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Veröffentlicht am 20.07.2025

CliFi trifft auf Dystopie und eine Slow-Burn-Liebe ...

Fable for the End of the World
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In ihrem neuen Roman fackelt Ava Reid nicht lange – „Fable for the End of the World“ reißt uns in eine dystopische Welt, in der tödliche Spiele zur Unterhaltung beitragen und „Engel“ auf die Jagd gehen ...

In ihrem neuen Roman fackelt Ava Reid nicht lange – „Fable for the End of the World“ reißt uns in eine dystopische Welt, in der tödliche Spiele zur Unterhaltung beitragen und „Engel“ auf die Jagd gehen …

Erzählt wird aus wechselnder Perspektive, was die Unterschiede, die jeweiligen Situationen und Intentionen der Protagonistinnen darlegt und dafür sorgt, dass wir Reaktionen und Verhalten nachvollziehen können.

Inesa, die durch die Schulden ihrer Mutter in die Rolle eines „Lamms“ gedrängt wird, bleibt nichts anderes übrig, als bei den verhassten Wettkämpfen um ihr Leben zu rennen und somit zur Belustigung der „Obigen“ beizutragen. Nur ihrem Bruder Luka kann sie noch vertrauen.
Melinoë ist jener Engel, der es auf Inesa abgesehen haben sollte, doch statt ihrem „Instinkt“, ihrer Aufgabe nachzugehen, verliert sie sich in einem unerwarteten Zwiespalt – zwischen Gefühlen, die sie nicht empfinden dürfte, und ihrem Dasein als gnadenlose Jägerin.
Schon bald müssen beide Frauen um ihr Überleben kämpfen …


Ava Reid schafft es, von der ersten Seite an zu fesseln und mit ihren ungleichen, starken Figuren, den Umständen ihrer Begegnung und einem grausamen System zu faszinieren. Obgleich „Spiele auf Leben und Tod“ kein neues Element ist, wurde dieses originell und spannend ein- sowie umgesetzt. Es war durchweg interessant, die geschaffene, logisch aufgebaute Welt und die – von innen heraus strömende – Bedrohung, die Gegebenheiten und Hierarchien zu ergründen und sich rege überraschen zu lassen. Die Autorin verzichtet weder auf Action noch auf sanfte Töne, welche vornehmlich in der Liebesgeschichte, die zu keiner Zeit die eigentliche Handlung überlagert, zu finden sind. Das aufeinander zubewegen von Melinoë und Inesa erfolgt sachte, den gefährlichen Umständen entsprechend nicht ohne Misstrauen, und fügt sich wunderschön in die nervenaufreibende Storyline. Slow-Burn vom Feinsten und somit durchweg greif- und spürbar.

Dass das Thema Klimawandel/Umweltkatastrophen verwoben ist, die Liebe allen Widrigkeiten zum Trotz und der Wunsch nach Veränderung – mit der Bereitschaft, für diese Opfer zu bringen – machen „Fable for the End of the World“ zu einem aktuellen, realen Fantasy-Roman.

Stilistisch möchte ich erwähnen, dass Reid mit ihren klaren, zugleich eindringlichen Worten tief berührt, wir detailreich, aber ohne Ausschweifungen durch einen stimmig aufgebauten, lebendig konzipierten Verlauf geführt werden. Mitfiebern und -leiden inklusive.


Dramatisch, temporeich und romantisch: „Fable for the End of the World“ ist ein Muss.

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Veröffentlicht am 19.06.2025

Authentisch geschildert, spannend konzipiert

The Goldens
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Im Gegensatz zu den meisten New-Adult-Romanen, die mit dem Zusatz „Suspense“ oder „Thriller“ gepimpt werden, sind es jene Bücher, die sich an die jugendliche Zielgruppe richten, die mich häufig mit der ...

Im Gegensatz zu den meisten New-Adult-Romanen, die mit dem Zusatz „Suspense“ oder „Thriller“ gepimpt werden, sind es jene Bücher, die sich an die jugendliche Zielgruppe richten, die mich häufig mit der Spannungskomponente und den Themen überzeugen können. So auch "The Goldens".

