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Veröffentlicht am 27.07.2025

Der Zauber des geschriebenen Wortes

Die Briefeschreiberin
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Entgegen der Schnelllebigkeit in unserem modernen Leben liebt es die Protagonistin Sybil van Antwerp, Briefe zu schreiben. Sie glaubt sich besser im geschriebenen Wort ausdrücken zu können und mag eine ...

Entgegen der Schnelllebigkeit in unserem modernen Leben liebt es die Protagonistin Sybil van Antwerp, Briefe zu schreiben. Sie glaubt sich besser im geschriebenen Wort ausdrücken zu können und mag eine ganz besondere Sorte von Briefpapier und natürlich ganz konventionell die Spur des Tintenflusses. Dabei verfolgt sie bei manchem Briefwechsel eine zeitliche Routine einzuhalten, bei anderen wiederum erfolgt der Austausch in losen Abständen. Als begeisterte Leserin spiegelt sie dem ein oder anderen Autor ihre Gedanken und Gefühle als Feedback auf seine Geschichte und freut sich sehr über eine Antwort. Sie hebt alle ihre erhaltenen und zum Teil die Kopien der geschrieben Briefe auf. Diese Korrespondenz besitzt einen unschätzbaren Wert für sie.
Sybil ist mit dreiundsiebzig Jahren längst im Ruhestand. Nicht ganz unvermögend konnte sie sich diesen Luxus noch vor dem üblichen Rentenalter leisten. Sie blickt auf ein beruflich ausgefülltes und erfolgreiches Leben als Juristin zurück, das allerdings nicht ganz ungetrübt ist. Eine falsche Handlung von ihr belastete durch ein Fehlurteil eine ganze Familie. Diese Tat liegt noch immer schwer auf ihrer Seele. Ihr privates Glück jedoch konnte sie nicht finden. Ein tragischer Unfall, eine Scheidung, Missverständnisse mit ihrer Tochter trüben ihren Alltag. Hier muss sie Fehler einsehen und versuchen zu korrigieren. Schließlich begibt sie sich auf die Spuren ihrer Vergangenheit, die unverhofftes Glück bescheren.
Virginia Evans wagt sich mit ihrem Roman ‘Die Briefeschreiberin‘ auf ein ungewöhnliches Terrain, eine Geschichte zu erzählen. Ich war sehr überrascht wie leicht und flüssig sich die aufeinanderfolgenden Briefe gelesen haben, sich in wunderbarer Weise zu einer Geschichte mit Tiefe, Tragik, glücklichen und schmerzlichen Momenten als Beschreibung eines inhaltsreichen Lebens zusammenfügten.
Wer sich an ein ungewöhnliches auf jeden Fall lohnendes Leseerlebnis heranwagen möchte, findet hier beste Unterhaltung und besonderen Lesegenuss.

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Veröffentlicht am 21.07.2025

Wandlungen

Zwischen zwei Leben
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Jenni Mäki ist neunundvierzig Jahre alt als sie beschließt, ihren Ehemann Jussi und damit das edle Haus am Wasser aber auch das finanziell sorgenfreie Leben zu verlassen. Die Kinder sind erwachsen und ...

Jenni Mäki ist neunundvierzig Jahre alt als sie beschließt, ihren Ehemann Jussi und damit das edle Haus am Wasser aber auch das finanziell sorgenfreie Leben zu verlassen. Die Kinder sind erwachsen und gehen ihre eigenen Wege. Ihre Aufgabe als Mutter, über die sie sich all die Jahre identifiziert hat, ist erledigt. Die Untreue von Jussi hält sie nicht mehr aus, auch dieses aneinander Verbeischauen trifft sie tief im Herzen und so fasste sie den für sie nicht einfachen Entschluss zu gehen, um sich eine neue Existenz aufzubauen, vielleicht sogar ein neues Leben zu leben. Sie ändert ihren Namen, nennt sich fortan Jenny Hill. Das zeigt ihre Verbundenheit zu dem Jahr, welches sie als Austauschschülerin in den Vereinigten Staaten von Amerika verbrachte. Selbstzweifel und Minderwertigkeitskomplexe bestimmten ihr Leben. Dem Drang nach Anpassung gab sie stets nach. Ihre Psychotherapeutin stellte ihr die Aufgabe, Briefe an eine Person zu schreiben, in denen sie ihre Wünsche, Gefühle und Gedanken festhält, um zu reflektieren. Es sollte der Weg sein aus der Sackgasse selbstvernichtender Grübeleien.
Minna Rytisalo beschreibt in ihrem Roman ‘Zwischen zwei Leben‘ die Wandlung einer Frau, die sich selbst wenig Respekt entgegenbringt, sich unwohl in dieser Rolle fühlt und Stück für Stück in ein befreites, ungezwungenes Leben geht. Die Autoren benutzt als schriftstellerisches Stilmittel drei Perspektiven – eine Erzählstimme, die sehr persönlichen Briefe der Protagonistin und Flüsterstimmen von Märchenfiguren, die ihre wahre Geschichte erzählen, damit einen geänderten Blick auf die alten Märchen ermöglichen.
Ich habe dem Buch Zeit gegeben, um tiefer einzutauchen in das Geschehen und es hat sich gelohnt.

