst zu verwirklichen. Susannahs Emanzipation ist sehr wichtig und brillant aus den Augen Lucys dargestellt.
Die Liebesbeziehung zwischen den beiden ist sehr gut gelungen und voller Gefühle. Dabei ist das Flirren der ersten Verliebtheit durch die Seiten zu spüren und das Gelächter der Mädchen beinahe zu hören.
Der Roman ist sehr einfach zu lesen, man fliegt förmlich durch die Seiten. Auch der Schreibstil von Chloe Michelle Howarth ist sehr angenehm, jedoch fand ich die Übersetzung an vielen Stellen nicht passend.
Der Roman erinnerte mich etwas an Normal People, allerdings in queerer Version.
Sunburn ist mit Sicherheit ein sehr wichtiger Roman und ich bin gespannt, in Zukunft hoffentlich mehr von der Autorin lesen zu können.

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Veröffentlicht am 20.05.2025

Sally Rooneys Meisterwerk

Intermezzo
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Sally Rooney ist unanfechtbar im Beschreiben zwischenmenschlicher Beziehungen. Niemand anderem geling es so gut, diese unsichtbare Ebene zu materialisieren. Mit Intermezzo hat sie sich dabei ...

Sally Rooney ist unanfechtbar im Beschreiben zwischenmenschlicher Beziehungen. Niemand anderem geling es so gut, diese unsichtbare Ebene zu materialisieren. Mit Intermezzo hat sie sich dabei selbst übertroffen. Denn neben den so brillant gezeichneten Beziehungen der Charaktere zueinander, sind diese selbst auch faszinierend und außergewöhnlich. Dabei gibt es noch solche Figuren, die eigentlich gar keine sind, wie Schach oder der Hund der Brüder.
Der Roman ist nacheinander je aus der Sicht Ivans und Peters geschrieben, was uns stärkere Einblicke in ihre sehr gegensätzlichen Leben gibt und der Autorin die Möglichkeit, weitere Charaktere auszuspinnen, die nicht von Beginn an mit beiden von ihnen interagieren müssen.
Nach den letzten Seiten war ich so traurig, die Figuren verlassen zu müssen, wie ich es lange nicht war. Das Buch schließlich zuzuschlagen und in mein Regal zu stellen, gab mir das Gefühl eines Abschieds von Freunden. Wenigstens kann ich die erste Seite jederzeit wieder aufschlagen um mein liebstes Rooney-Buch noch einmal zu lesen.

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Veröffentlicht am 15.04.2025

Atemberaubendes Heldenepos

Beowulf. Ein altenglisches Heldenepos
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Ein fantastisches Heldenepos aus dem Angelsächsischen, verfasst um 730… Inspirationsquelle für zahlreiche Bestseller. Man muss sich zwar mit der Sprache zurechtfinden, es ist jedoch leichter als gedacht. ...

Ein fantastisches Heldenepos aus dem Angelsächsischen, verfasst um 730… Inspirationsquelle für zahlreiche Bestseller. Man muss sich zwar mit der Sprache zurechtfinden, es ist jedoch leichter als gedacht. Gelungene Übersetzung!

Veröffentlicht am 14.07.2025

Ein stilles Meisterwerk

Die Geschichte des Klangs
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Die Geschichte des Klangs von Ben Shattuck ist ein leises, zugleich tief bewegendes Werk, das lange nachhallt. Der Roman erzählt zwei ineinander verwobene Geschichten, die sich nicht nur durch Zeit und ...

Die Geschichte des Klangs von Ben Shattuck ist ein leises, zugleich tief bewegendes Werk, das lange nachhallt. Der Roman erzählt zwei ineinander verwobene Geschichten, die sich nicht nur durch Zeit und Raum, sondern vor allem durch Musik miteinander verbinden.
Die erste Erzählung folgt Lionel und David, zwei jungen Männern, die sich 1916 am Konservatorium begegnen. Ihre Liebe ist still, stark und tiefgründig, getragen von der Musik, die ihnen als Sprache dient, besonders wemm Worte nicht genügen. Die zweite Erzählung begleitet Annie, eine Frau in einer späteren Zeit, die inmitten von Alltag, Zweifel und Sehnsucht nach Tiefe und Bedeutung sucht und gegen das Gefühl kämpft, das Leben ziehe an ihr vorbei und sie schaue nur zu.
Was Shattuck hier gelingt, ist nichts weniger als eine Komposition aus Gefühl, Zeitgeschichte und der universellen Kraft der Musik. Seine Sprache ist sanft, klar und einfühlsam. Auf unaufdringliche Weise und doch eindrucksvoll erzählt er über Verlust, Verbundenheit, das Suchen und das Finden ohne je laut zu werden. Dieses Buch verlangt nach einem langsamen Lesen.

Ein stilles Meisterwerk über Musik, Liebe und die Suche nach Sinn. Ideal für alle, die sich nach mehr Tiefe sehnen und für jene, die wissen, dass manchmal ein einziger Ton mehr sagt als tausend Worte.

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Veröffentlicht am 14.07.2025

Ein Roman der das Schweigen bricht

Wohin du auch gehst
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„Schweigen heißt nicht, dass nichts zu hören ist; Schweigen ist eine eigene Sprache. Und wie jede Sprache muss man sie erlernen.“

Der Roman „Wohin du auch gehst“ von Christina Fonthes erzählt von kultureller ...

„Schweigen heißt nicht, dass nichts zu hören ist; Schweigen ist eine eigene Sprache. Und wie jede Sprache muss man sie erlernen.“

Der Roman „Wohin du auch gehst“ von Christina Fonthes erzählt von kultureller Prägung, von Identität, vom Leben im Exil, von Familie, von Liebe. Auf verschiedenen Zeitebenen folgen wir Mira, die in einem Kinshasa des Umsturzes aufwächst und sich nicht den Vorstellungen ihrer Familie unterwerfen möchte, sowie Bijoux, die mit zwölf von Kinshasa zu ihrer hoch religiösen Tante nach London geschickt wird und dort ihre Homosexualität verstecken muss. Anstatt mit ihrer Freundin nach New York zu gehen, muss sie eine „Befreiung“ durchmachen und wird verheiratet. Auch Miras Liebe wird von ihrer Familie verboten und sie muss schon früh lernen, sich ohne Hilfe durch die Welt zu kämpfen. So prägen Familie, Herkunft, Kultur und patriarchale Strukturen das Leben beider Frauen und auch, wenn man meilenweit von der Heimat entfernt lebt, ist es unmöglich, sie vollständig zu verlassen.
Christina Fonthes verknüpft gekonnt eine Vielzahl an Themen und das Leben der Protagonistinnen und zeigt, wie schwierig es sein kann, seinen eigenen Weg zu gehen, bzw, überhaupt zu verstehen, was der eigene Weg ist. Ein durchaus gelungenes Debüt und ein neues Highlight.

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