Als Chloe Alice Hughes die Zusage für die Dern University bekommt, fiebert sie einer Collegezeit wie aus dem Bilderbuch, Inspirationen und gleichgesinnten Wortbegeisterten entgegen. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft gerät Chloes Euphorie ins Wanken. Zum Glück findet die angehende Schriftstellerin am ersten Vorlesungstag in Olivia eine Vertraute. Bis der Zufall dafür sorgte, dass Clara Holland – eine allseits beliebte, bewunderte und makellose Influencerin – sie – das unscheinbare Mädchen, nichts Besonderes – für eine Freundschaft auserkor …
Monate vergehen, in denen sich Chloe in Claras Glamour, ihrer unschuldigen Güte sonnt, nicht genug von dem grazilen und ästhetischen Auftreten des Models bekommt, nicht glauben kann, dass ihre neue Realität dem Campusstar gilt. Wochen, in denen alles andere – Olivia, ihre Eltern, ihre Zukunftsziele und das Studium – in den Hintergrund gerät. In denen die einst so strebsame Schülerin vergisst, wer sie ist. …

Lauren Wilsons Stil ist authentisch und klar, ihre Worte, die zu einem gewissen Anteil Distanz ausstrahlen, unterstreichen die Situation, die mit Vorsicht zu genießen ist, die subtilen Manipulationen, den immer präsenter werdenden Wahn. Dass etwas geschehen wird, ist sicher, doch was? Bleibt bis zum Schluss unklar. Je weiter der Verlauf voranschreitet, umso dichter wird das Netz, in dem sich die 18-Jährige verfängt, umso mehr wird sie von Claras Plänen eingenommen, von ihrer Präsenz verschluckt. Statt ihren eigenen Träumen und Leidenschaften nachzujagen, Vorlesungen zu besuchen und Hausarbeiten zu schreiben, cozy Nachmittage in hippen Cafés und Abende mit KommilitonInnen zu verbringen, widmet Chloe ihre Aufmerksamkeit, ihr Können, ihr ganzes Sein der gefeierten, bewunderten Influencerin, genießt den Luxus, die Dekadenz, die Deneside Manor ihr bietet. Sorglosigkeit. Glanzvolle Versprechen. All die Möglichkeiten, die ihr so selbstlos und frei eröffnet werden …
Zu spät merkt Hughes, dass Clara nichts gibt, ohne zu nehmen, dass Clara nicht teilt, ohne zu verlangen … und dass die mühelose Schönheit mehr will. Denn Macht und Einfluss könnten ihr ein ganzes Heer Getreuer bescheren.

Durch Chloes Erzählungen werden wir Teil von legendären, eleganten und pompösen Feiern, von Ausschweifungen und einer Verbindung, die gleichermaßen beeindruckend wie beängstigend ist. Jede Party war faszinierend inszeniert, bringt zum Träumen. Wir bekommen einen genauen Einblick in Chloes Sehnsucht, ihren klaffenden Zwiespalt, das aus Angst und Verleumdung, aus bedingungsloser Loyalität und falscher Liebe entstehende Chaos. Freiheit und Selbstbestimmung, ersetzt durch ein fadenscheiniges „Wir“. Die Autorin zeichnete – nicht nur, aber auch mit der unsicheren, angreifbaren und mit Selbstzweifeln kämpfenden Protagonistin – ein durchweg realistisches, greifbares Bild von einer toxischen Beziehung. Zeigt, wie schnell Abhängigkeit entsteht – wie sie Rationalität und den eigenen Willen überschreibt, wie sie nachhallt. Zeigt die Gefahren, die Opfer.
Obgleich Chloe nicht dauerhaft umhinkommt, die abrupten Stimmungswechsel und schleichenden Veränderungen ihrer besten Freundin zu ignorieren, deren Sucht nach Aufmerksamkeit, Anerkennung und Kontrolle überhandnimmt, Gerüchte, Lügen und Enthüllungen die Perfektion ihrer Zweisamkeit ins Taumeln bringen, sind Chloes Gefühle für ihr Idol zu groß, ihre Bewunderung unumstößlich – und der Wunsch, ein Teil von glitzernden Festivitäten, der Elite und von Clara zu sein – bleiben zu dürfen – erstickt jede Warnung …
Schon bald lebt sie den Traum zahlreicher Mädchen – doch zu welchem Preis?

Wilsons Story lebt von der unheilvollen, von Misstrauen geprägten Stimmung, der aufwallenden Bedrohung, kalter Skrupellosigkeit und der Frage, was als Nächstes geschieht – und noch passieren muss.
Eher hintergründig und leise, verpackt in Andeutungen und Ahnungen, fließen der Schrecken, das ganze Ausmaß mit.
Fungierten die Nebenfiguren auch als Statisten, erhielten beide Frauen ausreichend Tiefe, um ihre fragilen Wesen und Entscheidungen nachzuempfinden. Unvorhergesehene Ereignisse, überraschende Reaktionen, ein Hauch Romantik und bittersüße Leidenschaft finden sich genauso in der Handlung wie Glamour, Spannung und feine Stiche der Manipulation. Wie perfide Züge, Abgründe und Emotionen.
Gingen mir die abschließenden Entwicklungen teilweise zu einfach, war das Ende perfekt – und realistisch – gewählt.

"The Goldens" erzählt die Geschichte zweier entrückter junger Frauen, die auf unterschiedliche und doch ähnliche Weise ihren Platz in der Welt, Bestätigung und Liebe suchen.

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Veröffentlicht am 16.06.2025

𝗙𝗮𝗻𝘁𝗮𝘀𝘆 trifft auf 𝗖𝗿𝗶𝗺𝗲: 𝗺𝘆𝘀𝘁𝗶𝘀𝗰𝗵, 𝗵𝘂𝗺𝗼𝗿𝘃𝗼𝗹𝗹 & 𝗱𝘂𝗲𝘀𝘁𝗲𝗿

Die Arcyrion-Akten – Fall 1: Die Straße im Nichts
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~ 𝐀𝐫𝐜𝐲𝐫𝐢𝐨𝐧-𝐀𝐤𝐭𝐞𝐧: 𝗙𝗮𝗻𝘁𝗮𝘀𝘆 trifft auf 𝗖𝗿𝗶𝗺𝗲: 𝗺𝘆𝘀𝘁𝗶𝘀𝗰𝗵, 𝗵𝘂𝗺𝗼𝗿𝘃𝗼𝗹𝗹 & 𝗱𝘂𝗲𝘀𝘁𝗲𝗿 ~


𝐊𝐢𝐚𝐫𝐚 𝐁𝐫𝐨𝐜𝐤𝐬 hasst ihr Leben – sie hat weder Freunde noch Hobbys und wohnt zudem mit ihrer bevormundenden, immer traurigen ...

~ 𝐀𝐫𝐜𝐲𝐫𝐢𝐨𝐧-𝐀𝐤𝐭𝐞𝐧: 𝗙𝗮𝗻𝘁𝗮𝘀𝘆 trifft auf 𝗖𝗿𝗶𝗺𝗲: 𝗺𝘆𝘀𝘁𝗶𝘀𝗰𝗵, 𝗵𝘂𝗺𝗼𝗿𝘃𝗼𝗹𝗹 & 𝗱𝘂𝗲𝘀𝘁𝗲𝗿 ~


𝐊𝐢𝐚𝐫𝐚 𝐁𝐫𝐨𝐜𝐤𝐬 hasst ihr Leben – sie hat weder Freunde noch Hobbys und wohnt zudem mit ihrer bevormundenden, immer traurigen Mutter zusammen. Den Lebenslauf der 19-Jährigen zieren bisher lediglich ein abgebrochenes Studium und unzählige Therapiestunden – nicht die besten Zukunftsaussichten –, aber zum Glück hat sie einen unterbezahlten Praktikumsplatz in einem monotonen Bürojob – mit der Chance auf eine Festanstellung. Yay! Nicht … Dass sich gerade in diesem Gebäude eine neue Tür – wortwörtlich – für Kiara öffnet, die sie zwar an ihrem Verstand zweifeln lässt und sie fast umbringt, ihr jedoch auch Welten und Möglichkeiten offenbart, die es doch eigentlich nur in Büchern gibt … nun, damit hätte sie niemals gerechnet … genauso wenig wie mit Daemonen, fremden, nicht irdischen Kulturen, Taschendimensionen und der Schwarzes-Loch-mäßigen Leere …
Bereit für einen aufregenden Job, Miss Brocks?

In ihrer neuen urbanen Fantasy-Reihe über die 𝐀𝐫𝐜𝐲𝐫𝐢𝐨𝐧-𝐀𝐤𝐭𝐞𝐧 verbindet Evelyne Aschwanden mystische Elemente mit Witz und Crime. Die Protagonistin ist wahnsinnig sympathisch, nicht auf den Kopf gefallen und besitzt eine unterhaltsame Veranlagung zur (Selbst-)Ironie. Zudem scheint das Menschenmädchen erpicht auf Gefahren und Risiken – wieso sonst sollte sie einem seltsamen Kerl vertrauen und sein fragwürdiges Assistenz-Angebot annehmen? Nachdem wir einen Überblick über ihren Alltag bekommen haben und Teil ihrer Gedanken waren, ist die Antwort klar: Sie will mehr und überhaupt irgendetwas.

Es war von Anfang bis Ende spaßig, Kiaras neuer Realität, den kryptischen Worten von Draven – »Spezialist für Übernatürliches, Ungewöhnliches und Unerwartetes.« – auf den Grund zu gehen und die einzelnen Figuren, ihre Talente und „Funktionen“ kennenzulernen. Wir wandeln durch das wundersame Arcyrion, treffen zwielichtige Dreuaner und sammeln allerhand Informationen über diverse Spezies. Statt sich von all dem Unglaublichen und Fantastischen verzaubern – an den Rand des Nervenzusammenbruchs treiben – zu lassen, geht sie Draven zur Hand. Dieser soll – am besten diskret und sofort – herausfinden, was es mit einem Vermissten auf sich hat. Denn dessen plötzliches Verschwinden rief nicht nur die interne Behörde der übernatürlichen Zuwanderer – Monroe Safekeeping – auf den Plan, sondern auch V.A.U.L.T. – die menschlichen Verschleierer. Dieser Auftrag führt das frisch zusammengefundene Team in eine ziemliche Misere … inkl. allerhand Verstrickungen …

Aschwanden verstreut inmitten der chaotisch-amüsanten Spurensuche Wissenswertes, das dem angedachten Worldbuilding zuträglich ist, lässt uns – also das ErmittlerInnen-Duo – zahlreiche Hürden überwinden, konfrontiert uns mit undurchschaubaren Gesellen und Bedrohungen, fanatischen Fraktionen und etlichen Hintergründen.
Neben der Protagonistin sorgen einige andere Charaktere für Abwechslung und Neugier: Arik Draven – total schräg, ein wenig verpeilt und, obgleich er ein engagierter Detektiv zu sein scheint, den sogar höhere Instanzen wertschätzen, wird er von anderen seiner „Art“ vehement gemieden. Je mehr Eindrücke wir von dem mysteriösen Spezialisten bekommen, umso sicherer ist: Er verbirgt etwas.
Unnahbar, loyal, taff und mit einem der seltenen Talente der „Versiegelung“ gesegnet: Gina Monroe. Eine führende Persönlichkeit des Arcyrions und unfreiwillig dazu auserkoren, die neu Eingeweihte zu unterrichten.
Zudem muss sich Kiara mit der ebenso wenig von ihrem Auftauchen begeisterten Neith – insbesondere mit deren unfreundlichem, abweisendem Verhalten – und ihrem außergewöhnlichen Mitbewohner auseinandersetzen.
JedeR war toll gezeichnet, und die Einblicke in ihre persönliche und in die Geschichte – das Kastensystem – von Dreua sorgten für berührende Momente.

Der Verlauf steht nie still, wird nicht langweilig und animiert dazu, mitzurätseln. Wie üblich für Bücher der Autorin existiert ein leichtes, funken schlagendes Knistern, doch der Fokus weicht zu keiner Zeit von Kiaras Entwicklungen, all ihren Entdeckungen und dem Auftrag ab. Lebendig, temporeich und interessant, nicht ohne Ernst, Spannung und Gefühl, begleiten wir die junge Frau auf ihrer ersten Mission, in der sie Überraschendes über das Universum, ihre neuen FreundInnen und über sich selbst erfährt. Evelyne erdachte sich ein recht komplexes, jedoch logisch und griffig dargelegtes System und schlägt mit der Situation der Dreuaner – ihrer Entwurzlung, ihrem Verlust und den Vorurteilen, mit denen die Erde den „Fremden“ begegnet – einen Bogen zu unserer Gesellschaft.