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Veröffentlicht am 21.07.2025

Besitzergreifende narzisstische Einflussfaktoren

Schattengrünes Tal
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Lisa ist die Tochter des Besitzers eines in die Jahre gekommenen Familienhotels, idyllisch gelegen im schattengrünen Tal des Schwarzwaldes, das mehr oder weniger von seinen Stammgästen lebt. Mit ihrer ...

Lisa ist die Tochter des Besitzers eines in die Jahre gekommenen Familienhotels, idyllisch gelegen im schattengrünen Tal des Schwarzwaldes, das mehr oder weniger von seinen Stammgästen lebt. Mit ihrer äußerst auffälligen Fürsorge für Menschen steht sie sich oft selbst im Weg und lässt Simon, ihren Mann, in den Hintergrund geschoben zurück. Darunter leidet die Ehe. Während Simon seine Leidenschaft für die Natur zum Beruf gemacht hat, scheitert Lisa immer wieder an der sturen und selbstgefälligen Art ihres Vaters, mehr Verantwortung im Familienbetrieb zu übernehmen.
Als eines Tages eine Frau trotz widriger Umstände, die Heizung ist ausgefallen und es herrschen eisige Temperaturen im Haus, unbedingt in ihrem angemieteten Zimmer bleiben will, gerät Lisa durch das Verhalten dieser Fremden zusehends tiefer in Bedrängnis. Die Geschehnisse spitzen sich dramatisch zu und entwickeln sich zu einem handfesten Konflikt, durch besitzergreifende narzisstische Einflussfaktoren.
Kristina Hauff erschafft in ihrem Roman ‘Schattengrünes Tal‘ lebensnahe Charaktere, die aus abwechselnden Erzählperspektiven beschrieben werden, die ihre Gedanken und Gefühle realistisch offenlegen und damit eine Atmosphäre der Vertrautheit schaffen, mich tief in das spannende, aufreibende Geschehen hineingezogen haben. Klug baut sie Schritt für Schritt ein bemerkenswertes Spannungspotenzial auf, welches schmerzliche Momente aufweist, die zeigen wie schwierig es ist, mit Vertrauensverlusten umzugehen, es aber auch immer wieder Chancen im Leben gibt, die positiv genutzt werden wollen.
Wer sich gern mit menschlichen Herausforderungen auseinandersetzt, sich diesen stellt, wird in diesem Roman auf seine Kosten kommen.

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Veröffentlicht am 17.07.2025

Traumata von Generationen und indigenen Völkern

Auē
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Becky Manawatu erzählt in ‚‘Aué‘ eine schmerzliche, traurige Geschichte über das Geschwisterpaar Árama und Taukiri, die ihre Eltern verloren haben und damit den Halt in ihrem Leben. Während der achtjährige ...

