Profilbild von MEERBLICK

MEERBLICK

Lesejury Star
offline

MEERBLICK ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit MEERBLICK über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.07.2025

Wandlungen

Zwischen zwei Leben
0

Jenni Mäki ist neunundvierzig Jahre alt als sie beschließt, ihren Ehemann Jussi und damit das edle Haus am Wasser aber auch das finanziell sorgenfreie Leben zu verlassen. Die Kinder sind erwachsen und ...

Jenni Mäki ist neunundvierzig Jahre alt als sie beschließt, ihren Ehemann Jussi und damit das edle Haus am Wasser aber auch das finanziell sorgenfreie Leben zu verlassen. Die Kinder sind erwachsen und gehen ihre eigenen Wege. Ihre Aufgabe als Mutter, über die sie sich all die Jahre identifiziert hat, ist erledigt. Die Untreue von Jussi hält sie nicht mehr aus, auch dieses aneinander Verbeischauen trifft sie tief im Herzen und so fasste sie den für sie nicht einfachen Entschluss zu gehen, um sich eine neue Existenz aufzubauen, vielleicht sogar ein neues Leben zu leben. Sie ändert ihren Namen, nennt sich fortan Jenny Hill. Das zeigt ihre Verbundenheit zu dem Jahr, welches sie als Austauschschülerin in den Vereinigten Staaten von Amerika verbrachte. Selbstzweifel und Minderwertigkeitskomplexe bestimmten ihr Leben. Dem Drang nach Anpassung gab sie stets nach. Ihre Psychotherapeutin stellte ihr die Aufgabe, Briefe an eine Person zu schreiben, in denen sie ihre Wünsche, Gefühle und Gedanken festhält, um zu reflektieren. Es sollte der Weg sein aus der Sackgasse selbstvernichtender Grübeleien.
Minna Rytisalo beschreibt in ihrem Roman ‘Zwischen zwei Leben‘ die Wandlung einer Frau, die sich selbst wenig Respekt entgegenbringt, sich unwohl in dieser Rolle fühlt und Stück für Stück in ein befreites, ungezwungenes Leben geht. Die Autoren benutzt als schriftstellerisches Stilmittel drei Perspektiven – eine Erzählstimme, die sehr persönlichen Briefe der Protagonistin und Flüsterstimmen von Märchenfiguren, die ihre wahre Geschichte erzählen, damit einen geänderten Blick auf die alten Märchen ermöglichen.
Ich habe dem Buch Zeit gegeben, um tiefer einzutauchen in das Geschehen und es hat sich gelohnt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.07.2025

Besitzergreifende narzisstische Einflussfaktoren

Schattengrünes Tal
1

Lisa ist die Tochter des Besitzers eines in die Jahre gekommenen Familienhotels, idyllisch gelegen im schattengrünen Tal des Schwarzwaldes, das mehr oder weniger von seinen Stammgästen lebt. Mit ihrer ...

Lisa ist die Tochter des Besitzers eines in die Jahre gekommenen Familienhotels, idyllisch gelegen im schattengrünen Tal des Schwarzwaldes, das mehr oder weniger von seinen Stammgästen lebt. Mit ihrer äußerst auffälligen Fürsorge für Menschen steht sie sich oft selbst im Weg und lässt Simon, ihren Mann, in den Hintergrund geschoben zurück. Darunter leidet die Ehe. Während Simon seine Leidenschaft für die Natur zum Beruf gemacht hat, scheitert Lisa immer wieder an der sturen und selbstgefälligen Art ihres Vaters, mehr Verantwortung im Familienbetrieb zu übernehmen.
Als eines Tages eine Frau trotz widriger Umstände, die Heizung ist ausgefallen und es herrschen eisige Temperaturen im Haus, unbedingt in ihrem angemieteten Zimmer bleiben will, gerät Lisa durch das Verhalten dieser Fremden zusehends tiefer in Bedrängnis. Die Geschehnisse spitzen sich dramatisch zu und entwickeln sich zu einem handfesten Konflikt, durch besitzergreifende narzisstische Einflussfaktoren.
Kristina Hauff erschafft in ihrem Roman ‘Schattengrünes Tal‘ lebensnahe Charaktere, die aus abwechselnden Erzählperspektiven beschrieben werden, die ihre Gedanken und Gefühle realistisch offenlegen und damit eine Atmosphäre der Vertrautheit schaffen, mich tief in das spannende, aufreibende Geschehen hineingezogen haben. Klug baut sie Schritt für Schritt ein bemerkenswertes Spannungspotenzial auf, welches schmerzliche Momente aufweist, die zeigen wie schwierig es ist, mit Vertrauensverlusten umzugehen, es aber auch immer wieder Chancen im Leben gibt, die positiv genutzt werden wollen.
Wer sich gern mit menschlichen Herausforderungen auseinandersetzt, sich diesen stellt, wird in diesem Roman auf seine Kosten kommen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.07.2025