„𝐃𝐢𝐞 𝐒𝐭𝐫𝐚ß𝐞 𝐢𝐦 𝐍𝐢𝐜𝐡𝐭𝐬“ ist quasi abgeschlossen, doch es warten bereits weitere Probleme, die einer adäquaten Lösung bedarfen, Geheimnisse, die gelüftet, und Talente, die gefördert werden müssen. Im Juli erscheint das zweite Abenteuer von Kiara Brocks, Arik Draven und Co.!

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Veröffentlicht am 16.05.2025

Spannende, emotional mitreißende, queere High-Fantasy

Faebound
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„Faebound: Divided by Blood“ ist der Auftakt der Fantasy-Trilogie „Battle of the Drumfire“, in der uns eine Welt erwartet, die durch Krieg und Uneinigkeit, Lügen und Mythen gesplittet wurde.

Einst schufen ...

„Faebound: Divided by Blood“ ist der Auftakt der Fantasy-Trilogie „Battle of the Drumfire“, in der uns eine Welt erwartet, die durch Krieg und Uneinigkeit, Lügen und Mythen gesplittet wurde.

Einst schufen drei Götter die Elfen, Menschen und Faes.
Während die Menschen keine Rolle mehr spielen und die Fae, als blutrünstiges Volk besungen, als ausgestorben gelten, leben die Elfen in einem kriegerischen, machthungrigen Reich, in dem die Gesellschaftsschichten klar, Armut, Ungerechtigkeiten und Kindersoldaten allgegenwärtig sind.

Yeeran, stolz auf ihren neuen Rang, doch unzufrieden mit den herrschenden Bedingungen, trifft gleich an ihrem ersten Tag als Colonel eine verhängnisvolle Entscheidung, die nicht nur zahlreiche Leben kostet, sondern auch all das, was sie sich eigenhändig aufbaute. Statt Exekution wird sie alleine ins Exil geschickt und als Ausgestoßene gezeichnet …
Lettle, eine Seherin und das komplette Gegenteil der Soldatin, ist nicht bereit, dieses Urteil zu akzeptieren, und macht sich erst unfreiwillig, letztlich gemeinsam mit dem ehemaligen Oberst Rayan, auf die kräftezehrende Suche nach Yeeran. Doch die Wiedersehensfreude währt nicht lang, bevor die drei in die Fänge der Fae geraten und alles, woran sie glaubten, wofür sie kämpften, plötzlich nichtig, falsch erscheint …

„Faebound“ wird aus wechselnder Perspektive von Lettle und Yeeran erzählt, sodass wir einen guten Eindruck der ungleichen Schwestern, ihrer gegensätzlichen Empfindungen und Überzeugungen bekommen. Zudem lässt uns die Autorin manche Situationen aus beiden, somit verschiedenen, Blickwinkeln erleben, was dem Geschehen und den Figuren eine unerwartete Tiefe verleiht. Mit dem Auftauchen der Fae erhält die Storyline eine Spannungskomponente, die die Neugier anheizt, den Horizont der Elfen auf ungeahnte Weise erweitert und zahlreiche Überraschungen parat hält. Dass Yeeran erneut nur knapp dem Tod entkommt, ist Pila zu verdanken. Doch vor einer Strafe kann der charmante Obeah die Kriegerin nicht bewahren.

Saara El-Arifi führt uns in malerischen, klaren Zügen, häufig von einer bedrückenden, bedrohlichen Atmosphäre begleitet, durch ihre oft aufwühlende Geschichte, in der wir vordergründig das Reich der Fae, Mosima, ihre Lebensumstände und die Politik kennenlernen, ihren Zorn und die harten Bedingungen sehen. Der direkte Ton unterstreicht die jeweiligen Emotionen und Sequenzen, während die Stimmung den Umständen entsprechend wankt – wir spüren nagende Panik und Trauer, Hoffnung und das Schwinden dieser. Schwere Tristesse und leichtes Glück. All die Geheimnisse, die ungeahnten Wahrheiten und auch die Gefahren, mit denen Yeeran, Lettle und Rayan konfrontiert werden, waren vorstellbar und interessant in die im Kern abwechslungsreiche Handlung eingebettet. Auch in Sachen Worldbuilding punktet die Autorin, war dieses komplex, jedoch griffig ausgearbeitet. Die Szenen über die „Entstehungsgeschichte“ der Spezies, Informationen über die Mythologie sowie die Naturverbundenheit der Fae samt der magischen Komponenten gaben der Handlung eine mystische Note.
Es war leicht, einmal angekommen, zur Gänze in das Geschehen einzutauchen, sich mitreißen zu lassen, die einzelnen Figuren, ihre Intentionen und ihre Wahrheiten hinterfragen und ergründen zu wollen.
Neben den drei Elfen gibt es weitere wichtige, detailreich ausgearbeitete Charaktere – bspw. die unnahbare Furi, den aufgeschlossenen Prinzen Nerad, Stylist Golan und Komi, der dem Rausch nie abgeneigt ist – die den Verlauf mit Individualität bereichern, ernste und humorvolle, informative, spannende wie romantische Momente schaffen. Feindseligkeit versprühen und für anhaltendes Misstrauen sorgen. Denn so eng die Dynamik der Faes auch wirkt, Geheimnisse, Uneinigkeit und Intrigen schwelen im Inneren des Volkes …

Trotz der Ausweglosigkeit, in der sich die „Neuankömmlinge“ befinden, der ihnen zuteil werdenden Ablehnung, trotz der Prüfung, die vor Yeeran liegt, und ihrem Plan, dem Gedanken an Flucht, trotz unheilvoller Prophezeiungen, Schuld und Angst: knistert es – und zwar doppelt. Die Autorin kreierte u. A. eine der seltenen, echten Enemies-to-lovers-Romanzen, voller Hass und Vorsicht, voller Wanken zwischen Gefühlen und Stolz. Und doch nehmen die beiden Slow-Burn-Lovestorys zu keiner Zeit überhand, weben sich perfekt in die Storyline – und in LeserInnen-Herzen.

Band eins der „Battle of the Drumfire“-Trilogie beinhaltet rührende Augenblicke, wütende Ungerechtigkeit, Tragik, Tod und Twists. Abgesehen von Krieg und den verhärteten Fronten, dem Streben nach Macht und den aus Angst und Unterdrückung erschaffenen Vorurteilen hat die Autorin ihre High-Fantasy-Serie auch mit ihrem genderneutralen Stil in die aktuelle Zeit geholt. Zudem dürfen wir POCs, Queerness und Handicaps als Normalität statt Besonderheit erleben. „Faebound“ fesselt nicht mit Action und Kampf, sondern mit zarten Tönen, vielschichtigen Charakteren und Mysterien. Fasziniert auf ganz eigene Art. Am Ende holt uns ein Abschied, ein Cliffhanger, zurück in die Realität, der gebannt auf die Fortsetzung warten lässt.

Auch sei gesagt, dass die Hardcover-Ausgabe wunderschön aufgemacht ist und mit Details wie etwa einer farbigen Karte, einem Glossar und einem Namensregister bestückt wurde.

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Veröffentlicht am 06.05.2025

Unglaublich intensiv und eindringlich.

Kein Ort dieser Welt
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„Kein Ort dieser Welt“ erzählt die Geschichte von Fiona – erzählt eine Geschichte, die dir und mir passieren kann, die tausenden Menschen – so oder so ähnlich – passiert ist. Vor allem aber lässt uns Marie ...