Becky Manawatu erzählt in ‚‘Aué‘ eine schmerzliche, traurige Geschichte über das Geschwisterpaar Árama und Taukiri, die ihre Eltern verloren haben und damit den Halt in ihrem Leben. Während der achtjährige Ámara bei seiner Tante und dem gewalttätigen Onkel auf einer abgelegenen Farm in Neuseeland unterkommt, sucht Taukiri mit seinen siebzehn Jahren sein Seelenheil durch Flucht vor der Heimat. Er reist quer durchs Land ohne feste Arbeit und macht auch vor dem kriminellen Drogenmissbrauch keinen Halt. Ámara findet in Beth, der Nachbarstochter, eine Freundin.
Die Geschichte wird nicht linear erzählt. Man taucht immer wieder in verschiedene Zeitebenen und Erzählperspektiven ein, sodass man erst nach und nach ein Verständnis für die familiären Zusammenhänge bekommt, für die Suche nach den Wurzeln und schließlich auch das schwere Leid der Maori, der Ureinwohner Neuseeland, verstehen lernt.
Der Buchtitel, der ein Synonym für wehklagen, weinen ist, weist auf den Schwerpunkt dieses außergewöhnlichen Romans. Er liest sich nicht flott dahin, sondern verlangt nach Aufmerksamkeit, verleitet zum Nachdenken, schenkt großen Lesegenuss durch seinen einzigartigen Sprachstil und Erkenntniszuwachs über das Leben von Menschen, die am anderen Ende unserer Erde wohnen.
Meine Leseempfehlung spreche ich sehr gern an dieser Stelle aus.

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Veröffentlicht am 12.07.2025

Brutal eskalierender Femizid

Lilianas unvergänglicher Sommer
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Cristina Rivera Garza, eine erfolgreiche in den USA lebende mehrfach ausgezeichnete Schriftstellerin, ist die sechs Jahre ältere Schwester von Liliana. Beide wachsen wohlbehütet in einem Intellektuellenhaushalt ...

Cristina Rivera Garza, eine erfolgreiche in den USA lebende mehrfach ausgezeichnete Schriftstellerin, ist die sechs Jahre ältere Schwester von Liliana. Beide wachsen wohlbehütet in einem Intellektuellenhaushalt in Toluca auf, der Hauptstadt des Bundesstaates Mexico, gelegen circa 65 Kilometer südwestlich von Mexiko-City. Im Alter von zwanzig Jahren wird Liliana Opfer eines brutal eskalierenden Femizides, eines Mordes, der einzig und allein darauf ausgerichtet ist, die patriarchalen Besitzansprüche an einer Frau, die als persönliches Eigentum betrachtet wird, geltend zu machen. Die Geschehnisse datieren sich auf das Jahr neunzehnhundertneunzig und sind bis zum heutigen Tag ungesühnt geblieben, obwohl der Verdächtige unmittelbar nach seiner Tat als der ehemalige Freund namens Ángel identifiziert wurde.
Die Autorin schildert in ihrem Roman ‘Lilianas unvergänglicher Sommer‘ mit großem Einfühlungsvermögen und sprachlicher Schönheit den Werdegang ihrer geliebten Schwester. Sie schreibt über ein lebensfrohes und lebenshungriges Mädchen, das zu einer selbstbewussten, klugen Frau heranwächst, sich in ihrem großen Freundeskreis als beliebte Gefährtin etabliert, die mutig ihren Weg geht, sich viele konstruktive Gedanken um ihr Dasein macht und bereit ist, diese positiv zur freien Entfaltung der weiblichen Persönlichkeit umzusetzen. Dabei stand die Liebe zu den Menschen im Zentrum ihres Handelns und Strebens. Unzählige Tagebucheinträge, Briefe und Aussagen von Wegbegleitern Lilianas hat die Autorin zusammengetragen, um fast dreißig Jahre nach den schrecklichen Ereignissen aufzuarbeiten, was als Schuld und menschliches Versagen bei den Hinterbliebenen und insbesondere bei ihr hängen geblieben ist. Dabei setzt sie sich besonders kritisch mit den gesellschaftlichen Verhältnissen ihres Heimatlandes Mexiko auseinander, in denen Korruption, Drogenhandel aber eben auch patriarchische Strukturen gefährliche Ausmaße zeigen.
Dieser Roman, der sicherlich Züge eines Berichtes besitzt, wird Leser begeistern, die sich mit den gesellschaftlichen Verhältnissen unserer menschlichen Gemeinschaft auseinandersetzen. Er zeigt auf welche Möglichkeiten zur Befreiung vom patriarchalen Zwängen es geben kann und vor allem wie wichtig es ist, Femizid zu erkennen, um brutale Eskalationen zu verhindern.

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