Traumata von Generationen und indigenen Völkern

Auē
0

Becky Manawatu erzählt in ‚‘Aué‘ eine schmerzliche, traurige Geschichte über das Geschwisterpaar Árama und Taukiri, die ihre Eltern verloren haben und damit den Halt in ihrem Leben. Während der achtjährige ...

Becky Manawatu erzählt in ‚‘Aué‘ eine schmerzliche, traurige Geschichte über das Geschwisterpaar Árama und Taukiri, die ihre Eltern verloren haben und damit den Halt in ihrem Leben. Während der achtjährige Ámara bei seiner Tante und dem gewalttätigen Onkel auf einer abgelegenen Farm in Neuseeland unterkommt, sucht Taukiri mit seinen siebzehn Jahren sein Seelenheil durch Flucht vor der Heimat. Er reist quer durchs Land ohne feste Arbeit und macht auch vor dem kriminellen Drogenmissbrauch keinen Halt. Ámara findet in Beth, der Nachbarstochter, eine Freundin.
Die Geschichte wird nicht linear erzählt. Man taucht immer wieder in verschiedene Zeitebenen und Erzählperspektiven ein, sodass man erst nach und nach ein Verständnis für die familiären Zusammenhänge bekommt, für die Suche nach den Wurzeln und schließlich auch das schwere Leid der Maori, der Ureinwohner Neuseeland, verstehen lernt.
Der Buchtitel, der ein Synonym für wehklagen, weinen ist, weist auf den Schwerpunkt dieses außergewöhnlichen Romans. Er liest sich nicht flott dahin, sondern verlangt nach Aufmerksamkeit, verleitet zum Nachdenken, schenkt großen Lesegenuss durch seinen einzigartigen Sprachstil und Erkenntniszuwachs über das Leben von Menschen, die am anderen Ende unserer Erde wohnen.
Meine Leseempfehlung spreche ich sehr gern an dieser Stelle aus.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.07.2025

Brutal eskalierender Femizid

Lilianas unvergänglicher Sommer
0

Cristina Rivera Garza, eine erfolgreiche in den USA lebende mehrfach ausgezeichnete Schriftstellerin, ist die sechs Jahre ältere Schwester von Liliana. Beide wachsen wohlbehütet in einem Intellektuellenhaushalt ...