„Kein Ort dieser Welt“ erzählt die Geschichte von Fiona – erzählt eine Geschichte, die dir und mir passieren kann, die tausenden Menschen – so oder so ähnlich – passiert ist. Vor allem aber lässt uns Marie Döling fühlen – hautnah und echt. Denn dieser Coming-of-Age-Roman behandelt in einfühlsamen, eindringlichen Tönen Themen, die real sind. Themen, über die gesprochen werden sollte, immer wieder, die Aufmerksamkeit brauchen, denen Gehör geschenkt werden muss.
Mobbing, physischer und psychischer Misbrauch, sxuelle Belästigung und Übergriffe, (versuchte) Vergwaltiung (…)

Fiona gehörte noch nie zu den coolen Kids, doch seit ihr Vater die Familie wortlos verlassen hat, ist sie allein: Die Mutter teilnahmslos, das Verhältnis zu ihrem Bruder nicht mehr existent und auch ihr bester Freund hat sie, ohne einen Grund, im Stich gelassen. Und nicht nur das: Jeder einzelne Tag, der sie in die Mauern der Schule führt, gleicht einer Tortur, einem Spießrutenlauf und Versteckspiel. Neben klassenübergreifender Ignoranz und verletzenden Sprüchen sind es drei Schülerinnen, die Fiona triezen, treten, schlagen, bespucken (…)
JedeR schaut weg, jedeR ist TäterIn. Jeder Mensch ist schuld, dass Fi die heißen Sommertage in dicken Hoodies verbringt, dass ihr Mut und Selbstwert fehlen, in ihr Angst und Resignation regieren. …
Es ist ein Abend, eine Party ihres Bruders, der Fionas Leben ändern soll – auf so viele Arten.

Dölings Stil ist eindrucksvoll, poetisch und sanft, führt uns direkt in Fionas Inneres, lässt uns Teil ihrer Gedanken, ihres Alltags werden, ein Teil von ihr sein. Ihrer Pein. Ich fühlte, litt mit der jungen Frau, erkannte mich wieder, hasste. Und gleichzeitig kam ich nicht umhin, die Schülerin zu bewundern, für jene Momente, in denen sie Hilfe gab, obwohl sie selbst keine bekam, in denen sie hinsah – schauten bei ihr doch alle weg. Für ihre Stärke. Ihre Vergebung und den Wunsch, besser und mehr zu sein als ihre PeinigerInnen. Reflektiert, deutlich und sich zu keiner Zeit der Versuchung hingebend, „zu vergeben und zu vergessen“, ist Fiona bereit, Hände zu reichen, Neues zu schaffen.
Wir begleiten zwei komplett verschiedene Mädchen dabei, wie sie ein zartes Band der Freundschaft knüpfen, erbaut auf einer hassenden Vergangenheit, begonnen durch Schrecken; wie sie in sich selbst und ineinander etwas finden, das so viel wertvoller ist als Ansehen und Beliebtheit. Während die Ereignisse tragisch echt vorangehen, lernen wir verschiedene Figuren kennen – begehrte Sportler, eine eingeschworene Clique – und sehen Fis auftauen und ankommen. Atmen Wohlfühlaugenblicke, nächtliche Ruhe und erste Schmetterlinge. Doch die Wahrheit lastet schwer. Und Schweigen hat eine Bedrohung noch nie aufgehalten …

„Kein Ort dieser Welt“ macht wütend, bewegt und schockiert. Denn trotz schöner Momente und dem Anschein von Leichtigkeit klingen Melancholie und Vorsicht, nagende, jahrelang geschürte Zweifel nicht ab. Die Handlung wird nicht nur von sich verändernden Dynamiken und inneren Entwicklungen begleitet, sondern auch konstant von Schwermut und unguten Vorahnungen, Magengrummeln. Von Gedichten, die sich festsetzen und etwas zum Klingen bringen. Die fühlen lassen. Gab es im Text selbst einige Fehler, war das Ende im Vergleich zu den vorangegangenen Geschehnissen regelrecht abrupt, ist der Plot selbst hervorragend konzipiert, quillt über vor Tiefsinn und Wahrheit. Bittersüß, schmerzlich. Das Nachwort ist eines von denen, die gelesen werden müssen, die dazugehören. Das einen Abschluss bildet, der Fionas Geschichte von den Buchseiten in die Realität zerrt.

Marie Döling hat darauf verzichtet, die sensiblen Inhalte zu romantisieren oder durch ein Verzeihen abzuwerten. Fiona ist nicht der Typ Mädchen, dem eine Entschuldigung reicht, um zu vergessen. Und wir, wir sollten auch nie vergessen.

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