Cristina Rivera Garza, eine erfolgreiche in den USA lebende mehrfach ausgezeichnete Schriftstellerin, ist die sechs Jahre ältere Schwester von Liliana. Beide wachsen wohlbehütet in einem Intellektuellenhaushalt in Toluca auf, der Hauptstadt des Bundesstaates Mexico, gelegen circa 65 Kilometer südwestlich von Mexiko-City. Im Alter von zwanzig Jahren wird Liliana Opfer eines brutal eskalierenden Femizides, eines Mordes, der einzig und allein darauf ausgerichtet ist, die patriarchalen Besitzansprüche an einer Frau, die als persönliches Eigentum betrachtet wird, geltend zu machen. Die Geschehnisse datieren sich auf das Jahr neunzehnhundertneunzig und sind bis zum heutigen Tag ungesühnt geblieben, obwohl der Verdächtige unmittelbar nach seiner Tat als der ehemalige Freund namens Ángel identifiziert wurde.
Die Autorin schildert in ihrem Roman ‘Lilianas unvergänglicher Sommer‘ mit großem Einfühlungsvermögen und sprachlicher Schönheit den Werdegang ihrer geliebten Schwester. Sie schreibt über ein lebensfrohes und lebenshungriges Mädchen, das zu einer selbstbewussten, klugen Frau heranwächst, sich in ihrem großen Freundeskreis als beliebte Gefährtin etabliert, die mutig ihren Weg geht, sich viele konstruktive Gedanken um ihr Dasein macht und bereit ist, diese positiv zur freien Entfaltung der weiblichen Persönlichkeit umzusetzen. Dabei stand die Liebe zu den Menschen im Zentrum ihres Handelns und Strebens. Unzählige Tagebucheinträge, Briefe und Aussagen von Wegbegleitern Lilianas hat die Autorin zusammengetragen, um fast dreißig Jahre nach den schrecklichen Ereignissen aufzuarbeiten, was als Schuld und menschliches Versagen bei den Hinterbliebenen und insbesondere bei ihr hängen geblieben ist. Dabei setzt sie sich besonders kritisch mit den gesellschaftlichen Verhältnissen ihres Heimatlandes Mexiko auseinander, in denen Korruption, Drogenhandel aber eben auch patriarchische Strukturen gefährliche Ausmaße zeigen.
Dieser Roman, der sicherlich Züge eines Berichtes besitzt, wird Leser begeistern, die sich mit den gesellschaftlichen Verhältnissen unserer menschlichen Gemeinschaft auseinandersetzen. Er zeigt auf welche Möglichkeiten zur Befreiung vom patriarchalen Zwängen es geben kann und vor allem wie wichtig es ist, Femizid zu erkennen, um brutale Eskalationen zu verhindern.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.07.2025

Schatten der Vergangenheit

Die Hummerfrauen
0

Mina ist achtundzwanzig als sie nach vielen Jahren an den Ort unbeschwerter Kindertage zurückkehrt, die damals ein abruptes Ende fanden. Hier in Maine sucht sie Ruhe, um die in sich tragende Trauer zu ...

Mina ist achtundzwanzig als sie nach vielen Jahren an den Ort unbeschwerter Kindertage zurückkehrt, die damals ein abruptes Ende fanden. Hier in Maine sucht sie Ruhe, um die in sich tragende Trauer zu verarbeiten und ihrem Leben neue Perspektiven zu geben. In dem idyllischen, pittoresken Dorf Stone Harbor begegnet sie der zweiundsiebzigjährigen Ann, einer Hummerfischerin, die mit sich und ihrer Umwelt einen schroffen Umgangston pflegt. Auch Julie, die Mittfünfzigerin, übt den harten, kräftezehrenden Beruf einer Hummerfischerin aus, kämpfte sich nach einem schweren Unfall zurück in den Alltag. Beide Frauen wissen was es bedeutet, trotz schmerzlicher Verluste weiterzuleben und geben Mina die Kraft und Stärke, um den Geschehnissen jenes Sommers zu begegnen, die auch für Sams Familie einschneidende Konsequenzen hatte. Sam, der Junge, mit dem sie einst so herrlich frohgelaunte Sommertage verbrachte.
Beatrix Gerstberger zeichnet in ihrem Roman ‘Die Hummerfrauen‘ eine Geschichte, die das Leben in seinen dunklen Stunden zeigt und gleichzeitig die wundersame Energie von Freundschaft, Liebe und Zusammenhalt darstellt. Lebendig und lebensnah gestaltet sie die Charaktere ihrer Protagonisten, die sich den Herausforderungen jeden Tag aufs Neue stellen und in ihrer Gemeinschaft Halt und Geborgenheit, aber auch Liebe finden. Sie vermag es außerdem, diese wunderschöne Landschaft gekonnt in Szene zu setzen.
Die Autorin selbst hat nach einem Schicksalsschlag das raue Leben der Hummerfischer auf dem wütenden Meer vor Maine kennengelernt und weiß ganz genau wovon sie schreibt.
Ein lesenswerter Roman für entspannende, unterhaltende Sommertage.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere